Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1924-06-06 · 23 (6.6.1924) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
23 (6.6.1924)
Date
1924-06-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630051-2630073--1459-2633222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

for. 23 15*1 IE \ Seit« {£3 u4*u ^» ״fi U i»Uw. wu| י«!;.. JM «יי* . M KLEIDER ESE J. STERN, WIEN II. aLOCKENEMSB ES 11 TRUMM **-#-<• . Ug.ttoj» f.*ti£u1KJ.14.re.,Fjlx *£*4*4*«»{1«1י* blSsn den HlBttn Btoffin Tor^SI.- ÜMUMall• Zusohntlder, b«i<e Arbeltifcr&t•. Auf Vermeidung: von שטניז Wird ge«1au*8t £*46ht*t. Freiheit sucht, als die!Gottes — der das Gesetz Zwang geworden ist — der Gebote׳ und Verbote Unfreiheit bedeuten! Die Torheit, die vergisst, dass wir auch nach der physischen! Befreiung Sklaven geblieben wären, Sklaven tönerner und geistiger Götzen, Sklaven unserer Gelüste und Triebe — wenn uns nicht dieser zweite Tag, indem er uns Gottes Gesetz unterwarf, auch aus dieser schweren!Sklaverei befreit hätte — unsere Seelen befreit aus der Knechtschaft der Sinne! Die Torheit, die in lächerlieber Ueberschätzung äusseren Scheines, in beschränkter Nachahmung der anderen, der sinnegeknechteten Völker — dieser anderen Völker äusserliche Freiheit als das auch für uns wichtigste uns einreden will! Wie armselig erscheint diese Torheit, die nicht sieht, dass der Tag des Pessach — des Auszuges — der Befreiung: nur der Tag unserer Aussaat gewesen ist; dass aber dieser zweite Tag, das Schlussfest, der Erntetag ■ist, an dem Gott, der uns befreit hatte und uns aussäte über die Wüste (uns aussäte ,als ein Volk wie die anderen Völker) uns eingeerntet hat als ein heiliges Volk! Und gerade heutzutage scheint es wichtig, diese armselige Torheit als Freiheit!zu erkennen, da die Welt um uns, ganz erfüllt von Gier nach äusserer Freiheit, die innere Freiheit des Glaubens verloren hat, ja sie ver- ,achtet; gerade heutzutage, da diese europäische Welt, auf dem Wege physischer Freiheit unersättlich vorwärts- •drängend, sich folgerichtig immer •weiter von Gott entfernt; gerade ׳Heutzutage, da selbst unter uns, dem von Gott am Pessach für Sch!wue׳ss erwählten Volk, die Gier nach äusserer Freiheit den! Frieden! der Seele ,zu zerstören beginnt — und da auch bei •uns diese niedrige Freiheitsgier in den niedrigsten Formen sich geltend macht: als Gier nach Gleichheit und als Gier nach Macht: Ganz, •wie wir es von der Welt um uns, ,von Europa, gelernt haben. Aber Gott, der uns aus der Knechtschaft Aegyptens befreite, einer Knechtschaft, die beides war :physisch und geistig — der *uns erwählt zum ■Erstling unter allen Völkern — der uns ausgesät hat unter die gottfernen Völker der Welt — •der uns an diesem!Schlussfest, reine Gnade krönend beschiiessend, das Gesetz gegeben: Nicht damit wir mit seiner. Gnade spielen hat Gott sie an uns!getan — nicht damit wir seiner Gnade Innerlichkeit verkennend, uns von äusserem Schema blenden1 lassen — nicht damit wir bei den anderen Völkern Gottes Willen missverstehen lernen: Sondern auf dass wir, äussere Freiheit und äussere Macht nach ihrem wahren! und recht geringen Werte einschätzend, nichts suchen mögen als jene einzig wünschenswerte Freiheit: die innere Freiheit der Seele, wie sie aus ■der Lehre spriesst und aus der Lehre!Befolgung! Und die Erkenntnis des unvergleichlichen Wertes dieser heiligen, dem Gehorsam und der Treue entstammenden, inneren Freiheit — sie ist die eigentliche und ist die reichste Ernte dieses Erntefestes! Ffir den S&bbat. Ein Vorscilag zur Gründung von Versicherungskassen. Es stent schlecht um die Hciligh^kun^des Sabbättages: die selbstverständliche ihm ist geschwunden. Ueberall, wo Juden