Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 36 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 JÜPISCIBB PRESSE Seite 245 Rechtsgefühl ersuche ich dringend, dieses ungerechte Gesetj5ft|äl^J^t sfbauänilfrn.“ Haijg״H&zl nicht: Katholik, sondern protestatischer Baptist. Wien. (J. T. A.) Im Hinblick auf eine Erklärung Hans Herzls im ״Jewish Chronicle", dass er nicht zur katholischen, sondern zur protestantischen Kirche übergetreten wäre, hat der Wiener J. T. ׳A.-Vertreter Untersuchungen angcstellt und ermittelt, dass Hans Herz! in der Tat am 20. Juli vormittags, während des Anmarsches der zehntausende Juden zum Grabe Theodor Herzls, in der protestantisch-baptistischen Kirche durch den Prediger Georg Sarre getauft worden war. Diese Tatsache war sogar •den intimsten Bekannten Hans Herzls verborgen geblieben, denn alle waren auf Grund des Verhaltens Hans Herzls in den letzten Wochen des Glaubens, dass er durch Pater Schlesinger in die katholische Kirche aufgenommen worden war. Wie dem J. T. A.-Vertreter versichert wird, war Hans Herzl aus eigenem Antrieb in die baptistische Kirche gekommen und habe gebeten, ihn in den Schoss der Kirche aüfzunehmen. Nachdem er die kirchlichen Prüfungen abgelegt hat, wurde der Taufakt vollzogen. In einer zweiten Unterredung mit dem J. T. A.-Vertreter erklärte der der Familie Herzls nahestehende Prof. Leon Kellner, alle Gerüchte über eine angebliche Liebesgeschichte Hans Herzls, die den Grund zu seiner Taufe gegeben hätte, seien absolut unwahr. Prof. Kellner erklärte weiter, er halte es noch nicht für zeitgemäss, sich über die von Hans Herzl gegenüber dem Londoner J. T. A.-Vertreter geäusserte Klage, dass sich das Judentum erst heute um ihn, Hans, zu kümmern begonnen hat, öffentlich zu äussern. ״Vielleicht,“ sagte Professor Kellner, ״kommt noch eine Zeit, da es mir möglich sein wird, mich frei darüber zu äussern.“ Hans Herzl sucht nur sein Seelenheil. Wien. (J. T. A.) Der J. T. A.-Vertreter erfährt: Am Dienstag, den 22. Iuli, dem 20. Todestage Theodor Herzls, verabschiedete sich Hans Herzl unmittelbar vor dem Antritt seiner Reise nach London von dem langjährigen Freund seines Vaters Johann Kremenetzky und dessen Sohn Josef. Nach einer lange geführten privaten Unterhaltung sagte plötzlich Hans Herzl: ״Ich halte es übrigens für richtig, nicht zu verschweigen, •dass ich vorgestern zur katholischen Kirche übergetreten bin.“ Johann Kremenetzky war!fassungslos, wandte sich ab und nahm am weiteren Gespräch nicht mehr teil, während Josef Kremenetzky Hans Herzl heftige Vorhaltungen machte und ihm sagte, er habe durch seinen unglaublichen Schritt das Andenken seines Vaters geschmälert. Hans antwortete: ״Ich habe mir den Schritt lange überlegt und mit mir selbst gerungen, aber mein Entschluss stand fest, als mir die Gewissheit geworden ist, dass nur die katholische Kirche mir mein Seelenheil geben kann. Mein Seelenheil ist mir wichtiger, als zionistische Propagandamotive.“ Hans Herzl über seine Taufe. London. (J. T. A.) In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter betonte Hans. Herzl mit Nachdruck, sein Uebertritt zum katholischen Glauben wäre seine Privatangelegenheit und es hätte nie der ()Öffentlichkeit davon Mitteilung gemacht werden müssen. Er habe nicht das Christentum angenommen, damit die ganze Welt davon spricht. Herr Robert Stricker habe Unrecht getan, einen Privatbrief zu veröffentlichen, den er, Hans Herzl, sich verpflichtet gefühlt habe, an Stricker zu richten, um ihm eine Tatsache mitzuteilen, die seine Haltung in den zwisehen ihnen gepflogenen Verhandlungen betreffend die englisehe Ausgabe der Tagebücher beeinflussen