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Jüdische Presse · 1924-05-30 · 22 (30.5.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
22 (30.5.1924)
Date
1924-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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m jüdische rm v. b. b. £OsriDg310t^9jc> ORGAN DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12 a. ־־ Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, Für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei KS. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; fürTscnecho-Slowakel: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rumänien: B&nca Marmarosch Blanc &Co für Florenz 8! Co, Bukarest;für die Schweiz! Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 22 Wien-Bratislava, 30. Mai 1924 .ב*ר דענה־פרעסםבורג י״ז אייו תיפ״ד 10■ Jahrg.; I I Wien, 29. Mai. Wie ein Wirbelwind und Hagelschauer als letzter Bote des weichenden Winters, so dringt mitten in der sieghaften Schönheit des Lenzes das ernste Wort der Mahnung an das Ohr der jüdischen Kinder in der Tauchocho. Ein Ueberblick über die jüdische Geschichte würde leicht den furchtbaren Nachweis erbringen, dass jedes Wort dieser Tauchocho zur Wahrheit gestaltet hat. Gilt dies von den äusserlich sichtbaren und fühlbaren Geschehnissen, so hat das sicher auch seine Geltung in bezug auf einen Gedanken, der sich wie ein roter Faden durch das Wort der Mahnung zieht. Das ist die Ankündigung, dass der Allmächtige mit seinem Volke so handeln wird, als gäbe es einen gesetzlosen Zufall. (Keri.) Seit zweitausend Jahren ringen jüdische Kinder gegen diesen Zustand und von Geschlecht zu Geschlecht wird von der zartesten Jugend an gelehrt und gelernt, der Gedanke und der Glaube an eine bis ins einzelne gehende Vorsehung. Der Blick in das Leben lehrt uns, dass tatsächlich von dem Augenblick an, in welchem der Mensch an dieser Vorsehung zweifelt, scheinbar rohe Gewalt die Geschicke bestimmt. Demgegenüber gibt es nur Rückkehr zu dem am Anfang des Wochenabschnittes verkündeten Gedanken, dass auch das physische Werden, die Entwicklung der materiellen Kräfte im engsten Zusammenhang stehen mit dem religiösen Wollen und der sittlichen Bewährung des Menschen. Was von dem einzelnen gilt, hat auch seine Berechtigung für die Gesamtheit und darum ist es eine Entgleisung sondergleichen, dass man jüdisches Land und jüdisches Volk in absoluter Abhängigkeit bringen will von der Gestaltung der materiellen Macht- Verhältnisse. Das kann zwar auf einen Augenblick täuschende Erfolge hervorzaubern, das kann zu dem Irrtum führen, das Geschehen auf das Glück der Waffe zu stellen, und es wäre ein furchtbares Unheil, wenn nicht immer und immer wieder aus der Mitte der jüdischen Gesamtheit der Ruf ertönen würde, sich loszusagen von einem Glauben, vom Zufall und vielmehr, sich durchzuringen zu der Erkenntnis, dass jüdisches Geschehen bis zum letzten Tage klar vorgezeichnet ist im Worte der Offenbarung bis zum jüngsten Tag der Propheten, per Kampf der Agudas Jisroel in bezug auf den Ideeninhalt ist nichts anderes, als der Kampf gegen Irrglauben an einen Zufall. Der denkwfirdige Tag in Lublin. (Von unserem Spezialberichterstatter.) Der Tag der Grundsteinlegung der Jeschdwoh Chachmei Lublin ist vorüber. Mit seiner glieissenden Farbenpracht bildet er eine herrliche Erinnerung, ebenso herrlich wie die Tat, die an diesem Tage ihren Anfang fand. Schon zwei Wochen vorher hat das jüdische Lublin eifrigste Vorarbeit geleistet. Man wusste, dass zu diesem Ereignis eine zahlreiche Menschenmenge sich versammeln wird, und dass an diesem Lag bomer-Tage ein grosses Ereignis in Gegenwart der Führer des jüdischen Volkes