Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 25 (20.6.1924)
- Date
- 1924-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ייי KPVPP יייייי I Nr. 25 JSMSCiEPMMSt__Seite 167 Ignatz Brodl 12" ה• Freitag starb in der Blüte der Jahre nach langem schweren Leiden Herr Ignatz Brodi ges. A. Einer alten echtjüdischen Familie entstammend, war er von frühester Jugend ein Förderer von תעו״גח. Ein zärtlicher Gatte, ein liebevoller Väter, fand er immer Zeit, Armen zu helfen. Vorstandsmitglied der Märpeh Lane iesch der Tiferes Bachurim, widmete &r auch viel!Zeit und Mühe dem Badener Waisenhaus der Akudas Jisroel, besonders der Jugendgruppe. Seine allgemeine Beliebtheit äusserte sich bei der חלויח. Samstag nachts fand selbe statt. Sowohl bei der Schlffschul, deren geschätztes Mitglied und Förderer aller Aktiönen er war, als vor dem Marpeh Lanefesch erwarteten Hunderte von Freunden den Zug. Beim Begräbnis am Sonntag fanden sich zahlreiche Freunde ein. Rabbiner Fleischmann hielt einen Nachruf, der alle Trauergäste tief rührte. Herr Schick namens der Tiferes BachuTim, der Schwester des Verblichenen, Herr Jakob Adler und andere Redner würdigten die grossen Verdienste des Verblichenen תגצ״כח Aus der Ortsgruppe XX. Wien. Ueber Einladung .des , Vorstandes der neugegründeten Ortsgruppe des XX. ,Bezirkes hielt Herr Moses Blech am Sonntag, den 1. Tag Schewuoth, einen Vortrag über die Aufgaben und Ziele der Agudas Jisroel. Der tiefe Eindruck, den die Ausführungen des Vortragenden hinterl׳essen, ist als grosser moralischer Erfolg für die neugegründet׳* Ortsgruppe *u werten. Sejmdeputat Kirschbraun über die Aufgabe der jüdisehen Gemeinden. Warschau. (A. J. P. B.) Sejmdeputat Kirschbraun hat in einer grossen Wahlversammlung programmatische Erklärungen über die Aufgaben der jüdischen Gemeinde abgegeben. Da Sejmdeputat Kirschbraun der Führer der orthodoxen Parlamentarier ist und eine führende Rolle inneihalb Agudas Jisroel einnimmt, sind seine Erklärungen von besonderer Bedeutung. Er trat vor allem sehr energisch für den religiösen Charakter der jüdischen Kehiioh ein. Dieser religiöse Charakter soll aber nicht dahin gedeutet werden, dass alle nicht direkt mit dem Kultus zusammenhängenden jüdischen Angelegenheiten aus dem Aufgabenkreis der Gemeinde ausgeschieden werden, sondern dass alle Angelegenheiten und Funktionen der jüdischen Gemeinde im Einklang mit der jüdischen Religion, dem Lebensnerv des jüdischen Volkes, vor sich gehen müssen. Sejmdeputat Kirschbraun verlangt weiter, dass die Schulfrage unbedingt eine Gemeindeangelegenheit werde. Ebenso muss das Problem der jüdischen Emigration, besonders aber die Wanderung nach Erez Jisroel, eine Gemeindeangelegenheit werden. Auch der Aufbau Erez Jisroels darf in Zukunft nicht mehr Harteisache, sondern muss Aufgabe der jüdischen Gemeinde sein. Auch die soziale Fürsorge muss von der Gemeinde auf moderner Grundlage organisiert werden. Die Erklärungen Kirschbrauns wurden von der vieltausendköpfigen Menge mit grosser Begeisterung aufgenommen. Pressestimmen über den Wahlsieg der Aguda in Polen. Warschau. (A. J. P. B.) Der ״Jud“ in seiner Ausgäbe vom 3. Siwan — 5. Juni — zieht eine Bilanz aus den ersten Wahlresultaten, die für die Aguda und den religiösen Block günstig ausgingen. Das führende orthodoxe Organ sagt, das die verschiedenen Parteien mit klarem Programm in den Wahlkampf eingetreten seien. Die Propaganda wurde von den