Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 25 (20.6.1924)
- Date
- 1924-06-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wmmmmmm. Nr. 25 JÜDISCR RBB Sette 169 — - ־־־־ ־ ־ ־ ־ ־ ־ ־ - - ־-—יי.. ־־ ־ ־ ־ ־ ■—.-, ־־־־־' «f* «f» Mitteilungen, «fr «fr | Bethaus-Vorstand der ״Talmud Thora״, Wien, 11״ Malzgasse 16. Zufolge dringender Einladung unseres Ehrw. Herrn Rabbiners Schenk und des Vorstandes hielt Ehrw. -Herr Rabbiner Dr. Bond i aus Mainz in unserem!Bethause vorigen Schabte einen Vortrag, der mit grosser Begeisterung von den zahlreichen Anwesenden aufgenommen wurde. ׳Herr Rabbiner Dr. B 0 n d i hat mit seinen inhaltsreichen Ausführungen seine Zuhörer gefesselt. Der Vorstand sieht sich daher veranlasst, dem geehrten Herrn Redner auch auf diesem Wege seinen besten Dank auszusprechen. Gleichzeitig beehrt sich der gefertigte Vorstand bekanntzugeben, dass nunmehr an jedem Schabbos um viertel 12 Uhr vormittags Vorträge für junge Leute durch unseren Herrn Rabbiner Schenk abgehatlen werden. Wien, 17. Juni 1924. Der Vorstand des Bethamidrasch Talmud Thora. L. Hirsch, Obmann. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser. Eigener Herd ist Goldes wert. Dieses alte Sprichport muss ein gesetzestreuer Jude geprägt haben. Mit wie vielen Entbehrungen ist aber das Reisen eines rituell lebendien Juden verbunden. Hier Erleichterungen und Verbesserungen zu schaden, i;t die Aufgabe der orthodoxen Gesamtheit, die s ch bewusst sein muss, dass sie die Verantwortung trägt, für alle Gesinnungsgenossen! In Deutschland besteht schon seit Jahrzehnten dieser Verein und wir halten es für richtig, die Ziele und Aufgaben dieses Vereines auch in diesem Blatte zu veröffentlichen. Es besteht die Absicht, auch in Wien ein Lokafflkonnitee •zu bilden, um auch hier im gleiohen Sinne zu schaffen und zu wirken. Anregungen und Mitarbeit willkommen und erwünscht. Zuschriften erbeten• an die Redaktion des Blattes. Hilfe für die Juden ln Jemen! IDer iZentnalivereim Esrat Israel •In (Wien hat sich zur ernsten Aufgabe gemacht, die ganze jüdische!Welt heranzu'ziehen, um •Hilfe •für unsere armen verfolgten Brüder in Jemen zu schaffen. Der Verein!hielt am 4. März 1923 •die •erste Versammlung ab, in welcher alle Gros®־ räbbiiner״ die Führer (der Orthodoxie, •wie •auch zahlreiche (Repräsentanten׳!verschiedener Vereine teülgenommen haben׳.!Alle Anwesenden brachten! •dieser Aktion grosses ltniteresse׳ entgegen! und zeichneten gleich namhafte Betraget iSdhiriftstellteiiii (Herr 1L R-aiJer-Fdidlmann (Vertreter des!Vereines Esrat Israel ibetgab sich sofort;nach Erez fsrael, gründete und־ ׳leitet dort •ein Hilfskomitee׳, •um zu ermöglichen, ׳gemeinsam mit dem Verein Esrat Israel die Befreiung der jemenitischen!Juden s0׳ rasch!als möglich zu erwirken•!Die Arbeiten) des •dortiger! (Komitees sind G. s. d. von Erfolg gekrönt• Es ׳wurde In Jerusalem bei der Klagemauer eine grosse Versammlung abgehaltenv ,bei welcher alle Grossrabbiner sowie ׳tausende Junten verschledenstex Richtung anwesend waren. Die Versammlung (Hat besdilossen, ein EmigratloirtshaUs für jemenfbischei Jiudens, ■die •nach!Pailäsitlna!komme», zu hauen. Zwei Juden! spendeten sofort •zu diesem Zwecke •einen!Platz und die! Giru/ndste Wiegung wurde hn!Oktober 1923 vorgänoimmenf ebenfalls unter grosser Beteiligung, bei welcher Rabbiner (Sonnenf&d, Kuk und Jakow Meir Ansprachen) hielten.!Mit dem Bau •wurde bereits begonnen. (Die (Hilfe für die Juden! in Jemen ist nach den׳ letzten Berichten noch dringender geworden, da man sie zwingt, den ׳Islam anzunehmen. (Die jemenütlsdhien Juden werden enteignet, aus Ihren (Häusern verjagt man und gibt sie dem •Hunger und der ׳Not preis. Zufolge dieser letzten (Berichte war mau;notgedrungen!, sofort eine intensive Emigration einztrleiten'. Die Jerusalemer Juden tun ihr!Möglichstes. Der «erste!Transport von 40 Familien fist bereit® aivisdert