Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 16-17 (18.4.1924)
- Date
- 1924-04-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.I ia WAU 1'v i^j11w^P|1|,^.,M!JlJ. Ul,J1Ly W.-IWIWmi^VHPfPPIH^^ Seite 112 über sie beraten könnten. Nach Ablaut dieser Frist hat nun der Beth Din Rabbi Kuck erklärt, es sei für ihn, hauptsächlich aus formalen Oründen, immöglich, die oben erwähnten Vorschläge anzunehmen. — Wir sind weit entfernt davon, nun die Schuldfrage aufzurollen. Prinzipielle Kämpfe müssen scheinbar ohne Kompromiss ausgefochten werden. Das, was wir für uns in Anspruch nehmen, können wir auch der Gegenpartei nicht versagen. Das eine wollen wir aber doch hoffen, dass der Kampf, wenn er schon geführt werden muss, immer objektiv bleibt und persönliche Fragen aus dem Ringen um den Sieg der Prinzipien ausgeschaltet bleiben. * * Die schiedsgerichtliche Erklärung der Grossrabbiner. Gross sind die Meinungsverschiedenheiten und inneren Gegensätze unter den Gesetzestreuen der heiligen Stadt, wo jeder im Namen Qottes und kraft der Thora öffentlich laut seine Stimme erhebt, um den Gegner zu beschimpfen, so dass der Widerhall dieser Kämpfe aus der Toren Judas die ganze Diaspora erfüllt und die Frage sich erhebt, wie es möglich ist, dass das Feuer des Hasses und des schärfsten Bruderkrieges unter Gleichgesinnten in so furchtbarer Weise hochkommen konnte. Das ganze Herz Israels erbebt über die Herabsetzung der Weisen und über die Gefahr,!die daraus hervorgeht, dass auch in der Diaspora die Ehre der Talmidei Ghachomim herabgewürdigt werden könnte und unsere gemeinsamen Gegner, die Freidenker, die Oberhand gewinnen können. Auch in Jerusalem selbst richtet der Kampf unter den Gesetzestreuen furchtbares Unheil an,! So dass die Volksverführer ihr Haupt erheben, die Leitung der Gemeindeangelegenheiten für sich erobern, aus!Mangel einer einheitlichen Front unter den Gesetzestreuen. Das Jüdische Herz stöhnt allüberall unter dieser Lage. Auf der Kenessio Gedaulo, die im Elul 5683 in Wien stattfand, bei der sich alle Grossen und Heiligen Israels aus allen Enden der Erde versammelten, denen alles Jüdische teuer ist, hat man mit blutendem Herzen über diesen Zusammenbruch beraten, über den Kampf in Jerusalem, der dem jüdischen Volk bis an die Seele geht. Man beschloss, eine Delegation von bekannten Persönlichkeiten nach Jerusalem zu entsenden, um die Lage gründlich zu studieren, den Stein des Anstosses, womöglich zu entfernen und Frieden zu stiften, wie es uns geboten ist: ״Suchet den Frieden der Stadt und den Frieden Jerusalems“. Und diese Kenessio hat uns, den Unterzeichneten, die Pflicht auferlegt, nach Jerusalem zu kommen und die Vorgänge zu erforschen, den Ursachen nachzugehen, die zu dem Meinungsstreit geführt haben. Nachdem wir jetzt in Jerusalem sind und gründlich untersucht und erforscht, beide Parteien gehört und mit ihnen wochenlang verhandelt haben, sind wir zu der* klaren Ueberzeugung gekommen, dass viele Dinge ungeheuerlich übertrieben worden sind, dass falsche Anklagen Torgebracht worden sind, die nur aus den Quellen des Neides, der Streitsucht, des Interesses fliessen, die man nicht niederschreiben kann. Sehr viel Persönliches, das zu Angriffen auf die Ehre einzelner Individuen geführt hat,׳ entgegen dem klaren Wortlaut der Thora und der Gesetze der Ethik spielt mit, deshalb hoffen wir, dass, wenn diese Dinge beseitigt werden, die Herzen sich;einander annähern, ein Friede herbeigeführt werden kann. In dieser Hinsicht Äussern wir unsere Meinung wie folgt: f 1. Presseorgane. Das ״Geschrei“ muss auf- ־hören, d. h. der ״Kaul Jaakauv“, der feurige Blitze* die es!verstanden hat, alle Künste einer modernen׳ Inszenierung spielen izu lassen, um die Missetat der Aguda recht eindringlich der ganzen Welt vor Augen zu führen. Es hat ihr nichts genützt, ln dem Augenblick, da man