Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 22 (30.5.1924)
- Date
- 1924-05-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 146 JÜDISCHE PRESSE 1 Nr. 22 Die Menge bereitete den Gästen eine gewaltige Ovation. Minutenalng!hallten begeisterte Jechi-Rufe tind es gelang schwer, dem ersten Redner Oberrabbitter Schapira sich Gehör zu verschaffen. Die kurze flammende Ansprache, die Oberräbbiner Schapira von der Estrade an die Versammelten hielt, hatte einen tiefen Eindruck ausgeübt. Hierauf ergriff der Kultuspräsident Hirsch Silber das Wort, der die Vertreter der Regierung in polnischer Sprache begrüsste. Der derer, Czortkower und der Schwiegersohn des Beiser richteten nachein־ ander kurze Diwreh Torah a rodle begeisterte Menge. Rabbiner Dr. P. Kohn sprach im Namen der Agudas Israel. Als der Spender des Bauplatzes Herrn S. Eichenbäum das Wort ergriff, wurde ihm eine gewaltige Ovation bereitet. Pünktlich um 3 Uhr mittags legte der Czortkower Rebbe den ersten Stein. Ihm folgte der Czortkower Rebbe und die anderen illustren Gäste. Der Enthusiasmus der Menge erreichte seinen Höhepunkt. Die Polizei befürchtete den Einsturz der Estrade. Erst als Oberrabbiner Schapira mit einer kurzen Schlussrede die Feier beendete, legten sich d'ie Wogen. Es war ein denkwürdiger Tag. Ein Tag, an welchem die echten jüdischen Hoffnungen frisch erblühten. Eindrücke aus Lublin. Man fühlt den Geist von Jahrhunderten. Alles, was an Thoragrösseh innerhalb dieser Mauern gelebt und gewirkt, ringt nach neuem Leben. All die Generationen, die einst auf der Vierländersynode in ׳Lublin atemlos der Entscheidung durch die Grössen ihrer Zeiten harrten, sind aus den Gräbern erstan־ den und wechseln mit uns den Gruss trauter Freundsdhaft und׳ innigsten Verständnisses. Das Glück der Zeitlosigkert ü'berkommt uns. Dieses Glück spricht aus den Augen von gross und klein, die von früheT_Nachtstunde an am Bahnhof der Kommenden harrten unid mit ehrfurchtsvoller Scheu sich die Namen derer nannten, die aus naher und weiter Ferne als Teilnehmer des Festes erschienen waren. Dieses Glück spricht aus Tausenden von Augen, die von festlich geschmückten Balkons aus in heisser Sonnenglut hinabschauten auf die Strasse, auf der in heiliger Scheu Tausende und Tausende harrend Spalier bilden, um freie Bahn zu lassen für die Fahrt der Gäste zum Festplatze. * Das Wort eines Herrn aus Warschau: Bei uns hässlicher Kampf, ob man einen durch Sitte und Gesetz geheiligten Platz durch ein akademisches Heim profanieren soll, in dem die Thora sicher keine Heimstatte finden wird. Hier ein grosses Herz, das in grosser Regung einen weiten freien Platz dej* Thoraliehrstätte widmet. Ich weine, so sagt der Warschauer Herr, und schäme mich, weil aus allen Gauen Polens, aus weiten Ländern die Freunde der Thora herbeigeeält sind und das Warschauer Rabbinat laut Majoritätsbeschluss fehlt. Antwort eines Herrn aus Luiblin: Das ist unser Geheimnis, dass auf unseren Beth Hachajim nur Lebende zu uns sprechen. * ׳Solch ein Fest, zwanglos und formlos, kann nur der Osten uns geben: Da erschienen die ehrwürdigen Gestalten, die als die geistigen Erben des Baal schem tauv die Menschen leiten und führen mit sanfter Hand. Sie werden umjubelt in keuschen Tönen ehrfurchtsvoller Grösse. Da kommen auf schlichter, anspruchsloser Führe treue jüdische Seelen vom Land, ermattet und verstaubt. Ihren Rebbe wollen sie sehen und an der Chagiga teilnehmen. Sie werden von den Lublinern begrüsst, wie einst die Festpilger in Jerusalem. Verschwunden ist die Mattigkeit, und selbst der Staub wird zum Diadem der Freude. * Lange vor Beginn der Festeszeit erfüllt fast eine Zahl von sechzigtausend Menschen den weiten grossen Platz. Sie wollen sehen und hören, und wollen ihren Kindern und Enkeln erzählen, dass sie dabei gewesen waren, an dem grossen Tag von Lublin. Sie harren geduldig und die meisten unter ihnen besprechen das wundenbare Geheimnis, dass auch der Rebbe von Bels seinen Schwiegersohn zur Feier entsandt hat. Und so ist denn unter dem Banne der Aguda, denn ein Fest der Augda war