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Jüdische Presse · 1924-06-06 · 23 (6.6.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
23 (6.6.1924)
Date
1924-06-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 154 JVOISCK PRESSE Der Charakter der jfldischen Kehiloh. ׳Der Charakter der jüdischen Kehiloh macht in ganz Mittel- 1und Osteuropa einen 1Wandlungsprozess mit, der unter heftigen Kämpfen vor sich geht. Die jüdische Kehiloh kann auf eine Jahrtausende alte Vergangenheit zurüdtiblicken. Die Institution der Kehiloh haben unsere Väter nach ihrer Vertreibung aus dem heiligen iLande in die Qohisländer mitgenomen. Das Thoragesetz und die Tradition waren die konstitutiven Merkale dieser heiligen Gemeinschaft. Es war viele, viele Jahrhunderte lang selbstverständlich, dass das Thoragesetz die ietzteenscheidende Autorität in dier Gemeinde ist. Und da die Gemeinden und ihre Mitglieder als höohste Aufgabe für sich die Förderung des Thorawissens und die Pflege des Gesetzes erachteten, war die Achtung einer Gemeinde in• der jüdisehen Welt, war die Geltung eines Mitgliedes in der Gemeinde in gerader Proportion zu den Opfern und Anstrengungen, welche sie für Thora und Tradition brachten. Das war der Grundcharakter der jüdischen Gemeinden viele, viele Jahrhunderte lang bis zur Umgestaltung der ausser- und innerjüdischen Verhältnisse, das Uebereinkommen strittig gemacht und das Selbstverständliche in das Gebiet der Probleme gerückt hat. Vor einem Jahrhundert ungefähr setzte ei nProzess ein, der bis zum heutigen Tage in immer steigender Tendenz an der Zersetzung der historisehen, jüdischen Kehiloh arbeitet. Dieser Wandiungs- Prozess hat folgende Etappen mitgemacht: Vor einem ’Jahrhundert schwanden in den meisten Gemeinden die äusseren Merkmale einer jüdischen Gerichtsbarkeit. Infolge der allgemeinen Tendenz der ״Aufklärung“, . die in der französischen Revolution ihren grossen Sieg gefeiert hatte, büssen die jüdischen Kehiloth das Recht ein, die Gesetzesübertreter innerhalb der Gemeinde zu strafen und sie an den Pranger zu stellen. Immerhin blieb noch der Kehilo eine gewisse Macht über ihre Glieder. Wer die Gesetze übertrat, zog sich die allgemeine Verachtung zu und war dadurch sozial isoliert. Er war unfähig, in Gemeindesachen mitzusprechen, geschweige denn eine Gemeindefunktion zu bekleiden. Sie wurden hochstens geduldet. Als aber der Zeitgeist ihren Bestrebungen zu Hilfe kam, gewannen die bisher nur Geduldeten Mut und versuchten, die alte jüdische Kehiloh in ihre Gewalt zu bringen. Das war die Periode der Reform, d׳er in vielen europäischen Staaten die historische jüdische Kehiloh zum Opfer fiel. Schon damals setzte in Deutschland und Ungarn ein heftiger Kampf gegen diese Tendenzen und für die Erhaltung der historischen jüdischen Gemeinde ein. Der Kampf führte in Ungarn und in Preussen dazu, dass die Verfechter der Thora umd Tradition es vorzogen, lieber eigene Gemeinden zu gründen, als die Moderne zu unbeschränkter Herrschaft gelangen zu lassen. Im Osten Europas konnte zu dieser Zeit die individuelle Assimilation den Schutzwall׳ der jüdschen Gemeinde noch nicht durchbrechen. Erst heute, wo die Kriegs- und Nachkriegsjahre ganz parallel mit der allgemeinen Tendenz der nichtjüdischen Welt, die nationalistischen und sozialistischen Bestrebungen zur Herrschaft gelangen Hessen, wankt die alte jüdische Gemeinde im Osten Europas unter den wuchtigen Schlägen jener