Gegnern mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln geführt. Besonders die Aguda und ihre Führer wurden mit den hässlichsten Waffen bekämpft. Trotzdem entschied die grosse Masse der Wähler für den religiösen Wahlblock, der den religiösen Charakter der jüdischen Kehiioh aui sein Programm gesetzt hat. Der ״Tog“ in Wilna gibt offen seinem tiefen Schmerz über den Sieg des religiösen Blocks Ausdruck, der gleichbedeutend mit dem Niedergang der jüdischen Gemeinschaft sei. Die Stellungnähme der linksorientierten Presse deutet darauf hin, dass der Kampf um die weltliche Gemeinde nach den Wahlen in gesteigerter Schärfe seine Fortsetzung finden wird. Assimilatorischer Protest gegen die Lemberger Kehil Iah-Wahlen. Lemberg. (J. T. A.) Die Lemberger Assimilanten haben gegen die Gültigkeit der letzten Kehillah-Wahlen, bei denen sich die Assimilanten bekanntlich kein einziges Mandat sichern konnten, Proteste eingereicht. Der Protest kann zur Folge liaben, dass vorläufig die Verwaltung in den Händen des assimilatorischen Vorstandes bleiben wird. Tournee Dr. Nathan Birnbaum. Warschau. (A. J. P. B.) Dr. Nathan Birnbaum begibt sich in einigen Wochen nach dem Osten, um in Lodz, Bialystok, Wilna, Warschau, Lemberg und Krakau Vorträge zu halten. Seine Freunde und Anhänger treffen überall grosse Vorbereitungen, um den populären Führer, der erst jüngst seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, würdig zu empfangen. Warnung vor Emigration nach Westdeutschland. Warschau. (Ita.) Der Vorstand der Warschauer jüdischen Gemeinde hat von der jüdischen philanthropisehen Gesellschaft ״Lew tow“ ein Schreiben erhalten, in welchem die Gemeinde ersucht wird, in der Presse eine Warnung an Arbeitslose zu erlassen, nicht nach Köln unef dem Rheinland zu kommen, da dort keine Aussicht auf Arbeit für Fremde besteht; ebensowenig besteht die Möglichkeit, dass die Zuwanderer von Köln aus Visa für ändere Länderr bekommen. 1 Die kölner Gesellschaft teilt ferner mit, dass sich gegenwärtig in Köln zahlreiche, aus Brasilien und Ar•* gentmien ziirüdcgekehrte Emigranten befinden, die dort Schiffbruch erlitten und sich nun in eitler sehr schlechten1 Lage befinden. Es seien darum Emigranten davor zu warnen, nach Kubä, Argentinien oder Brasilien auszuwandern. Landwirtschaftliche Gruppe der Aguda ln Czestochow. Czestochow. (A. J.P.B.) Nach langen Vorbereitungen ist es der Agudas Jisroel und Zeirei Agudas Jisroel in Czestochow gelungen, eine Gruppe von Owdei Adorno (Feldarbeiter) zu schaffen, welche die Ausbildung von orthodoxen jungen Leuten in allen Zweigen der Landwirtscliaft sich zur Aufgabe gemacht hat. Grosses Verdienst hat an der Realisierung des Projektes Rabbi Mosche Chaim Lau aus Suczawa, der seine Anwesenheit in Czestochow dazu benützt hat, um die Bildung der Gruppe in die riehtigen Wege zu leiten. Ferner dem Pilzer Rabbi, der ein ihm gehöriges Stück Feld der Gruppe zur Verfügung gestellt hat. Der Pilzer Rabbi selbst hält den Mitgliedern der Gruppe jeden Tag vor der Arbeit einen Schiur über die Mizwoths, die an Erez Jisroel gebunden sind. Zuiietithehäb Immigratiort aus Polen nach Palästina. — Die palästinensische Regierung sendet einen UeberWachungsagenten. Warschau. (J. T. A.) Dreissig Familien sind am 11. Juni aus Warschau nach Palästina abgereist. Weitere 2ÖÖ Personen reisten am 12. Juni ab. Infolge der zunehmenden Immigration polnischer Bürger nach Palästina ist ein