Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 16-17 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mmmmm m* mimm Nr. 16/17 JÜDISCHEPRESSE Seile 118 *anisieren, die unabhängig dasteht, unbeeinflusst von de« Freien sowohl hinsichtlich der Organisation der Gemeind« als der Organisation des Rabbinats. Mit unseren Auge« haben wir gesehen und uns davon überzeugt, dass alle, die die Thora beobachten, in Jerusalem, und zwar sowohl diejenigen, die dem Waad hoir hoaschkenasi ahge.schlossen sind, als auch diejenigen, die sich zu dem Bes Din ded Chassidim und Peruschim unter der Leitung von Oberrabbiner Kuck bekennen, die sich noch nicht in einen Waad organisiert haben, dass alle diese orthodox und gottesfurchtig sind, dass sie alle dasselbe Ziel im Auge haben, und zwar das im Vorstehenden klargelegte Ziel. Deshalb wäre es ausserordentlich erfreulich, wenn alle,! von allen Seiten gemeinsam, zu einer gemeinsamen Wahl schreiten möchten, um eine einheitliche orthodoxe Gemeinde nach den oben dargelegten Grundsätzen in Jerusalem aufzubauen. Das würde eine wahrhafte Einheit de9 Friedens und des Segens für das heilige Land und die ganze Welt.; Jedoch, wenn die zu dem Bes Din der Chassidim und Peruschim gehörigen Orthodoxen zu dieser Einheit noch nicht zu gelangen vermögen, weil die Funken des fiasses in den Herzen beider Parteien noch nicht erloschen «ind und vielleicht auch aus anderen ihnen selbst bekannten Gründen ein Austritt aus der allgemeinen Gemeinde, die durch das Rabbinat zusammengeschlosseri wird, nicht möglich ist, oder vielleicht auch wohl nach! der Ansicht mancher von ihnen die Gefahr noch nicht 00 gross sei, so sind sie doch mindestens verpflichtet, sich als gesetzestreue Gemeinde zu organisieren und als solche in solchen Gemeindeangelegenheiten, in denen Gegen-• sätze nicht vorhanden sind, mit der selbständigen orthodoxen Gemeinde zusammenzuarbeiten. Hiezu gehört vor allem die Aufrechterhaltung des alten überlieferten Er- Ziehungssystems ohne Aenderungen, Konzessionen und Kompromisse, denn in dieser Hinsicht sind ja alle Orthodoxen in Jerusalem einig, ebenso in der Aufrechterhaltung der Anordnungen, die die vergangenen Geschlechter der grossen Rabbonim des heiligen Landes getroffen haben. Die beiden Parteien dürfen sich durch keinerlei Rücksichten davon zurückhalten lassen, die hier angeordoeten Wahlen vorzunehmen. Auch sind die beiden Gemeinden verpflichtet, ihre bevollmächtigten Vertreter in gleicher Anzahl in kurzen Zeitabständen Zusammenkommen zu lassen, damit sie mit ungeteiltem Herzen und eines Sinnes zum Besten Jerusalems und zur Stärkung der Orthodoxie mindestens einmal innerhalb 14 Tagen zuaammen beraten und gleichberechtigt beschliessen, dann werden sich mit Gottes Hilfe die Herzen langsam einander nähern, werden zum Ausgleich, zu einem Sinne und einer Anschauung gelangen; die Mauer, die sie heute trennt,1 wird fallen und sie werden zum Ruhme Israels zu einer, gesetzestreuen Gemeinde werden. Keine dieser biden GeJ meinden, ihre Vertreter und ihre Rabbonim, darf die andere verfolgen, sie schädigen, ihre Rechte beeinträchtigen,1 geschweige denn einander beleidigen. Gott breite die Hütte seines Friedens über uns, über ganz Israel, über Jerusalem. Donnerstag, der Woche zu ויקהל am 22. Adar I (684 in Jerusalem, der heiligen Stadt. gez. Izchok Selig aus Közk, ' Rabbiner der Gemeinde Sokolow gez. Henoch Zwi Hakohen Lewin, Rabbiner der Gemeinde Bendin. höret Irdische auf die Worte meines Mundes. Von der Eingebung des Augenblickes fortgerissen, fühlte er ■sich prophetemgleioh berufen, der Zeit einen'!Spiegel vorzubauten, iin dem sie sich selbst erkennen musste, mit all!ihren Fehlern und Auswüchsen, mit allen