könnte. Ich bin, fuhr Hans Herzl fort, für die Judenheit keine grosse Persönlichkeit. Die Tatsache, dass mein Vater es ist, bedeutet noch nicht, dass ich kein Recht hätte, nach meiner Ueberzeugung zu handeln. Die Judenheit hat sich nie zuvor für meine Angelegenheiten interessiert, welcher Grund besteht dafür, dass sie es jetzt tut? Es empört mich, dass man in mein Privatleben eingegriffen hat. Eine Zeitung hat sogar meine Londoner Adresse veröffentlicht, so dass mein Haus vor Neugierigen nicht sicher ist. Ich will in Ruhe gelassen werden. In der Frage der Veröffentlichung seiner englischen Uebersetzung von Theodor Herzls Tagebüchern äusserte sich Hans Herzl dahin, dass er diese Arbeit nie vom kommerziellen Standpunkt betrachtet hätte. Die Veröffentlichung sei eine Angelegenheit, in der er nchts zu sagen hätte. Proteste gegen die antireligiösen Handlungen in Erez Jisroel. Jerusalem. (A. J. P. B.) Den Trauertag vom 9. Aw haben antireligiöse Chaluzim wiederum zu einer Demonstration gegen die jüdische Tradition benützt. Während Tausende von frommen Juden vor der Klagemauer ihre Andacht verrichteten, zogen sie mit Speise und Trank singend vor den Trauernden vorbei. Gegen diese Vorgangsweise wird in der orthodoxen Presse scharfer Protest erhoben. 50|ähriges Bestehen des Restaurants Kunstadt. Das älteste, sowohl im Inals auch im Auslande bestens bekannte koschere Restaurant Wiens, S. Kunstadt. I!., Grosse Scnifigasse 6, blickt dieser Tage auf sein 50jähriges Bestehen zurück. Was Küche und Keller dieses Restaurants bieten, beweist der zahlreiche Zuspruch treuer Stammgäste aus den strengstorthodoxen jüdischen Kreisen. SahUmtp«• Samt«, ־)■•Tenfittir in PreT«, Auswahl und Qualität unarra^clitim Slid0nhau*KoM0Pnar Wl*n, I., Flafhwrstl•«• 9 u. II.! falonlraM• 14• Bodenkaul der Aguda in Erez Jisroel* Jerusalem. (A. J. P. B.) Der Kaufvertrag über 4000 Dunam Boden wurde günstig abgeschlossen. Bei den Kommunisten in En Charod. Amsterdam. (A. J. P. B.) ״Misrachi“, das offizielle Organ der Niederländischen Misrachi, zitiert eine Stelle aus dem Artikel von Albert Maurüber ״bei dem Kommunistenstab in En Charod“ (״Der Jude“, Mai-Juni- Nummer), woraus hervorgeht, dass unter der jungen Generation in Palästina ״freie Liebe“ und ״freie Ehe“ gang und gäbe ist, und macht dazu folgenide'Bemerkungen: ״Wir ersehen aus diesem Bericht, dass die verwerflichen Zustände in Palästina bereits so weit gelangt sind, dass sie nicht mehr verschwiegen, sondern dass heidnische Sitten als Erfolg weithin gepriesen werden. Es ist sicher ernst genug, wie in den kommunistischen Kolonien die Heiligkeit der Familie untergraben wird, wie in Nahallal (und dort allein) die Sabbatheiligung umgangen wird, wie in vielen Plätzen von unserem schönen jüdischen Leben bloss das Dekorative behalten wird und alle ״Pflichten“ über Bord geworfen werden. Jedoch ein viel schärferes Licht muss fallen auf das, was gegenwärrtig in den kommunistisehen Kolonien geschieht. Auf die Tatsache, dass durch ״jüdischer Aufbauer“ systematische Mamserim — nicht im Sinne eines Scheltwortes, sondern in der fatalen Zivilrechtliehen Bedeutung — auf die schwache jüdische Gemein- Schaft in Erez Jisroel losgelassen werden. Wir fragen nuri endlich, muss in der zionistischen Bewegung und im palästinensischen Leben jenen eine entscheidende Macht gestattet werden, die handeln nach der Weise vom Lande Aegypten und nach der Weise vom Lande Kanaan?