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Jüdische Presse · 1924-06-27 · 26 (27.6.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
26 (27.6.1924)
Date
1924-06-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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,יו^יז׳ייי^׳ס,■ Seite 174 JÜDISCHE PRESSE Nr. 26 nomische Gebarung kümmern, dagegen alles Politisehe und Ver wattungsgemässe der zionistischen Organisattton überlassen wird. Dies lässt wenig Hoff־ nung, dass •es tatsächlich zur!Neutralisierung kommen wird. Man müsste sich endlich darüber klar werden, dass eine Aenderung in diesem Zustande nur eintreten könne, wenn die in Palästina wohnenden Juden emmal darüber ein offenes Wort sprechen, ob und auf welcher Grundlage sie Imigration wünschen, ob es dort, auf heiligem Boden, um die Partei oder um die Sache geht. Das ״Totenstäbchen“. Während der Wahlkampagne zu der jüdischen Gemeinde in Polen, Gezeichneten die radikalen Par- -teien, von den Zionisten his zu den halb-kommunistisehen Bundisten, die jüdische Kehilla als ״Toten- Stübchen“ des jüdischen öffentlichen Lebens. Sie alle wollten nun dieses ״Totenstübchen“ erobern, neues Leben in diese Rumpelkammer bringen, den Geist im ״Totenstübchen“ galvanisieren, ihn modernisieren und aus morschen Ruinen, neues, modernes Leben erblühen lassen. Mit dem Nahen des Wahltages erwachte plötzlieh auch ihre Liebe und ihr Interesse für das ״Totensiübohen“ das bis zu den Wahlen ihnen eine überflüssige und aus fiskalischen Gründen nicht sonderlieh sympathische Institution war. Dabei merkte diese ganze Phalanx jüdisahnationaler, sozialistischer, bundistischer und volkistischer Volksbeglücker und Totenstübohencrwecker nicht, dass ihr plötzlich •erwachtes Interesse für die jüdische Kehilla ein bedeutsames Symptom ist. Ein Symptom dafür, dass ׳ihre neuartigen Institutionen, ihre N a t io n a 1 r ä t e und Nationalversammlungen bankrott geworden und neuartige ״Totenstübchen“ geworden sind, dass sie der gesunde Volksorganismus aus seiner Mitte ausgeschieden hat, und dass auch ihnen nichts anderes übrig geblieben ist, als ins uralte ״Toten- Stübchen“ zurückzukehren, eben in die jüdische Kehilla, die durch die Jahrtausende hindurch der Brennpunkt jüdischen Lebens war und!erst dann ihre Bedeutung verlor, als neue Ritter auszogen, um das 1״ otenstübchen“ zu erobern •und in ihrem Sinne nach zu modernisieren: die Ritter der endgültig!begrabenen Assimilation. Man ist nicht sehr zufrieden mit dem Ausgang der Wahlen. So beklagt sich der Wilnaer ״Tog“ in einer seiner letzten Nummern schwer und bitter. iDer Korrespondent dieses Blattes versucht zwar sich selbst die bittere Pille des Wahlresultates zu vermüssen, indem er erzählt, wie er durch die Oassen Warschaus schlendernd, nichts mehr von den Kehillowählen vernommen habe, dagegen in aller Munde die neuesten Operettenschlager fand. Aber dann bricht der grosse Schmerz doch durch und wehfragend prophezeit der gute Warschauer Korrespondent des ״Tog“ den weiteren Todesschlaf des ״Toten- Stübchens“. ״Was“, Tuft er aus, ״kann aus einer Institution werden, in der das grosse Wort die Frommlinge aus der Aguda und die Pseudofrömmlinge des Misrachi führen“. Hei, wie!anders klängen seine Worte, hätten die Ritter seines Banners das ״Totenstübohen“ erobert! Sieg, Sieg, würde es in allen Gassen schallen und die schönsten Hoffnungen hätte man gehegt. Ein neues Leben hätte man prophezeit, ähnlich dem, das so herrlich gedeiht in!jenen Gemeinden, will sagen ״Totenstübchen“, in denen die Gesinnungsbrüder des guten Mannes das