Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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מד¥ו״י?״י!מ!^*׳ימ1ין! WfMJqiup^^M-fV.jp'PP I .וי •I ייי״» kjiihp״ I m- 1׳! Seite 160 JÜDISCHE PRESSE Nr. 24 ganda geführten Wahlkampfes der linksgerichteten Parteien sich für den religiösen Charakter der Oemeinde entschieden hat. Wenn man die Agudisten, die unparteiische religiöse Juden, die Radomsker und Alexander Chassidim als religiösen Einhedtsbloak zusammennlimmt, so ergibt das, dass 69 Prozent der polnischen Judenheit unbedingt für den alten Charakter der religiösen jüdischen Kehrloh eintritt. Die HandwerkeT, Misrachi und Kleinbürger repräsentieren weitere 14 Prozent der polnischen Judenheit, der zumindest nicht gegen den religiösen Charakter der Gemeinde ist. Mit der ausgesprochenen Wahlparole gegen den religiösen Charakter der Gemeinde sind bloss die Zionisten, Bundisten und Volllasten in den Kampf gezogen, die insgesamt 16 Prozent der Mandate erringen konnten. Wären die religiösen Gruppen geschlossen vorgegangen, so würde ihr Sieg noch grösser sein. Jedoch die Agudagegnerschaft liess sehr zum Schaden der religiösen Sache nicht alle religiösen Gruppen in einen gemeinsamen Block vereinen. Es ist schon aus den ersten Wahlresultaten zu ersehen, dass überall, wo die Aguda eine starke Organisation hatte, der Sieg des religiösen Blocks besonders durchschlagend war. Das eine steht jedenfalls fest, dass trotz der Zersplitterung der religiösen Parteien die Aguda 59 Prozent der Mandate erobern konnte. Dieser Ausfall der Gemeinidewahlen wird A-gu׳das Jisroel als die Vertreterin des grösseren Teiles der polnischen Judenheit, die in ihrer überwiegenden Mehrheit religiös orientiert ist, erscheinen lassen. Dies bedeutet neue Pflichten für die Aguda in Polen. Abgeordneter Kirschbraun, der 1Führer der orthodoxen Sejmgruppe hat auch bereits in einem grossen Wahlmeeting in Warschau das Programm des vereinigten religiösen Blocks bekannt gegeben. Aus diesem Programm ist zu ersehen, dass die Aguda den religiösen Charakter der Gemeinde nicht etwa so auffasst, dass alles, was nicht direkt mit dem Kultus zu tun hat, die Gemeinde nicht angeht, sondern dass alle jüdischen Angelegenheiten in den Wirkungskreis der jüdischen!Kehliloh fallen, •die aber die unbedingte •und ungeschmälerte Hrrschaft des Thoragesetzes anerkennt. ׳Besonders die Schulfrage dürfe nicht mehr eine Angelegenheit •einzelner privater Vereine bleiben, sondern müsse die Aufgabe d׳er ganzen jüdischen Gemeinde werden. Desgleichen die soziale Fürsorge sowie die Regelung der Emigration. Es ist zu erwarten, dass das Endresultat der Wahlen in!Polen den grossen Sieg des religiösen Blocks und die gewaltige •Bedeutung der Aguda noch eklatanter zeigen wird. Der günstige Ausgang der Wahlen in Polen wird der thoratreuen Judenheit ln der ganzen Welt neuen Mut geben, zum Kampfe für den religiösen Charakter der Gemeinde. Es wird sich zeigen, dass die polnische thoratreue Judenheit nicht nur zu siegen verstanden hat, sondern auch den Sieg durch fruchtbringende Arbeit zu behalten. So wird der Wahlerfolg für die Dauer und nicht nur für die polnische Judenheit eine Quelle der Regeneration des jüdischen Volkes werden. WIENER ZEITKUNST Dritte Kollektivausstellung Uriel Birnbaum im Saal• des ״Neuen Frauenklubs“ Wien, I., Tuchlauben 11, 9 - 6 Uhr. Im Rahmen der Ausstellung hält Uriel Birnbaum folgende Vorlesungen aus eigenen Werken: Dienstag S. Juni: Biblische Sonette. — Donnerstag 12. Juni: Die Viaion ▼on ltl4. — Mittwoch 18. Juni :ln Gotte« Krieg. Leben und Liebe. - Donnerstag 24. Juni: Moses, (hin Vortrag.) Beginn der Vorlesungen halb 8 Uhr abends. Vorrerkaufakarten in der Ausstellung. Biil/aien, jtonf-, Juteml