Irrungen und Wirrungen׳. In seinem Stübchen daheim hatte er ׳sich wohl eine Predigt zurechtgelegt, doch! der Moment und die eifernde Erregung lieh ihm •andere Worte, andere Bilder und aridere Gedanken. Vergessen waren die blumenreichen Wendungen, die eingeflochtenen Vergleiche und Legenden, Dicht den Beifall der Menge galt es ahm zu erhaschen, •oudern wachrütteln wollte er die Gewissen, anfachen das Feuer der Begeisterung, erhöhen die Weihe der Festtags- Stimmung, die einfachen Bürger erheben zu stolzen Adelsmenschen. Doch je länger er sprach, merkte er betrübt, wie selbst in den vordersten!Reihen, die Zuhörer sich reckten und streckten, manche gar gähnten und einmickten. Er erinnerte sich, dass ihm der Präsident mahelegte, längstens eine halbe Stunde!zu sprechen. Sollte er da weitersprechen von den erhabenen Pflichten eines Rahbiners? Er brach ab — unvermittelt ohne den Aufbau «einer Ausführungen zu vollenden. Nur fort, zurück •in die enge Studierstube und nde .•wieder eine Probepredigt. Mögen andere sich finden, die diese Form gutheissen, er will warten bis wieder die alte Sitte aufüebt, den Rabbiner gesetzestreuen Gemeinde werden. Keine dieser beiden Ge-4 meinde segensreich wirken m können. Dazu gehört wohl mehr wie die beste Probepredigt . . . Wie gross war aber, einige!Wochen später, die (jeberraschung des Rabbiners, als ohne sein •Hinzutun das Dekret seiner Ernennung kam. Er wurde einstimmig gewählt. Wird er die Ehre der Berufung zu schätzen wissen, die Wahl auch annehmen? ... 0. N. Von der Bundesregierung bewilligte Effektenlotterie 60tmen* mb WegeuftMtme• 0&eataUtätett L. Fiertel» Nachfolger M. Leib, Wien, t. Berirk, MariahUfcrttrMM M fQV geschlossen Feste Preiie auf jedem Stück ersichtlich. .*. Leser diese^ Blattes erhalten drei Pr02ent Vergütung Die ganze vorstehende Entscheidung, welche durch' die in der Sache urteilenden Rabbonim getroffen wurde, ist in gründlicher Ueberlegung mit mir ergangen; ich stimme allem Oesagten zu und segne alle diejenigen, di« gehorchen und erfüllen werden nach der Weise derer, die mit einem Segen schliessen. Abraham Mordechai Alter aus Oer. § ® NACHRICHTEN. Oe$tmeiet>. Die Wahlreform in der Kultusstube. Am 14. April d. J. fand eine öffentliche Pfenar- Sitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien mit der Tagesordnung ,*Wahlreform“ statt. Nach Eröffnung der Sitzung ergriff der Minoritätsreferent das Wort, um den Minoritätsantrag zu begründen, wonach sowohl ׳Frauen wie die Beamtenschaft der israel. Kultusgemeinde das aktive als auch das passive Wahlrecht vorliegen werde- Schliesslich erwähnte der Mmoritätsreferent, dass er sich in bezug auf die Erteilung des aktiven Wahlrechtes dem Majoritätsantrag ansohliesse, wonach jedem Steuerzahler männlichen und weiblichen Geschlechtes, das Wahlrecht zu verleihen sei» wenn er für das Jahr 1922 und 1923 eine Mimmalkultus־ Steuer von K 6000 vorgeschrieben erhält und bis zum Ablauf der Reklamationsfrist die Kultussteuer für das Jahr 1923 oder 1924 effektiv gezahlt hat. Der Majoritätsreferent spricht sich gegen das passive Wahlrecht der Frauen und Beamten aus. Hierauf ergriff der Vertreter der Orthodoxie, Herr Siegmund Bon di, das Wort. Er gab namens des orthodoxen Verbandes die Erklärung ab, dass der- :selbe für Verleihung des Wahlrechtes auf breitester Basis, jedoch mit der Einschränkung ist, wonach Frauen weder das aktive, noch das passive Wahlrecht verliehen werde. Herr Bowdi führte aus, dass :sten sagen, eine Volksgemeinde sei, yist,ENIATXI für die Orthodoxie die Kultusgemeinde nicht, wie die Zionisten sagen, eine Volksgemeinde sei, sondern eine Behörde, die ausschliesslich über die religiösen Institutionen des Judentums zu wachen habe. Um Missdeutungen vorzubeugen, erwähnte Herr Bondi, dass gerade die •orthodoxen! Juden die Frauen sehr hoch stellen und führt an, dass Freitag abends jeder orthodoxe Jude das salomonische Loblied Ejsches chajil auf die Frau anstimmt. In diesem Loblied befindet sich auch der Satz: ״Sie haben zu bewachen die Gänge des Hauses“. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend führte Herr Bondd aus, dass die Tätigkeit der jüdischen Frau ausschliesslich im Hause sei. Sie hat im Hause darüber zu achten, dass die Kaschrus-Institutionen, die ihr anvertraut werden, gewahrt werden, ferner liegt in ihrer Hand die jüdische Erziehung der Kinder. Wenn die Frau in der Gemeindestube sitzt, hat sie nicht Zeit, sich um diese ihre heiligsten Aufgaben zu kümmern. Ferner wäre es doch ein Unding, dass eine Frau im Kultusrate über die Anstellung von Rabbinern, Schochotim, Kantoren usw. zu beschliessen hat, da sie ja die religiösen Voikenntnisse, um beurteilen zu können, welche Bewerber in Frage kommen, nicht besitzt. Auf die Einwendung von zionistischer Seite, dass auch viele Männer im Kulfevorstande diese Eignung nicht besitzen, erwiderte Herr Bondi, dass dies wohl bei der Minorität als auch bei der Majoritat, aber nicht bei den Orthodoxen der??all sei. Ganz besonders warnte Herr Bondi den Vorstand, den Frauen das passive Wahlrecht zu verleihen, da in diesem Falle die Einheit der Gemeinde gefährdet, da sich die Orthodoxen niemals in religiösen Dngen von Frauen bestimmen oder beherrschen lassen werden. Herr Isidor Austerlitz (Misrachi) schloss sich im grossen und ganzen betreffs des passiven Wahlrechtes der Frauen den Ausführungen des Herrn Bondi an und bemerkte noch, dass die von einem Zionistenführer erwähnten Autoritäten fiir ihn in religiösen Dingen nicht massgebend sein können, da er gerade die bedeutendsten religiösen Autoritäten anführen kann, welche entschieden gegen das passive Wahlrecht der Frauen sind. Der Vorstand hat nun den Minoritätsantrag zum Beschluss erhoben, wonach das Wahlrecht erweitert, indem jeder Steuerzahler von minimum K 6000, einerlei, ob männlichen oder weiblichen Geschlechtes, Wahlberechtigt ist, das passive Wahlrecht wurde weder den Frauen noch den Beatmten der isral. Kultusgemeinde zuerkaimt. Es wurde beschlossen, dass die Wahl in diesem Jahre im Laufe de« Monates November statfczufinden hat. B. Die erste Nummer des Keren Hathora erschienen Das erste Heft der ״Blätter des Keren Hathora“ Ist soeben erschienen. Das Aeussere dieser orthodoxen1 Hochschutoeituog macht einen recht guten Eindruck. Das Titelblatt sowie die Vignetten sind von Urlel Birnbaum gezeichnet. Das erste lieft hat folgenden Inhalt: 1. Zur Einführung, vom Herausgeber. Dr. P. Kohn: Was ist Keren Hathora. Ra»b!b. J. Weinberg: Die Jesohiwob, Ihr Wesen und Ihre Geschichte. Oberrabb. Schapira: Eine Weltjeschiwoh in •Lublin.. II. Vom Keren Hathora. Bericht der Keren Hathora-Zentrale. Aufurtf des Rabbinischen Rates. Aufruf des Keren Hathora in der Schweiz, lieber die Schulen der Aguda in Erez J'isroel. Die Notlage der Jeschiwoth dn Polnisch-Litiauen. Der Keren Hathora in Oesterreich. III. Aus Lehrhaus und Schule. Anhang. Be- Stellungen •sind zu richten an die: Keren Hathora-Zentrale, Wien, II. Leopoldsgasse 26. Baden. Dienstag, den 1. April d. J. fand •die Vermählung des Frl. Sidonle Reich, Tochter Se. Elirw. des Herrn Oberrabbiners W i 1 h e lm Reich in Baden bei Wien mit Herrn B e r t h 01 d S t e r n f e 1 d, Gesellschafter des Bankhauses Carllebach in Lübeck statt. Oberrabbiner Reich .verehrte das Siddur Kiduschim einem Bruder Herrn Oberrabbiner •aus Banowdcz, welcher die Zeremonie nach altkonservativen Brauch vornahm. •Eine lange Wagenreihe nahm alle Hchzeltsgästc auf, die sich zum Festmahl begaben, welches •In •dem von der Stadtgemeinde Baden zur Verfügung gestellten •grossen Restaurationssaale des Kurhauses der Stadt Baden stattfand. An der •Tafel •nahmen׳ folgende von auswärts gekommene Gäste teil: Die Oberrabbiner von Banowlcz, Rakospalate; Dr. Joel Pollak, Wr.