Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 25 (20.6.1924)
- Date
- 1924-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2629891-2630051-2630075--1474-2633239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SFTV׳W• WWWSf» KH W"V-־fl ־*!!' זי."י«יימיHV.U,1 WjWIY1J!ll|W pilJipjllliW^^ Seite 166 JÜDISCHE PRESSE Nr. 25 Lüfte hindurch, über unendlich weit gelegene Flächen und Steppen, schweifte ihr prophetischer Siele, und sie schauten, wie dort in den Siedlungen der Walchteln nach dem Wunsche des Schöpfers sich ein gewaltiger Zug und Aufstieg vorbereitete, und sie riefen: עלי שליו, kommet ihr Wachteln. $0 ward aus dem Gedankenkreise des jüdischen Volkes der Begriff ״Zufall“ ausgeschaltet. Oer denkende Mensch schaut weit zurück und sieht, wie sidb aus kleinen und kleinsten Ereignissen das vorbereitete, was heute bestimmt und bestimmend an ihn herantritt; der Mensch löst die Rätsel des Heute, indem er aus manchem Unbegreiflichen eine Quelle des Segens, richtunggebend für kommende Geschlechter, ahnt. Zu diesen geheimnisvollen Grundgesetzen gehört auch der Glaube, dass sich jedes Geschlecht die führenden Männer erzeugen kann, deren es bedarf. In mancherlei Sprüchen und Lehren ׳hat die jüdische Weisheit diesen! lebensfrohen Gedanken Ausdruck gegeben, zuerst haben ihn Eldad und Medad ausgesprochen. Im Lager, mitten unter der erregten, bald jubelnden, bald verzweifelnden, bald trotzigen, bald folgsamen Menge des Volkes brachten sie die Botsphaft. Moses wird sterben, Josua wird ins heilige ^apd führen. Der Volksmund kleidet diese Ansdiauung in den trivialen Spruch: kein Mensch ist unersetzlich. So gesprochen, klingt es hässlich. Wenn man aber sagt, je grösser der Mensch, desto tiefer wirkt er auf seine Zeit, desto sicherer wird er Schule machen, dass die dereinst seiner müden Hand entsinkende Fahne von anderen starken Händen aufgegriffen wird, wenn man ferner sagt und glaubt, der Allmächtige verlässt sein Volk nicht, lässt es nicht verwaisen, so dass er ihm jederzeit die Proptieten erweckt, die Führer erstehen lässt, sie begnadet mit Erkenntnis des Notwendigen und Guten, wenn man so sägt, dann mag man ermessen, welch gewaltige Kraft in dem schlichten Prophetenwort yön Eldad und Medad geborgen war. Und wenn die Propheten, die sichtlich gottbegnadeten Männer, schon gewissefmassen vqrher ihre Unterordnung unter den Führer jederzeit bekundeten, wie mächtig musste das a1׳)f das ganze Volk walten, wie sehr musst•' es das Volk zu williger^ Gehorsam erziehen! Doch weitpr, i-nmor weiter hinaus drang der Blick von Elcjad und Medad. Im Lager waren sie gepliebpn, im stilimnfriLdettn; da sahen sie auf dem Aptlitz vieler hange Fragen und wiederum seliges ffäumen, frohe Erwartung und kühnen Wagemut. Die Sehnsucht nach der Welt, nach der grossen, kampferfüllten, gepussverheissenden Welt zag durch das ganze Volk und lipss dasselbe den stillen Frieden seines Lagers geringscfiatzen. Da zeigten diesem Ypjjce Eldad und Medad all das Hässliche der Menscfiepk^pte; zeigten ihm blutige Schlachten und wilde nordep, ejseubexvehrte Trutzburgen und weherfüllte Schiachtfelder', und 'zeigten, wie־ nach all diesen Kämpfen die' müde, erholungsbedürftige Menschheit zum pager Israel sich flüchten würde. Hüte deip Lager fjir diese grosse Stunde! Also sprachen Eldad und Medad. In tausend Arten und Worten hat seitdem der Allmächtige durch seine Propheten diese$ Wort wiederhole^ lassen, Millionen von Lippen geben es täglich im Gebete wieder. An der Selbstentäusserung Eldads und Medads hat Israel gelernt, wie es still seine Pfade zieht, eip Wächter seines ׳Lagers bis zum