Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 36 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. jnmgeiiF prkü Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakel: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichte» Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Ts checho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich! Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tscnecho-Slow&kei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.- Amt Agram,Ko. N. 40.217: f.Rnmänien: Banca Marmarosch Blanc 8t Co für Florenz 8t Co, Bukarest; für die Schweiz! Postscheckk. Luzern VII. 1470. N1>. 36 Wien-Bratislava, 5. September 1924 .כיד, ויעגה־פרעססכורג ט׳ אלול תיפיד 10■ JühPQa W i e n, am 6. E1111. Wir registrieren weinend. In Palästina, in dem Land, in weichem einst eine irdische Macht einem Teil der Jirden politische •Erfolge verheissen hat und dieses Versprechen nun nicht einlösen kann und mag, hat man diesen Teil der Juden, die Thora, die Religion als Spielzeug preisgegeben. Und dieser Teil der Juden hat sich mit dieser Preisgabe des Heiligsten zufrieden gegeben. So konnte es kommen, dass in Haifa erklärt werden konnte, denjenigen Juden, welche sich nicht unter den Zwang dieses Gesetzes begeben würden, sich nicht dem zionistischen Waad haleumi unterordnen wollen, würde es sogar unmöglich gemacht werden, ihre Kinder in den Bund Abrahams aufnehmen zu lassen. Es ist ganz einerlei, ob der Gesetzesvorschlag nun wirklich auch Gesetzeskraft erlangt. Dass eine sonst die Gesetze der Sittlichkeit respektierer.de Macht Avie England von Juden so irregeleitet werden konnte, um eine Religionsverfolgung dieser Art auch nur versuchsweise in Szene setzen zu wollen, rechtfertigt leider alle Befürchtungen, die sich an die .,Nationalisierung“ der Thora und der Thoraträger, an die Zionisicrung Zions geknüpft haben. Man denke: in Russland ist die zentrale Sowjetregicrimg auf dem Wege zu der Einsicht, dass י die jüdische Sektion mit ihrer wahnsinnigen Religions- Verfolgung dem Land zum Unsegen gereiche, in England schickt man sich an, das Heilige Land, das Volk der Bibel de111׳ Religionsbolschewismus hinzugeben. Zu diesem unverständlichen Vorgang liefert ein zweites Ereignis einen entsetzenerregenden Kornmentar. Meier Berlin, früher in Amerika, sehr gescliickter Drahtzieher des Central-Relicf-ComiUce, hat schon vor Jahresfrist einigen Thoraiehrstätten angedroht, sie würden keine Subvention erhalten, wenn ihre Führer nicht die Verbindung mit der Aguda aufgeben würden. Man wusste das in Amerika sehr ge- 11aLi, aber es fand sich keiner, nicht einer, welcher diesem unsittlichen Vorhaben entgegengetreten wäre. Nun ist Meier Berlin in Jerusalem, dort hat er erklärt, denjenigen Institutionen, welche nicht ihre Finanzgebarung und ihre Vermögensverwaltung dem Rabbinat Kuk unterstellen würden, wiird׳en alle Einnahmsquellen aus Amerika ^geschnitten werden. Gespannt auf die Stcllungnahitie Amerikas zu dieser Aeaisserung, registrieren wir diese Drohung des Misrachiführers Meier Berlin. Mijjhr ist dazu nicht zu sagen. Der Welthilfsverband. Von Univ.