Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 26 (27.6.1924)
- Date
- 1924-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration» Wien, II., Malzgasse 12a -- Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Ffir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreist * Ganzjährig :׳FürOesterreich K 80.000, Deutschland Goldm&rk 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei K& 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich» PostspukassenamtWlen, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkasienaat Warschau, Konto Nr. WO.409; für Ungarn! Postsparkassen aart Budapest, Konto Konto Nr. 53.386; ffir Jugoslawien: Postsp.-Anjt Agram, Ko. N. 40.217; f.Raminien: Bauen MarmarosCh Blanc & Co für Florenz 81 Co, Bukarest; für die Schweiz t Postscheck]:. Luzern VII. 1470. Nr. 26 | Wien-Bratislava, 27. Juni 1924 .כיה ויענה־פרעססבורג בית פיון תיפ״ד IO. Jahrg. Die Lehre der Vorgänge in Wilna. Aus den trockenen Zeitungsnachrichten wissen unsere Leser, dass in Wilna sich hcisser ,Streit darüber erhob, ob die Kehillo einen weltlichen und religiösen Charakter tragen soll. Die Orthodoxie glaubte ein Kompromiss, das das Wesen der Gemeinde als ein religiösnationales Gebilde charakterisiert, verschlagen zu!können. ׳Dieses Entgegenkommen wurde mit Hohn zurückgewiesen und der Führer der Zionisten, Herr Dr. Wigotzki, erklärte, solange er am ׳Leben sei, werde es in Wilna keine religiöse Gemeinde geben. Um diesen Streit zu verstehen, muss man etwas weiter ausholen. Seitdem sich der Staat auch um religiöse Organisationen und Organisationaformen kümmert, ist in die Gemeindebildung ein neues Element getreten: die Forderungen von aussen und die Rücksichten nach aussen. Fast alle Staaten — nennen wir das Kind beim rechten Namen — interessieren sich für Wesen und Werden der jüdischen Gemeinde aus Gründen der Polizeiaufsicht. Sie wollen eine Garantie dafür halben, dass innerhalb der jüdischen Gemeinde nichts gelehrt und nichts getan wird, was die jeweiligen Staatsinteressen verletzen könnte. Der Gedanke der a'bsoluten Vorherrschaft des Staates suchte auch dem religiösen Wollen gegenüber sich durchzusetzen. So erklärte sich beispielsweise auch, dass -die ׳heutige Sowjet׳־Regierung jede ׳Art der Gemeindebildung bekämpft, weil sie eben in jeder Religion etwas Staatsfeindliches ׳erblickt. Bildet dieses Moment schon eine Hemmung für die völlig freie Ausgestaltung des Gemeindelebens, so wird diese Hemmung geradezu katastrophal, wenn dazu Rücksichten nach aussen treten, die weit über das Mass der Forderungen von aussen hinausgehen. Das aber ist der Fall, wenn man eine jüdische Gemeinde, wohlgemerkt, die einzige im Religionsgesetz vorgesehene Organisationsform des Judentums, zur Basis von Bestrebungen machen will, die ausserhalb des Religionsgesetzes liegen. Nach diesen Voraus- Setzungen ist der Wilnaer Streit leicht verständlich. Die Zionisten und ihre Helfershelfer halben gegenüber der Aussenwelt kein anderes Interesse zu vertreten als ein rein politisches. Es ist daher sicher nur logisch, wenn sie die jüdische Gemeinde als das Instrument ansehen, mittels dessen sie die Durchführung der nationalpolitischen Minoritätsrechte für die Judenheit erreichen wollen. ׳Ein gemeinsames religiöses Interesse gibt es nicht (für diese Herren, da sie ja auch programmgemäss eine religiöse Verantwortlichkeit dei Gesamtheit für den Einzelnen, desohweige denn des Einzelnen für den Einzelnen, abi-ehnen. Es ist klar, dass der Staat, also in diesem Falle Polen, den Antrag auf die Verweltlichung der Gemeinde daraufhin prüfen wird, ob die nationalen Ansprüche der Juden, oder riehtigeT gesagt, eines Teiles der Juden in den Minoritätsklausein derartig enthalten sind, dass sie die weltliche Gemeinde postulieren und gutheissen. Es ist andererseits ebenso klar, dass die religiösen Kreise, denen die traditionsgemässe Auffassung der Gemeinde ׳heilig ist als einer Stätte, welche die Möglichkeit der Erfüllung der religiösen Pflichten in Kultus ,und sozialer Richtung gibt, auf den religiösen Charakter der Gemeinde beharren müssen. Für sie ist die Gemeinde auch die Stätte, an der die durch das Religionsgesetz gegebene Verantwortlichkeit der Gesamtheit für den Einzelnen, des Einzelnen für den Einzelnen, des Einzelnen für die Gesamtheit zum Ausdruck gebracht werden kann und muss. Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass der erwähnte Korn- Promissvorschlag, die Gemeinde als religiösnational zu bezeichnen, nfteht gaftz richtig ist. Höhere Gemeinschaftsinteressen als die Religion gibt es nicht, und auch alle anderen Gemeinschaftsinteressen, etwa die nationalen, müssen, soweit sie anerkannt werden, stets durch die Rehgon und in der Religion eine Korrektur erfahren. Wir wünschen sehr, dass bei der Wichtigkeit dieser Frage jede Parteileidenschaft schweigt und man es sich ernstlich überlege, ob eine Organisation die seit mehr als zweitausend Jahren segensreich die ganze Gemeinschaft der Judenheit erfasst hat, endgültig zerstört werden soll. Möge es unseren gesinnungsgenössischen Kämpfern in Wilna gelingen, dies zu verhüten! Klarheit! Man muss gerecht sein. Die zionistische Organ!■• sation hat nun einmal von der englischen Regierung Monopolstellung auf Einwanderung erhalten. Würde die zionistische Organisation einfach zugestehen, dass ihr die Parteimoral das Höchste und dass sie infolgedessen zu verhindern versucht, dass solche, Leute, die ihrer Partei nicht!angehören, möglichst von der Einwanderung ferne gehalten werden, — so wäre zwar bittere, aber andererseits doch erfreuliche Klarheit geschaffen. Das Ungesunde der Situation liegt nur darin, dass es an dieser Klarheit fehlt unddass die zionistische Organisation bewusst den ihr von verschiedenen Seiten und auch ziemlich klar, zwischen den Zeilen des Mandates gegebenen Auftrage, sich von der Parteischablone zu befreien und das ganze jüdische Volk zum Aufbau Palästinas heranzuziehen, zu erfüllen nicht gewillt sind. Es sei denn, dass dieses ganze jüdische Volk die Ideologie des Zionismus zu der seinigen macht. Zumindestens nlüste aber oiffen erklärt werden, dass ׳selbst innerhalb der zugelassenen sfEmigra׳tionsquote nur Angehörige der zionistischen Partei Aussicht haben. Es wäre noch folgende Frage zu untersuchen. Diese Monopolst Ile der zionistischen Organisation ist verwaltungsmassig gegründet in der Monopolstellung, welche der zionistischen Organisation hinsichtlich der Jewish. Agency eingeräumt ist. Die Ungunst der Verhältnisse zwingen zu einem Versuch, welcher unter Umständen eine Neutralisierung der Jewish Agency zur Folge haben kann. Schon jetzt besteht •die Tatsache, dass die zionistische Organisation 50 Prozent der Sitze für sioh in Anspruch nimmt, und die übrigen 50 Prozent wahrscheinlich den Geldgebern vorbehalten 'bleiben, die ׳sich voraussichtlich nur um die Öko- Der Traum des Rabbi. (Farrtsetzimz.) Mit gütigen Worten erkundigte sioh der hohe Geistliche nach meinen Verhältnissen, und teilnahmsvoll hörte er es an, als ich ihm sagte, dass ich früh verwaist im Leben stehe. Seine Art des Sprechens, seine von Milde strahlenden Augen hatte etwas Bezauberndes, ich antwortete 'bereitwillig auf seine Fragen. Es zwang einem förmlich, ihm das Herz zu öffnen und ich hatte doch auch keine Geheimnisse zu verbergen, die das Licht scheuten. Er sprach nicht viel bei der ersten Begegnung mit mir und nahm dann freundlich von mir Abschied. Auch am nächsten und an den folgenden Tagen erschien der Priester wieder z!u der gewohnten Stunde im Garten, setzte sich zu mir und immer vertraulicher und herzlicher wurden seine Reden, immer mächtiger der fesselnde Eindruck, den er auf mich übte. loh sah, wenn er mich verlassen völlig sehnsüchtig dem nächsten Morgen entgegen, der