Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 12 (21.3.1924)
- Date
- 1924-03-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V Seite 84 JÜDISCHE PR ESSE Nr. 12 str engungeii, zuweilen demütigende V e r s u c h e z u m a c 11 e n, mit d e r Z i 0 n i s t isehen Organisation nach aussenhin eine jüdische E in he i t s f ro n t herzu• stellen. Die Zionistische Organisation ׳war aber zu einer gemeinsamen Vertretung jüdischer Ansprüche nach aussenhin nicht zu haben. Ihrer politischen Weis• heit letzter Schluss vtor däs Sprüchlein: ״Mi schetorach b‘erew Schabbos usw.“, mit dem Herr Sokoiow die bei ihm vorsprechende Delegation der Agudas Jisroei abwies. Aber selbst nach diesem Refus, als Agudas Jisroei gezwungen war, die Ansprüche der thoratreuen Judenheit endlich selbständig zu vertreten, hat sie nie und nimmer den Boden der Ba'lfour-Deklaration und des!Palästinamandates verlassen. Als die palästinensische Landesorganisation der Agudas Jisroei nach dem Beispiel aller anderen jüd־!׳ sehen Organisationvor zwei Jahren in Jerusalem vor Lord Northcliffe erschien, hat sie diese Linie ebenfalls eingehalten und bloss durch ■den Lord den Schutz der englischen Regierun-g auch für die religiösen Rechte der thoratreuen Judenheit in Palästina, worüber die Balfour-Deklaration nicht spricht, erbeten. Dieser Schritt der palästinensischen *unafohängigen- Orthodoxie hat nun erreicht, dass die grosse Oeffentlichkeit von der Unzufriedenheit der thoratreuen Juden in Palästina!Kenntnis gewonnen hat.!Die Zionistische Organisation musste nun einsehen, dass ihre Politik, besonders aber ihre Bestrebungen, in Palästina Zwangsgemeinden mit Steuerrecht zu schaffen, zur Erbitterung der thoratreuen Massen führt. Statt nun :kluge Einsicht zu üben, hat sie eine Presskampagne gegen die Orthodoxie vom Zaune gebrochen, in welcher d-ie Beschuldigung der Orthodoxie, das jüdische Volk ״verraten“ zu haben, die glimpflichste Waffe war. -Man glaubte mit Unterdrückung und Beschimpfungen mehr zu erreieben als mit Nachgiebigkeit und Verständigung. Dessenungeachtet haben die Vertreter der Agudas Jisroei vor dem Völkerbundrat in London vor den entscheidenden Verhandlungen über das!Mandat alle formellen Anträge zurückgezogen, um die Ratifizierung des Mandates k e «i n e ת Augenblick zu verzögern. Sie haben vor dem Völkerbundrat bloss dem Wunsche Ausdruck gegeben, dass bei der endgültigen Regelung der jiidisoben Verhältnisse in Palästina auch die Stimme der Orthodoxie gehört werde. Bin Wunsch, der selbstverständlich unerfüllt blieb. Bei allen Behandlungen der Jewi&h-Agency-Frage und bei allen Deklarationen!über diese jüdische Vertretung hat die Zionistische Organisation bis zum heutigen Tage die Adresse der Agudas Jisroei nicht entdeckt. In Erez Jisroei selbst bat man die Versuche einer endgültigen Regelung der innerjüdischen Fragen, ohne eine Verständigung mit der selbständigen Orthodoxie herbeizufiihren, fortgesetzt. Kurzum, die thoratreue Judenheit wird immer wieder, -auch wenn es sich um ihre vitalsten Interessen handelt, auf ganz unglaubliche Weise brüskiert. In Anbetracht dieses Umstandes, auch -in der richtigen Erkenntnis -der Tendenz der englischen Poliftik, mit den- Arabern ein Uebereinlkommen zu finden, haben die Führer der palästinensischen A g u d a es fair riohtig erachtet, ihre alten guten Beziehungen zu den führenden a r a b isehen Persönlichkeiten zugunsten der jüdischen Sache auszuniitzen. Während die zionistischen Kongresse platonische!Resolutionen