es, nach Symbol und Wirklichkeit alles geeint, was in Gross- und Kleinpolen als Auge und Führer der jüdischen Gemeinschaft gelten kanp. Gross war der Tag von Lublin. * Und endlich erhebt der ehrwürdige Rabbiner aus Piotrkow, dessen Tatkraft und Initiative das ganze Werk zu verdanken ist, seine Stimme. In seinem Gruss sprechen Jahrtausende. Grossrabbiner von Czortkow und Gora Kalvaria folgen. Der Sdhiwiezur MHiJahrssalson empfiehlt die Firma Weldler & Fürst Wien, II., Hollandstrasse 16 י' (Ecke Kleine Sperigasie) fslnsls Nsrrsngardsrobsn nach Maas aus ihren eigenen feinsten und aus mitgebrachten Stoffen* tyind/ada, jfonj-, Jäteand Seilerwaren sowie Packmaterialien j Tapezierer* u. Packjute in allen Bieiten) Stroh & 00. 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Das eine Mal wird gemeldet, dass der Rabbiner in Bohuslaw in der Ukraine sich offen zum Kommunismus bekennt; er hätte letzten Pessach in der Synagoge über das Verhältnis der Religion zum Kommunismus gesprochen und statt des üblichen Schlusses uwo l’zion Gauel seine Predigt mit einem Hoch auf den Kommunismus beendigt: ״Der Kommunismus und die heilige Religion sollen leben!“ Die alten Rabbiner hätten, so wird berichtet, den ״Roten“ in Bann getan, dessen ungeachtet sei der proletarische Rabbi der Liebling der jüdischen Arbeiter. Nach anderen Meldüngen wird der Fall überhaupt nicht ernst genommen. Eine dritte Meldung weiss zu berichten, dass der rote! Rabbi bereits Schule gemacht hat. In Ulianow in Po* dolien sollen die Proletarier sich eigens einen proletari* sehen Rabbiner bestellt haben, um wirksam gegen den ״Bourgeois“»Rabbiner aufzutreten. — Alle diese Nach* richten sind sicherlich mit grosser Vorsicht aufzunehmen. Wer aber ein wenig historisch geschult ist, wird nicht achtlos an ihnen Vorbeigehen. Auch die Reform hatte׳ in ihren Anfängen eine ausgesprochen antireligiöse Tendenz, bis sich einige Reformrabbiner fanden, die ihre Reden mit einem Hoch auf die Reform und die heilige Religion schlossen und nachwiesen, dass die Reform die ״richtige Religion“ ist. Man hat diese Rabbiner nicht sehr ernst genommen, aber ihre Zahl wuchs ständig, und sie haben der altjüdischen Frömmigkeit schweren Schaden zugefügt; Westeuropa und Amerika leiden noch heute furchtbar unter den Folgen ihrer ruchlosen Tätigkeit. Dann kam die nationale Bewegung auf. Auch sie!hatte einen antireligiösen Charakter. Dessenungeachtet fanden sich Rabbiner, die die Verbindung von Nationalismus und Religion predigten. Es waren ihrer nur ganz wenige, aber auch ihre Wirksamkeit hat in manchen Kreisen die Treue zur jüdischen Tradition erschüttert. Wer diese Erschei* nungen im jüdischen Leben kennt, wird an das Gesetz der Serie denken, wenn die Kunde vom neuen Typus des proletarischen Rabbiners zu ihm dringt. © NACHRICHTEN. © Sitzung des Keren Hathora-Komitees. Wien. Das Keren ׳Hathora-Komitee, dem sich!bereits fast alle 'in Wien bestenden Thdioralehranstalten und diie burgentändischen Jesöbiwotth angesohlossen halben, hielt Dienstag, den 14. Ijar eine Sitzung alb, in!welcher eine Erweiterung des Komitee durch Kooptierumg vorgenommen ,wurde. Dem Komitee gehören nebst den Migliedern des Rabbinischen Rates für Oesterreich, Oiberrabbiner Fürst, Grossrabbiner Moses Friedman und Oberräbbiner Simon Löwy, Frauenkirchen׳, die Herren׳ Wolf Pappenheim, Rabbiner Abraham Heschel, Salamon Schreiber, Moses Seidmann, Rabbiner Dr. Jaell iPol'lak, Da!wtd Seidmann, Leopold Lederer, Memdel Feigelbaum, Miano Felsenburg, Saiamon Sprarer, Ghaim Mörsel1, Markus Kamm. Nachman ׳Panner, Jakob Türki, Simon Schreiber, Moses Blech. Ferner wird von jeder orthodoxen Thoralehransitalt ein Mitglied der Leitung und des Lehrkörpers in das Keren Hathora-iKomkee kooptiert. Die Versammlang hat mit grosser Befriedigung zur Kenntnis genommen, dass Grossrabbiner Markus Friedmann, Saidagora, sich an den Arbeiten für Keren Hathaura beteiligen will. Gründungsversaminlung der Ortsgruppe Agudas Jisroel, Wien, XX. Sonntag, den 25. 