Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 24 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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•'־"ר™ יייייייוי P«VK 1p1p1|11Hv11. jp11|p1Mppu|11jpp1i.4?PPWIPlpppiP V. b. b. ^ÄÄ4°th9k' ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, rar Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Qanzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100 000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen ffir Oesterreich« Posta Nr. 13.458; ffir Polen: Postsparka Nr. 190.406; für Ungarn: Posteparl Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.386; ffir Jugoslawien: 40.217; f.Rumfinien: Banca Marmari &C0, Bukarest;ffir die Schweiz: Po parkasaenamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto taasenamt Budapest, Konto : Postoparkassenamt Prag, Postap.-Amt Agram,Ko. N. )sch Blanc 8: Co fflr Florenz ttaciteckk. Luzern VII. 1470. Nr. 24 Wien-Bratislava, 13. Juni 1924 .תיפ*ד jvc סד רענדדפרעססבורג ״א IOa Jahrg. Wien am 11. Siwan 5689. Auf allen Seiten zeigen sich neue Spuren von Ausgleichsverbandlungen. Selbst der rasende Sturm, der in einigen Blättern gegen die Aguda tobte, scheint vorüber zu sein und eine gewisse Sehnsucht nach Ruhe hat sich pünktlich mit deT neuen!Hitzewelle eingestellt. Das ist nadh jeder Richtung hin zu begrüssen. Durch den Wegfall persönlicher Gehässigkeit wird die Atmosphäre entgiftet und neuer Raum wird für such- -liebere Auseinandersetzungen gewonnen. Das ist sehr von nöten, denn im persönlichen Kampf kommen nur die kleinen geistlosen Kläffer zum Wort, während wirklich ernste Menschen sich angeekelt zurückziehen. Bei sachlichen Auseinandersetzungen hingegen kommt endlich wieder der denkende Mensch zum Wort. Da möchten wir nun gewissermassen als Auftakt zur neuen Prüfung der Ideologie unserem Leserkreis die Bitte nahelegen, die folgenden Gedankengänge sorgfältigst zu erwägen. Seit mehr als zweitausend Jahren hatte die Judenheit verzichtet, ihren Weg, den sehT dornenvollen Weg durch die Welt, durch Anwendung materieller Machtmittel zu erleichtern. Wenn stürmende Jünglinge und bedächtige Greise sich jemals die Frage nach dem letzten Sinn des Exils vorlegten, so waren sie weit davon entfernt, in dem Exil nur ein strafendes Verhängnis zu erblicken. Die einen betrachteten es als eine Periode der Erziehung, die anderen als Vorbereitung für kommendes Glück. Die nimmer wankende Hoffnung auf den Moschiach trug und trägt in die wandernde und fragende Judenheit die Note der ewigen Judenheit.- Mit ihren ideell e n Gütern warben die Juden um ein bescheidenes Plätzchen in der Welt und in jedem Wort der Liebe, das ihnen wurde, durften sie eine Blüte ihres eigenen Wollens erblicken; so ward das Golus zu einem edlen Werben um die Menschheit. —WB————W—i—— Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) Eine neue Welt tat sich vor mir auf, als ich an der Stätte angelangt war, an der ׳ich meine Talmudstudien fortsetzen sollte, aber nicht davon will ich sprechen. Auch will ich nicht bei den Eindrücken verwdilen, die ich von dem grossen Lehrer empfing, der mich mit gewinnender Freundlichkeit aufnahm, und der mich schon, nach kurzem Verweilen an seiner Schule, nachdem ich mich einige Male an der Diskussion am Schlüsse seines Vortrages beteiligt hatte, besonderer Aufmerksamkeit würdigte. Ich kann es nicht verschweigen, obgleich es unbescheiden klingt, es dauerte nicht lange, und der Rabbi sprach von mir, mich in überschwenglicher Weise lobend, und behandelte mich bald mit eineT Auszeichnung, als wäre ich nicht ein der •Belehrung bedürftiger Schüler. So kam es, dass von mir, wie ich später erfuhr, in der Stadt viel gesprochen wurde und man selbst in nichtjüdischen Kreisen von meiner