diesen ,köstlichen Schatz des jüdischen Volkes noch unvfpäjrt erhalten wollen* riiiissen sie für ihn einen schweren Kampf führen. Einen Kam*)! der Erziehung^ntJ Aufklärung innerhalb des Volkes, einen Kampf |egeq die Zwang־ schule, die der jüdischen Kin^^eelc dfe naive Frejide an; Ruhetag raubt, einen Kampf gelten die Wirtschaftgesetze der Staaten, die, auf christlichen Grundlagen aufgebaut, den Sabbattag im Konkurrenzkampf gewollt oder ungewollt niederringen. Agudas, Jisrpel war sogar gezwungen, vor dem Völkenbamde für den Sabbat einzutreten, damit nicht durch eine geplante Kalenderreform die Erinnerung an den Sabbattag nicht in einer Verwirrung verlorengehe. Der Verteidigungskampf für den Sabbat bedient sich verschiedener Mittel. Der Sabbat des Kindes soll durch Gründung von eigenen jüdischen Schulen gerettet werden. Der Sabbat d'er Kaufleute und Angestellten durch Beeinflussung der gesetzgebenden Körperschaften zugunsten des Sabbattages. Das Wirtschaftslefoen d'er modernen Völker ist aber so verwickelt und kompliziert, dass die Erfolge bei den gesetzgebenden Körperschaften kaum wirksamen Schutz des Sabbats gewährleisten. Nur Selbsthilfe kann uns den Sabbat sichern. Auch auf diesem Gebiete ist in der jüngsten Zeit so manches geschehen. In angelsächsischen Ländlern, England und Amerika, wo der Sabbatgedanke fast bis zum Verschwinden verblasst ist, kommt das ״Wochenende“ (Weekend) den Sabbatfreunden zu Hilfe. Der kulturell entwickelte Kaufmann und Arbeiter, \üe in den grossen Industrie- Zentren eine Woche ohne Luft und Erholung verleben müssen, begnügen sich nicht mehr mit dem Sonntag allein. Sie wollen auch den Samstag als Ruhetag begehen. Der Gedanke der fünftägigen Arbeitswoche, die mit Freitag zu Ende geht, gewinnt immer mehr Anhänger. Es bedarf nur *noch ein bischen guten Willens seitens der jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer — und der Sabbattag kann wiederum zu Ehren kommen. Für Mittel- und Osteuropa kann einstweilen die Propagierung der fünftägigen Arbeitswoche als Schutz für die Heiligung des Sabbat noch nicht in Betracht kommen. Die Arbeit der Sabbatfreunde in diesen Ländern muss sich einstweilen auf jenen Kreis beschränken, der trotz schwerster materieller Opfer noch am Sabbat festhält. Es genügt aber nicht platonische Kundgebungen für den Sabbattag zu erlassen. Den schwer bedrängten Sabbatreunden muss positive Hilfe gewährt werden. Und zwar rasche Hilfe. Denn die Wirtschaftskrise, die fast ganz Mittel- und Osteuropa in furchtbarer Schärfe ergriffen hat, wird sicherlich zu Erschütterungen führen, denen erfahrungsgemäss viele Sabbathaltende, besonders im Kreise der Arbeitnehmer, zum Opfer fallen. Um auf diesem Gebiete einppj Schritt Aufruf! Das Schewuothfest, die tage des feierlichen •׳. > I •׳׳,■ ' ׳■ : , .V»• :♦#<» ‘י > Gedenkens an Kabulas Hathora naht heran. Es ergeht an jeden Jehudi der Ruf, sich seiner heiligsten ■4 « j »:.יי ■■■:.< י■ .;*. t; * ׳f^, Pflichten gegenüber der Thora zu entsinnen und in diesen Tagen beim Thoraaufrufe reichlich für den Keren Hathora zu spenden. Die Keren Hathora-Kommission der Agudas Jisroei für Oesterreich. ^MRRRHIlIRNliRIRRRIRIRlAilllliitttijllijMMteiijil zu kommen, möchten wir folgenden Vorschlag zur Diskussion stellen. Es soll ganz nach dem Muster der Kranken- und Pensionskassen eine Versieherungskassa für sabbathaltende Arbeitnehmer geschaffen werden, in die der Arbeitsgeber monatlich eine Goldkrone, der Arbeitnehmer monatlich zwei Goldr krönen einzuzahlen hätte. Da wir die Zahl der sabbathaltenden Arbeitnehmer in Wien auf ungefähr 1000 schätzen, würde die Abgabe in oben angeregter Hohe eine achtenswerte Summe ergeben, die bei kaufmännischer