stattfinden wird. Am Vorabend des denkwürdigen Tages trafen aus allen Gegenden Polens tausende Juden in Lublin ein, darunter mehr als hundert Rabbonim. Am Abend traf der Gerer Rebbe per Auto von Warschau in Lublin ein. Die Landstrasse Warschau—Lublin war einige Meilen vor Lublin schon von zahlreichen Gruppen von Chassidim bevölkert, die den grossen Rabbi erwarteten. Donnerstag um 4 Uhr morgens war der Bahnhof und der Platz vor demselben,, mit tausenden von Menschen belagert, die die Ankunft des Czortkower Rebben sowie der Delegation der Agudazentrale aus Wien erwartete. Den Ankommenden wurden herrliche Ovationen bereitet. Die Stadt Lublin hatte feierlichen Schmuck zu Ehren des Tages angelegt. Die Balkone der Häuser wurden mit Teppichen und Fichtenzweigen dekoriert. An vielen Häusern prangten hebräische Willkommensprüche. Um 8 Uhr früh begaben sich alle Rabbeim und Rabbonim sowie zahlreiche Anhänger auf den Lubliner Friedhof, den Friedhof der Zaddikim. Auf den Gräbern des Maharschall, Reb. Schachne, Reb. Jakob Nur so kann es gelingen, d!as strafende Wort der Mahnung zurückzuführen zum segnenden Wort der Verheissung. Polläk (der eiserne Kopf) und des grossen Führers der Chassidim Chosech m‘Lublin wurden Tefiloth verrichtet. Als um 11 Uhr die Mengen zum Bauplatz zusammenzuströmen begann, konnte man die grosse Masse der Teilnehmer beurteilen. Ueber 50.000 Personen haben an der Feier teilgenonmmen. Die Lubartowskastrasse, die in prangendem Sonnenschein lag, und die zum Bauplatz führte, war von einem Kordon berittener Wache und dem dichten Spalier der Zuschauer eingerahmt, auf der sich der Zug der Rabbonim und der Delegationen zur Baustelle bewegte. Die Balkone, Bäume und Dächer der Häuser waren dicht besetzt. Inzwischen trafen auch die Rabbeim von Sokolow, Radzin, Amschelew, Karlin, Slonim, Tomaszow ein. In Vertretung des berühmten Chassidimführers des Beizer Rebbe erschien dessen Schwiegersohn, der Ostiler Rebbe bei der Feier. Als Vertreter der Regierung nahm der Bezirkshäuptmann und ein Vertreter der Wejewod'stwo an der Feier teil. Der Andrang zum Bauplatz war ungeheuer. Es dauerte einige Stunden, bis Ordnung in die Massen hereingebracht werden konnte und der feierliche Akt seinen Anfang nehmen konnte. Der Bauplatz, der 52.000 Quadratmeter umfasst, war bis auf das letzte Plätchen gefüllt. Auf der Estrade nahmen die Gäste und Delegationen Platz: der Gerer Rebbe, der Czortkower Rebbe mit .ihren Söhnen, der Schwiegersohn des Belser Rebbe, die Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Isroel Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Rabbiner Beer Friedmann, Oberrabbiner Sejmdeputat Lewin- Sambor, Rabbiner Tobias Horowitz, J. M. Lewin- Warschau und der Initiator und Organisator des grossen Werkes Oberrabbiner Sejmdep. Schapira- Piotrkow. Lublin. 1 Der Traum des Rabbi. (iFontsetzung.) Der Rabbi nahm es, ׳nach einem Augenblick des Zögerns entgegen, und sagte dann mit müder Stimme: ״Noch heute will ich lesen, was Ihr Herz Ihnen diktiert hat... und morgen um diese Zeit wollen wir weiter darüber reden.“ Schüchtern, mit tränenumflorter Stimme stanimelte Perez: ״Rabbi, ich danke Euch! Ihr könnt nicht ahnen, wie mich Eure gütige Erlaubnis beglückt!“ Der Rabbi hatte sich von seinem Sitze erhoben und Perez hatte rasch wieder zu dem falschen Barte gegriffen, der ihn unkenntlich machte. ״Ihr verzeiht, Rabbi, dass ich wieder nur unter dem Schutze dieser Verkleidung bei Euch erscheinen werde. Nicht ׳meine Sicherheit erfordert es ... aber Euretwegen muss ich daran denken, dass man vielleicht einmal in späterer Zeit Euch mit Fragen behelligen könnte, die sich auf mich beziehen...