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Jüdische Presse · 1927-07-04 · 27 (4.7.1927) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
27 (4.7.1927)
Date
1927-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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MjLrnuMmmmmm Seite 180 Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Ghiffone, sowie m Taschen- und Tischtüchern etc. Leepold Lederer stiege’ 5 (nächst Salxgries), Telephon 66-8-71 Die thoratreue Judenheit darf also mit dem Ausgang der Wahlen in Polen recht zufrieden sein. Aber wir dürfen in der Siegesfreude auch die ernsten Lehren nicht vergessen, die uns der Wahlkampf bietet. Da ist vor allem das eine hervorzuheben, dass sich wiederum gezeigt hat, dass es heute kein Ereignis mehr im Leben der jüdischen Gemeinschaft gibt, dem nur lokale Bedeutung zukäme. Es gab eine Zeit, wo die Wahlen in die Kehillohstube eine!sehr interne Angelegenheit der ׳betreffenden Gemeinde waren, wenn nicht gar zu einem Streit persönlicher Eitelkeit zwischen ehrgeizigen Balebattm herabsanken, für den Aussenstehende4 höchstens einen guten Witz übrig hatten. Diese Zeiten sind vorüber. Die angespannte Aufmerksamkeit, mit der die ganze jüdische Oeffentiichkeit den Verlauf der Gemeindewahlen ■in Polen verfolgte, kann als Gradmesser dafür gelten, welche Wichtigkeit einem solohen, früher sonst recht gleichgültig aufgenommenen Ereignisse in der Gegenwart beigemessen wird. Auch die jüdische Kehilloh ist in das grelle Licht der jüdischen Parteikämpfe gerückt, und hinter dem Kampf um ein paar Vorstandsmandate spielt sich ein Ringen zwischen Weltanschauungen ab, dessen Ausgang für weite Kreise der Judenheit von entscheidender Bedeutung sein kann... An dieser Erkenntnis von der weit- und tiefgreifenden Wirkung aller Geschehnisse im jüdischen Leben dürfen wir es uns aber nicht genügen lassen. Ihr muss die Tat folgen, die zielbewusste Tat, die sich nur in der Richtung bewegen kann, die Möglichkeiten zu schaffen, um all das, was in getrennten Kreisen der thoratreuen Judenheit geschieht, sei es nun Abwehr- oder Aufbautätigkeit, aus seiner Isoliertheit zu lösen und in Zusammenhang und Einklang zu bringen mit den Forderungen des gesamten thoratreuen Judentums ׳Agudas Jisroel, die ja letzten Endes nur ־die organisatorische Verkörperung dieses Gedankens ist,!muss das Band, das alle thoratreuen Glieder des Judentums umschliesst, noch enger knüpfen, muss die einzelnen Gruppen der Orthodoxie zu noch festerer Einheit zusammenschweissen, um so den Arewusgedanken in seiner reinsten Form und strengsten Forderung zu verwirklichen. Wie gross die Wichtigkeit eines solchen festgefügten organisatorischen Zusammenhanges ist — dafür bieten die Kehillohwahlen in Polen lehrreiche Beispiele. Es zeigt sich nämlich, dass die Orthodoxie in Russisch-Polen besonders glänzende Erfolge erringen konnte, während sie in Galizien weniger gut abgeschnitten hat. Unsere Brüder in Galizien besitzen gewiss nicht weniger Ueberzeugungstreue oder weniger Verständnis dafür, wie wichtig es ist, dass der altjüdische Charakter der Kehilloh auch in Zukunft nicht verfälscht werde. Aber da Agudas Jisroel in Galizien noch nicht so weite Kreise erfasst hat wie in den übrigen Ländem und speziell in Russisch-Polen, so fehlte der feste Stützpunkt, der den Thoratreuen Richtung und Weg gewiesen hätte, und die Orthodoxie trat nicht mit jenem Eifer in die Bresche, an dem die Angriffe der Gegner restlos hätten zerschellen müssen. Wenn die Lehren des Wahlkampfes, die heute so offen zutage liegen, auch in Zukunft nicht vergessen werden, dann wird der Sieg der Orthodoxie von doppelter und dreifacher Bedeutung sein. Ihm kann