Existenz wusste. Im Hause meiner Verwandten wurde ich wie ein Sohn gehalten, deT lange vom Hause ferne gewesen und endlich zum Glück der Seinen hedmgekehrt war. Ich konnte mich ganz dem Studium widmen und fühlte mich, trotz der Sehnsucht nach der Heimat, mit all dem, was mich an sie band, sehr glücklich. Eine leichte Entzündung meiner Augen, die ich mir durch vieles Nachtwachen zugezogen, veranlasst« mich, auf Rat des Arztes in früheT Morgenstunde, nach dem Gottesdienst den grossen Stadtgarten auf- Man wird zuges tehen, dass diese Weltauffassung, die man leider in ihrer Grösse und Bedeutsamkeit auch in unseren engsten Kreisen manchesmal nicht erkannt hat, eine gewisse Abgeklärtheit voraussetzt. Wir gestehen zu, man muss gross sein, um nicht müde zu werden; aber, merkwürdig, gerade in einer Zeit, die in Bezug auf die Tiefe des Leides sich in keiner Weise mit den Vorhergehenden Perioden messen kann, schuf die Golusmüdigkeit eine vollkommen veränderte Situation auch des Innenlebens. Verführt durch den Rausch der Emanzipationszeit, wo man unempfindlich geworden gegen das Siechtum und den Tot •der Idee, um desto empfindlicher zu werden gegen den jämmerlichen Abklatsch antijüdischer Exzesse in Wort und Tat, welche, beginnend etwa vom Jahre 1878, von Deutschland ausgehend das Mittelalter ideenarm schlecht kopiert hat. Und da kommen nun jüdische Menschen auf eine, gleichfalls in ihrem Umfang noch nicht ganz erkannte Konzeption. Heisse Liebe zur jüdischen Gesamtheit — warum es leugnen — schuf die Erwägung, ob nicht •die Geschicke der Judenheit, scheinbar so wie die Geschicke der übrigen Völker ganz durch materielle Machtmittel bestimmt werden könnten. Zu diesem Behufe sucht man ein unheilvolles Machtbewusstsein zu erzeugen; es ist sehr begreiflich, dass die von manchen Fesseln beengte Jugend sich an •diesem Machtbewusstsein berauscht״; Der Rausch, der mit der Emanzipation •des einzelner! Individuums eingesetzt hat, wandelt sich in einen Rausch von deT Emanzipation der Gesamtheit. Dieses ungesunde Madhtbewusstsein schuf Phantome njeht vorhandener Mächte. Das Wort Nordaus von der ״letzten“ Anstrengung des jüdischen Volkes beleuchtet diese Gedankenwelt am besten. Und nun ist Judentum und Judenheit vor die Frage gestellt, ob wir wirklich glauben, mit maieriellen Machtmitteln, verdichtet bis zur Jabotinskyschen zusuchen, um in der reinen, staubfreien Luft, unterstützt vom wohltuenden Grün der Bäume, eine Kräftigung meiner Augen zu gewinnen. Um diese Zeit waT der Garten fast ganz menschenleer. Vereinzelt sah man hie und da einen Spaziergänger, kaum war eine Bank besetzt. Unter den wenigen Besuchern fiel mir besonders ein Mann auf, nicht weil dessen Kleidung ihn als Priester, als hohen Geistlichen •erkennen Hessen, sondem weil er auch inmitten einer grossen Menschenmenge sicherlich die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hätte. Die hohe imponierende Gestalt erkannte ich schon von •weitem, und wenn er an der Bank, auf der ich sass, vorüberging, wurde ich immeT wieder von der Schönheit seines Gesichtes ergriffen, von den leuchtenden Augen, aus denen Strahlen von Güte und Liebe sich zu ergiessen schienen. Ich hätte ׳nie geglaubt, dass das Antlitz eines Menschen einen solch fesselnden, bezaubernden Ausdruck haben könne. Wie überrascht war ich, als der Priester eines Tages — es war, ich denke es noch heute, der vierte Tag, seitdem ich den Garten besuchte — bei der Bank, auf der ich sass, Halt machte, mich mit einem leisen Neigen des Hauptes grösste und sich neben mir mederliess. Er konnte wohl keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, dass ich ein Jude sei, wenn schon nicht mein Gesicht, so musste ihn meine Tracht verraten, dass ich ein Angehöriger der