Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 23 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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י wipp H.4lU1|HINR|LpRPpnp "ימי Nr. 23 Seite 155 Steinberg vön Brody würdigte bei der L ewaiah die grössen Verdienste des Verblichenen׳. Ein Notschrei ukrainischer Flüchtlinge. Warschau.. (A. J. P. B.) Vierzig Flüchtlinge, Schüler der Nowgorodker Jeschiwoh an der ukrainischen Grenze, befinden sich in namenloser Not. Der Gerer Rebbe und Oberrabbiner Schapira haben eine Hilfsaktion eingeleitet• Die Welzentrale des Keren Hathöra hat zur Linderung der dringenden Not 300 Dollar telegraphisch überwiesen. Gründung einer neuen Jabnoschule in Kelmy. Kowno. (A. J. P. B.) In dem litauischen Städtchen' Kelmy wurde nach langen, schwieriegn Vorbereitungen eint neue Jabneschule gegründet. Die feierliche Eröff*' nung der neuen Schule fand am 9. Ijar (13. Mai) statt. Der Kampf um den Charakter der jüdischen Gemeinde im Wilnaer Gebiet. Wilna. (A. J. P. B.) Die Konferenz der Vertreter der jüdischen Gemeinden im Wilnaer Gebiet, vdte Sonntag, den 14. Ijar. (18. Mai) in Wilna stattfand, hat ,einen| stürmischen Verlauf genommen. Die Vertreter der linken Parteien haben gegen die Forderung der Orthodoxie, dass die jüdische Gemeinde einen religiösen Charakter trage, der schon in der Benneniing der Gemeinde zum Ausdruck kommen soll, derart stürmisch Stellung genommen, dass die Sitzung in später Nachmittagsstunde unterbrochen werden musste. An der Abendsitzung nahmen die Wilnaer Rabbiner nicht mehl* teil. Vor Schluss der Konferenz verlas Rabbiner ,Rasowsky im Namen der Rabbiner einer Deklaration, wonach diese sich einverstanden erklärten mit der Ausweitung der Kompetenz der Gemeinde, aber die Forderung stellen, dass die jüdische Gemeinde religiösen Charakter trage und auch offiziell mindestens als ,*religiös-nationale Gemeinde“ bezeichnet werde. Demgegenüber erklärte Dr. Wigotzki, dass diese Namensgebung unakzeptabel sei. Die Konferenz wurde um halb 12 Uhr nachts geschlossen, nachdem die noch anwesenden Teilnehmer einstimmig das sogenannte Pilsutzki-Dekret, das eine jüdische Gemeinde mit rein religiösem Charakter, statuiert, abgelehnt hatten. Protest Rabbi Chaim Oser Grodzenskis gegen den Beschluss der Gemeindetagung. Wilna. (A. J. P. B.) Rabbi Chaim Oser Grdzenski hat alle orthodoexn Organisationen, die mit dem Beschluss der Gemeindekonferenz nicht einverstanden waren, so Agudas Jisroel, Zeirei Jisroel, Misrachi und Schomrei Thora, zu einer Versammlung einberufen, in der schliesslich eine Resolution angenommen wurde, in welcher die Forderung aufgestellt wird, den religiösen Charakter der Kehiloh unverbrüchlich beizubehalten. Dieser Schritt Rabbi Cahim Oser Grodzenskis hat bei den linken Parteien grosse Erbitterung hervorgerufen, die sich in scharfen Zeitungs-׳ artikeln Luft macht- Es wird zugestanden, dass Rabbi Chaim Oser Grodzenski durch seine Gegenkonferenz das Resultat der Gemeindekonferenz, an welcher die Rabbiner ihre Meinung offen zu bekennen nicht gewagt hatten, fast wertlos gemacht hat. Dr. Wigotzki selbst hat im Wilnaer ״Tog“ einen scharfen Artikel gegen Rabbi Chaim Oser Grodzenski mit heftigen persönlichen Angriffen veröffentlicht. Die Kehilohwahlen in Polen. Warschau. (A. J. P. B.) Der Wahlkampf nimmt mit Rücksicht auf den herannahenden Termin der Wahl einen überaus heftigen Charakter an. Der Wahlsieg der Orthodoxen in den meisten Städten, wo bisher die Wahlen■ durchgeführt wurden, so in Jaworow und Stryj, in Ost1־ galizien Konstatin, Zdinska-Wola, in Kongresspolen und in Lukow, haben die Aggressivität der antireligiösen! Gruppen noch gesteigert. Tätlichkeiten sind fast auf der Tagesordnung. So wurde auch in Lukow bei einem Angriff auf eine orthodoxe, Gruppe einem orthodoxen Wähler ein Auge ausgeschlagen. Der Warschauer ״Jud“ protestiert in heftigen Artikeln gegen diese unjüdische Wahlkampagne. Eine Banditenbande überfällt ein jüdisches Städtchen bei Wilna. Warschau. (J. T. A.)