Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 36 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 244 JÜDISCHE PRESSE Nr. 36 NEUERÖFFNET! ■n gres. ■n cUtaiJ. B«1!• obarachlaalach• Salonkohlen- und Holzhandlmig Billigste Tagespreise. Garantiert ehrliches Gewicht! ^Ug Jedss Quantum wird ins Haus zugestellt. Reellste Bedienung. Wir bitten die Juden Wiens, ihren Bedarf an Brennmaterial aucn in ihrem eigenen Interesse bei uns zu decken. Bestellungen können auch schriftlich oder telephonisch erfolgen. Jakob Isak Horowitx* David Haibantam Wien, ll.y Laopoldsgaas* 22. Telaphon 45-6-21. durch seine Initiative neu begründeten Organisationen und von seiner Mittlerrolle bei diversen Geld- Verteilungen die Rede ist — allerdings hier mit den unauffälligen Einschränkungen ״in gewissen Schranken“ und ״ganz oder teilweise“. Es wäre also alles schon in bester Ordnung und wir wären schon am Ziele, wenn nicht überall eben diese fatalen ׳Wörtchen tiachhmken würden. ׳Unsere Artbeit muss darauf gerichtet sein, sie aus der Welt!zu schaffen. Denn solange sie bestehen sind wir, was das Bild dieser Versammlung zeigt: ein Rumpfparlament. Es wäre eine gefährliche Selbsttäuschung, das nicht offen einzugestehen. Es fehlen hier noch verschiedene Organisationen und Persönlichkeiten von Bedeutung, und auch die Massen, auf die sich unsere Hilfe richtet, sind noch nicht gleichmässig vertreten. Die Ursachen, die zu dieser offenkundigen Unvollständigkeit geführt haben, sollen nicht •untersucht werden. Vielleicht wäre es der Zentrale, welche die ,Einladungen besorgt hat, auch beim besten Willen nicht möglich gewesen, eine einwandfreie Auswahl zu treffen. Jedenfalls wäre sie vorher leichter gewesen als jetzt, wo ex praesidio tunlichst schnell und in diplomatischer Weise begreifliehe Bitterkeiten aus dem Wege geräumt werden müssen, um aus den ungeladenen Gästen werkwillige Freunde unserer Sache zu machen. Vorderhand aber lässt sich das •Spiel der 'beteiligten Kräfte, mit denen wir für die Zukunft rechnen, noch nicht ganz über- ׳blicken. Die kommende Exekutive wird diesen Um- Stand'im Auge!behalten ■müssen. Sie wird deshalb bei der Aufstellung ihres iProgrammes die weitestgehende Rücksicht nehmen müssen auf die Abwesenden, auf die wichtigsten, zum Teile massgebenden Lücken, und wird das Problem der Organisation mit im •Sinne dieser Lücken zu lösen haben, die wir ja mit der Zeit ftufzufüllen hoffen. Zu ihrer schwierigen Aufgabe — einer Rechnung mit offenen Posten —■ gehört noch eins. Darüber ein offenes Wort: Wir sind — oder waren es wenigstens bis zum Beginn der Konferenz — in Wahrheit noch sehr weit von der selbstverständlichen Gemeinsamkeit in humanen Dingen. Selbstverständlich war und ist uns nur der Wunsch nach Zusammenarbeit mit den internationalen Gesellschaften, nicht aber der mit den jüdischen Hilfswerken. Es ist eine traurige Tatsache, dass bisher die unterschiedlichen jüdischen Parteien ihre Hilfswerke mehr oder minder als Faktoren ihrer politischen Aspirationen — also der Macht, nicht der Liebe — betrachtet und behandelt haben, dass sie einander nicht nur •konkurrent,!sondern geradezu feindselig entgegenstanden, wobei die schuldlosen Objekte, die Waisen und Emigranten, als Opfer herhalten mussten. Ich kenne genug Beispiele eines unbarmherzigen Bruderkampfes auf dem Felde der Barmherzigkeit. Namentlich in letzter Zeit sind Hilfswerke nicht selten zu Werkzeugen der Parteipolitik erniedrigt worden. Nun begreife ich wohl — trotzdem ich glücklicherweise kein Politiker bin — die Notwendigkeit, wenn auch nicht die Schärfe der politischen Gegensätze. Ich bin auch genug Realist, um mich mit der Tatsache äbzufinden, dass heute unter 1000 Juden mindestens 999 Politiker geworden sind, und dass der eine, der ausschliesslich soziale Fürsorger, eine so fragwürdige Figur äbgibt wie .z. B. ich. Ich will also nicht, auch nicht für den künftigen Weltverband, die