Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1924-07-11 · 28 (11.7.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
28 (11.7.1924)
Date
1924-07-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2629891-2630051-2630078--1498-2633266
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

יייוי!יי^ *^IWWIMfpi^ ^pWJt)f.fllJi«|׳IP^»Wi»<W/.i'*lf,l:Jjp4W!i'11 f>^W|p1<m-f V. b. b. ünivorsitä töbiblioth^ I•/ Franzonsring. ° “dk׳ ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100 000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: Posts Nr. 13.458; für Polen: Postsparka Nr. 190.40Ö; für Ungarn: Postspark Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217; f. Rumänien: Banca Marmari 8: Co, Bukarest; für die Schweiz: Po parkassenamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto cassenamt Budapest, Konto : Postsparkassenamt Prag, Postsp.>Amt Agram,Ko.N. »sch Blanc 8c Co für Plorenz stscheckk. Luzern VII. 1470. Mp. 28 Wien-Bratislava, li. Juli 1924 .ב*ה דענה־םרעםסבורג כר תמוז תיפ׳ד IO. Jahrg. Märtyrerblut.! i Im ersten wilden Schmerze über die entsetz- | liehe Tat, der einer unserer Mutigsten zum Opfer j gefallen ist, entrang sich dem aufgewühlten Herzen der Ruf nach Sühne. Sühne für das unschuldig vergossene Blut, das den Boden des heiligen Landes getränkt hat; Sühne für ihn, den meuchlings Hingestreckten, der nach ehrlichem Ringen und Kämpfen sich zur reinen Höhe einer grossen Idee emporgeschwungen hatte und über den sich nun mit so grausamer Plötzlichkeit die Todesschatten senkten ... So begreiflich auch dieser wilde Aufschrei gequälter ׳Herzen ist, so menschlich verständlich der leidenschaftliche Ausbruch des beleidigten sittlichen Empfindens — wir wollen ihm kein Gehör schenken״ Wir wollen uns bemühen, mit zusammengebissenen Zähnen unseren Schmerz hinunterzuwürgen und uns nicht in den Taumel wilden, leidenschaftlichen Hasses hineinzerren lassen. Der Mord an de Haan ist uns vielmehr ein furchtbares Momento ׳dafür, bis zu welch tiefem sittlichen Verfalle es mit einer Gemeinschaft kommen muss, die sich den Orgien des Hasses zügellos hingibt. Noch nie ist dem Hasse Heil entsprossen und die ihn züchten, leiden vielleicht am meisten unter seinen Folgen. Auch jene -Kreise, die durch diesen letzten, fluchbeladenen Triumph des Hasses, durch die Beseitigung eines ihrer gefährlichsten und zielsichersten Gegner, einen scheinbaren Erfolg errungen haben, werden es bald erkennen müssen, dass das Andenken an den toten Kämpfer ihrer Sache grösseren Abbruch tun wird, als es der Lebende je vermocht hätte. Gerade jene politischen Faktoren, die angeblich durch de -Haans Wirken1 in ihrer antizionistischen Haltung bestärkt wurden, werden es nie unterlassen, den Mord an de Haan als Beweis für ihre Behauptung anzuführen, dass im neuen Palästina terroristische Methoden an der Herrschaft sind. Man hat also wahrlich keinen Grund, an der Aufrichtigkeit jener zionistischen Stimmen zu zweifeln, die das Attentat als ״unzionistisch“ verdammen. Uns aber, die an de Haan einen überzeugungstreuen, unerschrockenen, aufopferungsvollen Kämpfer Die Sportepidemie und die jüdische Jugend. Von Wilhelm Eckleld. Es gibt auch geistige Epidemien. Pie!Bazillen, ducrh welche diese hervorgerufen werden, sind gewisse Schlagworte, die ungeprüft angenommen und kritiklos weiter verbreitet werden. Ein solcher moderner Schlagwort-Bazillus ist der in der letzten Zeit so häufig •aufgetischte von der ״!Ertüchtigung der Jugendcc und der von Max Nor-dau geprägte vom ,,Muskeljud-enitum‘‘. .,,!Dem Vaterlande muss ein!starkes Geschlecht erzogen!werden“, Haren wir heute allerorts. .Hur -in einem gesunden Körper wohnt eine gesunde Seele“, tönt es uns überall entgegen. Uns Juden -mit unserem so überaus stark entwickel׳־ ten Familiensinn, mit unserer ׳gewöhnlich übertriebenen Zärtlichkeit unseren Kindern gegenüber, braucht man die Notwendigkeit