und weitere Transporte werden folgen. ׳Wir bitten daher, jeden, der südi Jude nennt und! in dem ein jüdisches (Herz schlägt, sein!Möglichstes dazu öeizufcragen•,!um einen ganzen jüdischen Stamm ׳vor dem Untergang izu retten.!Diese Aktion!ist der einzige Trost •der jemenitischen! Juden, in •ihrer verzweifelten! Lage. Jüdische Brüder! Greift so rasch <al® möglich ein, damit es nicht zu spät •wird! Es ergeht in den nächsten Tagen ein Aufruf an das jüdische Volk, unterschrieben van allen! Führern, die an der Spitze des Judentums stehenr mit •der Bitte, um Hilfe für •die 1je1menftti׳scihen Juden. 1W!ir hoffen׳!auf die •Unterstützung •aller Juden ohne Unterschied der Parteien, und bitten um!rasche und reichliche Spendten• Zentralerem Esrat Israel»!Wien, II.» iTandelmarktgasse 17׳. TSCHECHOSLOWAKEI. Die orthodoxe Landesversammlung in der Slowakei. Am 15. Siwan fand in Bratislava die Jahres- Versammlung der orthodoxen Landesrepräseutanz statt. Wir sind in der Lage, heute schon den dort erstatteten Bericht im Wortlaute zu veröffentlichen. Tätigkeitsbericht erstattet am 15. Siwan (17. Juni) 5684 in der_ Jahresver- Sammlung der orthodoxen Landesrepräsentanz für die Slowakei in Bratislava von Oberrabbiner K. Weber. Geehrte!Landesrepräsentanz! Wenn ich heute, in der 5. Plenarversammlung der orthodoxen Vertretung unseres Landes, über den Stand unserer Organisation nach innen und aussen ein wahrlieitsgetreues!Bild entwerfen und über die seit einem Jahre, seit der jüngsten Sitzung der Landesrepräsentanz, aufgetauchten Fragen und Probleme ausführlichen Bericht erstatten soll, damit Sie als der berufenste Faktor der orthodoxen Gemeinschaft Stellung nehmen knnen, so müssen alle diese Fragen im Zusammenhänge mit den Ereignissen und Bestrebungen beurteilt werden, die seit dem Beginne unserer Organisation in dem neuen Staate an die Oberfläche getreten sind. Vier Jahre sind es vor einem Monat geworden, dass die orthodoxe Organisation durch die regierungsbehördliche Sanktion des Landesstatutes die volle staatliche Anerkennung erlangt hat, und immer noch können wir nicht sagen, dass wir Orthodoxen ein von unseren Gegnern unbehelligtes beschauliches, ruhiges Leben führen können, immer nocii obliegt unserem Zentralbureau eine zweifache und doppelte Aufgabe, die auf uns als die Leiter desselben schwer auf den Schultern lastet, eine Doppelaufgabe, die wohl in die knappen Worte: Abwehr nach aussen und Ausbau im Innern zusammengefasst werden kann, die aber eine ungeheure gewaltige Verantwortung insolviert. Wie bei der Gründung der Organisation diese zwei Momente unserer ganzen Tätigkeit die Richtung gewiesen haben und wir mit der einen Hand die geplanten Anschläge gegen die Orthodoxie zurückgewiesen, mit der anderen Hand alles aufbieten mussten, um die Anstal־ ten und Einrichtungen zu schützen und zu pflegen, die ein geregeltes orthodoxes Leben zur ersten Voraussetzung hat, so können wir auch heute keine dieser beiden Hände in den Schoss legen und die weitere Entwicklung allen möglichen Zufällen überlassen. Der Umschwung, die Neugestaltung unseres Staates, wurde von unseren Gegnern verschiedener Couleurs zum willkommenen Anlass genommen! um den Versuch zu machen, die Orthodoxie aus den Angeln zu heben und in die kräftig umschanzte Stellung des thoratreuen Jut dentums eine Bresche zu schlagen. Die selbständige Orthodoxie sollte damals, als alles labil und schwankend geworden war, überrannt und die stärkste!Position derkonservativen Judenheit im Sturm genommen werden. Mit einer geradezu vulkanartigen Heftigkeit haben diese Be- Strebungen sich durchzusetzen versucht und es bedurfte des Zusammenraffens aller vorhandenen Kräfte und Energien, damit die Orthodoxie nicht samt und sonders eine Beute unserer Gegner wird. Wenn es aber durch eine rasche Organisierungsarbeit auch gelungen ist, die schweren Schäden für unser religiöses Leben