Bewirtschaftung die Möglichkeit schaffen könnte, für die Mitgliedschaft in ausgiebiger Weise zu sorgen. Wenn sie arbeitslos sind und warten müssen, bis sich ihnen eine passende Stelle mit der Möglichkeit, Sabbat zu halten, bietet. Durch die breite wirtschaftliche Fundierung dieser Sabbatkasse würde die bisher geübte Tätigkeit für Schmiras Schabbos einen ganz neuen Charakter gewinnen. Die Steller!Vermittlung für und die Hilfeleistung an in Schwierigkeiten geratene sabbathaltende .Kaufleute würden in Anbetracht der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Sicherungskassa praktische Bedeutung gewinnen. Mag sein, dass dieser Vorschlag nicht in allen Punkten durchführbar ist Für alle Fälle ist er wert, Grundlage einer Diskussion zu werden, deren Resultat jenen wirksame Hilfe bringen soll, die bereit sind, auch um den Preis empfindlicher Opfer den teuersten Schatz des jüdischen Volkes, den Sabbat, auch für die arbeitenden Teile unseres Volkes zu retten. Hftbaohe Vorzimmer, ■ohöne Kfiohen (praktische Patent-Abwaschtische), gediegene Sohl&fzimmer, Teilende Mädohenzlmmer usw., einzelne Küchengeräte aller Art Möbelspezialfäbrik ״KilCHENFEE“ י׳-״ייי-י׳יי׳*־׳ EARL KLIMB£RaER & Co. Wien, XX. Bez., Engelaplatz Nr. 6 Nur eigene Erzeugnisse, garantiert solide Bauart. Höchste Auszeichnung (Goldene Medaille 1913). Filialen: 1., Spiegel0a8se 15 VIII., Josefst&dterstr. 30 111., Landstr. Hauptstr. 65 XVIII., Wlhrlhgerstrasse 115 IV., Margaretenatra88e 2 XXI., Hauptstraase 28 VI., Stumpergasse 51 XXI, Kagran,Wagranerstr.113 : 2 vollenden. Dies war die Aufgabe der Jahrtausende. Diese kosmische Tat wird von den Kindern Abrahams fortgesetzt כי ידעתיו למען אשר יצוה את בניו אחריו דרך רז׳ לעשות צדקה ומשפט die in ihrer tausendjährigen Geschichte die 1M!essiasnation bilden. Die Geschichte Jisroels ist deshalb nur insoweit die Geschichte der Messiasnation als es sein Leben der Lösung der himmelhohen Aufgabe weiht und dadurch die Menschheit befreit und erhöht. d Wenn wir diesen Gedanken׳ zutiefst verstehen, dann wird es uns klar, dass unsere Thora, die die ganze Geschichte und der ganze Lebensinhalt Jisroels ist, gleichzeitig die höhere Geschichte der ganzen Menschheit bedeutet (זה ספר תולדות אדם) die Geschichte vom sittlichen Aufstieg und Verfall aller Völker . . . Durch die Zerstörung des ■Tempels und de$ Golus des jüdischen!Volkes wird die Entwicklung unterbrochen. Nicht nur in der Geschichte Jisroels, sondern auch in der Geschichte ■der Welt. Breuer schildert recht eindringlich diese Unterbrechung nicht nur als grosses unglückliches Geschehnis im Leben der!Menschheit, sondern auch im Leben der ganzen Natur. Dies ist ■vollständig im Geiste altjüdischer Vorstellung von Golus baschechüna und im Geiste jener Agadastellen, die mit den Worten׳ beginnen: .משחרב בית המקדש Erez Jisroei und der Tempel waren aber nur ein Teil jener Mittel, durch die die Messiasnation G-tites 1Herrschaft auf der Erde verwirklicht, die vielen Nationen geeinigt in eine Menschheit, geeinigt zu G-tt zurückbringt und in das verlorene Paradies zurückführt. Ueber •die Erdie wandernd, über diie ganze Welt zerstreut. Höllenqualen leidend, verfolgt und vertrieben von der Bosheit und dem Wahnwitz aller Zelten, verlacht und verspottet von allen ׳Ruhigen! und Satten, die das Elend der ewigen! Heimlosigkeit nicht fühlen können!, — hat Jisroei im Laufe der zweitausend! Golusijahre nie aufgehiört, die Welt im Geiste der Herrschaft G-ttes zu bessern, im Geiste der immer mehr fortschreitenden Gerechtigkeit. Jeder Altar, auf dem jüdische Menschen אל קדוש ד׳ geopfert wurden, jeder Scheiterhaufen!, auf dem jüdische Menschen! brannten, jeder Inquisitionssturm, in dem