der Fürsorge für das körperliche Gedeihen unserer Nachkommen wahrlich nicht erst ausdrücklich zu betonen. Aber abgesehen hievon wollen wir untersuchen, ob die Mittel, die uns zur ״Ertüchtigung unserer Jugend“ — wie die (Phrase lautet — empfohlen werden, auch wirklich die zweckentsprechenden sind. Sportausübung ist das neueste Allheilmittel, das wir in diesem Zusammenhänge im Chor von allen Seiten gepriesen bekommen. Der Begriff vom Sport, der aus England neuerlich zu uns gebracht worden ist, waT eigentlich sahon im Altertum bei den Kampfspielen der Griechen und im Mittelverloren haben ,erwächst die gebieterische Pflicht, noch enger zusammenzustehen und nicht mit den Händen Esaus, sondern mit der Stimme Jakobs, durch Aufklärung und Ueberzeugung für die Lebensnotwen-digkeiten der Orthodoxie in Erez Jisroel und im Golus mit Mut und Ausdauer zu wirken. Das Leichenbegängnis Prof, de Haans. Jerusalem. (A. J. P. B.) Die Bestattung Prof, de Haans fand unter riesiger Beteiligung der thoratreuen Judenheit vom Schare Zedek ,Hospital, statt. Vor der Bahre gingen die Zöglinge der sephardisehen und askenasischen Talmud Tltoras und des Diskinischen ■Waisenhauses. Nachdem ein Vertreter der palästinensischen Regierung dem Beileid derselben Ausdruck gegeben hatte, hielten Oberrabiner Sonnenfeld und der holländische Konsul Trauerreden. Dann setzte sich der Zug in Bewegung. Beim Beth Jakob Viertel hielten Rabbi Mordchei Leb Rubin, im Namen der Amsterdam r Pekidim und Amarkalim Rabbi Jonatan Benjamin :Horowitz, und im Namen der aschkenasischen Gemeinde Rabbi Ruwen Sehelomo Jungreis Trauerreden. In Mea Schearim sprach Rabbi Mosche Blau i!m Namen der palästinensischen Landesorganisation der Aguda und Rabbi Raphael Katzenellenbogen im Namen der Zeirei Agudas Jisroel und der Redaktion des Kol Jisroel. Aus allen Trauerreden klang die*'!:rbitternng der Orthodoxie über das ruchlose Verbrechen heraus. Interpellation im englischen Unterhause wegen der Ermordung Prof, de Haans. London. (A. J. P. B.) Im Unterhause hat Howard Burley am 4. d. M. eine schriftliche Interpellation eingebracht, worin das Collonial Office gefragt wird, ob es von der Ermordung Prof. Dr. de Haans Kenntnis habe, welcher die zionistische Politik in Palästina stark bekämpft hatte und gerade im Begriffe gewesen sei, nach London zu fahren, um Bedenken Unseren Gegnern möge aber aus dem unschuldig vergossenen Blute die Saat der Erkenntnis aufgehen, dass die Söhne der totgesagten thora-treuen Judenheit die Kraft haben, für ihre Ideale nicht nur kampifreudig zu leben, sondern auch den Märtyrertod zu sterben. P. gegen die von der englischen Regierung vorgeschlagene palästinensische Gemeindeordnung zu erheben, welche die orthodoxen Juden unter zionistisehe Herrschaft stellen wird. Der Abgeordnete fragt ferner an, ob die Regierung alles veranlasse, um den .Mörder habhaft zu werden. Highkommissionär Sir Herbert Samuel über den Mord. London. IA. .1. P. B.) Sir Herbert Samuel hat Zeituiigskorrespondcnteii gegenüber folgende Erklärung abgegeben: Ich bin ausserordentlich erschlittert über die Nachricht des Mordes an Dr. de Haan. Es ist ein sehr unglückliches Ereignis. Protest der Agudas Jisroel in England. London. (A..). P. B.) Die Exekutive der englischen Agudas Jisroel drückt ihre Abscheu aus über den ruchlosen Mord, an ihrem Kollegen Prof. Dr. J. I. de Haan, in Jerusalem. Sie ist überzeugt, dass die palästinensische Regierung alles in ihrer Macht Stehendes tun wird, um den Ursprung des Verbrechens nachzuspüren und die Verüber des feigen Meuchelmordes zu bestrafen, den sie dem Geiste des Hasses und der Feindschaft unter jüdischen Brüdern zuschreibt, wie er von der zionistischen Prese gegen die orthodoxe Judenheit ausgesät wird. Stellungnahme der palästinensischen Aguda. Jerusalem. (J. T. A.) Laut der Palästinensischen Telegraphen-Agentur hat die Agudas-JisroeDOrganisation in Jerusalem in der Angelegenheit des Mordes an Dr. de Haan am .