leere Forderung auf stellen, dass er aus unpolitischen Männern bestehe, wohl aber: dass diese Politiker aller Parteien sich ihrer Sonderinteressen voll und ganz entledigen, bevor sie sich mit Fragen der sozialen Hilfe befassen. Das ist ihre ethische, ihre jüdische Pflicht. Es wäre die schönste, grundlegende Aufgabe des Weltverbandes, den unjiidischen Unfug der politisierenden Humanität, diese widernatürliche Vermischung, die als Ausfluss der politischen Hypertrophie in unseren Tagen leider erschreckend um sich greift, ■endgültig aus der Welt zu schaffen. Und nebenbei gehört es für mich zu den besten Hoffnungen, die ich an die neue Vereinigung knüpfe, dass sie berufen ist, auf ihrem Felde, diesem natürlichen Felde der Brüderlichkeit, die einander entfremdeten Parteien zu gegenseitigem Verständnis zusammenzuführen. Schon deshalb wäre sie jeder Mühe wert. Denn mehr als jemals brauchen wir, um leben zu können, eine gründliche Reinigung der Atmo- Sphäre. Die jüdische Journalistik muss uns dabei helfen. Sie hat vieles nachzuholen. Ich spreche nicht von widerwärtigen •Auswüchsen, die sie selbst mit vollem Recht ablehnt, von jenen sumpfigen Winkelblättchen, die ihr Hass gegen Personen und Parteien selbst vor den Hilfswerken nicht Halt machen lässt. und ich versage es mir, den Herrn Vorsitzenden gegen ein Produkt dieser jämmerlichen Art anzurufen, welches — zweifellos ohne sein Wissen — ah einziges hier kostenlos aufgelegt wurde. Ich spreche nur von dem anständigen Journalismus, also von seiner weitaus überwiegenden und massgebenden Mehrheit. Auch sie wird, will sie — was in ihrer Macht gelegen ist — unser Werk entscheidend fördern, eine neue Einstellung finden müssen. Schärfer als bisher muss sie die Grenze ziehen zwischen dem parteipolitischen und dem allgemein jüdischen, d. i. dem humanitären Teile und diesen in unzweideutiger Weise für sakrosankt erklären. Doch damit nicht genug. Will sie im Sinne unserer reorganisierten Arbeit wirken, dann muss sie die Angelegenheiten der sozialen Fürsorge auch grundsätzlich anders behandeln als bisher. Denn bisher waren wir gewohnt, derlei Dingen in den Zeitungen an zwei seltsamen Stellen zu begegnen: im Sensationäbericht und im Vergnügungsanzeiger. Vorn im Sensations'bericht, wo unter anderen Aktualitäten auch die katastrophalen Heimsuchungen unserer Brüder in Ost und West verzeichnet standen, und hinten im Vergnügungsanzeiger, wo unter den Tanzunterhaltungen die ähnlichen Veranstaltungen zugunsten entrechteter, vertrieb einer und vergewaltigter Juden angekündigt waren• Nun haben wir uns ja vorgenommen, die soziale Fürsorge aus dem peinlichen Dilemma zwischen Katastrophenhilfe und Tanzvergnügen auf einen ordentlichen, geräuschlosen Weg zu bringen. Wir wollen sie sozusagen als Volkswirtschaft betreiben. Und die jüdische Presse könnte hier keinen besseren Dienst leisten, als durch Wo erhält man den wirkliöü naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Frauz Balla, ist es nach Jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel berzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. 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Tel. 4613'9׳ -סיסיססי■! ■יא^■ eine ständige, mit warmer Sachlichkeit geführte Rubrik das Publikum zu dieser ernsten,!der sittlichei Würde des Gegenstandes angemessenen Auffassung zu erziehen. Nachdem in den letzten Jahren die soziale Fürsorge das Stadium des Almosens glüoklich überwunden, muss sie jetzt — nicht zuletzt durch eine planmässige Arbeit der Presse — für das allgemeine Bewusstsein auf die höhere Stufe der Volks- Wohlfahrt gebracht werden. (Schluss folgt.) ® NACHRICHTEN. Die Zentralratssitzung der Aguda. Krakau. (A. J. P. B.) Zum Empfang der Zentralräte der Agudas Jisroel und zu ihrer Unterbringung werden umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Es hat sich bereit■ ein Empfangskomitee gebildet, um alles klaglos abzuwickeln. Die Beratungen der Zentralratstagung finden kl den Lokalitäten der Kultusgemeinde statt. Die Beteiligung agudistischer Wohlfahrtswerke m der zweiten Welthilfskonferenz in Karlsbad. Karlsbad. (A. J. P. B.) An der Welthilfskonferenz haben in Vertretung des ״Jüdischen Hilfswerkes“ der Aguda in Wien Univ.