hintanzuhalten, so wäre es doch ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, dass jede Gefahr geschwunden ist. Der Vulkan ist zeitweilig ruhiger geworden, ist aber nicht völlig versiegt. Und wir, die wir an dem Krater dieses Vulkans? stehen und die unterirdischen Eruptionen vernehmen und hören, wie es brodelt und zischt, um in einem geeig- »eten Moment mit elementarer Kraft hervorzubrechen, mit *der Lava der Verdrehungen und Fälschungen, des Hasses, der Lüge, der Verleumdung ,und Ehrabschneiderei und der offenkundigen Gegnerschaft und Feindseligkeit die schönsten Gefilde des religiösen Lebens zu übergiessen und die herrlichsten Gebäude der Thorainstitutionen zu verheeren, wir, die wir ,dies alles aus unmittelbarer Nähe beobachten können, müssen auch heute wachsamen Auges auf der Hut sein, damit diese beabsichtigte Zerstörungsarbeit heute ebenso Schiffbruch erleide wie sie vor fünf Jahren fehlgeschlagen hat. Damals, geehrte Landesrepräsentanz, wollte man durch Hintertreibung der selbständigen Organisation mit einem Schlage den Unterschied zwischen ,orthodox und nichtorthodox verwischen.; Heute wiederum soll durch Kleinarbeit in den orthodoxen Gemeinden die Benennung ״orthodox“ in Miskredit gebracht werden. Einerseits will man aus dem Titel der nichtorthodoxen Gemeinden schämerfüllt den Namen ״Neolog“ oder ״Status quo“ fallen lassen, um so die Bezeichnung ״orthodox“ unangebracht erscheinen zu lassen, andererseits, wieder geht das Streben dahin, die Gemeinden schrittweise ihres religiösen Charakters zu entkleiden und sie ,zu blossen ״Volksge- Gemeinschaften“ umzuwandeln, wo doch gewiss die Be- Zeichnung ״orthodox“ geradezu als Protest gegen jedes Bestreben, die Gemeinden zu entkonfessionieren, anmuten müsste. Es scheint, geehrte Landesrepräsentanz, dass unsere Gegner den Zeitpunkt für ,gekommen erachten, um das wahre Wesen ihrer innersten Absichten zu enthüllen und die geheimste Falte ihrer religionswidrigen Pläne der Welt zu offenbaren. In Versammlungen und Kongressen, in geheimen Konventikeln und öffentlichen Konferenzen, in Verwahrungen und Protesten, in Zeitungsartikeln und Schriftaufsätzen, in Beschlüssen und Resolutionen und, was am schwersten ins Gewicht fällt, in wiederholten Eingaben an die verschiedenen Ministerien wird mit einer dankenswerten Offenheit klipp und klar gefordert, dass der alte Rahmen des Judentums gesprengt und demselben eine neue Form gegeben werde. Mit einer neuen jüdiJ sehen ״Kultur“ sollen wir beglückt werden, die stärksten jüdischen Festungen קחלות קדושות sollen diesen Volksbeglückern ausgeliefert werden, um sie zu Werkzeugen der Entrechtung von תורתנו ואמונתנו הקדושה im öffentlichen jüdischen Leben zu machen, zu willigen Örganen der Verfälschung des Judentums herabzuwürdigen. Im Bewusstsein unserer schweren Verantwortung vor Gott und Menschen, im Bewusstsein unserer ,Pflichten der Vergangenheit und Zukunft des Judentums gegenüber, haben wir alle nötigen' Gegenmassnahmen getroffen und die entsprechende Aufklärungsarbeit bei allen in Betracht kommenden Faktoren in die Wege geleitet. Wir möchten nicht die Geschmacklosigkeit begehen, uns mit irgendwelchen Leistungen zu brüsten; es widerstrebt unserer ganzen Natur, all das, was wir verhindert oder durchgesetzt haben, an die grosse Glocke zu hängen. Aber der Sturm, der in letzter Zeit im Blätterwalde der gegnerischen Presse mit besonderer Heftigkeit tobt, ist auch für die weniger Eingeweihten ein deutliches Zeichen dafür, dass unsere Aktion nicht ganz erfolglos ist. Denn,׳ geehrte Landesrepräsentanz, das mögen Sie sich stets vor Augen halten, jedesmal, wenn unser ,Eintreten für die Aufrechterhaltung und die Unversehrtheit der Grundlagen des orthodoxen Judentums der gegnerischen Tätigkeit unbequem wird und das Tempo ihrer Zerstörungsarbeit verlangsamt, platzt eine Bombe der ,niedrigsten Verleumdüng gegen unsere persönliche