1M!ai itanld im Lokale der Ze!ire Agudas Jisroeil, XX., Bäuerlegasse 20, d'ie iGründungsver- Sammlung der Ortsgruppe des XX.!Bezirkes statt, an weicher 11. a. Herr Rabbiner Gerson Hager und in!Vertretung der iLandes'zemtrale die Herren Wolf Pappenheim, Rabbiner Abraham Heschel unld Darvid1 Seidmann teilnahmen. Herr!Moses Blech begriisste im Namen1 der Landes- Organisation die Erschienenen und erteilte!Herrn Redakteur Schönfelld das Wort. Herr 'Schönfelld, der i׳m Namen der Zeire Agudas Jisroel spricht, gibt!in beredtem Worten seiner grossen Freude Ausdruck, dass d'ie Jugend nunmehr gemeinsam mit allen; Jereim des Bezirkes an der Ausfiihrang des Ag,!1 daprogrammes werde arbeiten' ,können. Rabbiner Gerson Hager begrüsst die Orthodoxie des Bezirkes und weiist auf die Wichtigkeit und •Noitjwendfgfkeit des Anschlusses der orthodoxen׳ Juden! an d'ie Agudas Jisroel hin, deren Aufgabe es sei, den Idealen der Thora den Weg ins jüdische!Haus 'zu bahnen. Herr Wolf 'Pappenheim bespricht die Aufgaben und bisherigen Leistungen der Agudas Jisroel und drückt d!ie Hoffnung aus, dass die Jereim des XX. Bezirkes sich der Agudaarbeit mit!Hingabe widmen werden. Herr Blech schildert in einem gediegenen! Referate, ׳wie das Judentum in der Diaspora nur durch das Festhalten an der Thora allen Widerwärtigkeiten! des Goäus standgehalten׳, erklärt es als heiligste Pflicht, in einer Zeit ׳wie der unsriigen, in der verschiedene, dem Judentum gämzlieh ׳wesensfremden׳ Strömungen! aufge taucht seien; •das jüdische Volk auf Basis der Thora in seinen früheren׳ erhabenen Stand zuiüakzuibringen. Solange wir ׳nicht für die Erlösung der Herrlichkeit Gottes gesorgt haben, können wir an unsere eigene!Erlösung nicht denken. Herr Grimberg weist auf die Tatsache hin, dass es der Aguda seit dem Kriege gelungen ist, der jüdischen Jugend von der freien Strasse weg auf den ihr von der Thora׳ gezeichneten Weg zurückzuführen; Aufgabe der Aguda ist es, führt Redner weiters aus, e'ine Generation ׳zu erziehen, die würdig ■ist, in das heilige Lanld zu ziehen, da doch sonst Palästina wohl ein Ere:z — jedoch ohne Jisroel se . Denn wir können׳ uns Ereiz Jisroel nur mit den Thorajuden׳ als heiliges Land vor stellen■. Hierauf wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten, bei der folgende Herren per Akklamation einstimmig igeiwählt wurden: Herr Rabbiner Hager ,als Ehrenpräsident, Herr B. Oelband, K. Ochs, 0. ■Dulbiner, Gh. Mörsel, N. Panner, M. Spiegel, J. J. Schächter, A. Forst, Kupfermann. H. Kanner, J. B. Lock, H. Mermelstein, Kornblum, J. Heller. Nach erfolgter Wahl erhielt das Vorstandsmitglied der Zeire Agudas Jisroel, ,Herr David Ochs, das Wort, der i1:׳ änssers't wirkungsvoller Weise! ausführte, dass die jüdische Jugend nur unter Leitung der Geaunäm und Gedaul'im ihrer hervorragenden grossen Aufgaben1 :gerecht werden könne, und erklärt ,im •weiteren; die Jugend werde alles aufbieten, um in Gemeinschaft mit der neugfeg rundeten Ortsgruppe die hehren Ideale der Agudas Jisroel zu verwirklichen. Herr Blech hält hierauf das Schlusswort und schliesst die eindrucksvolle Versammlung. Generalversamm'nug des Beth Hamidrasch Talmud- Thora. Sonntag, den! 18. M׳ai (M. Ijar) fand1 die General- Versammlung des Beth Hamid'rasch Tatoud Thora unter reger 'Beteiligung statt. Nach der Begrüssungsansprache des langjährigen verdienstvollen! Obmannes, Herrn Leopold Hirsch, ,wurde d'er Tätigkeitsbericht und Kassabericht des Vorstandes erstattet. iiDe darauf folgende Debatte gab den bekannten Gegnern d'er Adas Jisroel (Schiffschul) Gelegenheit, ׳wenig begründete!Angriffe geigen die 1Schiffschul vom Stapel zu lassen. Herr Komm-erialrat Siegmund Bond'i und Herr Oskar Neurath gaben auf diese Quertreiiberaien die getoübrejude Antwort, d'ie von der Majorität ägtVondder Bundesregierufigpewilligte *mp :*־ **m Effektenlotterie Zugunsten des ELISABET-HEIM f&r Kriegswaisen, Lehrmädchen und Arbeiterinnen Wien! II. Bezirk, Malzgaene Nr. 7 Telephon Nr. 43-5-40 Gesamttreffter 600 Millionen Kronen Haupttreffer 120, 60, 35, 20 und xo Millionen Kronen nnd tausend andere Treffer Lu• I. a. Banken a. Trafiken erhältlich! Wiederverkäufer gesuoht