!Das Städtchen Kriwicz Am Distrikt von Wilna wurde dieser Tage durch eine 60׳köpfi!ge Ban׳d!iten.ba׳nde überfallen, wobei zahlreiche jüdische Familien ausgeraubt u׳nd mehrere Juden verletzt!worden sind. Die Bande durchschmitt die Telephon- und Te 1 egraphenleitungen, stellte Wachen auf und durchsuchte dann mehrere Häuser nach Wertgegenständen. Mehr als;10 jüdische Häuser wurden׳ .ausgeraubt und sieben jüdisehen Fuhrleuten wurden Pferde und Wagen weggenotmmen׳. Schwere Sübussver.letizungen erhielten der 65jährige Jizchiaik Kazowicz, Jeschua Kaizowicz und Tochter Hinde, Jizchak Radosohkewicz, M. Schin, Frau Zipe Radosohkewiaz, Lisa Melzer. Massenüberfälle auf Juden in Lodz. Lodz. (J. T. A.) Am Sonnabend ■den 24. Mai sammelte sich eine Bande Hooligans an der Zgierscher Chaussee an und überfiel die jüdische Jugend, die von den ländlichen Ausflügen;zurückkehrte. Zwei Stunden lang dauerten die Tumulte. Dann erschien Polizei und zerstreute die Menge. Einige hundert Juden waren die Opfer sohwerer Miss- Handlungen. Man zähl: zahlreiche Verwundete. Ein neues orthodoxes Wochenblatt. Lukow. (A. J. P. B.) Mit dem 12. lajr (16. Mai) erscheint in Siedlec-Lukow ein neues orthodoxes Wochenblatt mit dem Namen ״Unzer Weg“. Brautausstattungen Billigite Einkauftquelle in Leinen- und Damaetwupen, Chiffone, sowie in Tuchen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederei £«£• 8*(nSS?sa£ gries), Telephon 66-8-71 ßejmabgeor dneter Kirschbraun für die Rechte der jüdischen Soldaten. Warschau. Der Führer der orthodoxem Abgeordneten Elias Kirschbraun hielt in der Dienstagsitzung — 217. Mai — eine grosse Rede, in welcher er sowohl für die religiösen als allgemeinen Rechte der jüdischen Soldaten׳ in einer klugen Rede eintnat. Er hat alle Ver- Ordnungen, d׳ie die Rechte der jüdischen Soldaten׳ einziüschränken! geeignet sind, scharf kritisiert und ihre Zurückziehung verlangt. In der Antwort des Vertreters im Kriegsministerium versuchte dieser die antisemitische Tendenz .der angeführten Verordnungen in Frage zu stellen. Ueber dreiviertel aller jüdischen Kaufleiite in Polen wirtschaftlich ruiniert. Warschau (J. T. A.) Die hiesige ׳jüdische Presse ist voll von Berichten über neue Bankrotte unter den jüdisehen׳ Kiaufileuten. Sie weist ׳darauf hin, dass die städtische Bevölkerung des Landes, das heisst die jüdische Bevölikerung durch Steuern sehr ■schwer belastet ist, während die Landbevölkerung nur sehr niedrig besteuert ist. Ausserdem sind der Landbevölkerung grosse Regierungskredite eingeräumt worden, gemäss dem neuen Plan für die lanidwirtschaftliche Entwicklung, während der städtischen׳ Bevölkerung, von der die ganze industrielle Entwicklung des Landes abhängt, keinerlei Kredite gewährt worden sind. Inzwischen aber können etwa dreiviertel der jüdisehen Fabrikanten und Kaufleute •den Zahlungsverpfliohtungen nicht mehr machkonunen. Es sind keine Bankrotte, die auf finanzielle Verluste zurückzufübren wären!, sondern es handelt sich bloss um die Unfähigkeit, für die laufenden Verpflichtungen di׳e nötigen Barsummen aufzubringen. Eine Welle jüdischer Selbstmorde In Polen. Warschau. (J. T. A.) Als Folge der wirtschaftlichen Krise in Polen, die