Sdlenearen Stroh ft C )• (Inhaber B&iohits ft 8tern) I Wien, n., Mühlfeldgasse 9 (gegenüber der Nordbahn) Telephon 46 471־ Telephon 46-4-71 Fabriksniederlage und eigene Manipulation sämtlicher Jute• und Seilerwaren für den landwirtschaftlichen, industriellen und kommerziellen Bedarf. Hanf• und Papierspagat in allen Stärken (roh und gefärbt), Hanf- und Jutegurten in aJ en Breiten,sowiePackmaterialien, Tapezierer-u. Packjute in allen Breiten, Stränge, Stricke, Garbenbänder, Selchergarne, Sackbandeln, Seile, Nahgarne usw. usw. Bei Bedarf ▼erlangen Sie bitte Offerte! Die palästinensische Delegierten- Versammlung. Von Dr. J. ben Porath in Jerusalem.!Der nachstehende Aufsatz entstammt der Feder eines ■der Aguda fernstehenden!Mannes; er ist in einem amerikanische n Blatte erschienen. Auf der letzten Sitzung des Waad Leumi in lerusalem wunde beschlossen, die dritte Session der DalegierbenverSammlung kommenden Monat einzuberUlfen. Es lohnt sich daher, auf Wesen und Charakter den Delegiertenversammlung näher eintzugehen. An der Bedeutung und der Notwendigkeit dieser ,Institution an sich wiind wohl keiner zweifeln. Jeder Jude, *welcher Klasse und Partei er auch immer angeboren mag, muss zugelDcn, •dass in diesem politisch 'wichtigen Momente wir eine alljüdiische Institution besitzen müssen, als Organ d׳e,s jüdischen Volkes und Vertretung seiner politisehen Interessen nach aussen. Bleibt nur die Frage, ob die sogenannte Delegierten- Versammlung in Wtnkliühikeiit •dieses nötiige Onglan darstellt und in ihrer heutigen Form und Zusammenstellung als Vertretung der ganzen jüdischen Bewölkerurtg in Falästina gelten kiann. Diese Frage ist mit einem kurzen, klaren Nein zu •beantworten. Die Delegiertenvensammlung in ihrer heutigen Gestalt vertritt nicht dais ganze jüdiisahe Palästina und hat sich auch nicht so beiwährt, wie sie es tun müsste •und auch könnte. Eiine richtige Voliksinstütution muss zusammengesetzt sein von allen Schichten umid Parteien! des Volkes. Sie darf nicht einseitig sein, wenn sie nicht!ihren Voltoscharalkiter verlieren u׳rtd zu •einem Parteliikhib herabsinken will, mit dem im öffentlichen Leben weiter nicht viel zu rechnen ist. /Die Delegiertenversammlung vertrat in ihren •3w׳ei Hetzten Sessionen nur einen Teil der Bevölkerung, den lin- 'ken Flügel, verkörpert durch Aohdut Haaibodia und fiapoel lia'zair, während das Orthodoxie Judentum, von der Aguda bis zum MlisraxM, in der Körperschaft überhaupt nicht ver- 'treten wlar. Wiewohl seit der ersten Session drei volle Jahre verstrichen sind, die dfie Lehre erbracht haben, dass diie Deleigierteniversammlung, ohne von allen Teilen •des Volkes ,gewählt zu sein, soiwohl gesetzlich wie infolge ihrer politischen Schwäche gar nicht exiafce nzlberechttigt ist, verharrt die Linke auf ihrem Standpunkt, so dass die dritte demnächst zusammentretende Session um kein Haar •andens und besser •sein wird wiie die izweö voramgegangenen. Und׳ wie traurig, wenn man bedenkt,!dass die erste und letzte Ursache des Müsstandes, der Eigenwille der extremen Linken ist, die kein Jota von ihren radikale® Lehaohisprinziplen aufgilbt und diesem alle jüdischen Intercssen zu opfern gewillt ist, Prinzipien, die auch von 'ihrem Standpunkt aus nur theoretische Bedeutung haben und keinesfalls praktischen Wert. Es dreht sich um das Stimmrecht der Frauen. Das ■fromme Element konnte sich •begreüfTiicherweiise nicht damit •abffinden, das Fraluenisibimmrecht in den Wahlmodus für die Deliegiertenversamimlung hineirtzuneihimen. Die einen sehen darin einen schweren Verstoss gegen •das jüdisohe Gesetz, die anderen zumindest geigen diie alte jüdische Satte. Und wenn die Gesetzestreuen mit blutendem Henzen leider schweigend! den vielen