ל. Juli der palästinensischen Realter bei ■den Turnieren bekannt. -Man versteht darunter eia im Freien ausgeübtes belustigendes Spiel zur Förderung körperlicher Leistungen׳, bei welchen der Ehrgeiz durch den Wettkampf zu aussergewohnlichen Taten aufgestaci'.cU wird. Dass die Körperkraft und der Mut auch bei uns Juden als Vorzüge stets gebührend eingesohätzt worden sind, beweisen schon die diesbezüglichen Erzählungen von König Dvid und von Simson hagibor. Aber das Judentum hat die rohe Kraft niemals überschätzt, wie es bei anderen Völkern geschah. Die brutale Kraft war niemals das Ziel jüdischen Ehrgeizes. Nur die Stimme wendete Jakob stets an — die Hände blieben immer Esau’s Hände. Sagt ׳ doch der Psalmist selbst: Lau bachajil wlau bakauach ki im beruchi amar adonai zwoaus. ״Nicht! dmch Herr und nicht durch Kraft, sondern durch meinen I Geist spricht der (Herr der (Heerscharen!!‘‘ Sozusagen als der Inbegriff des Sportlichen wird in der Welt gegenwärtig der Fussballsport betrachtet. Er *5i der populärste Sport. Selbst unsere orthodoxe Jugend ist von der Fussballsportseucbe ernstlich bedroht, ja, der nicht genügend widerstandsfähige Teil derselben von ihr bereits ■ergriffen!. Jedenfalls bildet diese bedauerliehe Erscheinung schon Grund genug, um zu ihr Stellung zu nehmen. Ist dieser Sport für die jüdische Jugend die geeignetste Betätigung, die!würdig ist, dass sie ihr die freie Zeit, ihr Sinnen und Trachten, ihre Leidenschaft, ihre Begeisterungs- und Hingebungsfähigkeit, ihren Idealismus opfert? Wahrlich, man braucht die 'Frage nur auf zu werfen, um sich die Antwort sofort selbst geben zu können. Roheiten aller Art, -Prügeleien, ja selbst ernstliche Verbtzungen stehen selbst bei den erstklassigen öffentlichen Fussballspi-elen an -der Tagesordnung, -durch: die sich jeder Kulturmensch abgestossen fühlen muss.!Und wie steht es mit den angeblichen gesundheitlichen Vorteilen des Fussballspieles? Jeder gewissenhafte Arzt wird uns erklären, dass die übermässige Ausbildung einzelner *Organe des Körpers auf Kosten anderer gesundheitsschälich;st, und dass organische Fehler, wie Herz- und!Lungenkrankheiten bei •den Spielern sich häufig ausbilden. Von Verkrüppelungen, die nicht selten infolge Unfällen beim Spiele entstehen, gar nicht -zu reden. Freilich leben wir heute in .einer abnormalen Zeit, m der der Sport sozusagen zum ״guten Ton“ gehört und in der die überwiegende Mehrheit der!Menschen׳ vom Sport!wahne besessen ist. Zehntausende Menschen! drängen sich in ihren freien Stunden als zahlende Zuschauer zu den Plätzen, auf welchen die sportlichen! ׳Wettkämpfe ausgetragen werden. Und dies nicht allein in ׳Wien, sondern in allen Städten Europas, ja fast in allen der Welt. Sonst ernste Zeitungen bringen, um dem Geschmack ihrer Leser entgegen zu kommen, täglich spaltenlange Berichte über die Spiele mitunter mit den Bildnissen der Spieler. Ueberhaupt wird ein wahrer Kult mit ■den hervorragenden Spielern getrieben. Monographien werden über sie geschrieben und Ansichtskarten mit ihren mehr oder weniger sympathischen, mehr oder weniger intelligenten Konterfeis werden in zahllosen Geschäften verkauft. Uebrigena Die grösste internationale Kunstwerkttätte für Perücken, Scheitel und Cransformationett €» gro$ — cw detail / Billigte fittiunrttqxfHc / Dt? KmtH »nfl 9u$ garam. flxxerflctpcntca Bat■ rpaar Cttfert »eit »ebr «I» •■flertbalb Jabrxcbaita de« 90raebN»te1 orthodoxe! Daaei aller Hader Perfekt« SaesialUt _ i« BraitrScbcltelR. Diese »erde» der midcbeafrisxr mit ccrblfiffeader XIxscbvBa aacbaeNacbt« " Qi dpi Trrefibrxag n »cbitxea, bitte dea OoraaNc» OTHMAft aad die Jidrwc gcaax xa beachten יד• Die Ermordung Prof. Dr. de Haan’s. Ottmar Schill —===== Vien 1. —— ftirataerrtna Dr. 0 (g«s»l»«r «tu *et« Ma«), w. «■3״«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.