-Neustadt; Goldstein, Neunkirchen׳; Tauben, Liesing; Bankier Allexander Carlebach, die Herren Rabbiner Friedmann und Unger u. v. a. Ferner die gesamte Vorstellung und der Ausschuss der Kultusgemeinde, der Vorstand deT Chewra Kadischa, Baden, die Vorstandsdamen des .Israelitischen Frauenwohltätigkeits- Vereines Baden, der Vorstand des Bikur Chaulim Baden, und viele •Mitglieder der!hiesigen Gemeinde. Es wurden wunderschöne Tischreden gehalten von Herrn Oberrabbiner Reich, Baden, Oberrabbiner M. Reich aus Banowicz, Rechtsanwalt Sternfeld aus Freiburg i. •B. Bankier Carllebach, Lübeck, Rabbiner Dr. Reich MislRz, Rabbiner Dr. Duschinsky, •namens der Kultusgemeinde Baden das Mitglied Leo Kofifier, der Bruder der •Braut, Ernst Reich u. v. ä. Die Tafelmusik besorgte der Musikdirektor •des hiesigen Stadttheaters, Herr Wi e sm ann mit Kapellmeister Landl. Das Mahl verlief in fröhlicher, heiterer und vornemer Weise und zog sich bis in die Abendstunden hin. Chaim Bloch heimgekehrt. Chaian Bloch, der •bekannte Bearbeiter chasslöischer Erzählungen, der auch in unserem Blatt einige Erzählungen veröffentlicht hat, [st nach längerem Aufenthalt In Amerika vorige Woche nach Wien zurückgekehrt. Chaim Bloch wuTde in den literarischen Kreisen Amerikas mit grosse« Ehren aufgenommen. Die grossen jüdischen Zeitungen brachten eingehende Würdigungen seiner literarischen Tätigkeit und seine Werke haben bereits einen Uebersetzer fürs Englische gefunden. Das Interesse der amerikanischen Leserkreise bedeutet selbstverständlich nicht nur eine wertvolle moralische Anerkennung, sondern auch eine materielle Besserstellung für den in kärglichen Verhältnissen lebenden Schriftsteller. Hoffentlich hat Chadm Bloch in Amerika neue Impulse für seine ׳weitere literarische Tätigkeit empfangen. Dent$cMa*d. Die Vorgänge in Erez JlsroeL Frankfurt, a. M. lieber dieses aktuelle Thema sprach am Donnerstag abens •in der Aula der Realschule am Tiergarten Herr D r. S. Ehrmann. Da ursprünglich ein Vortrag über Rabbi Saadja Qaon angesetzt war, der aber infolge plötzlicheT Verhinderung des Referenten abgesagt wurde, ging •auch Herr Dr. Ehrmann von Rabbejnu Saadja und seiner von den Kämpfen mH den Karaten beherrschten Zeit aus, Indem er Vergleiche mit den damaligen Kämpfen und dem heutigen Kulturkampf dn Palästina anstelle. In einem einstündigen Vortrage beleuchtete der Referent die Zustände in Palästina und das vitale Interesse der Gesetzestreuen an der Entwicklung der Dinge lm Heiligen Lande in erschöpfender Weise. Wir haben seit Wien kein Recht mehr auf Bescheidenheit. Die Ehre der Grossen, die in Wien sich zur Aguda bekannt haben, und die Führung mitübernahmen, erfordert es, dass wir die Sache ernst nehmen und uns in keiner Weise bevormunden lassen. Die Orthodoxie hat wiederholt die Hand zum Frieden geboten und wurde vom den Zionisten stets brüsk abgewiesen. Redner erörtert die arabische Frage und bespricht im Einzelnen die Umstände, die den Besuch der orthodoxen Delegation •bei König Hussein zur unäbweisliehen Notwendigkeit gemacht haben. Klüger- und gerechter* Znjjm1»ten_de»_ELn*^Jj_BTH-HElM Gesamttreffer 600 M!Honen Krone« für Kriegt Waise«, Lehrmädchen ttnd Arbeiterinnen Wi•■, 11. Bezirk, Mat•«•••• Nr. 7 Telephon Nr. 43-540־ 6«33 •י, *o und io Millione■ Kronen und tätigend andere Treffer Lese I. a. Baake■ 1. Trafiken erkXltllek! Wlsdsrverkbfsr gesatbP