Ausschreitungen gegen die Religion und den Sabbat Zusehen müssen, so kann man doch von ihnen nicht verlangen, dass Sie noch die Hand reichen und in einer Iinstitutfion mitarbeiten, die durch diese Elemente repräsentiert wird und •die, wenn sie mitanachen, die Abbe®- tiaite gegen die Religion auch noch rm Namen der religiösen Juden verüben könnte. Es ergibt sich von selbst, dass während für die frommen KreSse die Frage des Frauenwaihlrechtes eine religiöse Frage i!st, •bei der ein Nachgelben gleichbedeutend wäre mit einer Selllbsitatrf&abe, etiner völligen SeIbsibvernichtun!g, •diie Linke aheT diese Frage zum Mittelpunkte einer Lehaahis- Politik gemacht hat oder als willkommenes ׳Mi;cd benutz;, die unerwünschten Frommen von der Delegiertemversamimlung ferrazuihalten. Lieber verzichtet man auf Recht und Ansehen, auf alles, wem nur die Rechte draussen bh-ibt. Es ist die Poßüt'Sk des ״Es sterbe meine Seele mit den Philüstern ...!“!Die Tatsache, dass bei anderen Wahlen, die aaf Gru nd des Frauen Wahlrechtes vor sich gingen, w ie beispielsweise den städtischen Wahlen in Tel Awiw und Petiiach '1!kwa, keine einzige Frau gewählt worden ist, ist eine lebendige Bestätigung unserer Annahme, dass es sich auch bei der Delegiertenlversamimllung bei der Linken lediglich •um ein Prinzip :handelt •unjd!weniger um die S;uhe selbst eine lächerliche Kaprize von Leu:1׳:־, deren grösste!Sorge •es!Ist, alle!jüdischen Spuren׳!im neuen1 Leben Palästinas zu verwischen. Wer noch ׳daran!zweifelte, erhielt die Gewissheit in der •letztem!Versammlung des •Waad iLeumi, die •sich u. a. auch mit!der orthodoxen Deputation bei König Hussein!befasste.!Schreiber dieses ist kein (Mitglied der Aguda und erachtet es daher auch deshalb nicht als seine Pi'u! , ihre Handlungen izu •verteidigen. Er (ist sogar der Meinung, dass die Aguda darin 1w!ie überhaupt •den äusseren Feinden gegenüber mehr Vorsicht üben• •m)üss׳te!unid er hätte gegen eine sachliche Kritik dieser Harjdlunig!auch nichts eintzniwenden. Wie erstaunt mussten •w׳ir aber bei den! Debatten des Waad ■Häleumi gewahr «werden, dass e!s den Herren von links gar nicht so sehr •um die Kritik dieser ׳Hanidlu.nig zu tun war,!sondern um etwas ganz anderes. (Die Kritik konzentrierte ■sich auf einen Punkt der orthodoxen Forderungen, der keine Kritik verdient, und sie rückt den ganzen Religionshass dieser sogenannten ■jüdisch-nationalen Patnioten .ins richtige Licht.!Die orthodoxe Delegation bei Hussein hatte nämlich erklärt: ,,Das jüdische Rectr auf Erez ׳Jüsrael!ist bei •uns Tradition, von der w!i׳r nie den Sinn ahlenkem. (Beten׳ ׳wir •doch dreimal 1täglich um •den Wiederaufbau •von Zion und Jerusalem.“ Diese Aeussenurtg entfesselte alle Leidenschalfiüen) •bei den Nationalen! ln Waid Haleurrii. Wo erhält man den wirklich naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach jahrzehntelangen Bemühuegen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschließen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche d©■ nachstehenden Ateliers höflicbst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Bailag Wien, IV., Gus«bau8stra8se 26 Telephon 58-9-12 Die Wegscheide. Zu Nathan Birnbaums 60. Geburtstag (11. Dar). Vo® Dr. Robert Welss. Wien. Der nachstehende Aufsatz von Dr. Robert Weiss veranlasste in der zionistischen Presse eine lebhafte Auseinandersetzung über die Bedeutung *des jüdischen Religionsgesetzes innerhalb des jüdisohe®׳ Nationalismus und dürfte in Kreisen׳ •unserer Leser Interesse hervorrufen. Hat sich Nathan Birnbaum auch seit einigen Jahren einem anderen politischen Lager des jüdischen Volkes angeschlossen, seine geistige •Nachwirkung im Zionismus blieb bestehen, ja es hat sogar den Anschein, als ob die Gedankensaat, die vor Jahren seinem unruhigen, immer mit sich! unzufriedenen Geiste entströmte, nunmehr zu den ersten, historisch beständigeren Früchten entgegenredfte. Birnbaum sagt im ״Gottes Volk“ über seinen Weg: ״Nachdem ich einmal vom blossen Getsinnungsnationalismus zur Forderung ׳weltlichen und dann religiösen Wesensjudentums vorgedrungen bin, kann es mir schliessüich nicht verborgen geblieben sein, dass auch Entjudung des Wesens, einmal voihanden, durch das •jüdisdinationale Bekenntnis allein nicht gebannt ist.