Religion sei, mit denen die Bewohner dieser Stadt, wie ich schon gehört hatte, sich kaum öffentlich in ein Gespräch einliessen; Legion, unsere Zukunft zu meistern, öder ob wir die alte Strasse des Vertrauens auf den endlichen Sieg unsrer ideellen Inhalte wandern wollen. Diese Frage hat jeder zu •beantworten,!der sich entscheiden will, ob er in dieser oder jener Form, in den Reihen des Zionismus oder in den Reihen deT Aguda kämpfen will. Der Prophet, der einst vor dem Wiederaufbau des jüdischen Reiches mahnte und׳ kündete: lau vechail velau vech'auach ki im beruchi, hat gezeigt, wi'e das Judentum in dieser Frage entschied, und wie sich bei dieser Entscheidung zeigen muss, ob die heutige Judenheit Träger des Judentums ist und sein will. Die Gemeindewahlen in Polen. Sieg der Aguda. In dem grössten Teil der Provinzgemeinden und Kongresspolens fanden die Wahlen in den Vorstand der jüdischen Gemeinde in der ersten Juniwoche statt. Das orthodoxe Organ ״Der Jud“ bringt in seiner Ausgabe vom 6. Juni folgende Aufstellung über •die ersten Wahlresultate. In ungefähr 100 Gemeinden wurden 721 Vorstände gewählt, von denen auf die Agudas Jisroel 417 (59 Prozent), unparteiische religiöse Juden 58 (7 Prozent), Radomsker und Alexander Chassidim 22 (3 Prozent), Misracha 24 (3 Prozent), Kleinbürger 5, Handwerker 77 (11 Prozent), Zionisten 101 (14 Prozent), Buodisten 8 (1 Prozent), Volkis'ten ebenfalls 8 (1 Prozent) entfallen. Diie Wahlen in den Grossgemeinden Warschau und Lodz werden •erst am 15. Juni stattfinden. Doch werden auch diese Wählen das bisherige Ergebnis der Wahlen kaum wesentlich verändern können. Dieses Ergebnis ist, dass die polnische Judenheit trotz des überaus heftigen, mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln der Propaes wäre denn, es handle sich um eine geschäftliche Angelegenheit. In meiner ׳Befangenheit hielt ich es für das Klügste, aufzustehen und mit einem ehrerbietigen Grusse mach zu entfernen. Ach, hätte ich es doch vermocht! Es war vielleicht der Moment, der über mein Leben entschied . . . Da hielt mich •jedoch der Geistliohe zurück; mit einer Stimme, deren Wohllaut sich unsagbar ins Ohr des Hörers schmeicheln musste, rief er mir die Worte zu: i! ri ״Ich hatte wahrhaftig nicht die Absicht, Sie von ihrem gewohnten Platze zu vertreiben. Weshalb wollen Sie denn nicht bleiben?“ Ich stotterte eine Antwort, wohl eine etwa« ungeschickte, und behielt natürlich meinen •Platz. Die freundliche Art, in der der Priester mich in ein Gespräch verwickelte, gab mir alsbald die Ruhe und Unbefangenheit wieder so weit zurück, dass ich in vernünftiger Weise Rede und Antwort stehen konnte, obwohl ich immer wieder nur von dem Gedanken erfasst wurde: Welch’ ,bezaubernde Augen hat dieser Mann! Und dazu diese Stimme* die wae Musik klingt, so dass man ihr beinahe willenlos lauscht, ohne erst auf den Inhalt der Worte zu achten. Ach, ich habe auch Aie Zeit erlebt, wo ich erkannte, dass diese von Sanftmut, ,Güte und Liebe leuchtenden Augen auch Blicke tötlichen Hasses schleudern, und diese süsse, bezaubernde Stimme auch über Töne verfüge, die auch den Mutigsten in Angst und Schrecken versetzen!könnten. (Fortsetzung folgt) Ottmar Scbitl Die grösste intcrsstioaalt ftmstwerkstätte für Perttcken. Scheitel und Crantformationen €n g?e$ — <tt getan / Billigte 0mta«Ttq»elk / Pie Rmteimtia m garam, daaergewelltCM Batarbaar - — Wien L =—- Kir«t«cr1i»a Ar. * (ge«e»tber dt* Botel Bristol), Cei. f(*02 Clefcrt teil Ntbr alt aadtrtbalb Jabmbatt« de» omebNrtei ortbad»»ca Daue« aller Eiader Pertcbet. Syetialbt l» Braat scbelteli. Diese «erdet der midebeafrfsar Nit *erblHffeader Clascbaia lacbseNacbt. ■T1 Hn oor Ifrefdbf g n schiftet, bitte de» ömaawi OTHMAR ■ad Ile Adresse ihn 11 beneble» 1 *mm \