nationalistisch und sozialistisch gesinnten Juden, die in der jüdischen Gemeinde nicht bloss geduldet sein, sondern ihren Einfluss zahlen- und ideenmässig zum Ausdruck gelangen lassen wollen. Um die tragische Grösse des Kampfes würdigen zu können, muss man sich vor Augen halten, dass Die Reformer glauben׳ dies durch Assimilation zu erreichen, durch immer wieder neue An!pass׳un׳gsversuche an das Leben der umgehenden Völker. Die Zionisten wollen, 'dass die Juden eine Nation bilden, im eigenen Land, mit eigener Sprache, eigener Kultur, aber •eine Nation ׳wie alle arideren Nationen. Auoh der Zionismus, meint Breuer, will wie die Assimitation und Reforiribewegurog das Leben Jisroels dem Leben anderer Völker anpassem, während der tiefste Sinn der jüdischen Geschichte gerade darin liegt, den Völkern lebendiges Beispiel zu sein, sie izu erhöhen und zu läutern, damit auch sie an Jisroels Heiliglkeit ,Teil haben. Die zionistische Ideologie ist durchaus logisch und konsequent, so lange wir auf dem Boden des ״Seins“ verharren', so lange wir uns der unbeschränkten Herrschafft des gemeinen׳ Menschenverstandes unterwerfen, der in allem nur langsame Entwicklung und blindes Naturgesetz sieht, das ewig unveränderlich ist. Die ganze Geschichte Jisroels ist aber in ihrem wahren Wesen nicht die Ge- Schächte eines nationalen ״Sein“, nur eines höheren ״Es soll sein“, wo nichts der Unfreiheit der Natur unterworfen ist und alles unter jener g-ttlichen Freiheit steht, von der es heisst: דזיכלא ווד׳ דבר Der Zionismus, sogar in seinem tiefsten1 und edelsten Ausdruck sieht in der Thora und der Heiligkeit des g-ttliehen Namens nur nationale Schöpfungen des jüdischen Volkes, das heisst: (dass nicht G-tt Jisroel geschaffen hat, sondern umgekehrt. Und dies bedeutet die Leugnung der iiidd'Scfhen Weltanschauung, Leugnung der Thora. Breuer bekämpft deshalb mit besonderer Schärfe den Zionismus und ruft die Juden auf zur Rückkehr zum wahren Wesen des Judentums, das nicht in der Anerken-!rang der eigenen menschlichen Souverenität, sondern deT Souveränität G־t1tes besteht. עייטעלןיפעריקק «. Trtaiionaatftae■ 1■ filaatar u. ■oderaatirAusfiihraigl Mit •IitemOrlff DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 850.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: »CHBITBLN AUF HAUT marbftltat, glnillch ווווkenatllch Im Tragen• Sämtliche Reparaturen wie auch . Wasserwellungen werden übermodern frisiert nommen. Provinzversand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkatätte für moderne Haarkoefektloe FR. JEREMIAS M. LIPPEL Wien, II., Stefanlestrasse 7 (Jetzige Holiandstr.) diese nationalistischen und sozialistischen Gruppen eine augesprochene antireligiöse Tendenz besitzen. Die jüdische Kehiloh soll eiben nicht mehr religiös sein. Nicht Trägerin der Thorasouiverenität. Sie soll bloss die Gemeinschaft aller in einem Orte wohnenden Juden bilden. Die Weltanschauung der Mitglieder soll gemäss der demokratischen Prinzipien der Neuheit in Institutionen und Verwaltung der Gemeinde zum Ausdruck gelangen. Im Namen derselben Demokratie wollen sie den ״religiösen“ Elementen das Recht zugestehen, dass sie für ihre Bedürf- ׳nisse sorgen, aber das kann nur ihre Privatsache sein und nicht Aufgabe der jüdischen Gemeinde, die eben nicht eine ״heilige Gemeinde“ bleiben soll. Der Kampf um den Charakter der jüdischen Gemeinde ist jetzt im Osten im vollen Zuge. Die ״religiös“ Gesinnten haben die Gefahr erkannt, die