Ehrenhaftigkeit, werden erdichtete und erfundene Märchen, von missbräuchlichem Gebaren in die Welt hinausposaunt, um so die Sache• der Orthodoxie zu kompromittieren und den unjüdischen Plänen der Gegner eine aussichtsreichere Aufnahme vorzufcereiten. Geehrte Landesrepräsentanz! Es ist vielleicht überflüssig zu betonen, dass die Orthodoxie keinem wie immer gearteten Terror weichen wird, dass wir uns von niemandem einschüchtern lassen und durch eine Vergewaltigung der Wahrheit in dem Kampf um die moralischen! Güter unseres heiligen Glaubens nicht irremachen lassen! werden. Aber, geehrte Landesversammlung, ich darf es Ihnen nicht verhehlen, dass dieser Kampf ganz ungewöhnliehe ernste Formen anzunehmen beginnt und dass die Bewegungen, die gegen die alte Orthdoxie nach Geltung ringen, immer mehr an Zähigkeit und an Ausdehnung gewinnen, so dass wir der grössten Pflichtverletzung uns schuldig machen würden, wenn wir nicht offen auf die drohenden schweren Gefahren hinweisen und nach Mitteln trachten würden, um dieses unerhörte Attentat gegen die תולה und die Thoraanstalten unwirksam! zu machen. Gewiss hat es niemals an Versuchen gefehlt, die Grundlagen der Orthodoxie zu unterwaschen; gewiss ist die Befehdung der selbständigen Orthodoxie so alt, wie die Orthodoxie selbst, aber was dieser Kampf iro gegenwärtigen Stadium geradezu als gefahrdrohend und die bisherigen Mittel zur Verteidigung ,der Lebensinteressen der תולה für ungenügend erscheinen lässt, ist der Umstand, dass es immer deutlicher und offenkundiger in die Erscheinung tritt, dass dieser Kampf nicht mehr!1 lokaler Natur ist, nicht bloss in einzelnen Kehil- 1 o s ausgefochten werden soll und sich auch nicht auf ein einziges Land beschränkt, dass wir es hier vielmehr mit einer Organisation der Gegner zu tun habenj die sich über die ganze jüdische Welt ausbreitet, die überall nach den׳ *Schwächen der Orthodoxie sucht, um sie vielleicht doch niederringen zu können. Die geringste Schlappe einer orthodoxen Gemeinschaft, auf welchem Punkte der Erde immer, wird als Niederlage der Orthodoxie aller Länder ausgebeutet. Ein erlogener Erfolg bei einer orthodoxen Kultusgemeindewahl wird als Sieg der ganzen nichtorthodoexn Welt gefeiert. Eine vermeintliche Schwächung des orthodoxen Gedankens in einem entlegenen Landesteil wird als eine Stärkung und als ein Vorwärtsdringen der antiorthodoxen Bestrebungen aller Länder bejubelt. Es ist dies eine nicht hinwegzuleugnende tiefbetrübende Erscheinung, die der ganzen Fehde gegen die Orthodoxie ein neues Gepräge aufdrückt, die jedem auf verantwortungsvollen Posten gestellten orthodoxen Vertreter eine neue Kampfperspektive eröffnet und die uns zwingt, entsprechend der erweiterten Angriffstätigkeit eine erweiterte׳ Abwehra k t i o n entgegenzustellen. Unter solchen Umständen müssen wir die im Elul vorigen Jahres in Wien׳ stattgefundene ״K e n e s s i j o h G e d 01 a h“, den grossen orthodox-jüdischen Weltkongress, als ein Ereignis von ungeheurer epochaler Bedeutung bezeichnen, das Sichfinden der Mehrheit der grossen Thora-Autoritäten auf gemeinsamer Plattform, das Zusatnmfassen aller lebendigen Kräfte im orthodoxen Judentum zur Verwirklichung der gemeinsamen Aufgaben und zur Verteidigung der moralischen Güter unseres Glaubens, als das beste und geeignetste Mittel zur Abwehr der offenen Feindseligkeiten erklären. Die Solidarität der Thoragegner erfordert die Solidarität der Thoraanhänger. Wenn die Gegnerschaft aller Gattungen jeden prinzipiellen Gegensatz ausschaltet, jede; Meinungsverschiedenheit zurückstellt; um das konservative Judentum erfolgreicher bekämpfen zu können, müssen auch die Orthodoxen aller Länder, ohne Rücksicht darauf, dass in manchen Fragen eine nuancierteste Auffassung unter ihnen herrscht, sich fest zusammenschliessen, um das orthodoxe Prinzip in seiner ganzen Reinheit über alle Hindernisse hinweg der Nach«