Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 25 (20.6.1924)
- Date
- 1924-06-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. mmi n m ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion ur Wien, II., Malzgasse Tschechoslowakei: Erscheint jeden Freit! Für Artikel Sonntag, 1d Administration t 12 a. — Telephon 49.054. Bratislava, Postfach 140. ng. — Redaktionsschluss: mr Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Ooldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei KC. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar S, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag,■ Konto Nr 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rumünien: Ban ca Marmarosch Blanc &Co ffir Florenz 8t Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Mr. 25 Wien-Bratislava, 20. Juni 1924 .ב*ה ויענדדפרעסםבורג י*ח סק תרפ״ד 10■ Wien, den 17. Siwan 1924. Wakuf bedeutet nach dem alten ׳türkischen Recht ungefähr das, was hekdisch im jüdischen und Kirchengut im modernen Staatskirohenreoht bedeutet. Die englische Regierung, ,welche nach Lage der Dinge den Zionisten politische Vorteile nicht anbieten kann, hat schon seit geraumer Zeit den anderen Weg eingeschlagen, indem sie der zionistischen Organisation die Juden in Palästina preisgibt, sowohl in bezug auf die innere Organisation der Juden in Palästina, als auch neuerdings in bezug auf den Wakuf, d. h. alle religiösen Zwecken dienenden Vermögens- Objekte, oder richtiger gesagt, alle von Juden für Juden errichtete Stiftungen und Wohltätigkeitsanstalten sollen unter das Regiment des Oberrabbinates gestellt werden. Dass dadurch eine ganz bedeutende Stärkung des Einflusses der zionistischen Organisation gewollt wird und erreicht würde, ist klar. Es erhebt sich;jedoch die Frage, ob dies mit dem sonst geltenden Begriff wohlerworbener Rechte vereinbar ist. Man mag über die Chaluka denken wie man will, es steht ׳jedenfalls fest, dass die Kolalim, die Rechtsträger der Chaluka einen Löwenanteil an der Erstellung vieler derartiger Einrichtungen ׳haben. Es sei nur daran erinnert, dass die Bote machaseh hauptsächlich von diesen Organisationen erstellt sind, indem diese in weiser Voraussicht schon seit mehr als einem Jahrhundert der Wohnungsnot in Jerusalem zu steuern versuchen. Selbstverständlich lag dabei, wie es ursprünglich im Programm der Chaluka beschlossen war, die Absicht zu Grunde, solche Mensehen, welche entschlossen waren, auf heiligem Baden den Idealen des Judentums zu leben, •eine Heimstätte zu gewähren. Man mag und darf sich darüber nicht täuschen, dass diese neue Wendung der Dinge die gewissenhaften Führer der Kolalim vor die sehr ernste Frage stellt, ob es nicht sittlich zulässig ist, Beiträge nach Jerusalem zu senden, die letzten Endes einer Organisation zugute kommen, welche zumindest an der Erhaltung des religiösen Elementes nicht interessiert ist. Damit wäre freilich der ׳Grundgedanke des alten Jischuw definitiv zu Grabe getragen. Wir sind aber der Anschauung, dass es die Kolalim bei diesen Zustande nicht bewenden lassen dürften. Es müssten alle Wege versucht werden, um wieder in den Besitz ihrer wohlerworbenen Reohte zu gelangen, im äussersten Fall auf dem Wege einer Zivilklage, denn trotz aller Erfahrungen sind wir überzeugt, dass es noch Richter in Jerusalem gibt. Vielleicht aber!gibt diese Angelegenheit auch vielen unserer Freunde den Anlass zum sorgfältigen Nachdenken über die Gewissensfrage, ob ׳es recht war, den Rechtsgedanken des alten Jischuw so ohneweiters in der Hurrastimmung einer Balfour-Erklärung preiszugeben, ob es in der Tat am Platze war, Palästina und seinen Aufbau ganz in einer Reihe mit den sonstigen Kolonisationsmethoden rangieren zu lassen. Das bedeutet es, wenn man behauptet, dass jeder Pfennig produktiv angelegt werden müsste und wenn man dabei übersieht, dass die Ermöglichung eines nur dem Idealen zugekehrten Leben Produktiv!