Tage der Erlösung. K. Billigste Einkaufsquelle in Iminen- und Daipastwaren, Chiffone, sowie in Tropen- und Tischtüclftrti etc. " Lederer gries), ]Telephon 66-8-71 Kaiser und der Architekt“ und ״Moses“. Diese zwei tyklen sind schlechtweg grandios. In farbenprächiger technisch meisterhaft durdhgeführter Manier vurden zwei Epen geschaffen, die neben dem Tein [ünstlerischen!Empfinden auch ideell den Zuschauer erschüttern. Des Menschen Kampf nach einer ,Jiimmischen Stadt“ im ״Kaiser und Architekt“, sein grosses ^ufbäumen im ״Städteturm״ dem Kampf Moses um las Volk, das gewaltige Emporsteigen aus Mizraims Knechtschaft bis zur lichten Höhe des Sinai, bis :um letzten Blick auf das heilige Land, entrückt diese :wei Bilderwerke in die Sphäre der grössten Kunstyerke der Welt. ,An den fünfzig Bildern des Zyklus ,Moses ollte die heutige junge jüdische Generation in der jeschichte des Volkes unterwiesen werden, gleich-;eitjg sollten die Zyklen aber auch als leuchtendes Beispiel für den Begriff: Jüdische Kunst gelten. Die grossen jüdischen Museen haben bi&nun den ,Moses“ nicht erworben. Sie warten, bis das Werk;erstückelt, seines ■Werteis beraubt, der jüdischen )effentlichkejjt gphjt. Die letzten Worte könnten einen Verdacht eregen. öocti ärger poch als der ye^daoht txäfe der rarwurf, eiu iPUUx ']Noifö zur ^ettijn^ ejbaes Wejjkes i,r^ewd^dci1en {Rücksichten nicht gesagt zu tpben, p1nes~ Werkes, aas m den grössten־ Schöpfern- :eh Ttidisc^'KujU;sf gehört und das -Ytafcfetft $s ^te (AjLai se^t den jyerlcen Beza'Hefe -in gewaltig grosier Form gezeigt tiatVwas liidasche'Kunst ist."' Als Grundlage des Ipiigrutionsgesetzes dient statt des Zensus' ׳des"Jahres 1910 jener von 189p. Dies bedeutet, dass die Quote der Einwamjerer von 3 Prozent auf 2 fhozept festgesetetifsti u Folgende Kategorie!! "haben Einwanderungsrecht ausserhalb der Quote: 1. Die unverheirateten ärme und Töchter amerikanischer Bürger unter 18 Jahren. Das Gesuch um Einreisebewilligung muss vom Vater öder von der Mutter und vonzwei a'me rik a n i s c h e n Bürgern bestätigt an den Generalkomissär des Imigrationsamtes gerichtet werden.! 2. Emigranten, die bereits früher ordnungsgemäss in die Vereinigten Staaten kamen, um nur zu einem zeitwelligen Besuch in die alte Heimat zurückkehrtea. 3. Emigranten, die in Kanada, Mexiko, Kuba oder in einem anderen Staate in Mittel- oder Südamerika geboren sind. 4. Die einem geistigen Beruf angehören und Professoren, falls sie mindestens 2 Jahre vor Einbringung ihres Gesuches um Einwanderung in diesem Berufe tätig waren. 5. Studenten, die bloss zu Studienzwecken nach Amerika kommen. Imigranten, die innerhalb der Quote ׳einen Vorzug gemessen: 1. Unverheiratete Söhne oder Töchter amerikanischer Bürger unter 21 Jahren. 2. Imigranten, die eine ׳landwirtschaftliche Ausbildung haben und deren Frauen und Kinder unter 16 Jahren. Vom 1. Juli 1927 wird die nationale Herkunft massgebend sein für die Bestimmung -der Quote. Bis dahin gelten folgende Quoten: Oesterreich: alte Quote 7342, neue Quote 990, ab 1. Juli 1927 1840. ׳Tschechoslowakei: alte Quote 14.357,' neue Quote 1873, ab 1. Juli 1927 1320. England: alte Quote 77.342, neue Quote 62.458, ab 1. Mi 1927 91.111. Italien: alte Quote 42.057, neue Quote 3889, ab 1. Juli 1927 5878. Litauen: alte Quote 2622, neue Quote 302, ab 1. Juli 1927 444. Polep: alte Quote 30.979, neue Quote 8872, ab 1. Juli 1927 4509. Rumänien: alte Quote 7419, neue Quote 631, ab 1. Juli 1927 386. Russland: alte Quote 29.405, neue Quote 1792, ab 1. Juli 1927 4002. Ein müdes 1|nd ariups Lapd. Man schreibt un׳s aus N׳ew York: ״Wenn Ihre Leser diese