Vertreter der Palästinaregierung in Warschau eingeti offen, um die Bewegung zu beaufsichtigen. Herr Lucien Wolf erwirkt Aufenthaltsverlängerung für (he jüdischen Flüchtlinge in Rumänien. Bukarest. (J. T. A.) Der Vertreter der J. T. A. in Bukarest erfährt, dass die Verhandlungen des Herrn Lucian Wolf mit der rumänischen Regierung, betreffend die jüdischen Flüchtlinge, die jetzt noch in Rumänien weilen, erfolgreich gewesen sind. Die rumänische Regierung hat gemäss der Intervention Lucien Wolfs beschlossen, die Sowjetregierung zu ersuchen, eine Heimkehr jüdischer Flüchtlinge aus Rumänien nach der Ukraine in geschlossenen grossen Gruppen zu gestatten. Die Regierung hat ferner beschlossen, die Aufenthaltsdauer für diejenigen Flüchtlinge auszudehnen, für die eine Aussicht besteht, nach Uebersee auszuwandern. Drohende Abschiebung jüdischer Emigranten aas Lettland nach Russland. , Riga. (J. T. A.) Da« lettische Ministerium de« Innern hat beschlossen, alle sich jetzt in Lettland aufhaltendea rusnlschen Emigranten, die bis zum 20. Juni niebt im Besitze eines amerikanischen Visums sind, zwangsweise nach Kussland ab^uschieben. Die Verzweiflung unter den Emigranten itt gross. Eine rabbinische Volksuniversität In Charkow. Riga. (Itä.) Dei] Charkower Hauptrabbiner Elias Aron Molikowski, welchem 15 andere Rabbiner unterstehen, hat soeben eine jüdische .Volksuniversität gegründet, in welcher er wissenschaftliche Vorträge über Bibel und Talmud hält. Offiziell werden die Vorträge unter dem Titel ״Die Sittenlehre des jüdischen Volkes“ gehalten. Angesichts des grossen Erfolges, dessen sich die Vorlesungen des Rabbiners Molikowski erfreuen, beschloss derselbe, seinen Vortragszyklus auch in anderen russischen Zentren, wie Leningrad, Moskau usw., zu halten. Die Theater-Traung. Riga. ׳Der Moskauer ״Emes“ erzählt die folgende eigenartige Episode, die sich in dem russischen Städt- Chen abgespielt hat. Eine jiddische Liebha׳bertrup׳pe führte ein Stück ,;Die erzwungene Trauung“ auf, in welchem der ,JieM“ seine Partnerin genau nach den rituellen Vorschriften ׳sich antraut. Als der Rabbiner des Städtchens davon erfuhr, liess er in der Synagoge bekanntgeben, dass das auf der Bühne nach jüdischem Ritus getraute Paar als 'Mann und Weib zu 'betrachten ist. Das ganze Städtchen geriet in Aufregung. Die 1Stadtverwaltung mischte sich An die Angelegenheit und erteilte dem Rabbiner eine ״Verwarnung“. Erfolg des Keren Hathora in Holland. Amsterdam. (A. J. P. B.) Hier fand eine grosse Ver- Sammlung für den Keren Hathora statt, die von Rabbiner Saarlouis geleitet wurde. Das Haupreferat hielt Regierungsrat Kreppei aus Wien. An der Versammlung hat auch Oberrabbiners Onderwytzer teilgenommen. Der materielle Erfolg ist befriedigend. Das Keren Hathora-Komitee, unterstützt vom Oberrabbinat, hat an alle Rabbinate die Bitte gerichtet, anlässlich des Schebuothfestes für den Keren Hathora zu werben. Einweihung des neuen Bureaus der Aguda in Antwerpen. Antwerpen. (A. J. P. B.) Das neue Bureau der Agudas Jisroel in Antwerpen wurde vor Schebuoth seiner Bestimmung übergeben. Gleichzeitig wurden Besprechungen abgehalten, um die Propagandatournee von Oberrabbiner Kalmanowitsch Rakow für Keren Hathora in Belgien vorzubereiten. 