- tat im höchsten Sinne des Wortes ist. Auch die Ideen haben ihre wohlerworbenen Rechte, die man nicht so leichten ׳Herzens zum alten Eisen werfen sollte. Das Wort haben die Führer der Kolaliim. Die Gemeindewahlen in Warschau. Die Aguda mit 17 Mandaten an erster Stelle. Nachdem die Wahlen zu den jüdischen Gemeinden in den Provinzstädten Kongresspolens so erfolgreich für die Aguda ausgefallen sind, konzentrierte sich die ganze Kraft der Parteien auf die zwei Grosstädte Warschau und Lodz, wo die Wahlen für Sonntag den 13. Siwan 5684 (15. Juni 1924) ausgeschrieben waren. In Lodz hat die derzeitige Gemeindeverwaltung es durchsetzen können, dass die Wahlen erst verschoben wurden. Sie werden erst p, 6. Juli (14. Tammus) stattfinden. Hingegen fanden sie in Warschau zum ausgeschriebenen Termin ordnungsgemäss statt. Die ungefähr 50.000 jüdischen Wähler Warschaus sollten 50 Gemeinderäte in die jüdische Gemeindeverwaltung entsenden. Siebzehn Gruppen traten in den Wahlkämpf ein. Die Liste des vereinigten Komitees des religiösen Blocks hat 17 Mandate errungen. Der jüdischnationale Block 14. Die übrigen Mandate erhielten die Handwerker, Bundisten und andere kleine Gruppen. Die Botschaft über den Sieg des religiösen Blocks in ׳Warschau wird nicht nur für die polnische thoratreue Judenheit, sondern für die Orthodoxie der ganzen Welt eine angenehme Ueberraschung bieten. Eldad und Medad. Wenig beachtet und doch so bedeutsam gehen Eldad und Medad durch die Geschichte unseres Volkes. Es lohnt sich, das zu vergegenwärtigen, was unsere Weisen zur Erklärung der in der ׳Bibel mitgeteilten Tatsachen uns zu berichten wissen. An Moses war der Befehl des Allmächtigen ergangen, siebzig der Aeltesten sich als Mitträger der Verantwortlichkeit gegen das Volk beizugeben. Um ja keinen Stamm zu kränken, wählte Moses aus jedem Stamme sechs der Würdigsten aus, um dann durch das Los entscheiden zu lassen. Um die anderen der Ehre teilhaftig werden zu lassen, blieben Eldad und Medad freiwillig zurück. Diese zarte Rücksicht auf die Empfindung anderer, diese Bescheidenheit und Selbstentäusserung lohnte der Allmächtige, indem er ihnen reiche prophetische Begabung verlieh, ihrem Blick die ganze Zukunft eröffnete. In drei ׳Worten sprachen sie zum Volke, sie verkündeten das Ereignis der Wachteln, den Tod Moses und die letzten Kämpfe der Menschheit, welche an der Schwelle der messianischen Zeit stattfinden werden. Die drei Verkündigungen waren gleichzeitig ein Bekenntnis. Dem anstürmenden Verlangen des Volkes nach Fleischnahrung gegenüber hatte selbst Moses den Mut fallen lassen. Lag denn, so fragte er, die Erfüllung dieses Verlangens im Bereich der Möglichkeit? Denn Moses hatte geglaubt, dass in der Ergänzung durch den Rat der Siebzig nunmehr eine neue Periode in der Geschichte des jüdischen Volkes eingetreten sei, dass es fortan, wie andere Völker, darauf hingewiesen sei, unter dem Zeichen נם נסתר, des unter dem Schein der Naturgesetze sich vollziehenden Wunders m leben, da es nun auch in der Führung den Beispielen anderer Völker gleichgestellt zu' sein schien; konnte doch daduroh leicht die Meinung erweckt werden, als ob nun mit Anspannung aller menschlichen Kräfte, mit Aufgebot von Rat und Tat die Befriedigung der Bedürfnisse des Volkes erzielt werden. Da war es jenen beiden bescheidenen Männern, die im Lager in schlichter!Erfassung der Alltäglichkeit geblieben waren, Vorbehalten, dass sie verkündeten, es gibt kein Naturgesetz, das nicht lebendiger Zeuge der Allmacht und Allgüte des Ewigen wäre. Durch die Jüdische Kunst. Zu Uriel Birnbaums dritter Kollektivausstellung. Selten begegnet man in den Spalten dieses Blattes einer Rede über die Kunst. Das jüdische Leben, eingesponnen in die grosse Not der Gegenwart, bis an den Rand erfüllt von Leid und Unglück, unheilschwanger, weil Keime der Verderbnis für die Zukunft in sich bergend, hat keine Zeit, keine Müsse, keine Mittel, um sein Interesse der Kunst zuzuwenden, um jüdischer Kunst einen entsprechenden Raum im Leben des Volkes zu gewähren. Der grosse Konflikt zwischen dem Gesetz, Unheiliges vom Heiligen streng abzuscheiden, alles was nicht dem