mir wieder das Glück seiner Gegenwart brachte. Mehr noch als die Freundlichkeit, ja Herzlichkeit, die er mir gegenüber an den Tag ׳legte, entzückten mich die Aeusserungen, die ich aus seinem Munde über das jüdische Volk, über unsere Religion vernahm. Da war nichts von jenem Ton der Missachtung und Geringschätzung, geschweige von Gehässagkeit zu hören, den — wie ich leider nun schon wusste — unsere Glaubensgenossen in diesem Lande zu erdulden gewohnt waren. Kein Jude konnte innigere Worte des Mitgefühls für diie Leiden und Verfolgungen haben, denen gerade damals unsere Glaubensgenossen wieder einmal nach einer kurzen Zwischenzeit von Ruhe und Duldung in dem Nachbarstaate ausgesetzt waren. Oie Berichte über diese neu erwachte Leidenszeit waren aus Briefen der Rabbiner und Vorsteher, sowie aus mündlichen Berichten von Flüchtlingen bei uns allgemein bekannt geworden und zu dem schmerzlichen Mitgefühle war auch die peinigende Sorge gesellt, dass die unheilvollen Verdächtigungen und Beschuldigungen der Juden immer weitere Verbreitung und Nachahmung finden könnten. Der Priester hatte aber nicht nur Worte des Mitleids für die traurige Lage der Verfolgten, sondern auch scharfe, erbitterte Urteile über die Verfoiger. Wie oft sagte er, es blute ihm das Herz, wenn er höre, dass im Namen der Religion der Liebe so ׳böswillige Märchen und Lügen gegen die Juden verbreitet werden. Er sei vollauf davon überzeugt, dass z. B. die jüngste zu uns gedrungene Nachricht von der grausamen Niedermetzelung vieler Juden, weil angeblich drei Christenkinder zur Feier abgeschlachtet worden seien, wieder nur die Folge eines alten Märchens sei, dessen erste Opfer nicht Juden, sondern gerade die ersten Christen gewesen waren. Zum 'Beweise zitierte er Stellen aus den Kirchenvätern, aus denen dies — er übersetzte mir diese — sonnenklar hervorging. Was nützte es, fuhr er fort, auf die Verhältnisse der Gegenwart zurückkommend, dass man in der Stadt, in der das fanatisierte Volk so rasch und ■blutig das angeblich vergossene Blut der drei Kinder gerächt hatte, später die Leichen der drei Kinder, die auf das zu dünne Eis gegangen und ertrunken waren, ohne Spur einer Verletzung auffand? Das erweckte die Ermordeten nicht mehr. Wohl sei das Blut Unschuldiger von Unschuldigen vergossen worden, aber die Juden seien die Unschuldigen gewesen. Wenn ich, erschüttert und von Bewunderung erfüllt, dem Priester Dank für solche Worte starnme'lte, wies er mich damit zurück, dass er diese grausamen hassvollen Verfolgungen der Juden schon darum verdammen müsse, weil sie zwar das Judentum vorübergehend treffen, aber das Christentum und seine Lehre dauernd schänden, sie in der Erfüllung ihrer Aufgabe hindern. Immer wieder betonte er: ״Das ist nicht der Weg zum Heil! Das heisst ja eher für die Religion Israels kämpfen!“ Der Priester sprach immer mit leiser, gedämpfter Stimme. An der einsam gelegenen Bank, auf der wir sassen, ging kaum jemand vorüber, aber selbst das Ohr eines Spähers hätte nichts erlauscht. Mir gruben sich seine Worte tief ins Herz. Nie werde ich vergessen, mit welcher leidenschaftlichen Empörung mir der Priester einmal mitteilte, er ׳habe von zuverlässiger Seite erfahren, dass die Juden aus dem Nachbarstaate ausgewiesen würden, weil reiche Juden, die angeklagt waren, von einer Messnerin eine Hostie gekauft zu haben, end- Ottmar Schiff — - 8H«a 1. — — Känuntrrtai Br. t ue1t*a»w *a mw m$mq, c*i. h־wj •־׳1־ Bit grösste internationale Kaa*twerk$titte lir — Perücken, Scheitel und Cranstormationen €» ftros — tu letaii / Billigste €lM»aiTsq»eile / Pie fiefittlto» a»s liiergcweiiteM ttartriair Cleftrt ftit •tkr •ls •itertlalh 3*iml»tt» le» tsmlwmi ortlBftxti lawe» •dtr titlet Ferklet. $»esMfct it lr««t*$cleftel1. Biese werte» ler mileleifrim nH tetMifVetler Cltscttai tuNetMclt IT UN tot mumm u Stiam», mt le» OTHMM «Bl He jmmmc mm n »tont 1 *1H