-Prof. Dr. Max Eisler. Die folgende, aus dem Konzept hergestellte Rede, welche am letzten Tage der Welthilfskonferenz hätte gehalten werden sollen, dann aber von ihrem Autor schon deshalb unterlassen wurde, weil er am seiben Tage das Referat über die Kommission für intellektuelle Hilfe erstattet hat, ist während des Kongresses in Karlsbad entständen und gibt so nicht nur den Standpunkt des Verfassers zum Problem des künftigen Weltverbandes, sondern auch zu den Stimmungen und Strömungen der bedeutsamen Tagung wieder, aus der sie unmittelbar hervorgegangen ist. Die Redaktion dankt Herrn Prof. Max Eisler für die freundliche Ucberlassung des Erstabdruckes seiner überaus wertvollen Ausführungen. . In später Stunde nehme ich zum ersten Male vor Ihnen das Wort. Aber Sie dürfen darum nicht glauben, dass ich oder die von mir vertretene Gruppe, das ״Jüdische Hilfswerk“ der Agudas Jisroel, zu jener höchst bedenklichen Klasse der Beobachter gehören, die noch immer — müiri \wiss nicht was — abwartet, bevor sie sich zu efftef v.WgülÜgcii Stellungnähme entschliesst. Wir sjnd von Anfang an mit dem klaren, festen Willen hergekommen, mitzuarbeiten an dem schönen Werk der Einigung. Und dieser Wille ist im Verlaufe der Verhandlungen nur noch stärker geworden. So habe ich jetzt das Gefühl, nicht mehr im Namen einer bestimm teil Gruppe, sondern schon in dem des künftigen Weltverbandes «11 sprechen. Auch wüsste ich nicht, was uns auf einen besonderen Standpunkt hmdrüngen würde. Denn dass wir von der Konferenz und seinem Nachfolger, dem Weltverbande, bei allen von ihm ausgehenden Aktionen und Einrichtungen eine vollltoniMBWÄ'-Rü(!^7 sicht auf das Religiöse verfangen,- f sd^&/,asi£ nur *folgerecht aus dem sozialen ^Ge.isf. ■1t11seris: göfnejhr samen Werkes hervorzugehen. . Ö*• »es׳ all e. hiife-" suchenden Juden umfassen soll,, wird es natürlich#!» weise in jedem Falle auch den Anspruch der &$- gläubigen befriedigen müssen. Den Herren aus dem Westen — Sie brauchen nur etwa die holländischen Delegierten zu befragen — ist für ihre Fürsorge dieser Grundsatz längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Auf dem Felde der jüdischen Humanität deckt sich das Religiöse mit dem Sozialen. Hier ist kein Raum für einen sogenannten ״Kulturkampf“. Und ich freue mich, festzustellen, dass schon die 1. Weltliilfskonferenz sich diesen Gedanken unzweideutig zu eigen gemacht hat. Ich kann mich alo nunmehr ungeteilt der Erörterung unserer gemeinsamen Aufgaben, ihren Voraus- Setzungen und zukünftigen Formen widmen. Dabei darf ich mir den Aufwand grosser Worte und die übermassigen Temperamentsausbrücht' ersparen, mit denen Sie von seiten der demokratischen Unken, •dieser natürlichen Maximaiisieii, sozusagen von Amts wegen schon genug bedacht worden sind. Ich will mich kurz und einfach fassen. Ich will die Sache auf ihre menschlichen Wurzeln, auf die schlichte Grundlage der allgemeinen jüdischen Nächstenliebe zurückbringen. Aber .sie müssen mir glauben, dass trotzdem, auch ohne Pathos, mein ganzes Herz bei dieser Sache ist. Wir sind schon auf dem Wege, doch gibt es noch genug Hindernisse, die wir hmwegräumeii müssen. Welches ist der gegenwärtige Zustand und wie wünschen wir den künftigen? Der vorliegende Bericht der ersten Exekutive eilt den Ereignissen ein wenig voraus. Denn er beginnt mit den Worten: ״Dem Exekutivkomitee ist es gelungen, die jüdischen Hilfsorganisationen fast aller Länder um die Jüdische Welthilfskonferenz (gemeint ist ihre erste Periode FUG bis 1923) zu vereinigen“. Und er sc-tzr diese enthusiastische, das Ganze vorwegnehmeudv Sprache auch dort fort, wo von den Der Traun! des Rabbi. (Fortsetzung.) Es widerstrebte mir auch, das Mädchen, das edel und mutig sich erwiesen und, unbekümmert um den Zorn ihres Oheims, nur um mich zu schützen, alle Schuld und Verantwortung auf sich geladen, durch eine solche Erklärung zu verletzen. Und so dachte ich, es wäre