Heil entspriessen für das ganze Judentum... beseligend es sei, sich nur gläubig der Auffassung hinzugeben, die er mit glühenden Worten vertreten, das entging mir nicht. Auch erkannte ich, dass es ihn schier schmerzlich zu berühren schien, wenn ich seinen mit hinreissender Beredsamkeit vorgetragenen Reden oft nur ■ein kühles Wort entgegensetzte, das aber, meines Erachtens, den ganzen Bau seiner Auseinandersetzungen ins Wanken brachte. Mir tat es wehe, dem gütigen Freunde Israels Schmerz zu bereiten; aber durfte ich schweigen, wo mein Schweigen Verrat an meinem Glauben bedeutet hätte, Verrat an dem, was mir als ■unerschütterliche Wahrheit galt? Nie werde ich vergessen, welche Wirkung es auf den Priester machte, als er mir in einem seiner kostbarsten Manuskripte — aus dem Werke eines gefeierten Kabbalisten, vor dem sich unsere grössten Rabbiner in Ehrfurcht beugen — triumphierend einen Satz zu lesen gab, der in der Tat für seine Ansicht zu sprechen schien. Sofort erkannte ich. dass hier die dreiste Fälschung einer verwegenen Hand vorliege, ©ine Fälschung, die durch Hinweglassung einiger Worte entstanden. Meine einfache Behauptung: das ist eine Fälschung! hätte, das kann ich mir denken, kaum genützt. Aber ich war an der Lage, nicht nur darauf hinzuweisen, dass die fehlenden Worte in allen älteren Handschriften enthalten seien, sondern konnte glücklicherweise sofort aus dem vorliegenden Manuskript selbst den zwingenden Beweis der Fälschung erbringen. Der Geistliche war erblasst. -. (Fortsetzung folgt.) JÜDISCHE PRESSE Das Dementi. ׳Warum soll ich heute nicht einmal über ein Dementi! schreiben? Es ist der 1. Mai. Ein herrlicher, voller Sommertag. Die jüdischen Arbeiter arbeiten heute nicht. Und unser kleiner Mohammed muss uns das Wassel* bringen. •— Und so!nehme ich die Feder ruhig zur Hand und schreibe ״Ein Dementi“. Wie geht doch die Zeit dahin! \ So etwas fängt ganz unschuldig an. Dienstag, den 11. März habet! die Abgeordneten ,Palästinas König Hussein von Hedschas in seinem Lager Schune Nimrini zum Kalifen ausgerufen. Im Anschluss an die Feier empfing mich der König und auf meine Frage, welche Politik er in Zukunft mit der zionistischen Organisation! zu treiben gedenke, mir geantwortet: ,,... Und da ich, die gegenwärtige areligiöse zionistische Bewegung als ein Unrecht gegenüber Mohammedanern, Christen und orthodoxen Juden ansehe, fühle ich mich als Diener der Gerechtigkeit verpflichtet, die gesamte mohammedanische Welt gegen die^ augenblicklich unreligiöse zionistische Organisation zu organisieren und mobilisieren. Verschiedene arabische Journalisten haben mich in Schune interviewt und so ist diese Erklärung des Königs! in verschiedenen arabischen Blättern erschienen. 1 Die Zionistische Exekutive hat an alle zionistischen Blätter darüber eine offizielle Mitteilung zugehen lassen. Das deutsche Zionistenblatt ״Jüdische Rundschau“ schrieb darüber einen Artikel: ״König Hussein und die Agudas! Jisroel. Ein Dementi.“ Danach habe Kolonel Kisch ein offizielles Dementi gefordert. Und solches auch erhalten. Das im El Sheik el Arabi abgedruckte offizielle Communiquee lautet unter anderem: ״Die Nachricht, die in der Zeitung ״Felestin“ Nr. 4662 vom 14. März bezüglich einer sogenannten Erklärung S. M. des Kalifen an die jüdische Delegation erschien, entbehrt aller Wahrheit.