“ Birnbaum hat diese bitterste Erkenntnis 1Über den modernen Zionismus schon vor vielen Jahren empfangen, sie schuf seine grosse geistesgesohichtliehe Bedeutung für die umstäte Zeit der Gärung im Volk. Birnbaums politische Zäeüe liegen in Vielem heute fernab von den Anschauungen der organisierten Zionisten; aber die Kritik, die er als ׳einer der Unser!- gen vor Jahren an uns richtete, hat an Wahrheit und Berechtigung nichts eingiefoüsst. Der Zionismus der Herzl-Zeit konnte dem jüdisehen Volke nur eine politische Orgamisationsform schaffen. Wohl arbeiteten von den ersten Anfängen der Bewegung an auch Juden in ihr, welche die Bindüngen der historischen, nationalreliigiösen ׳Lebensform für verbindlich erachteten, aber weder gesetzestreue Einzelne, noch ihre Fraktion, der Misrachi, war und sind bis zum heutigen Tage von ge ästigem Einfluss auf das innere Werden der Bewegung. Obwohl die Mehrheit im Volke und demgemäss auch die faktische Mehrheit in der zionistischen Organisation die Lehren der jüdischen Tradition als Basis jedes jüdisch sein wollenden Schaffens beachtet wissen will, waren die agileren und politisch routinierteren ״Freigeistigen“ und nicht ׳der gesetzestreue, in politischen Dingen sentimental — naive Jude bestimmend für •die repräsentative geistige Haltung des Zionismus. Das historisoh vielleicht notwendige!, aber kulturell verhängnisvolle Zusammentreffen der Haskaia- Ausläufer mit dem politischen Zionismus Herzlsbher Diktion hat das Wiederaufqueüen der alten Zionsliebe *ermöglicht, hait sogar in!unseren Tagen die politischwirtschaftlachen Grundlagen des dritten Jischuw geschaffen, hat alle Gebiete des jüdischen Denkens und Lebens •befruchtet, aber gerade dieses Zusammentreffen von Haskaia und Zionismus hat die Lebensinhalte und Lebensformen von Hunderttausenden der besten Juden entjudet, ihre innerliche und äusserlidhe Gebärde näherte sich der Umwelt, dem Nichtjüdisehen, obwohl doch ein ׳jeder sich formal! gewiss zum Nationaljüdischen bekannte. Herzls unbekümmerte Unwissenheit von der überlieferten jüdischen Lehre war und ist ׳geistig für den modernen Zionismus bestimmend geblieben. Adolf Böhm hat dies in seiner Geschichte des Zionismus in aller Klarheit betont: ״Zwar hatte •dieser (Herzl) von der ״Heimkehr zum Judentum“ gesprochen und in einzelnen Aufsätzen (zum Beispiel ,;Die Menorah“) ein sehr feines Empfinden für •den Gefühlsinhalt der jüdischen Tradition bezeugt, •aber seine Vorstellung war es trotzdem nicht, die Juden zum Judentum als geistiges Sein zurückzuführen, sondern sie zur Annahme eines bestimmten politischen Planes zu bringen.“ Nathan Birnbaum war es, der rechtzeitig die folgenschwere Bedeutung dieser Unterlassung Herzls und der heute politisch-Wirtschaftlich massgebenden Zionisten ׳erkannt hat. Dass er es vorzog, anstatt die selbst genügsam Gesetzestreuen innerhalb des Zionismus •aufzurütteln, in einem anderen politischen Lager zu wirken, hat den mit soziologischer Notwendigkeit sich ereignenden rückläufigen Prozess nur verzögert. Die stille Heimkehr zum Historisch-Gewordenen im Volk beginnt, vor Jahren fti den Einzelnen; jetzt schon in Gruppen, bald im breiten Strome dter ihre innere Leere!Erkennenden.