jüdische Menschen verfault sind, jede Teufelsmaschine, die jüdische Menschen peinigte, ■jedes neue Golus, jeder neue Gerusch, jede Gemeinschaft, in der jüdische Menschen getrieben und gejagt, bespien und verflucht vorn finsteren Pöbel, von Land zu Land w,änderten, die Thora!in der Hand, den Tal'is um die Schultern und die Tefilin auf ■dem Haupte trägt, je|d!e Manifestation jüdischen Martyriums ist gleichzeitig eine Manifestation von G-ttes Herrschaft auf Erden, ein lebendiger Beiweis dafür, dass es noch ganz anderes, höheres Leben gibt, als jenes Leben, das der Mensch wählte, indem er sich blinden Naturgesetzen unterwarf, deren Sklave et wurde: ein Leben, das über dem ״Sein“ steht und sich zum ״Es soll sein“ laut g-ttlichem Willen durchgerungen hat. Ein Leben, das selbst die Natur von allen erdgefbumdenen Notwendigkeiten erlöst, um sie zur höchsten Freiheit erhöhen, zum א ל ק ו הבריאה. Wer diesen Gedanken zu Ende denkt, der sieht in allen Einzelheiten der jüdischen Geschichte nicht bloss Episoden aus der Geschichte eines einzelnen bestimmten! Volkes, sondern tiefgreifende Ereignisse in der Geschichte dre ganzen Menschheit, in der Ge•• schichte des Weltalls. Wenn Jisroei am Berge Sinai steht, wird die ganze Menschheit erhoben und Freude erfüllt Himmel und Erde; sündigt Jisroei mit dem goldenen Kalbe, fällt die ganze Menschheit; büsst J'isroel die Sünde durch langes, linges Martyrium, wird die ganze Mens:hheit gelautert; wird der Tempel gebaut, so!wird er ein Gebethaus für alle Völker; verfällt der Tempel durch Jisroels Verfall, klagt und weint die ganze Natur ... — Aber nicht nur in den׳ grossen Momenten seiner Geschichte manifestiert der Jude die Herrschaft des Himmels auf Erden und zwingt so die Völker, in deren Mitte er lebt und leidet, zur Einkehr und Umkehr, sondern auch!durch sein Alltagsleben, das er lebt, durch jeden׳ Saibbath, an dem er ruht, ׳jeden Feiertag,!den er feiert, durah jedes Gebot, das er mit freudigem Ernst erfüllt, bringt G-ttes Herrschaft zum ׳Ausdruck, heiligt! er G-ttes Namen, weist er auf ein höheres und besseres Leben׳ hin, wirkit er auf aridere in demselben Geiste, veredelt er die ganze Menschheit unld erhebt die Welt zur höheren Entwicklung . . . Im letzten Jahrhundert begannen die Mauern *des Ghettos zu fallen. Die jüdische Aufklärung in ihren versohiedensten Formen׳ betracht eit den. Sturz dier Ghettomauern als ein grosses Glück für sie und für die Welt. Das heisst in 4er Sprache der Aufklärung, dass die Juden befreit und verweltlicht wurden; dass sie aus der Finsterkeit zum Licht Vordringen׳ konnten, dass sie endlich ihr gesundes, natürliches Leben wiederfinden und sich der ganzen Menschheitsfamilie verbrüdern konnten. Der klare Ausdruck dieser AufkilärungstenldenJzen i׳st die R e 1f o r m b e w e g u n g. Aber vielleicht noch klarer und konsequenter kommen sie in der zionistischen Bewegung zum Ausdruck. Im scharfen Gegensatz zur allgemeinen Anschauung glaubt Breuer, dass die Reformbewegung und der Zionismus eine gemeinsame Wurzel haben. Das ist die Leugnung, dass Jisroei ein mit nichts anderem vergleichbare Schöpfung ist, dass Jisroei der mächtige Baum ist, den der Schöpfer pflanzte und wachsen liess, damit die ganze Menschheit sich an ■ihm ׳emporranken, könne. Die Ideologie der Reformb&wegung unld des Zionismus sind gewiss voneinander verschieden. Die Grundlage ist dieselbe. Das ist der •Wunsch, den ungläubige und verzweifelte Juden schon zu Zeiten Ides Propheten Jechekiel aussprachen: נחיה ככל הגוים בית ישראל Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, K&rntnerstrasse f (nftchst dem Stefansplatz, am die Ecfee)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.