Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1924-04-18 · 16-17 (18.4.1924) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
16-17 (18.4.1924)
Date
1924-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2630051-2630067--1411-2633160
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

* m mm •we1* ימזו vijwwvijjpw״ Nr. 16/17 Seite 111 geistes immer ,wieder rnn ihre nackte Existenz ringen müssen. Die Erhaltung der Qnmdivesten der jüdischen Weit darf nicht mehr von der grossmütigen Munifieienz einzelner Wohltäter abhängen, sondern muss zur selbstverständlichen Pflicht des ganzen jüdischen Volkes werden. So ist קרן חחורח] berufen, ein wahrer Keren des göttlichen Wortes für alte Kreise des! jüdisohen Volkes zu werden, ein Zentrum des Thorageistes, der die sieghafte Höhe des Sinaiiwortes vor den Augen aller dartun wird. קרן חתורח wird freie Bahn schaffen für המשיח Die gescheiterte Friedensvermittlang. Die thoratreue Judenheit hat erwartungsvoll auf die Bemühungen gebückt, welche die grossen polni- «dhen Rabbiner, die unter Führung des derer Robben mitte Sohebaith dieses Jahres nach Erez Jisroel gekommen sind, viele Wochen hindurch unternommen haben, um den Frieden unter den orthodoxen Juden Jerusalems herzustellen. Wir bringen in userer heutigen Nummer den Wortlaut des Schriftstückes, in dem die Friedensvermittler ihre Ansicht über die Situation und den richtigen Weg zuim Frieden niedergelegt haben. Von Anfang an war es klar, dass die Schwierigkeiten gross und die Gegensätze fast unüberwindlich sind. Zu den sachlichen Differenzen kamen noch persönliche, die die Situation noch mehr vergifteten. ״In Jerusalem selbst,“ erklären die Rabbiner in den einleitenden Sätzen, ״richtet der Kampf unter den Gesetzestreuen furchtbares Unheil an, so dass die Volks Verführer das Haupt erheben, die Leitung der Gemedndeangelegenheiten für sich erobern, all das aus Mangel einer einheitlichen Front der Gesetzestreuen.“ Die׳ sachlichen Differenzen beruhen auf folgendem: Das derzeitige Oberhaupt des Rabbinates, Abraham Jäzchak Kuck, der dem Gerer Rebben sehr nahe stand, vertritt Prinzipien, die, wie es sioh herausgestellt hat, weder vom Gerer Rebben noch auch vom grössten Teil des eigenen Rabbinates geteilt werden; Von der unabhängigen Orthodoxie in Erez Jisroel unter der Führung von Rabbi Chaim Sonnenfeld gar nicht zu reden. Oberrabbiner Kuck ist vom ״Ruach Hatchija“, vom Geiste der sogenannten jüdischen Renaissance so sehr durchdrungen, dass er an seinem Eifer, diesem ״R u a c h“ zu dienen, der Lebens Wirklichkeit der Orthodoxie in Erez Jisroel kaum gerecht wird. ׳Der Zauber der Persönlichkeit Rabbi Kuoks kann die thoratreue Judenheit im Lande nicht hinwegtäuschen über die Gefahren der vom Rabbi Kuök a vertretenen Pritlzipien. In thoratreuen Kreisen hält man noch nicht die Zeit für gekommen, Organisationsfonmen zu schaffen, die geeignet sind, die ungestörte Entfaltung des religiösen Lebens, wenn auch indirekt und unbeabsichtigt, nachteilig zu beeinflussen. Zu diesen neuen Organisationsformen gehört aber auch das unter englischem Protektorat zustande gekommene Oberrabbinat. Der Kampf gegen das Oberrabbinat Nil •InanQrlff שייטעלן פעריקק ■. Traiiforaatltne■ 1■ feinster h. Modernster AssfUhreii! DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHBITB1N AUV HAUT 8aarb«ltat| gBnzllch un■ •nntllch Im Trag•!!■ Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwel&mgen werden übernommen. Provinzversand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkstitte für moderne Haarkonfektlo■ Christian Kreazmaier, Friaenr Wlan, 2■ Bazlrk, Hollandstransn 7 motfarn frlsiart richtet sich also nicht gegen die Person des Oberrabbiners, sondern vor allem gegen die Institution des Oberrabbinates selbst. In Erez Jisroel trägt jede an sich noch so unbedeutende Handlung hochpolitisehen Charakter. Die jüdische öffentliche Meinung wird durch eine verständnislose Presse und die ver- ׳antwortungslose Tätigkeit unreifer Elemente so sehr beeinflusst, dass keine ׳einzige der neu geschaffenen Institutionen, auch nicht jene des; Oberrabbinates, sich diesen Einflüssen ganz entziehen könnte. Aehnliche Erwägungen leiten die thoratreue Judenheit bei dem Bestreben, das religiöse Moment bei Organisierung der jüdischen Gemeinden und jüdischen Vertretungskörpersohaften ausschliesslich zur Geltung zu bringen. Die ״Freisinnigen“ bringen aus ihren Heimatländern nicht nur verschiedene uniüdisohe Sitten, eine unjüdische Kultur, sondern auch einen starken politischen Willen und ein gut entwickeltes Organisationstalent mit, diese Eigenschaften lassen in den Augen der orthodoxen Juden, abgesehen von rein religiösen Motiven für unratsam erscheinen, diesen Freisinnigen, statt Stärkung ker religiösen Fundamente des jüdischen Gemeinschaftslebens, zur Schaffung einer auf Rasse und Sprache basierenden Volksgemeinschaft die Hand zu; bieten. Diese prinzipiellen Gegensätze sind die Ursache des Kampfes innerhalb der palästinensischen Orthodoxie. Der Kampf wird einerseits von Rabbi Chaim Sonnenfeld, andererseits von Rabbi Abraham Jizchak Klick geführt, also von PersÖfiftbhkfe'iten, bei denen sicherlich nur prinzipielle Erwägungen und keinerlei persönlichen Aspirationen massgebend sind. Rabbi Kuck selber äusserte sich anlässlich seiner jüngsten Anwesenheit in Amerika, die Berichte über persönliehe Zwistigkeiten zwischen ihm und Rabbi Sonnenfeld seien stark übertrieben. ״Wir sind gute Freunde, es besteht zwischen uns bloss eine Meinungs- Verschiedenheit in dem Sinne, dass Rabbi Sonnenfeld ganz und gar für den alten Jischuw ist, wogegen ick auch für den neuen Jdsdhuw mm Teil eingenommen bin.“ Der Kreis aber, der sich um diese Persönlichkeiten schart, führt diesen Kampf der Prinzipien mit einer persönlichen Schärfe, die deT prinzipiellen Auseinandersetzung sehr stark den Charakter persönliehen Haders und rücksichtslosen Bruderkampifes gibt. Daher war das Bestreben der Friedensvermittler vor allem darauf gerichtet, den persönlichen Kampf einzustellen. Den beiden Organen ,Kol Jisroel“ und ״Kol Jakob“ wurde untersagt, Angriffe auf einzelne Persönlichkeiten zu veröffentlichen. In der Frage der Schechita wurde vorgeschlagen, eine paritätische Kommission einzusetzen, was der Anerkennung beider Richtungen in den Fragen der religiösen Praxis gleichkommt. Was nun die Frage der Organisierung der Gemeinden betrifft, so wollten die Friedensvermittler mindestens das eine erreichen, dass eine gemeinsame Front aller Thoratreuen erzielt werde, unabhängig von der Form der Gemeinden und jüdischen Körperschaften. Das Bestreben!der polnisehen Rebbeim, Frieden zu stiften, wurde in allen Kreisen der palästinensischen thoratreuen Judenheit mit grosser Sympathie aufgenommen. Eine Ausnahme bildete bloss Misrachi, in dessen palästinensischen Zentralorgan der Chefredakteur Rabbi I. L. Fischmann in einem Artikel zu dem Versuch der Friedens- Stiftung Stellung genommen hat, deT darauf schliessen lässt, dass der Wortführer von Misrachi in Erez Jisroel von der Vereinigung aller ThoTatreuen keine grosse Freude haben würde. Das New Yorker ״Morning Journal“ glaubt den Schlüssel zu dieser sonderbaren Stellungahme indem Umstand zu erblicken, dass die frommen Juden in Erez Jisroel tatsächlich die Majorität besitzen, und nur ihre ZeTklüftung den radikalen Elementen die Möglichkeit gibt, politisch und sozial einen unverhältnismässig grossen Einfluss zu besitzen. Es