Regime führen. Es gibt ja genug lehrreiche Beispiele dafür, wie überall dort, wo nationale und sozialistische Herren die jüdische Gemeinde beherrschen, ״neues Leben“ lieh das Geständnis abgelegt hätten, die Hostie sei an zahlreiche jüdische Gemeinden verschickt worden, damit diese ihr frevelhaftes Spiel mit ihr treiben. , Welch ein Wahnsinn, den Juden diesen Wahnsinn zuzumuten! — rief der Priester mit bebenden Lippen. — Menschen sollen ihr eigenes Leben, ja Leben und Sicherheit aller ihrer Glaubengenossen aufs Spiel setzen, um sich einer Tat schuldig zu machen, für die es im gesamten jüdischen Schrifttum, so gründlich es auch durchforscht wurde, nicht der Schatten einer Vorschrift, nicht die Spur eines Anhaltspunktes gefunden wurde. Kein Zweifel, die Angeklagten wurden nach dem Gesetze verhört und haben gestanden, die Juden sowohl wie die Messnerin; die Richter haben nach Recht und Gewissen ihr ׳Urteil gefällt. Aber denkt kein Mensch daran, dass das Geständnis mit Nachhilfe der Folter abgelegt wurde? Von Menschen, die vielleicht tausendmal die Minute des Sterbens den Stunden qualvoller Peinigung vorgezogen hätten? Aber denkt wirklich niemand daran? Oder wagt es nur niemand •davon zu sprechen? Denken, vermuten,!wissen dies vielleicht viele und haben nur nicht den Mut es laut zu sagen?“ So sprach er oft Wie Offenbarungen klangen mir diese Reden und ich hörte sie an entzückt beseligt. Immer wieder verliess er mich mit den nadhdrucksvoll betonten Worten: ״Das ist nicht 4er Weg zum (Hehl“ Was er damit aber eigentlich meinte, habe ich erst in späteren Tagen klar verstanden. (Fortsetzung folgt.) mm*< ■ad. a!»11 Sinsetne Zimmer räit holler Pension. Diätktaren, di&tetäiebcfMMfatbttnBgiK Muren, Mastkuren mit itägeMfofim Freien יי*•? regt, wie die Gemeinde der Brennpunkt des •jüdischen Lebens isi, wie die jüdische Autonomie dn vollstem Sinne des Wortes gewahrt und gepflegt wird.!Wir müssen nicht weit schauen, in unserer allernächsten Nähe finden wir so ein erhebendes Beispiel der modernen jüdischen Gemeinde: in Wien . . . In Polen ist es nicht gelungen, die jüdische Kehilla zu modernisieren. In die polnischen ״Toten- Stübchen“ kommen jetzt Männer, die eine ungeheure Last der Verantwortung auf sich genommen haben. Sic werden ein neues jüdisches Gemeindeleben schaffen, das auf d׳e r Thora basierend, für die Bedürfnisse der jüdischen Massen sorgt und die jüdische Autonomie jüdisch erhält. Aus dem ״Totenstübchen“ der Assimilation in den vergangenen Jahrzehnten, und aus den totbringenden modernen unjüdischen Gemeinden der heutigen Nationalen werden die Vertreter der thoratreuen Judenschait ein lebende, wahrhaft jüdische Kehilla schaffen müssen. ״F&r den Sabbat“. Eine Erwiderung von Joel Sänger, Frankfurt a. Main.!Der dn Nr. 23 der ״Jüdischen Presse“ gemachte Vorschlag zur Gründung von Arbeitslosenversioherungskassen ist nicht neu. Vor dem Kriege bestand im ״Schomer Scbabbos-Verein“ in Frankfurt a. Main eine solche Kasse, die eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet hat. Kriegs- und Nachkriegszeit haben die Fonds der Kasse aufgezehrt und ihrem Wirken ein Ende gesetzt. Die Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel, Jugendorganisation, hat vor wenigen Wochen sich mit dem alten Schomer Schabbos-Verein fusiomiert. Es wurde ein Unterausschuss eingesetzt, dem die Aufgabe zufiel, die Versicherungskasse nach modernen Grundsätzen zu rekonstruieren. Die Ergebnisse •der Arbeiten dieser Kommission dürften von allgemeinem Interesse sein und erlaube ich mir dieselben hier kurz zu skizzieren: Ordentliches Mitglied der Kasse kann jeder gesetzestrene Angestellte (beiderlei Geschlechts) werden. Als Beitrag hat jedes Mitglied 1 bis 3 Prozent von seinem Monatseinkommen pro Monat zu zahlen. Ausserordentliches Mitglied kann jede Firma werden, Beitrag beliebig. Wer nach einer Mindestmitgliedschaft von sechs Monaten arbeitslos wird, erhält 60 Prozent und mehr seines bisherigen Einkommens als Arbeitslosenunterstützung. Diese Unter- Stützung wird jedoch innerhalb zwei Jahren nur ,auf die Dauer von neun Monaten gezahlt. Da aus den Mitgliedsbeiträgen allein in Zeiten wirtschaftlicher Krise die Kasse — ohne selbst in höchste Bedrängnis zu geraten — den an sie gestellten Ansprüchen nicht gerecht werden kann, ist die Schaffung eines Reservefonds geplant, zu dem die führenden gesetzestreuen Firmen um Beiträge — grösseren Stils — angegangen werden. Wir hoffen, dass wir in wenigen Monaten im Besitze eines neuen kräftigen Instruments zur Förderung der Heilighaltung des Sabbats sein werden — durch unsere Versicherungskasse! In enger Anlehnung an die Versicherungskasse arbeiten die an allen Hauptplätzen Deutschlands bestehenden Angestelltenausschiusse der Agudas Jiisroel- Jugendgruppen. •Es wäre zu hoffen, dass in allen Ländern nach dem Vorbilde der •deutschen Jugend- Organisation der Agudas Jisroel ein Angestelltenamt geschaffen würde. 00® Vom Tage 000 Der Streik 4er Balbostes. Warschau. Als eine Form des Protestes gegen die Ausschliessung der jüdischen Frauen vom Wahlrecht in die jüdischen Gemeinden hat der Verein der jüdischen Frauen am 15. Juni, dem Wahltage, in allen TeUen der Stadt Massendemonstrationen unter freiem Himmel abgehalten. Es wurden Beschlüsse angenommen, die das Stimmrecht für die Frauen fordern. Ferner haben sich alle Mitglieder des Frauenvereines verpflichtet, am Wahltage keine Hausarbeit zu tun und kein Essen für die Männer vorzubereiten als Demonstratioji^gegen die Vorenthaltung des Wahlrechtes. Eine groteske Nachricht ging über die jüdische Welt. Ein Frauenverein in Warschau, ein scheinbar ganz moderner, ganz besonders fortschrittlicher Frauenverein hat den genialen Einfall, als Antwort auf die Verweigerung des Wahlstreikes zur Kehilla mit einem Kochstreik einzusetzen. Oder ins ״Küchendeutsch“ übersetzt: Kriegen wir kefn Stimmrecht, kriegt ihr ■keine Lokschen! Dieser geniale Einfall •der Leitung des Warschauer Frauenvereines, würdig der Feder eines jüdischen Aristophanes, ist trotz seiner grotesken Kuriosität auch ein viel sagendes Zeichen. Ein Zeichen der ^eit, ein Symptom des betreffenden Vereines und last not least auch ein Merkmal des Geistes der betretenden Frauoagruppe. Und man fühlt sich versucht, als gebührende Antwort den Bakel zu schwingen und dabei zu sagen: Wer eines solchen Streiches fähig ist, wer so läppisch ist, mit solchartigm ״Repressalien“ zu drohen, dpr ist noch nicht fürs Gemeladewahlrecht reif. Aber dieser Frauenverein ist nicht nur gleich mit der Streikdrohung bei der Hand. Er agitierte auch lebhaft für eine ganz ״fortschrittliche“ Wahlliste. So dass die Gatten dieser Frauen, die doch bestimmt für das Frauen- Wahlrecht sind, ganz unverdient den Kochstreik am eigenen Magen zu spüren bekamen. Offen gestanden, können wir uns in unserer Beschränktheit schwer vorstellen, was eigentlich die Frauen in der Kehilla wollten. Dass sie kaum ernstlich die Mitbestimmung der Gemeindeangelegenheiten verlangen, ist evident, weil sie als jüdische Balbostes doch von vorneherein wissen konnten, dass ein passives Wahlrecht, zu welchem das aktive nur die^rste Stufe sein sollte, ganz