die arabische ׳Hetzpresse als Quelle der Angriffe auf Agudas Jisroel zugeben und sich so in aller Form desavouieren musste, in diesem Augenblick war das Schicksal dieser zionistischem Haupt- und Staatsaktion besiegelt. ־Was hrig blieb, war — Gelächter. Herzliches, befreiendes Geläditer. L k. Rabbinerwahl. Die Stelle des geistigen ׳Oberhauptes war vacant geworden und die kleine Landgemeinde beschloss, einen Konkurs auszuschreiben, ׳um unter den Bewerbern eine würdige Auswahl zu treffen. So klein und unbedeutend die Gemeinde auch war, so gering das Jahreseinkommen auch eingesetzt wurde, so ׳hatten sich doch viele Bewerber gemeldet und jeder einzelne der Reflektanten war überzeugt, dass ihm die Stellung Zufällen müsse, wenn sich nur Oclegenheit bietet, von der Kanzel aus sein Wissen und Können im Lichte deT Beredtsamkeit offenbaren zu können. Diese althergebrachte Form der Besetzung eines Rabbiner- Posten -Hess die Anwärter vergessen, wie unwürdig diese Art eines Probegastspieles für diesen hehrsten Beruf a׳u:h tot. Die Gemeindestatuten verlangen es. Der dieswöchentiiche Sabbat war daher begreiflicherweise für ׳das abseits des grossen Verkehres liegende Städtchen von besonderer Bedeutung. Es erlebte die Sensatioji der ersten Probepredigt. Die Synagoge war dicht gefüllt von andächtigen Zuhören», die teils Interesse, teils Neugierde antrieb, auch dem zweitth Gottesdienst beizuwohnen, um steh über den Kandidaten sein eigenes massgebendes Urteil zu bilden. Der G-tteadÜenst selbst war heute von sekundärer Bedeutung. JÜliSCHE PRESSE schleudert und mit Dolchstössen Woche für Woche in der ungeheuerlichsten Weise Anklagen verbreitet, wird unter Zensur gestellt, und zwar unter die Aufsicht der Herren Wolf Schocher und Wolf Münzberg, die schriftlich zu zeichnen haben, was gedruckt werden darf. Ebenso darf das gegnerische Blatt ״Kaul Jisroel“, nichts eher drucken, bevor es von den Herren Sorach Bravermann und M. D. Lewin unterzeichnet ist. Den Zensoren legen wir die ernste Verantwortlichkeit auf dafür, dass nichts mehr zum Druck zugelassen wird, woraus eine Herabsetzung der Ehre von Talmidei Chachomim entsteht und noch viel weniger Dinges die un- 'wahr sind und!Verleumdungen gegen Privatpersonen, durch' welche die Ehre der gesetzestreuen Gemeinschaft in jeru• salem heruntergesetzt wird. 2. Organisation der Kommission für die Schechita. Die Kommission für die Schechita in Jerusalem wird wie folgt neu organisiert: Das Bes Din der Chassidim und Peruschim unter der Leitung von Oberrabbiner Kuck wählt sechs gelehrte, anerkannt gottesfürchtige Männer, und zwar drei Chassidim und drei Peruschim und das Bes Din unter Leitung von Oberrabbiner Sonnenfeld wählt ebenfalls drei Chassidim und drei Peruschim, von welch) letzteren je einer zur ungarischen Gemeinde gehören kann.' jl88888!8t8>8t8l88888W8l!t!f8f8l8t!t!t8W888>888>»8W!W!l8t8t888t8L « Hflbaofee Vorzimmer, ■ohfine Kftohen (praktische * Patent-Ab Waschtische), gediegene Schlafzimmer, reizende M&dohenzlmmer usw., einzelne Küchengeräte aller Art Möbelspezialfabrik ״KÜCHENFEE“ KARL RLIMBERQER & Co. Wien, XX. Bez., Engelsplatz Nr. 6 Nur eigene Erzeugnisse, garantiert solide Bauart. Höchste Auszeichnung (Goldene Medaille 1913). Filialen: I., Spiegelgasse 15 VIII., Joefstädter tr. 30 >11., Landstr. Heuptstr. 65 XVIII., Wfthrlngerstraese 115 IV., Margaretenstrasse 2 XXI., Hauptstrasse 28 VI., Stumpergasse 51 XXI, Kagran,Wagramerstr.118 | j - ן- ל*. שתו ממתקים! ראה זה חדש הוא! יין של ארץ ישראל מכרם ישראל המשומר בענביו. Die berühmten PAL ÄS TIN A-C ÄRMEL-WEINE של חג הספח Wieder zu haben! הכר von Rabbiner Kuk und Sonhenfeld sowie prima Ungarwtine, Emmentaler Käse usw. Wienea, 2. Bezirk, Obere Donaustr. 