sei aber ebenso sicher, dass unter den frommen Juden Misrachi eine verschwindende Minderheit bildet; bei einer Vereinigung aller thoratreuen Juden würde somit nicht nur der Einfluss der radikal links stehenden Elemente, sondern auch die Geltung des Misrachi stark vermindert werden. Bei einer Vereinigung aller Thoratreuen würde also Msrachi in eine recht unangenehme Situation geraten . . . Trotz der grossen Schwierigkeiten hat man an ein Gelingen der Friedensvermittlung geglaubt. Die hervorragenden Mitglieder bei den Bote Dinim, vor allem aber die Friedensvermittler selbst, haben soviel guten Willen, soviel Energie und Takt gezeigt, dass die grossen Rabbiner das heilige Land mit dem Eindruck verliessen, mindestens einen. Vorfrieden geschlossen und de Gemüter beruhigt zu haben. Ein formeller Friedensschluss ist naturgemäss noch nicht zustandegekommen. Die Friedensvermittler hatten beide Parteien-gebeten, die ihnenen übergebenen Vorschläge drei Wochen lang nicht zu veröffentlichen, damit sie ungestört und in aller Ruhe Schiff1 felzvarenhans En gros und Erzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67-302 Detailverkaufs-Niederlage 3 laV Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. PelzeefbewsbrBRg!sie■ Vsrslekers■• über Sie Seueieneee■^ gen, die in! •zfoitistisChen Kreisen!bis zu den höchsten׳ •Spitzen der Organisation hinauf selbstverständlich sind, wie z. B. dde Entweihung des (Sabbats, als schwerste Verbrechen bezeichnet werden. Seit Jahrtausenden ist dieses Gesetzbuch für den einzelnen und die Gesamtheit des!)Mischen Volkes massgebend und es wird solange zurecht bestehen, als es überhaupt ein Judentum!geben wind.!Von den Bestimmungen dieses Gesetzbuches braucht Agud!a$ Jisroel wahrhaltig nicht bange zu sein .... Der Vorwurf des Landesverrates war so lächerlich, dass die zionistische Parteileitung selber eansah, man könne damit nicht viel Staat machen. Daiber sah man sich nach anderen!Mitteln um. Man gab verschämt zu, dass die zionistische Organisation nicht den Ausdruck der g-ttlichen Verfassung des •Jüdischen Volkes sei •und dass sie auch nicht die Hohdtsverwaltung des jüdischen Landes repräsentiere. Sie ist aber, hiess es weiter, immerhin eine Körperschaft, die der jüdischen Sache nach bestem Glauben gute Dienste geleistet hat, und es ist verwerflich, wenn eine jüdische Körperschaft ׳Nichtjuden gegenüber herabgesetzt und verleumdet wird. Und dass dies geschehen ist, wurde durch die Meldungen arabischer Zeitungen belegt, die den Schritt der Aguda als zionistenfeindlich hinstellen. Agudas Jisroel wurde die Antwort auf diese Anklage sehr leicht. Sie brauchte nur den!Wortlaut des Memorandums zu veröffentlichen und konnte es Jedem denkenden Menschen überlassen, selbst zu beurteilen, ob in ihrem Memorandum sich auch but ein Wort der Polemik gegen die zionistische Organisation findet. Was aber der Sache die Krone aufsetzte, war der Rückzug deT zionistischen Pressorgane, die schliesslich selber kleinlaut zugeben mussten, sie hätten ähre Berichte über das (Memorandum der Aguda aus solchen arabischen Zeitungen geschöpft, die als Skandalblätter bekannt sind und *denen daher überhaupt keinerlei Bedeutung betzumessen ist 4 ׳Aber was ein fixer zionistischer Zeitungsschreiber ist, gibt den Kampf mkbt so Jefaht auf. Und so *wurde denn als Letztes gegen Agudas Jisroel vorgebracht, sie habe mit ihrem Memorandum ״läppische ׳Prestigepolitik“ getrieben׳, weil dieses keinerlei programmatische Forderungen enthä'M. Dazu musste man sich freilich des diplomatischen: Kniffs bedienen, gerade die wesentlichsten ׳Punkte des Memorandums, die programmatische Feststellungen enthalten, unter den Tisch fallen zu lassen und nur die Begleitsätze