ausgeschlossen ist. Aber vielleicht waren es gar keine Balbostes . . .? Im übrigen haben auch diese ganz modernen, gleich mit dem Streik drohenden Frauen den richtigen Instinkt doch noch nicht ganz verloren. Sie haben mit der Streikdrohung sofort erkannt, worin ihre Hauptstärke und ihre Grösse liegt. Sie haben recht die guten Frauen vom modernen Warschauer Frauenverein. Die Küche! Noch eine solche Streikdrohung und die bisherige Gegnerschaft des Frauenwahlrechtes wird zur ... . Küche kriechen müssen. Endlich — es gab genug ״Weiber“ bisnun in den jüdischen Gemeindevorständen, wenn sie auch in Männerkleidung herumstolzierten. Hoffentlich wird es jetzt besser, so dass die Frauen bei ihren Dingen bleiben werden können, wo sie unentbehrlich sind und wo ein Streik eine wirkliche Gefahr wäre. ® NACHRICHTEN. 0 Für den Keren Hathora. Vor einem zahlreichen Auditorium sprachen über Einladung des Vorstandsmitgliedes, Herrn Aron Frost, die Herren Moses Blech und Schabse Schönfeld. Sonntag, den 20. Siwan im Bethausverein ״Anschei Das Wezedek“, 20. Bezirk, Traunfelsgasse 3, über den Keren Hathora der Agudas Jisroel. Nach einer warmen,• gediegenen Begrüssungsansprache Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Gottesmann, in welcher die Wichtigkeit des Zusammenschlusses aller orthodoxen Juden zur Wahrung der Existenz der Thora•’ in dieser schweren Zeit des religiösen Verfalles betont! wurde, ergriff Herr Moses Blech zu einem weitausholenden Referat das Wort, in dem er die Tatsache jdes drohen-; den Zusammenbruches der Wiener Thoralehrstätten derf Anwesenden eindringlich vor Augen führte und sie in1 eindrucksvoller Weise aufrief, sich ihrer •Pflichten der Thora gegenüber voll bewusst zu sein. Die gehaltvollen, von überzeugender Wärme erfüllten Ausführungen des Redners ernteten reichen Beifall. Herr Redakteur Schönfeld besprach in eineni׳ ausführlichen Referat die kritische Situation der Thora1lehrstätfen in Polen und Russland, der bisher der Keren Hathora wirkungsvoll begegnete, und schilderte die Lage der Talmud Thora in Wien. Referent führte aus, es sei heiligste Pflicht eines jeden thoratreuen Juden, ob arm/ ob reich, diese so segensreiche Institution zu unter-! stützen. Das ausgezeichnete Referat wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Die Ansprache und die Referate lösten tiefen Eindruck aus, der als ein Erfolg für den Keren Hathora zu buchen ist. Schwierige Lage der Emigranten in Wien. Wien. (A. J. P. B.) Obwohl das neue Wanderungsheim des Jüdischen Hilfswerkes der Aguda, durch Adaptierung vergrößert, nunmehr 50 Emigranten Obdach bietet, sind noch immeii viele Emigranten ohne geeignetes Quartier. Die andauernder kritische Wirtschaftslage er- Schwert furchtbar die Arbeit des Fürsorgekomitees. Man befürchtet, falls der Zustrom von Emigranten nach Wien noch andauern sollte, ernste Schwierigkeiten. Aus der Ortsgruppe der A. J. in Frauenkirchen. Dieser Tage ging der Landeszentrale in Wien ein ausV führlicher Bericht der Ortsgruppe Frauenkirchen über Wo •rh&lt man dan wirklich naturgetreuen SCHEITEL? Dom bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach Jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verhittffendflter Täuschung nach-; Herzens entsehliessen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel au tragen. Die Damm werden cum Besuche des nachstehenden Ateliers höfliebst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ^!•probiert werden. Franz Balla, Wien, IV., > Gusshausstrasse 26 Telephon 58-9-1?י i

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