ihnen droht. Sie führen den Verteid'igungskampf mit Mut und hingebungsvoller Energie. Der Kampf geht selbstverstündlich auch dann weiter, wenn in irgendeiner Gemeinde das Resultat einier Abstimmung so oder so ausfällt. Der historische Prozess der Verweltlichung der ״heiligen Gemeinde“ kann durch das Resultat einer Abstimung nicht aufgehalten werden. Der grosse Kampf der Ideen, die die einzelnen Gruppen erfüllen, geht weiter. Diese Feststellung soll eine Warnung an d׳ie Adresse der Thoratreuen sein, sich mit einem etwaigen günstigen Ausfall der Gemeindewahlen in Polen nicht zufrieden zu geben. Die Aufgabe, die schwere, grosse Aufgabe beginnt erst nach den Wahlen. Diese Aufgabe ist, durch straffe Organisation, durch Schaffung von Erziehungswerken und Wohltfahrtsanstalten, die an jenen Treuen zu stärken und zusammenzuhalten, die heute noch die einzige Aufgabe eines jeden Juden, um die Bestimmung der jüdischen Gemeinde in der Pflege und Verwirklichung des G-ttesgesetzes erblicken. Der Kampf um den g-ttlichen Charakter der jüdischen Gemeinde ist der Mühe der Edelsten und Besten unseres Valkes wert. J. P. Vom Tage An einem sehr sympathisch gehaltenen Artikel zum sechzigsten Geburtstaig Nathan Birnbaums von Herrn Dr. Robert Weiss knüpft in der ״Jüdischen Rundschau“ Arnold Zweig einige Bemerkungen, die uns an die schlimmsten Zeiten der Reformibewegung er- Innern. Noch niemals ist es uns so klar geworden, dass der Zionismus die Heimstätte der Abkehr von der Religion geworden ist, wie in diesen Aeusserungen eines •geistigen Führers der!zionistischen Bewegung. An diesem Sumpf des Hohnes und der so billigen Verweisung des alten Glaubens in die Kinderstube kleiner und erwachsener Menschen gemessen, wächst die Gestalt Nathan Birnbaums ins Riesenhafte, indem er aus dieser breiten, bequemen Strasse des Apikcrsus •den Weg zur schm-alen Bahn, zuni Aufstieg zum Sinai gesucht und gefunden hat. Arnold Zweig Telephon 57-7-78 Scheitel, Perücken Transformationen Brautfriuuren aus allerfeinstem dauergewellten Naturhaar liefert für die vornehmsten orthodoxen Damen der bekannt»* Spezialist für individuelle Frisuren Carl Polak Üamenfiriseair Wien, IV״ Schleifmöhlgasse 3 prompt und biUigat für In• und Ausland en groi und 6n däUll Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haarmuster und Angabe des Masses von einem Ohr zum anderen. =s Kostenlose Vorführung de! neuesten Modelle. =■ ■ Beachten Sie gef&lligst die Haiisnunmer 3 Nr. 23 mrft die kommende Generation Palästinas, die; wie er hofft, des Sabbats» des Tauchbades und der Qemora entbehren wird, als Richter an. Wir hoffen, sie wird ihn richten. © NACHRICHTEN. © Bittgottesdienst für den Bundeskanzler. Mlttwoch fand auf Anordnung des Oberraibbiners Fürst im Anschluss an das Morgengebet ein!Bittgottesdienst für den Bundeskanzler statt, an d!em Vertreter verschiedener Institutionen, unter anderem Vertreter des Zentralbureaus der Agudas Israel in Wien -und der österreichischen Landesorganisation der Agudas Isroel teilgenomen halben. Der Zeitpunkt der nächsten Zentralratssitzung der Aguga. Wien. (A. J. P. B.) Der Termin der nächsten Tagung des Zentralrates der Aguda wurde auf den 9. Elul (8. September) festgesetzt. Die Tagung wird in Polen stattfinden. Als Ort der Tagung kommt voraussichtlich' Warschau oder Krakau in Betracht. Für den Schmittofond. Wien. (A. J. P. B.) In Anbetracht des Schmittohjahres wurde am vergangenen Samstag (Schabbos