“ Es wird wohl niemand geben, der glaubt, dass ich1 solch eine wichtige Erklärung aus den Fingern gesogen habe. Und so haben gemässigte zionistische Blätter geschrieben, dass hier doch irgendwie ein Missverständnis vorliegen müsse. Die Sache ist die: Letzten Februar besuchte eine Delegation der Agudas Jisroel den König und über diesen Besuch gab die Aguda ein offizielles Communique heraus. Darin wird von einer derartigen Erklärung des Königs mit keinem Wort berichtet. Ich' selbst war Mitglied dieser Delegation der Agudas Jisroel und ich kann versichern, dass eine derartige Erklärung abgegeben wurde. > Ungefähr acht Tage später hat man den König zum Kalifen ausgerufen. Ich war als geladener Gast persönlieh dabei anwesend und m i r hat der König diese Erklärung abgegeben. So schreibt die ״Jüdische Rundschau“ vollkommen zu unrecht: ״König Hussein und die Agudas Jisroel.“ ( Bei dieser Unterhaltung war Minister Fuad el Khatib überhaupt nicht anwesend. Nun frage ich: Was mag wohl die Ursache dieses Missverständnisses sein? Warum hat man das Telegramm von Kolonel Kisch an Fuad el Khatib nicht veröffenU licht? Und warum nicht den Brief von Kisch an fEl Kathib? Die arabische Presse behauptet, der Brief des Kolonel Kisch müsste auf die Zionisten einen unangenehmen Eindruck machen und darum habe man ihn nicht veröffentlicht. Lissan el Arab schrieb, dass nach aus Mekka stammenden Informationen Kolonel Kisch den Brief von Fuad el Kathib ohne Erlaubnis veröffentlicht habe und dass der hedschasische Minister auf Veranlassung des Königs deshalb alle seine, Beziehungen zu Kolonel Kisch ab■! gebrochen habe; sagt Kisch: ״Ich hatte das Recht zui* Veröffentlichung.“ Aber in welcher Form diese Erlaubnis verlangt und erhalten wurde, sagt er nicht. Und wenn wir das ganze Dementi lesen, welche Bedeutung hat es dann noch? Der Minister sagt, de^ König habe diese Erklärung nicht abgegeben. Aber ei* sagt nicht, dass sie des Königs Meinung nicht wieder-' gebe. Im Gegenteil: Seit dem Besuch der zionistischen Delegation unter politischer Leitung des Kolonel Kisch habe sich des Königs Meinung nicht geändert. Damald erklärte der König, dass alle Juden in allen arabischen Ländern willkommen seien, aber nur auf dem Boden der Gleichheit. Unter den arabischen Ländern ist Palästina inbegriffen. Wo erhält man den wirklich naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz Balla, ist es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschliessen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Bailag Wien, IV., Gusshausstrasse 26 Telephon 58-9-12 Nr. 27 An unsere P. T. Abonnenten ln Ungarn! Dieser Nummer •iud Fosterlagsoheine für Ungarn beigelegt. Natürlich hat so ein Dementi doch etwas Wertj Man kann zur Meinung kommen, dass Kolonel Kisch bei Fuad el Kathib Einfluss besitzt und dass der Ministe» des Hedschas der zionistischen Organisation gerne entgegenkommen will. Derartige, politische Erfolge sehen viele Zionisten ausserordentlich gerne, da sie am politisehen Charakter die Marke der gegenwärtigen zionistisehen Bewegung sehen. ״Kolonel Kisch hat ein Dementi gefordert,“ schreiben die zionistischen Blätter recht zufrieden. Es ist warm und ausserdem der 1. Mai. Wollen, wir drum doch verständig sein und den Wert solcher Dementis und Zusagen nicht überschätzen. Hier sind wir im Osten. Nach beiden Seiten macht man Zusagen. Nach beiden Seiten dementiert man. Das ist nicht Lüge und Schlechtigkeit. Es ist nur die Sprache des Landes. Sind wir von der Anständigkeit all der Menschen überzeugt, die wir mit ״Sehr geehrter Herr“ anreden? Sind wir all den Menschen so sehr ergeben, denen wir am ,Ende des Briefes schreiben: ״Ihr ergebener“? ,Vielleicht geht man im Osten etwas zu weit damit. Ist ein General ein schlechter Mensch, wenn, er seine Truppenbewegungen verschleiert? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem falschen Dementi und einer versteckten Kanone? Zum Beispiel: Die offiziellen Beziehungen zwischen König Hussein und den französischen Autoritäten in Syrien sind schlechte. Die französischen Behörden haben verboten, syrische Delegationen an König Hussein zu senden. Briefe und Telegramme werden nicht durchgelassen. Die Mo« hammedaner dürfen des Königs Namen in ihren Gebeten als Kalifen nicht nennen. Natürlich schreibt die arabische Presse über diese schlechten Beziehungen. Da plötzlich kommt ein offizielles Dementi. Die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Hedschas sind gar nicht schlecht. Und all das, was in Syrien geschieht, ist das Werk kleiner, unbedeutender Ortsbeamten. Das Dementi von Fuad el Kathib hat natürlich in den nationalen arabischen Kreisen einen bösen Eindruck gemacht. ״Das hat Abdullah getan,“ sagen die, die es wissen können. — Ich glaube nicht, dass die Zionisten Emir Abdullah zum Regenten Palästinas wünschen. Aber der Emir scheint zu glauben, Herbert Samuel könne ihm zum Emirat über! Palästina verhelfen, wenn er nicht öffentlich gegen die Zionisten auftritt. Der Erfolg ist: Die Palästinenser misstrauen dem Emir. Fast die gesamte arabische Presse ist deshalb gegen Emir Abdullah. Seine Regierung in Transjordanien ist auch nicht in jeder Beziehung ein Erfolg.' Lord Raglan, der als Major Sommerset in Trans jordanien diente, wird darüber im Oberhaus interpellieren. Auf jeden Fall: hinter dem Dementi an Kolonel Kisch scheint Emir Abdullah zu stehen. Teilweise um den Zionisten entgegenzukommen, teilweise um den Palästinensern eins auszuwischen. Wir, Zionisten in Zion, sehen das Spiel seelenruhig mit an. Wir halten nicht viel davon. Wir lesen die Statistiken. Die zunehmende Immigration und die ebenso stark zunehmende Emigration. In den ersten drei Monaten von 1924 bleibt kein Ueberschuss. Das ist viel, viel wichtiger. Die Palästinenser haben sich natürlich bei diesem Dementi nicht beruhigt. Sie haben dem König Hussein deutlichgemacht, dass auf dieses Dementi wieder ein Dementi folgen muss, andernfalls der König nicht auf die Palästinenser bei der Propagierung seines Kalifats rechnen kann. Und die Palästinenser haben grossen Einfluss. Denn mit Palästina ist innerhalb der arabischen Welt etwas ganz Merkwürdiges geschehen. Früher war Palästina den Arabern ein ganz gewöhnliches arabisches Land. Durch den Zionismus aber ist es anders geworden. Nun sind die Palästinenser so eine Art Märtyrer und streiten für eine gute Sache. Sie haben augenblicklich in Indien und Aegypten Einfluss, und ohne Anerkennung dieser Länder bekommt das Kalifat für Hussein gar keine Bedeutung. Und gerade in diesen beiden Ländern will man den König noch nicht anerkennen,, weil man ihn zu pro-englisch findet. Auf Ersuchen der Palästinenser hat König Hussein seine Erklärung nun an Mussa Kazem Pascha el Hussein, Führer der nationalen palästinensischen Bewegung, erneuert. Ueberall wird es veröffentlicht. Auch die Zionistische Exekutive weiss es. Eine Abschrift, gezeichnet vom Sekretär der arabischen Exekutive, habe ich der Redaktion ״zugesandt. Die Erklärung lautet: ״Ich sehe die zionistische Bewegung als Unrecht gegenüber Mohammedanern, Christen und orthodoxen Juden an. Und als ein Diener der Gerechtigkeit werde ich mich mit aller Macht gegen eine solche Politik stemmen, mit Hilfe der gesamten islamitischen Welt. Diese Erklärung hat Se. Majestät der König Seiner Exzellenz dem Pascha gegeben, nachdem Kolonel Kisch von der Zionistischen Exekutive einen Brief Sr. Exzellenz Scheik Fuad el Khatib, Minister des Auswärtigen, veröffentlichte, womit die Zionistische Exekutive beweisen wollte, dass eine derartige Erklärung nicht schon früher durch Se. Majestät den König abgegeben wurde.“ Gez. Khalib Sakakini. (Aus dem Amsterdamer ״Handelsblad“.) ‘

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