“ Die wunderbare Rettung der Thorarollen bei dem Bombenattentat gegen eine Synagoge. Bukarest. (A. J. P. B.) Anlässlich des Bombenattentates gegen die Synagoge in Gurahont - Jassosel» wo bekanntlich eine Bombe in der heiligen Lade explodierte, sind sowohl die heilige Lade , wie alle Geräte in Stücke gerissen worden. Jedoch das Pergament der Thorarollen blieb vollkommen unversehrt und kein einziger Buchstabe wurde beschädigt. Diese wunderbare Rettung der Pergamentrollen hat sowohl auf die jüdische Bevölkerung wie auf die nichtjüdische einen tiefen Eindruck gemacht. , Die Beth Jakob-Bewegung in Polen. Lodz. (A. J. P. B.) Wie. aus der jüngst erschienenen Ab-Nummer der orthodoxen Frauenzeitung ״Beth Jakob“ zu entnehmen ist, wurden in Polen neue Beth Jakob-Mädchenschulen eingerichtet, und man rechnet mit dem nachsten Schuljahr noch mit einem bedeutenden Zuwachs. Es macht sich dabei der Sieg der Aguda bei den Gemeind;ewählen sehr angenehm fühlbar, indem viele Gemeinde- Verwaltungen bedeutende Subventionen für die Beth Jakob- Schule votiert haben. Eine Gefahr für die Chadorfm in Bessarabien. Kischenew. (A. J. P. B.) Wie aus der ersten Nummer des neuerscheinenden orthodoxen Wochenblattes ״Der Funk“ zu entnehmen ist, droht den Chadorim in Bessarabien eine schwere Gefahr. Der Minister hat Verordnungen erlassen, die sowohl an die Lehrer wie an die Schule solche Anforderungen stellen, denen man schwer nachkommen kann. Besonders drückend wird empfunden, dass die Regierungsverordnung schon am 1. September 1924 in Kraft treten soll. Oberrabbiner Zirelsohn hat beim׳ Bildungsminister Schritte gegen die Verordnung unternommen. Man hofft, dass dem Einfluss von Oberrabbiner Zirelsohn es gelingen wird, gewisse Erleichterungen durchzusetzen. Verdiente Abfuhr. Chicago. (A. J. P. B.) Anlässlich der hiesigen An- Wesenheit von Misrachiführer Farbstein aus Warschau feiert ihn der scharf antiagudistische ״Chicagoer Courier“ als den stärksten Gegner!der Aguda in Polen. Desungeachtet führt das Blatt in einem ״Jüdische Politik in Amerika und ita Polen“ betitelten Leitartikel aus, ״dass Misrachi in Polen wohl gegen Agudas Jisroel kämpfen darf, aber das soll Einschreibungen an der ״Jesod Hathora“ und Kindergarten. Sonntag den 15., Montag den 16. und IDienstag den 17. Elul (Sonntag den 14., Montag den 15. und Dienstag den 16. September) finden die Einschreibungen an der ״Jesod Hathora“ sowohl für den Kindergarten, als auch für die Knaben- und Mädchenreligionsschule im Schulgebäude, II., Nestroygasse 11, zwischen 10 und 12 Uhr vormittags statt. Neueintretende Schüler müssen ihren Geburtsschein mitbringen. Es wird aufmerksam gemacht, dass spätere Anmeldungen nur in ganz besonders berücksichtigungswürdigen Fällen entgegengenommen werden, und mögen die p. t. Eltern den Einschreibungstermin genauest einhalten. sie, mii«4hren eigenen Kräften* tua*und*׳ nicht aut1 Kosten* 4pr loitre&en des ג <JuA*4 Aithfttfa#/ W&b Misrachi in Polen* ־!licht *׳fnit feigenett‘ 'Kräften״*gegen־־*die Aguda kämpfen kann, so werden ihr die ״moralischen Imponderabilien“ Amerikas nichts nützen. Die amerikanisehen Juden können keine Politik zur Stärkung einer bestimmten Fraktion machen. Der Aufenthaitstermin für Flüchtlinge in Lettland verlängert. Riga. (J. T. A.) Die lettländische Regierung hat dem Ansuchen der Jüdischen Emigranten-Hilis- und Schutzgesellschaft ״Hias“ wegen Verlängerung des Aufenthaltstermins für die aus Russland nach Lettland gekommenen Durchwanderer, die nicht mehr nach den Vereinigten Staaten Weiterreisen können, stattgegeben. Die bisherige Aufenthaltserlaubnis für die Emigranten war am 20. August abgelaufen. In den Häfen Lettlands befinden jetzt 1500 russische Emigranten. Hohe Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten. Haag. (J. T. A.) Gelegentlich des 75jährigen Be- Stehens der ״Genossenschaft zur Förderung der Heilkunst“ wurde Dr. H. Pinkhof zum Offizier des holländischen Oramje-Nassau-Ordens ernannt. Dr. Pinkhof ist ׳einer der bekanntesten Amsterdamer jüdischen Aerzte, Er verfasste u. a. ein ״Pharmacotherapisches Vademecum“ und ein ״Wörterbuch der Heilkunde“ und gilt als ein Vorkämpfer gegen den Neu-MalthusJanismus. Auch an dem jüdischen Leben in Holland nimmt er regen Anteil, seit einiger Zeit ist er Kurator des jüdischen Seminars in Amsterdam. Die Frage der jüdischen ״Agunoth“ vor der Welthilfskonferenz. Warschau. (J. T. A.) Das Warschauer Rabbinat hat in einer Eingabe an die Verwaltung der jüdischen Gemeinde gefordert, dass die Gemeinde zwei Vertreter des Rabbinats: Herrn Rabbiner Kahane und den Rabbinatssekretär Herrn Gesundheit, als Delegierte zu der Karlsbader Weflthilfskonferenz entsenden soll. Das Rabbinat motivierte seine Bitte damit, dass auf dieser Konferenz auch die Frage der meist in Polen sich befindenden etwa 10.000 jüdischen Agunoth (Frauen von im Kriege und anderswo verschollenen jüdisehen Männern) geregelt werden müsse. Nach längeren Beratungen hat die Gemeinde dies Ersuchen abgelehnt, da ihr die materielle Lage die Entsendung von mehr als zwei Delegierten verbietet. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, hat das Rabbinat beschlossen, auf eigene Kosten zwei Delegierte nach Karlsbad zu entsenden, die die Frage der Agunoth auf der Konferenz anregen werden. Zuschriften an die Redaktion. An die löbl. Redaktion der ״Jüdischen Presse“, Wien. Erlaube mir die Oeffentlichkeit auf einen krassen Elendsfall aufmerksam zu machen. Es handelt sich um einen Familienvater, der schwer tuberkulös, zum wiederholten Male Blut gespuckt, voriges Jahr auf Intervention eines Vereines ins Wiihelminenspital und dann zur Erholung nach Enzenbach gebracht wurde. Er benötigt jetzt neuerdings eine Kur, doch reichen die vorhandenen Mittel nicht aus, seinem Wunsche entsprechen zu können. Petent ist Vater von sieben unmündigen Kindern und ist infolge seines Leidens nicht imstande, so gern er auch wollte, Arbeit zu finden. Werkönnte sichverschliessen hier nicht helfend einzugreifen und so der Familie den Ernährer wiederzugeben. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung bitte ich» Spenden unter ״Schwer tuberkulös“ an die Redaktion einsenden zu wollen und zeichne hochachtungsvoll Oskar Singer, II., Ferdinandstrasse 1711־. Vortrag. Schriftsteller M. Th. Porges hält einen Vortrag über das Thema ״Das Judentum in unserer Zeit“ am Sonntag, den 9. Elul 5684, abends 8 Uhr im Festsaale des Hotel Continental bei freiem Eintritt. Für Damen ist die Galerie reserviert. Die zwei Schwiegersöhne des berühmten Gaons des Oberrabbiners von Altstadt, die Herren Jakob Isak Horowitz und David H a 1 b e r s t a m, die gleichfalls hervorragende ת״כ sind, wallen ■ihre Gelehrsamkeit nicht als Kardum lachpor bau benützen, sondern sich in produktiver Weise betätigen und haben in Wien, 2. Bezirk, Leopoldsgasse 22, ein £101 z״ und Kohlengeschäft en gros und en detail eröffnet. Es ist etwas Selbstverständliches, dass sowohl die jüdischen Vereine als auch die Privaten bei diesem! jungen׳ Unternehmen ihren Bedarf decken und ihm in dieser ^Weise die vollauf würdige Unterstützung zuteil werden lassen* dies um so mehr, als diese Firma infolge günstiger Einkaufsquellen, sowohl bezüglich der Niedrigkeit der Preise als auch der Vorzüglichkeit der Waren, sehr leistungsfähig ist und jeder Kunde überdies auch das beruhigende Gefühl haben wird, Sein Brennmaterial in der allergewissenhaftesten Weise gewogen zu bekommen. Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Klrntnerstrasse 8 (alcM <U« StefuMplals, un dl• Ecfee)