“ ״Ich will nicht erst fragen, was Sie zu dieser Vorsicht mahnt — meinte der Rabbi — aber ich denke, Vorsicht schadet niemals.“ ״Sie ist in diesem Falle geboten. Ich kann nicht bezweifeln, dass meine Wege von Spähern belauert werden... denn ich weiss, was auch von mir gefordert wird...“ Der Rabbi begleitete seinen Besuch bis zur Türe. Der schlanke junge Mönch verliess als gebückter Greis das Haus. Noch in der Nacht las der Rabbi unter steigender Spannung das ihm übergebene Schriftstück. Die Aufschrift lautete: ״Die Beichte eines Abtrünnigen!“ Unaufhörlich verfolgt mich seit einigen Tagen der Name Elisa ben Abuja, der später nur mit allzu viel Grund ״Acher“ der Andere genannt wurde; seine Gestalt steht gespensterhaft vor meinem Auge und mir däucht, sie sei das Spiegelbild, in dem ich mich selbst erkenne. Ich selbst war ein solcher ״Acher“ geworden, in dem niemand den Jüngling erkennen würde, der vor Jahren zu den Füssen seines grossen Lehrers sass, Tag und Nacht sich in das Studium der Gotteslehre vertiefte und sorgsam darauf bedacht war, kein Gebot, keine Satzung der Religion Israels zu verletzen. Und wo stehe ich heute? Habe ich nicht alle Gebote, alle Satzungen der Lehre Israels mit Füssen getreten, indem ich den Gott Israels verleugnete? Bin nicht auch ich ein Anderer geworden? Aber ach mit Schaudern erkenne ich auch, dass ich den Keim zu meinem Verderben in Wahrheit schon in der Zeit in mir trug, als ich noch voll Selbst- Zufriedenheit und Selbstgefälligkeit mich für einen 1 Auserwählten des Herrn hielt, berufen, selbst auch )ein gefeierter Lehrer in Israel zu werden, der seinen Glaubensgnossen voranleuchtet in Frömmigkeit' und edlen Tugenden. Die Schleier der Selbsttäuschung sind zerrissen, die einst mein Auge trübten, ich sehe klar, auch damals fehlte mir schon die Demut, der tiefinnerste Kern der wahren Gottesergebenheit, der echten Frömmigkeit. Mir fehlte die Bescheidenheit, jene Tugend, die Thora als die höchste menschliche Eigenschaft an dem grössten Manne Israels, an Moses rühmt, an dem Manne, den sich Gott erkoren, um ihn zum Lehrer und Führer seines auserwählten Volkes zu machen. Ja, ich vertiefte mich mit unermüdlichem Fleisse in das Studium der Gotteslehre, alber nacht, um damit ein heiliges Gebot zu erfüllen, sondern getrieben von Wissensdurst, beseelt von dem leidenschaftliehen Drange, in die letzten Geheimnisse der Lehre einzudringen, weiser und gelehrter zu werden, als die anderen sind, um auf sie von stolzer Geisteshöhe herabblicken zu dürfen. Ich entzog mir den Schlaf, um zu lernen, aber nicht darum, weil ich besser werden wollte, weil ich den Sinn für die Heiligung des Lebens stärken, das Herz gegen die Verlockungen der Weltfremden stählen wollte, sondern weil ich von glühendem Ehrgeiz gestachelt war und hoffte, auf diesem Wege zu hohem Ansehen zu Rang und Würden zu gelangen, berühmt und bewundert zu werden. Ich dachte nicht daran, dass durch mich der Name Gottes verherrlicht werde, sondern mein Name... (Fortsetzung folgt.) /\ i• a ♦gg "י- Dle internationale Kun$twerk$täfte firllfhmar SChliT PttüdKn, Scheitel und Cransformationeii wmf mmm ww ■ ▼ ■ / ■ ■ ■ €1» 9ros — cn detail / BllHaste CimuaTsqiieite / Die Herstellung m darauf* dmergewem«! Ratirbaar — -- :■־= Wien 1. =־ — Klrntnerring Br. 6 (gegeniher den Botel Bristol), Cei. 51*42 __mucrgewciltttt Batitbaar Clefert seit nebr als atdertbalb 3abrxebatea des ooraebftttca ortbodoxea Da«ea aller Wader Perfekt». _ l» BTaat scbeitela. Diese werde« 4er msdcbeafrls«? Nit Ptrblffftader Cfascbwf aacbietacb!. W־ ttw pp? Trrefflimntg 1» scbflttt», bitte de» Uomawea OTHMAR «>4 die JMresse geaa» t« beaebteai ‘WM

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