-Prof. Dr. Max Eisler und Heinrich Pappenheim, ferner Herr Hurwitz als Vertreter der litauischen Aguda teilgenommen. An den Kommissionsberatungen für die intellektuelle Hilfe nahm auch Dr./Leo Deutschländer als Vertreter der Keren Hathora-Zentrale teil. Es gelang hier eine gleichberechtigte Behandlung der Jeschiwahbachurim durchzuführen. Am Schlüsse der Ko»- ferenz haben die Vertreter der agudistischen Wohlfahrt*־ werke ihrer Befriedigung über den Verlauf der Konferenz, die gute Arbeit geleistet hat, Ausdruck gegeben. Da Sicherheiten vorhanden sind, dass in den von der Welthilfszentrale errichteten Wohlfahrtsanstalten die Gesetze der Thora respektiert werden und dass die zentrale Führung ganz unparteiisch sein wird, kann die orthodoxe Judenheit mit mehr Vertrauen als bisher auf die Arbeit der Welthilfszentrale blicken. Bei dieser Sachlage habe» sich die agudistischen Vertreter entschlossen, die ihne» angebotenen Sitze in der Exekutive und im Zentralrat anzunehmen. Für die Exekutive kommen zwei bis drei Sitze in Betracht. Agudagruppen in Bremen. Bremen. (A. J. P. B.) Hier fand am 8. August int Hotel Lewy eine Versammlung statt, die zur Gründung einer Agudas Jisroel-Ortsgruppe führte. In einer Vorbesprechung, an der im Auftrag der Hamburger Gruppe idie Herren Rabbiner Dr. Levin und Rechtsanwalt Dr. Spitzer und im Auftrag des Bezirkssekretariats Ostfriesland-Emsland Herr Lehrer Ruda-Wilhelmshaven teilnahmen, wurde einmütig die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Gesetzestreuen unserer Gemeinde betont. Abends hielt Herr Lehrer Ruda-Wilhelmshaven einen Vortrag, in dem er Ziele und Aufgaben der Agudas Jisroel darlegte. Der Vortrag wurde mit grossem Beifall aufgenornmen. Zum Vorsitzenden der neuen Gruppe wurde Herr Nathan Grünberg gewählt. Wiederbelebung der Agudatätigkeit in Polen. Warschau. (A. J. P. B.) Während der letzten Wahlkampagne, aus der Agudas Jisroel siegreich hervorging, trat naturgemäss ein gewisser Stillstand in den eigentliehen Agudaarbeiten ein. Nach dieser Ruhepause bemüht sich nun die Leitung, um die Teilnahme der polnisehen Szlojmo Emunas Jisroel an der nächsten Zentralratssitzung vorzubereiten. Zum ersten Male kommt eine grössere Konferenz, an welcher Delegierte aus allen Ländern teilnehmen, in Polen vor, und die polnische Landesgruppe setzt ihren Ehrgeiz daran, die Konferenz würdig zu beherbergen. Ferner hat die Zentralleitung die Durchführung der Trumas Chower Aktion für das nächste Jahr energisch in die Hand genommen. Mit Rücksicht auf das grosse Interesse, speziell der polnischen Agudisten in Erez Jisroel, arbeitet die Palästinazentrale in Warschau im eflgen Kontakt mit der allgemeinen Palästinazentrale der Agudas in Frankfurt, um die verschiedenen Projekte einer Realisierung entgegenzuführen. Kampf gegen das Zwangsschufgesetz in Polen. Warschau. (A. J. P. B.) Das neue Schuljahr bringt für die Orthodoxie neue Sorgen. Das Zwangsschulgesetz soll mit dem nächsten Schuljahr eine Ausdehnung auf den ganzen polnischen Staat, also auch auf die Randgebiete erfahren. Die Chinuch-Zentrale der Aguda führt einen energischer Kampf für jeden Cheder, um so die alten Stätten jüdischer Lehre und jüdischen Lebens zu erhalten. üas Amsterdamer Rabbinat an die griechische Kegierung. s Der Amsterdamer Oberrabbiner A. S. Onderwyzer hat an die griechische Regierung und an das Parlament das folgende Telegramm gesandt: ״Mit Entsetzen habe ich von dem Zwangs-So-nntagsruhegesetz Kenntnis genomme®. Zwei Ruhetage in der Woche müssen die Existenz der ‘ griechischen Judenheit untergraben. Im Vertrauen auf Ihr