eine grosse Zahl der Insolvenzen unter den jüdischen Kaufleuten und Fabrikanten hervorgerufen hat, kommen jetzt Selbstmorde in beunruhigender Zahl in den׳ verschiedenen Teilen des Landes vor. Abgesehen von Grosskaufleuten und Fabrikanten begehen auch kleine jüdische Ladeninhaber in Warschau wie in der Provinz Selbstmorde. Die Jew-Sektia will die jüdische Schule in Russland kommunistisch machen. Moskau. (A. J. P. B.) Die allrussische Konferenz der Jew-Seiktiia hat eine Resolution angenommen, in welcher das Zentralkomitee der!kommunistischen Partei ersucht wird, zum Unterricht an den jüdischen ,Schulen nur Kommunisten zuizulassen, damit die kleinbürgerlichen Elemente keinen Zutritt z׳u der jüdischen Schule haben. Die Jew-Sekeya verfo’gt die jüdische Religion. Riga. (A. J.P. B.) Die aus Moskau hier eingetroffenen jüngsten Nachrichten erzählen, dass die Jew- Sekcya in der Ukraine alle jüdischen Arbeiter, die das Pessachfest traditionell begangen haben, aus den Arbeitsvereinen ausgeschlossen hat. Konstituierung des Direktoriums des Keren Hathora in Deutschland. Hamburg. (A. J. P. B.) Das Direktorium des Keren Hatnora für Deutschland hat sich Mittwoch, den 17. Ijar (21. Mai) in Hamburg konstituiert. Ihr gehören an: Dr. Spitzer (Halberstadt), Vorsitzender; Rabbiner Doktor Auerbach (Halberstadt), Vorsitzenderstellvertreter; ferner Rabbiner Dukes (Altona), Rabbiner Dr. Lichtig (Ham־ bürg), Rabbiner Rabbonow (Hamburg), Rabbiner Doktor Carlebach (Köln), Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), Gottfried Goldschmidt (Halberstadt), Josef Goldschmidt (Nürnberg), Mitglieder des Direktoriums; Wolf S. Jakobsohn (Hamburg), Schriftführer; Harry Pels (Hamburg), Kassier. Die Amsterdamer Handelskammer gegen die Kalenderreform. Amsterdam. (A. J. P. B.) Die Amsterdamer Handelskammer hat in ihrer jüngsten Sitzung gegen die geplante Kalenderreform Stellung genommen. Es wurde erklärt, dass die geplanten Reformen für die Judenheit nachteilig sind und deshalb die Reform abgelehnt werde. Bau einer neuen Synagoge in Zürich. Zürich. (A. J. P. B.) Die' Züricher Religionsgesell־ schaft baut dank der Opferbereitschaft ihrer Mitglieder eine neue, prachtvolle Synagoge. Sie wird noch vor den hohen Feiertagen ihrer Bestimmung übergeben. Liquidierung des ,Joint*‘ in Rumänien. Bukarest. (J. T. A.) Die Zentrale de-s ״Jo-int“ in Rumänien teilt mit!, ׳dass •das Joint Distribution Committee die Tätigkeit in ganz Rumänien am 15. Juni d. J. endgültig liquidiert haben wird. Judenhetze hi Klausenburg. — Zwei Studenten ln den Fluss geworfen. Wien. (J.T. A.) Dieselben Studenten, die auf dem Wege nach- Klausenburg gegen die jüdischen Passagiere gewütet haben, veranstalteten; als sie in Klausenburg eintrafen, eine ׳Hetzjagd auf die jüdischen Strassenpassanten. Besonders sahen sie es auf die jüdischen Studenten ab. Mehrere Passanten und Studenten erlitten schwere Verletzungen. Zwei jüdische Studenten wurdet zu dem Teich geschleppt und dort ins Wasser geworfen. Eine Nachricht besagt, dass die zwe,i Studenten ertranken. Diese Nachricht ist noch nicht bestätigt. Im übrigen dauern die Judenexzesse in Klausen־ bürg seit einer Woche fast ,ununterbrochen an. Schon am 15. Mai wurden jüdische Studenten in den Stadtteich geworfen; sie konnten sich aber als gute Schwimmei' retten. ז Schwere Attentate auf Juden in rumänischen Eisenbahnzügen. — Ungeheuerliche Bestialitäten, einige Ermordete. Wien. (J. T. A.) Aus Siebenbürgen treffen haarsträubende Nachrichten über dort an Juden verübte Grausamkeiten, die sogar Todesopfer forderten, ein. In Balasfalva fand am letzten