Göttlichen und nur dem Göttlichen dient, aus dem Leben eines jeden Gesetzestreuen auszumerzen, und dem menschlichen Bedürfnis nach Schönheit und Schönheitsgestaltung ist zutiefst im Volksinstinkt eingegraben. Erst als der Niedergang kam und grosse Teile vom Wesentlichsten des Volkes — seinem Glauben — abgesprengt wurden, haben sich jüdische Menschen der Kunst zu wenden können und Grosses in den Bezirken der schönen Künste geschaffen. Aber in allen ihren Werken und Meisterwerken waltete der schicksalhafte Zwiespalt zwischen Heidentum (Kunst) und Judentum (Glaube). Es musste erst ein langer dornenvoller Weg zurückgelegt werden, es musste Emanzipation, Reform, Nationalismus die Absplitterung grosser Teile der jüdischen schöpferischen Intelligenz an jede modische Bewegung und Richtung verursachen, damit sich langsam die Anscham1ng durchsetzen könne, dass nichts wahrhaft Jüdisches reifen kann, wenn es nicht unter der Sonne des Glaubens geblüht hat. Verliert der jüdische Geist nur ein Atom seiner treibenden Kraft — des Glaubens — so entstehen Werke und Schöpfungen, die zwiespältig, unwahr, ergo sinnlos sind. Aus der uralten Zeit der Volksgeschichte winkt durch die Jahrtausende hinüber der wahre Typus des jüdischen Künstlers, dessen Name sein Programm gewesen ist:!B e z a 11 e 1. Im Schatten Gottes stan!d und wirkte der wahre jüdische Künstler, dessen Drang nach Gestaltung der Schönheit, der Verherrlichung des Ewigen gewidmet war. Solche Kunst wurde Gottesdienst. Kunst zum Gottesdienst erheben, ist nicht mehr Spiel und eitle Freude an schöner Form, sie stellt an den Schöpfer und an den Geniesser grössere Aufgaben, deren Lösung beim vorhandenen sittlichen Ernst zur Pflicht wird. So ist es einigermassen verstündlich, warum es m diesem Sinne so ■wenig wahrhaft jüdische Künstler und Kunstgeniesser gibt. Zu solchem Künstlertum gehört!mehr als Talent und Kenntnis 'der Materie, gehört Berufung — zum Genuss solcher Kunst gehört mehr als feines Empfinden und Freude an Schönem — gehört festes Wissen um die Welt und vor allem Gläubigkeit. Beides ist in unserer Zeit Seltenes. Dem Künstler ist materieller Erfolg Masstab geworden, der Zuschauer geht meilenweit jedweder Erschütterung aus dem Wege, krauses Flitterwerk ist i׳hm Spielzeug, Zerstreuung und Befriedigung genug. In digse Zeit und deren Geist ist die Kunst Uriel ßimrnbaums eine glänzende Berechtigung für schönsten Optimismus in bezug auf die jüdische Kunst. Jüdisch in jedem Worte seiner Dichtungen, ׳jüdisch in jeder Linie seiner Bildwerke. Man hat Uriel Birnbaum den ׳grössten Dichtern der Weltliteratur gleichgestellt. Alfons Petzold nannte ihn zugleich mit Homer und Dante, Ferdinand Gregor! rief ihn den dreizehnten Propheten usw. Oesterreichs massgebendestes Richterkollegium ehrte und anerkannte Binrnbaum durch die Verleihung des Bauernfeld^Prei'ses. Alle aber waren sich -einig, dass in Birnbaums dichterischem Werk wahrhaft jüdischer Geist lebt, sein Verdienst doppelt so gross ist, weil seine Kunst wahre Kunst ist in dieser Zeit vanidaiischer Zerstörung der Schönheit. * Die in der dritten Kollektivausstellung zu sehenden Bilder '-bilden, was Technik, Originalität und Ausdrucksart anbelangt, den Gipfelpunkt Birnbaumsehen Schaffens. Es ist ׳hier nicht möglich, auf die Einzelheiten einzugehen. Schon die Aufzählung der einzelnen Werke würde einen zu grossen Raum in Anspruch nehmen. Aber blosse Andeutungen werden genügen. Zwei Bilderzyklen sind ausgestellt, betitelt: ״Der Ottmar Schiff — - .1 <10ש-— üär»tstrrl*a 1fr. 4 («'«»!»er «na u«tei Btistoi), Cei. *1-3*« Di« grösst« international« Ktmstotrkstän« für Perücken, Scheitel und Cransformationen €» gro$ — e» getan / Billigte €iMt4«y$q«tne / Die ümtcilMiig nt ««raut. 4a«ene»emeM ttafrtwtf liefert seit «ehr als aiAtrtDalb Jabrstbitta «ea orthodoxe« Baata aller Einer Perücke». SteaMht la Bra«t*$c»cltela. Biese werde» «er miicfteafrisw Nit verlllftea«er Clascbaag aactoettacftk |T Un tw Uretttrm x» scMBte«, bitte «et gma»ea OTHMAR ■a« «fe mresse ton»t« beachtet f