das Klügste, dem Priester vorzuspiegeln, dass ich von dem erhabenen Plan, den er vor mir zur Rettung •des jüdischen Volkes entworfen und bei dem er mir eine so grosse Rolle zugemutet, ergriffen sei und alles daransetzen möchte, dessen Verwirklichung zu fördern. Ich wolle daher nicht nur die Taufe annelimen, sondern sei auch entschlossen, ein Priester der katholischen Kirche zu werden und ׳müsse daher unbeweibt bleiben. Wenn ich mich erinnerte, mit welcher Be- Meisterung der Priester seinen weltumspannenden Plan vor mir entwickelt hatte, durfte ich wohl hoffen, dass er trotz alle dem, was sich inzwischen ereignete, ihn nicht leicht fallen lassen würde, und dass er noch immer bereit sein könnte, mich als sein Werkzeug dabei zu verwenden. Trotz der grauenhaften Lage, in der ich mich befand, konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass der Weg der Lüge und Täuschung, auf den ich mich mit blutendem Herzen begeben wollte, um ein drohendes Unheil für die Gesamtheit zu verhüten, vielleicht mir auch in der Zukunft die Möglichkeit verschaffen würde, Gutes für meine Brüder zu wirken, auch wenn ich mich äusseriieh von ihnen trennen . müsste. Aber mit bitterer, schmerzlicher Reue muss ich bekennen, dass dieser Gedanke, der durch völlige Selbstlosigkeit der Gesinnung vielleicht seine Entschuldigung fände, bei mir von Regungen des Ehrgeizes begleitet wurde, die mir zufliistevten, dass dies auch der Weg sei, auf dem ich zu Ruhm und Macht gelangen, meinem Namen die Unsterblichkeit sichern könnte.... Ich hatte ׳mich nicht getäuscht. Es bedurfte keiner grossen Auseinandersetzung, keiner langen Diskussionen mit dem Priester, als ich wieder vor ihm erschien, ihn für die Annahme meines Vorschlages zu gewinnen. Ja, es schien mir, als ob ein Strahl der Freude in seinen Augen aufblitzte, als er hörte, dass ich mich allen seinen Wünschen füge, ohne seine Nichte als Gattin heimziifiihren. Mein Schicksal war nun besiegelt. - Die liochmögendcn Gönner und Schützer, die ich von dieser Stunde an hatte, sorgten dafür, dass mein Verschwinden aus der Stadt, das sicherlich grosse Aufregung nicht allein bei meinen Verwandten, sondern auch in allen jüdischen Kreisen hervorgerufen, angeblich zum Gegenstand eingehender Nach- Forschungen gemacht wurde, die aber spurlos verliefen. Ich hörte später, dass man mich hingst für tot erklärt hatte ... Ich kam in ein Kloster, in welchem hochgelehrte Mönche mir gründlichen Unterricht in allen Wissensfächern erteilten. Zu meiner Freude konnte ׳ich feststellen, dass meine Lehrer sich in der lebhaftesten Weise dafür interessierten, dass ich meine Studien auf dem Gebiete dem jüdischen Literatur fortsetze, ja diesen den Hauptteil meiner Zeit widme. Die seltensten Werke wurden angeschafft und mir zur Verfügung gestellt, und ich benutzte eifrig diese gebotene Gelegenheit, mich in das Studium der Bücher zu vertiefen, die einst die ungetrübte Freude meiner Jugend bildeten, obgleich mir bald klar wurde, wie wenig die Absichten, die meine Lehrer im stillen damit verbanden, meinen Wünschen und Zielen entsprachen. Sie wollten, dass ich •ein Meister auf diesem Gebiete werde, um dereinst in ihrem Sinne den Kampf •gegen die Rabbiner auizunchmen, ׳den Kampf, den, wie sie selbst erkannten, •die aus ihren Kreisen hervorgegangenen Kenner des jüdischen Schrifttums nur in stümperhafter Weise zu führen vermocht hatten. (Fortsetzung folg!*.) Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. 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