zu zitieren. Aber (das kann nicht weiter wundernehmen. Wenn man, wie es jüngst in einem zionistischen' Blatt geschehen! ist, soweit geht, dass man das berüchtigte deutschvölkische Schlagwort vom ״Dolchstoss von hinten“ auf den Schritt der Aguda anwendet, warum sollte man da vor anderen Praktiken der hohen Politik, wie 1z. «B. vor einer kleinen Fälschung, zurücktschrecken? Die Angst vor der Zahl. Es ist besonders ein 1Punkt des Memorandums, das die Gemüter im gegnerischen Lager in Aufregung versetzte. Das ist die beiläufige Mitteilung, dass sich die Mitgliederzahl der Agudas Jisroel auf ungefähr eine Million belauft. Darüber *kam kein zionistischer Zeitungsschreiber hinweg, und man merkte, ,wieviel schwitzende Mühe aufgewendet wurde, um diese Zahl auf ein erträglicheres Mass zu reduzieren. Man wird das begreiflich finden. Es gab eine Zeit, wo die zionistische Organisation bei jeder Gelegenheit mit Zahlen paradierte. Der!zwölfte Zionistenkongress sprach im Namen von!über 700.000 Schekelzahlem. Der dreizehnte Kongress musste sich schon mH einer erheblichen kleineren! Zahl begnügen und da ■die Zahl der Schekebahler immer mehr zusammenschmilzt, bekam man es mit der Angst z!u tun. Schliesslich fand aber die Parteileitung einen Ausweg, der ihrem Erfindungsgeist alle Ehr« machte. Man beschloss, niebt mehr eine scharf abgegrenzte Organisation zu bilden, sondern kurz entschlossen die Vertretung des ganzen jüdischen Volkes •in die Hand zu nehmen. ״Das jüdische Volk hin Ich“ — so lautete die neue Devise, durch die man sich eia für allemal geschützt glaubte, lästige und wenig erfreuliche statistische Untersuchungen über die Zahl der Partehnitglieder anstellen zu müssen. Aber die ״Angst vor der Zahl“, die die zionistische Parteileitung einst beherrschte, ist eben doch noch nicht ganz verdrängt. Und als daher Agudas Jisroel in ihrem Memorandum eine sachliche Mitteilung über die Anzahl ihrer. Mitglieder machte, wurde man!begreiflicherweise ein wenig nervös .... — Komisches Zwischenspiel. Wo alles schimpft, kann Misrachi allein nicht schweigen. Da aber Misrachi nicht nur national, sondern auch religiös-national ist, so mussten seine Auslassungen auch etwas mit Religion zu tun haben. Der Angriffspunkt war bald gefunden Da9 Memorandum spricht von Palästina als den Mittelpunkt der jüdischen Sehnsucht, für das jeder thoratreue Jude dreimal des Tages betet und so wusste denn die Misrachi- Presse mit feiner Ironie ׳hervonzuheben, dass Agudas Jisroel noch immer nur ״betet“. Spottet seiner selbst und weiss nicht wie. Denn das Gebet für das heilige Land ist Ja nicht nur für ׳den Agudisten, sondern für Jeden thoratreuen Juden, also auch für den Misracblsten, religiöse Pflicht, die beizeichnend ist für die Stellung, die das heilige Land im Denken und Fühlen des religiösen Juden einnlmurt» Aber solche Erwägungen können Misrachi nicht irre machen. Wenn die zionistische Parteileitung die Parole ausgibt: ,Kampf gegen Agudas Jisroel“, dann ist kein Mittel zu schlecht, um Agudas Jisroel eins am Zeug zu flicken, dann schreckt man auch nicht davor zurück, die eigene religiöse Ueberzeagurrg zu verspotten, nur weil sie zufällig auch jene der bösen Agudisten ist. Solch heroische Selbstaufopferung, solch moralischen Harakiri aus Gründen der Parteidisziplin, mag Misrachi selber als tragisch empfinden. Auf Aussenstebende wirkt es höchstens — grotesk. Ausklang. Der Sturm ist vorbei. Die Wellen der Empörung, die zeitweise sehr hoch gingen, haben sich geglättet und hn zionistischen Lager herrscht wieder eitel Sonnenschein. Eines muss man der zionistischen Parteilefttng lassen: Sie verfügt üebr eine sehr geschickte Regle,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.