91 Neben dem Dianabad Telephon Nr. 49-1-75 , Nr. 16/17 \ Diese zwölf Leute zusammen mit den drei Bothe Dinim bilden die Kommission für die Schechita in Jerusalem. Jedoch ist diese Kommission allein nur!in finanziellen Angelegenheiten zuständig sowie in bezug auf die An- Stellung der Beamten, ihre Honorierung, die Einziehung der Gebühren usw. Auch die Gebühren der Rabbonim, welchd Einnahmen aus der Schechita ziehen, werden durch diese Kommission in gleichmässiger Weise nach der Seelenzahl geregelt. Hinsichtlich der Kaschrus jedoch wird alles durch die drei Bothe Dinim der zwei Parteien in vollkommener Gleichberechtigung und Gemeinsamkeit geregelt. Die Kommission hat sich in dieser Hinsicht vollkommen den Anordnungen der Bothe Dinim unterzuordnen. Die Vorsitzenden der Kommission sind Oberrabbinen Sonnenfeld der Oberrabbiner Kuck. Die Kommission ist verpflichtet, in religiöser Hinsicht die Erschwerungen beider Vorsitzender und ihrer Bothe Dinim zu beobachten, auch wenn einer von ihnen oder ein Bes Din zum Leich׳-f teren entscheidet, sei es nun, dass es sich um eine sachliche Zweifelsfrage oder um die Anstellung weiterer Schächter usw. handelt oder auch um die Entlassung soleher Beamten aus religiösen Gründen. In all diesen Fällen genügt die Ansicht eines der Bothe Dinim jeder der beiden Parteien. 3. Der Friede in Jerusalem. Erez Jisroel im allgemeinen und die heilige Stadt Jerusalem im besonderen, aus deren Mauern bis zum heutigen Tag die Schechina1 nicht gewichen ist, müssten sich in ihrer inneren Ordnung und Heiligkeit vor allen Städten der Diaspora auszeichnen. Wenn in der Diaspora jüdische Gemeinden existieren, in denen Reformer, Freidenker aufgetreten sind, die die Führung der Gemeinden an sich gerissen, das Heilige zerstört und den Weinberg Gottes durch neue Erziehungsgrundsätze verwüstet, die Herde von ihrem Hirten getrennt haben, und wenn dort nach den geltenden Staatsgesetzen, die Gesetzesgetreuen gezwungen sind, in den öffentlichen Angelegenheiten mit ihnen zusammenzuarbeiten, weil sie nicht die Macht hatten, sich von׳ ihnen zu trennen, so hat doch die Erfahrung zur Ge-t nüge gezeigt, dass die Gemeinschaft mit den Freien zur schweren Beeinträchtigung alles dessen, was uns an Wertvollem und Heiligem überliefert ist, geführt hat. Denn/ diese Freien stehen immer auf der Warte, die Gemeinden zu erobern, das heilige Bild der überlieferten jüdischen Gemeindeverfassung zu trüben und die Erziehung de!< Söhne und Töchter in die Hand zu bekommen. Darum) stehen alle orthodoxen Gemeinden in den Städten der Diaspora wie eine feste Mauer zusammen, über ihre Zukunft zu wachen, in keiner öffentlichen Angelegenheit mit den Freidenkern zusammenzugehen, sich nie von ihnen beeinflussen zu lassen und keinerlei Kompromisse mit! ihnen zu schliessen, denn die geschichtliche Erfahrung hat sie bereits gelehrt, dass, wenn die Freidenker zuerst eine gewisse Milde und Brüderlichkeit gegenüber den Orthodoxen zeigen, sie in ihrem Inneren doch den geeigneten Zeitpunkt abwarten, um ihre Prinzipien zu vertreten, ohne vor jemanden zurüchzuweichen. In allen Ländern, wo Orthodoxe leben, haben sie sich wie ein Mann mit aller Kraft gegen die Schaffung eines über allen Rabbonim des Landes stehenden Oberrabbinats ausgesprochen, das von der Regierung anerkannt wird, weil sie sehen, dass ein derartiges Oberrabbinat gezwungen ist, mit den den Freidenkern zusammenzugehen und sich von ihnen beeinflusSen zu lassen. In wieviel höherem Masse treffen diese Bedenken auf das heilige Land, besonder aber auf den das ganze orthodoxe Judentum beeinflussenden * religiösen Mittelpunkt des Judentums, die Stadt Jerusalem, zu. Hier ist jeder, der sich orthodox fühlt, verpflichtet, sich in einer selbständigen orthodoxen Gemeinde zu or- und so sehr sich der Kantor bemühte, seine Kunst In dea höchsten Tönen und den hellsten Trillern erstrahlen zu lassen, die ganze Aufmerksamkeit galt dem neuen Rabbiner, der ernst und ■würdig auf seinem Platze stand. Besonders