Ueöerschrift, die ich meinem Bericht gebe, lesen wenden, so wenden sie sicher auf jedes andere Land raten, nur nicht auf Amerika. Daher ist es nötig einmal ein paar aufklärende Worte über das heutige Amerika zu sagen. ' ' Es ist nicht notig, viel Worte zu verlieren über die unäuslöschlichen Verdienste, die sich die Judenheit in Amerika durch das Bestreben erworben hat, in und nach der Kriegszeit den so schwer 'betroffenen Einzelmenschen und Institutionen in Europa neue pebensmöglichkeiten zu geben. Amerika gab wie ein!gütete Kind, getrieben von dem Drang zu helfen, ohne nach einem Worte des Dankes zu fragen! Unterdessen hat sich aber mancherlei geändert. Vor allem!weiss man hier ganz genau, dass man sich in •Europa etwas zu!sehr daran gewöhnt hat, auf Arperika als ׳den selbstlosen Geber zu schauen, man wejss“ ferner, dass die in gleicher wirtschaftlicher Lage sich befindenden Glaubensgenossen in Europa nicht entfernt so leistungs willig sind, wie es hier der Fall ist. Dazu kommt, dass .auch hier ׳der Kampf um die Existenz zu׳m Teil• sehr harte Formen angenomm enhat. Man ist in Amerika ein wenig müde geworden. Und e!s gibt Kreise, welche den Umstand, dass man sich iher recht wenig darum kümmert, wie und durch wen die reichen Mittel ihrer Verwendung zu'geführt wurden, sehr bedauern. Man komrpjt hier mphr und mehr zur Einsicht, dass man eben nicht gehen darf ׳wie ein gutes, williges Kin׳d, sondern dass gerade mit dem Geben eine hohe' sittliche Verantwortlichkeit verknüpft ist: die Sorge, (Jarüber zu wachen, dass das Gegebene auch richtig verwendet werde. Es ist einfach'nicht wahr, das's unser Amerika noch immer das Land des Bluffs ist. Man will ׳die Zwecke, für die man spendet, prüfen, und das führt dazu, auch über gewisse Ideen nachzudenken. Hier kann ein Wendepunkt in der Geschichte der Juden in Amerika beginnen. Warum es leugnen? Das jüdische Amerika war bisher arm an Ideen. Nur die Not sprach zu den Menschen und dieser Schrei der Not fand ‘einen WideiHiaU in dem Willen, zu helfen. Aber nun beginnt man sich zu besinnen auf die Not der eigenen Seele; nun beginnt man zu prüfen, ob das, wofür man bisher von seiner Habe gerne und willig geopfert hat, nicht auch den Tiefen idqr eigenen Seele etwas zu sagen hätte. Man sudhjt jldyen. Und nian weiss schon, dass'man Ideen mit detp Dollar allein nicht kaufen kann. Hier wäre hup 4er Ptyrnkt gegeben, an •dem Europa einsetzen fc^Dcofe, um A^e.ifc alles das mit reichen Zinsen wiederzuigeöen, was es in so grossem Umfange empfangeh hat.!Es wäre ei^yas noch nioh^ Dagewesenes, leiden noch Dagewesenes, wenn einmal $1e grq&sejji Menschen in!Europa die Pfliöttt eäjpfiTHden) wür4e!j1, nicht eiiwas aus ApexiKa fu ^ojen, sondern etwa£ -®mm.pm>m: 9e״w?״v״10 ־״״M: ren d#e E!#h־ejr der ,vqp emerfi weltverswiwo» ■WJmk# 5«pi 'de; irrten Welt 3 eigenen Haari künstlicher Haararbeit ei blunxtetf SciehelhjeredSt rßlüfftiraJl&r TäuscfiftWjf niMhgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth, Hraut leichten und freudigen Herzens entschliessen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Oie Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflich st eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franse Balla, Wien, IV., Gusshausstrasse 26 Telephon 58-9-12 einen Tikkun zu bringen, so müssten jetzt grosse Menschen zu uns kommen, um zu zeigen, dass es etwas gibt, was losgelöst von materiellem ׳Erfolg sich die Welt erobert. Die amerikanische Welt der jüdisehen Seelen liegt offen da; es fehlt nur der Eroberer. Er wirld uns willkommen sein...