Behar), an welchem die Schmittohvorschrifterf in der Thora zur Verlesung kamen, auf Anregung der Palästinazentrale der Aguda in Frankfurt überall für den Schmittohfonds gespendet.! Der Rakower Raw für den Keren Hathora. Wilna. (A. J. P. B.) Oberrabbiner Kalmanowitsch aus Rakow begibt sich auf eine Propagandareise nach Westeuropa, um für den Keren Hathora zu werben. Er traf Montag, den 29. Ijar (2. Juni) in Wein ein. Oberrabbiner Lipschütz aus Kalisch in Wien. Wien. (A. J. P. B.) Oberrabbiner Jecheskel Lipschütz aus Kalisch, der Verfasser des bekannten Werkes ״Hamidrasch w’ Hamaase“, traf Donnerstag, den 25. Ijar (29. Mai) in Wien ein. Anlässlich eines Besuches im Zentralbureau der Agudas Jisroel hat Rabbiner Lipschütz die Gelegenheit wahrgenommen, mit den Wiener Führern der Aguda die aktuellen Probleme der thoratreuen Judenheit zu besprechen. Konstituierung des neuen Vorstandes des Bethaus- Vereines ״Bet Hamidrasch Talmud Thora“. Der neugewählte Vorstand hat sich vergangene Woche konstituiert. Zum Obmann wurde der langjährige verdienstvolle Vereinsobmann, Herr Leopold Hirsch, wiedergewählt, zu Obmannstellvertretern die Herren Simche Adolf Hofbauer und D. W e i s s. Ein neuer Aulimtransport in Wien. Wien. (A. J. P. B.) Mittwoch früh,־ den 24. Ijar (28. Mai) langte in Wien eine neue Truppe von Erez Jisroel Emigranten ein. Ueber Intervention des Rechtsschutzbureaus der Aguda wurde sie von der Bahnhofpolizei dem Schutz der Aguda unterstellt. Die Truppe wurde mittels Autos abgeholt und in einem Schulhaus untergebracht. Reise des Grossrabbiner aus Sadagora nach Galizien. Wien. (A. J.P. B.) Grossrabbiner Friedmann aus Sadagora begab sich Dienstag, den 23. Ijar (27. Mai) nach Sadagora, um dort den Jahreszeitstag seines Vaters zu begehen. Auf Einladung seiner Anhänger wird er nach Schebuoth einige Städte in der Bukowina und Galizien besuchen. Vor seiner Abreise gab er den zu einem Abschiedsgruss erschienenen Agudaführernl gegenüber der Hoffnung Ausdruck, dass es ihm!trotz der furchtbaren Wirtschaftskrise gelinget werde, für den Keren Hathora und Keren Erez Jisroel erfolgreich zu arbeiten. Grosses orthodoxes Wahlmeeting. Warschau. Sonntag den 21. Ijar — 25. Mai — fand in der TrockenheimnSynagoge in Warschau eine grosse Wahlversammlung statt, an welcher Rabbi Mosche Chaim Lau aus Suczawa und Führer der Jugendbewegung, Herr Süsse Friedmann aus Warschau, die Hauptredner waren. Die Versammlung hat einen imposanten Verlauf gehabt und viel zur Werbung für die orthodoxe Liste beigetragen. Die Frage der rituellen Verpflegung der jüdischen Soldaten in Polen. Warschau. (J. T. A.) Die militärische Subkommission des Sejm befasste sich mit dem Vorschlag der jüdischen Deputierten, denjüdischen Soldaten eine rituelle Speisung m ermöglichen. Die Subkonunission setzte ein Komitee ein, welches Mittel und Wege zur Erfüllung dieses Wunsches finden soll. Dem Komitee gehört auch der Deputierte Kirschlbraun an. Der Koznycer Raw gestorben. Nach einer schweren Krankheit ist Rabbiner Mosche Mordcihei Epstein im Alter von 62 Jahren gestorben. Der Verblichene hat den Ruf eines grossen Gelehrten genossen. Rabbi Simon Brandsker, der Rösch Jeschiwoh von Grodno und der Sobolkaer Raw haben ergreifende Hespeidim gehalten. Der RadziwUler Raw gestorben. Der Ortsrabbiner Rabbi Chai-m Ruttenbeng ist nach langer schwerer Krankheit verschieden. Oberrabbiner וווי

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