lebhaft gestaltete sich die Konversation während der Vorlesung des Wochenabschnittes, die in der Frauengalerie möch angeregter und geräuschvoller war. Auf die Seele des jungen Rabbiners senkte sich ein düsterer Schatten. Werde Ich hier ,wirken können, wenn1 die Weihe d׳es Ortes missachtet und das Wort ß-tties ungehört verhallt? Die FesttagskleideT und der hohe Hut musste für diesen Zweck entliehen ׳werden, doch noch besass er seine eigene Meinung, die nicht getrübt wenden soll, so bedeutsam für ihn auch die Erlangung dieser Stelle war. Jahre der Entibehrung lagen hinter ihm, Jahre nur dem heiligen Studium geweiht und als höchstes und letztes Ziel erschien Ihm der Beruf Lehrer ln Jisroel zu sein. Sollte er so knapp am Ziele schon die Geduld verlieren, ehe sein mahnend Wort ein- Setzte. Darf er richten wollen, ehe noch über Ihn gerichtet wurde. Zuerst muss es, sich zeigen, ob diese Gemeinde Ihn überhaupt haben ׳will, ob seine Art gefällt, sein Wesen entspricht, sein Wort zündet. Ihm schien es stets als Schönstes, der RabblneTbenif. Er fühlte steh dazu berufen und auserkoren, Führer zu sein, Erzieher und Ermahnen־, Lehrer und Mehrer Jüdischen Wissens, doch fetzt fühlte er nur die Abhängigkeit und die Unwiürdigkeit, die in diesem Schauspiel lag. Nicht ׳sein Persönlichkeitswert, nicht sein fundamentales Wissen ׳war das Entscheidende, sondern die Probepredigt; sein Organ, seine Sprechweise, die Rhetorik ׳macht des Redners Glück. Am liebsten wäre er noch jetzt zurückgetreten, doch da meldete sich der jugehdltelie Ehrgeiz, die Sehnsucht nach Amt und Würde. <6ie Gemeinde ahnte nichts von •diesen inneren ICämhfeti ln dieser Jungen Menschenseele, •die Unterhaltung Würde!tftJnet erregter. Es bildeten Sich Gruppen, die eifrig disputierten,;jeder hielt! sich für berechtigt, mitzuteden ütid zu krtisieren um seiner Meinung Geltung zu verschaffen. Wlir brauchen vor altem einen guten Redner, meinten die einen׳, der auf diie Jugend ׳wirkt, die allizuleicht abzufadlen •droht, einen Rabbiner, •der •die Zellt versteht, friedliebend ist und ausgleichend wirkt. Und andere wieder meinten, die erste Bedingung müsste sein, dass er Tag und Nacht lernt, seine Hauptaufgabe liegt kn Lekrhaus, dort muss er seine Meisterschatf zeigen; Ganz andere Gesichtspunkte machten! steh ln der Frauengalerie geltend. Es ist wirklich edn schöner Mann, bemerkten die, die eine Giitterstelle Innehatten, ob er wohl schon verheiratet!ist, müsste man wissen, denn so gering die 1Seelenanzahl einer Gemeinde auch ist,!an heiratsfähigen Töchtern mangelt es nicht. Dem Rabbiner konnte diese ungenierte Unterhaltung ■nicht entgehen. Mit gehobenen Gefühlen, die Brust erfüllt von der Feier des .Tages, hatte er das Gotteshaus!betreten, er glaubte eine betende Gemeinde zu finden, mit der er sich vereint zu gemeinsamen Streben Gott izu dienen und er wollte der Priester sein, •der diese Innigkeit erhöht, diesen Seelenaufschwung beflügelt, •doch er sah aus all den musternden Bücken mir Neugierde, •diie ihn erniedrigten ■und demütigten! Er wollte über den Parteien stehen und nun ■war er es, der ׳gerichtet werden sollte! ■Wie ein Schauspieler sollte er sich ׳den Beifall der Menge erspielen, der Kritik der tief unter ihm Stehenden preisgegeben. Endlich kam der Augenblick, wo der Junge Gelehrte die Kanzel betrat. Atemlose Stille trat ein. Alle Blicke waren auf den ׳Redner gebannt, auf dessen blassem Antlitz die innere Erregung Röte zauberte; seine Augen leuchteten in niedergehalten Zorn. Jetzt war er Herr der Situation. Wie auf einem hohen Gipfel fühlte er steh, Wohin der Lärm des Marktes nicht dringen konnte, dem Himmel näher und tief unter sich sah er, ■wie im Tale ׳die kleinen Menschen mit Ihren filteJkeiteir und Nichtigkeltert . .. ttaasitto häScrtömaltn Weadaberoh, wesischmah hdofe* hure pi. Höre mich •Himmel, ich will sprechen und