“ © NACHRICHTEN. © Zentralratssitzung der Agudas Jisroel. Wien. (A. J. P. B.) Wie vom Zentralbureau der Agudas Jisroel gemeldet wird, wurde die nächste Zentralratssitzung für den 9.!Elul 8)׳. September) nach Krakau einberufen. Gründung einer Orts- und Jugendgruppe in Deutsch- Kreutz. Sonntag den 13. Sivan fand hier die Gründungsver- Sammlung einer Orts- und Jugendgruppe statt, zu der von Seite der Landesorganisation die Herren Wolf Pappenheim und M. Schey erschienen. Nach der Begrüssungsansprache des Kultuspräsidenten, Jierrn Katz, ergreift Herr Oberrabbiner Kohn zu einem ausgezeichneten Referat das Wort, in welchem er die Ziele und Aufsaben der Agudas Jisroel gebührend würdigt, und erklärt es — im Hinblick auf die Tatsache, dass überall da, wo Agudas Jisroel Eingang gefunden, Tbauroh und Jirath Schoma'jim die ihnen angemessene Förderung erfährt — als Pflicht eines jeden wahren Jehudi, sich an Agudas Jisroel anzuschhessen. ^Herauf bespricht Herr Pappenheim die bisherige Tätigkeit der Agudas Jisroel und hebt besonder den auf der Kenessio Gedaulo geschaffenen Keren Hathora hervor, dem die Erhaltung der Thoraiehrstätten obliegt. Anschliessend schildert Herr Schey die Wichtigkeit der Organisierung aller gesetzestreuen Juden und betont, dass ohne diese die Durchführung einer grösseren im Interesse Klall Jisroeis gelegenen Aktion einfach unmöglieh sei. Herr Oberrabbiner Isak Kohn aus Ferro, der gegenwärtig hier zu Gaste weilt, unterzieht in ausgezeichneter Weise die Bestrebungen Agudas Jisroeis einer eingehenden Würdigung und erklärt, dass er bestrebt sein werde, diese in seinen Kreis einzuführen. Ueber Antrag des Herrn Rosenbaum wurde ein Aktionskomitee, bestehend aus folgenden Herren, gewählt: Herr Oberrabbiner Josef Kohn, Ehrenpräsident; Herr Kultuspräsident Katz, H. Rosenbaum, Reiner, Goldmann, Spiegel; für die Jugend: B. Kohn, G. Feigelstock, B. Hacker, Bela Bischitz. Der würdige Verlauf der Versammlung lässt erwarten, dass sich alle Mitglieder der Gemeinde an Agudas Jisroel anschliessen werden. Vom isr. Taubstummeninstitut. Montag den 16. Juni fand im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde eine Versammlung von Notabein und Vertretern der grossen jüdischen Korporationen statt, welche von dem Vorstande des isr. Taubstummeninstitutes einberufen war, um über die Sanierung dieses Institutes zu beraten. Herr Präsident Dr. Weiss verwies auf die rühmreiche Geschichte dieses Institutes, das seit 80 Jahren zahlloses Elend behoben hat und durch seine mustergültigen Einrichtungen, speziell durch den ausgezeichneten Unterrieht unter den gleichartigen Instituten des Kontinents den ersten Rang einnimmt und eine Zierde der Wiener Judenschaft bildet. Seit Kriegsbeginn befindet sich das Institut in finanziellen Nöten, die jetzt den Kulminationspunkt erreichten. Wenn nicht prompt ausgiebige Hilfe kommt, muss das Institut geschlossen werden und 63 der unglücklichsten Kinder, ein grosser Teil von ganz unbemittelten Eltern oder Waisen müssen auf die Strasse gesetzt werden. Herr Professor Dr. Alexander, Direktor Dr. Krenberger bekräftigten die Ausführungen des Präsidenten. Die Herren Kultuspräsident Professor Dr. Pick, Univ.-Professör Dr. Ehrmann, Präsident der Chewra Kadischa Dr. W. Pappenheim, sprachen zur Sache, Kultusrät Baurat Kempler macht eine Reihe von Vorschlägien. Nachdem tiöch Frau Direktor Üilmann das Wort ergriffen, wui׳de beschlossen, da die ganze Versammlung die hohe Wichtigkeit der Erhalsfyst^r ^£ise sich benrähe, cüe nötige!!,‘ sehf ',bfe^eu^nd|n Summen aufzubringen. Öoffefttiich werden auch die!Leäer dieses Blattes den hehren Zweck würdigen und aus allen Kräften zur Erhaltung des!Institutes beitragen•