Sonntag eine Nationalfeiei* statt, zu der sich zahlreiche rumänische Studenten aus Bukarest und Klausenburg sowie zwei rumänische Minister einfanden. In demselben Zug, in welchem die Minister reisten, wurden die mitreisenden Juden von den Studenten schwer gequält und mit dem Tode bedroht. An jeder Haltestelle und auch aus dem fahrenden Zuge wurden jüdische Mitreisende unter brutalen Misshandlungen aus! dem Zuge gestossen, mehrere aus den Coupeefenstern geworfen. Viele derselben wurden später mit gebrochenen Gliedern oder mit Schädelbrüchen aufgefunden. Zwei von den Verwundeten erlagen ihren Verletzungen, während andere mit dem Tode ringent Die mitreisenden Minister nahmen sich der bedrohten Juden nicht an. Auch auf der Rückreise von Balesfalva nach Klausenburg wurden die jüdischen Mitreisenden im Schnellzug schwer misshandelt und mehrere aus dem Zuge geworfen. Das Eisenbahnpersonal kam den Juden nicht zu Hilfe, sondern hielt den Zug immer dort an,’ wo es den Studenetn beliebte. In der Station Toevos verliessen die Studenten den Klausenburger Zug und versuchten, in zwei dort haltenden internationale Züge einzudringen, um die jüdischen Passagiere herauszuholen. Sie wurden aber von dem Zugspersonal und den Reisenden zurückgeschlagen. Der Chiefrabbi bei dem Empfang des rumänischen Königspaares in Gildehall. Bei dem Empfang in Gildehall,' den die Stadtverwaltung von London für das rumänische Königspaar gegeben hat, war Chiefrabbi Herz, ferner Sir Alfred Mond und Major Salamon zugegen. Die jüdischen Arbeiter in England für die Sabbatruhe. London. (A. J. P. B.) Chiefrabbi Dr. Herz hatte mit den Führern der jüdischen Trade Union eine Konferenz wegen der Einführung der allgemeinen Sabbatruhe für die jüdischen Arbeiter. Die Arbeiterführer haben ihre Unter- Stützung zugesagt. Die Sammeltätigkeit der Rabbinerdelegation in Kanada. Montreal. (A. J. P. B.) Die europäische Rabbinerdelegation wurde auch in Montreal mit grossen Ehren empfangen. Am Tage ihre Ankunft wurde ein grosses' Bankett zu ihren Ehren veranstaltet, an welchem 6000 Dollar für den Thorafond gesammelt wurde. Die Rabbinerdelegation ist am 7. Mai nach New York abgereist. Die Konferenz der Agudath Harabbonim. New York. (A. J. P. B.) Die 22. Jahreskonferenz des amerikanischen orthodoxen Rabbinerverbandes wurde am 9. Ijar (13. Mai) in Anwesenheit von 200 Delegierten und einer europäischen Rabbinerdelegation eröffnet. Die Jahreskonferenz hat für die fünftägige Arbeitswoche Stellung genommen, damit den jüdischen Arbeitern die Heilighaltung des Sabbattages ermöglicht werde. Ferner hat die Konferenz die Unterstützung der europäischen Jeschiwoth wie die Gründung von Thoralehranstalten in Amerika selbst beschlossen. Ein Antrag betreffend die Gründung eines allweltlichen Rabbinerverbandes wurde angenommen. Gründung einer Talmud Thora in Chicago, Sonntag, den! 4.!Mai fand in Chicago die Grundsteinlegiung der neuen Talmud Thora des Kahal JakobJVereines statt. Der Verkauf der ׳Grundsteine hat einen Erlös!von 5000 Dollar zugunsten der Talmud Thora gebracht. Eine Propaganda für die Fünf-Tage-Woche im Staate New York. New York. (J. T. A.) Der jüdische Sabbat-Verband bereitet eine Konferenz aller gesellschaftlichen, religiösen und Gemeindeorganisationen »vor, u»m eine energische Propaganda fair das System der Fünf-Tage-iWoohe zu betreiben. Es sollen sowohl die Sonnabende als auch die iSontalge als allgemeine Ruhetage gelten. Die Initiatoren der Konferenz glauben, dass die Fürtf-!Ta׳gie־Woohe eine grössere Harmonie zwischen den jüdischen und christlichen Bürgern schaffen׳ wird. i?'-:־ז׳