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Trotzdem hat vor zirka 100 Jahren ein angesehener Räbbiner die Sektion gestattet, und zwar ׳handelte es sich um einen Fall, wo jemand an einer unbekannten Krankheit gestorben war und der aridere dieselbe!! Krankheitserscheinungen aufwies, so dass dem Lebenden'durch ,die Sektion vielleicht das Leben gerettet werden konnte. Die Leichenöffnung ist also riui* in ganz verednzelnten Fällen, wenn es sich tatsächlich um eine Lebensgefahr handelt, gestattet; sie ist somit zu Lehrzwecken an einer jüdischen Universität praktisch ausgeschlossen. Der Oberrabbiner der Türkei über die Lage der türkischen Juden. Konstantinopel. (J. T. A.) Der Oberrabbiner von Konstantinopel, Rabbi Chaim Bedjanano Effendi, sprach sich in seinem Interview mit dem Konstantinopeler J. T. A.- Vertreter über die Lage der Juden im Lande aus. Im alten türkischen Reich, sagte er, gab es über eine halbe Million Juden. In der jetzigen Türkei leben nur 190.000 Juden. 70.000 von ihnen leben in Konstantinopel, 30.000 in Smyrna und 8000 in Adrianopel. Der Rest Ist iit kleinen Gruppen über das Land zerstreut. Ausser in Adrianopel und bestimmten Teilen von Thrazien sind die türkischen Juden Geschäfts- und Finanzleute. Abgesehen von etwa 10.000 Askenazim sind alle Juden in Konstantinopel Spaniolen. Vor dem Krieg war der Oberrabbiner das offizielle Haupt der jüdischen Bevölkerung und als solcher auch von der Regierung anerkannt. Er stand im gleichen Rang wie die christlichen Patriarchen. Damals wusste man von keinem Antisemitismus in der Türkei. Seit einiger Zeit jedoch haben sich die Dinge geändert. Die Trennung von Kirche und Staat, die in der Verbannung des KaHfen gipfelte, hat es mit sich gebracht, dass das Oberrabbinat nicht mehr die öffentliche Behörde ist, die das türkische Judentum repräsentiert. So ist es aber nur de jure. De facto ist die Situation anders. Natürlich, fuhr der Oberrabbiner fort, ist die Türkei kürzlich vor ungeheuer wichtige Probleme gestellt worden, die ihr keine Zeit gelassen haben sich mit der Regelung der jüdischen Frage zu befassen. Die Juden in der Türkei hoffen, dass ihre Rechte, die in den Minoritätenklauseln des Vertrages von Lausanne festgelegt worden sind, berücksichtigt werden. Es kann keine Rede von einer antisemitischen Haitung der türkischen republikanischen Regierung sein.: es gäbe aber gewisse Individuen, welche die gegenwärtige gesetzlich ungeklärte Lage der Juden dazu ausbeuten, einen antisemitischen Feldzug zu führen. Vor wenigen Tagen z. B. wurden von einem Teil der Provinzpresse Angriffe gegen die Juden gerichtet, so in den Tageszeitungen ״Pasch Ili“ und ״Eski Schir“. So etwas kannte man früher in der Türkei nicht. Als Kaufleute leiden die Juden mehr als der übrige Teil der Bevölkerung unter der wirtschaftlichen Krisis des Landes. Die jüdischen Schulen wurden vorher von der Alliance Israelite unterhalten. Jetzt, da fremde Schulen in der Türkei nicht mehr erlaubt sind, hat die Konstantinopeler jüdische Gemeinde 25 jüdische Elementarschulen übernommen. In den Provinzstädten (Adrianopel, Smyrna u. a.) wurden ungefähr 75 jüdische Schulen von der jüdisehen Gemeinde übernommen. Die Unterrichtssprache in diesen Schulen bleibt Französisch, aber es wird auch Unterrieht in Hebräisch, Englisch, Türkisch und Italienisch erteilt. Die Bnei Brith in Konstantinopel unterhält eine Mittelschule mit 500 Studenten, ebenso eine Mittelschule in PepOcken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im'Trägen, liefert kurzfristig Wien, 1. Bezirk, K&rntnerstrasse 8 (sichst dem Stefaaeplatx, tun die Ecke)