über die Araberfragen gefasst!haben, die duroh arabophobe Aesserungen führender zionistischer Personlichkeiten gründlich aufgewogen wurden, hat die palästinensische Orthodoxie wertvolle V 0 r a rbeit zu einer arabisch-jüdischen Vers t ä n d i g u n g geleistet. Der Zionistischen Organisation ist diese Arbeit nicht geheim geblieben. Ihre Presse und ihre Vertreter haben sich nicht -genug tun können, um diese Schritte der Orthodoxie zu verdächtigen. Doch nach der entscheidenden Wendung der englischen Palästinapolitik zugunsten der Araber, nach -dem Bekannt werden des Hedjas-Vertragsentwürfe« würde man soviel politische Klugheit seitens der zionistischen! Exekutive erwartet haben, dass sie yor ihrem Erscheinen bei König Hussein, der durch seine Kandidatur zum Kalif aller Mohammedaner einen übermächtigen politischen Faktor darstellt, sich mit den Führern -der Orthodoxie, die bisher günstige Erfolge bei den Arabern aufzuweisen habenverständigt hätte. Das war aber nicht der Pall. Die Vertretung der zionistischen Exekutive erschien vor dem König Hussein und Herr Sokoiow hat grosse Zurückhaltung an den Tag gelegt bei der Beurteilung der Erfolge dieser Delegation. Acht Tage später empfing König Hussein -die Delegation der selbständigen palästi-nensischen Orthodoxie unter der Führung von Rabbi Ohaim Sonnenfeld. Die Delegation wurde von König!Hussein mit auszeichnender Freundlichkeit aufgenommen, wie es noch selten eine jüdische Dele- Zur PHHilahrsülsoife empfiehlt die Firm» Weldler & Fürst #16^ II«, HollfitfdfÜaiic 16 (Ecke Seine 8perlga*1e) fllNiM He1ra1|||rdirohiM naefi Mast au* ihrtto eigenen feinsten und au• mf?gebrachten Stoffen. ga-tion bei einem irdischen Machthaber erfahteh hat. Dia Delegation wurde 4er königlichen. Höftafel argezogen und der Sohn des Königs, der Beherrscher Transjordaniens, Emir Abdulla, hat eigenhändig den höchsten arabischen Orden -an die!Brust von Rabbi Ohaim Sonnenfeld geheftet. König!Hussein hat in überaus freundlichen und politisch bedeutsamen Worten auch das Memorandum der Delegation, -das vom ersten Vesier verlesen wurde, in Empfang genommen. Dieses Memorandum, an dessen Ausarbeitung auch die!Grossrabbiner -aus Polen teilgenommen haben, betont den Wunsch des jüdischen V0'lkes, mit a'Hen'V01 ksStämmen, die das Heilige!Land bewohnen, in friedlicher Z -u s a m m e n a r b e i t b e i m A u f b ׳a u d e s H e i 1 igen Landes, das der!zentrale Mittel- Punkt der jüdischen Sehnsucht ist, mitzuarbeiten. Agudas Jisroei als Welt- Organisation der selbständigen tho!ratreuen Judenheit v e r t r i 11 d i e s e freundschaftliche Politik als heilige T r a d ition und ־will daher ,bei de r Rege 1 ung der palästinensischen Verhältnisse nebst den anderen jüdischen 0 r g a n i s atio-nen gehört werden König Hussein gab in seiner Antwort die Zusioherung, dass er mit Agudas Jisroei rechne und ihre Wünsche nicht übersehen werde. So ist es zu hoffen, -dass die Delegation der palästinensischen Aguda gutmachen ־wird, was die unvernünftige zionistische Araberpolitik bisher verdorben hat. Aus dem Bericht des Herrn Sokoiow anlässlich der jüngsten Sitzung des zionistischen Aktionskomitees ist zu entnehmen, dass er mit -der Delegation unter der Führung von Rabbi Ohaim Sonnenfeld höchst unzufrieden ist. Da seine Angriffe, nach früheren Beispielen!zu schliessen, nur den Auftakt ׳zu einer allgemeinen Presshetze gegenüber der Orthodoxie bilden, können wir erwarten, dass man wiederum eine Flut von Beschimpfungen gegen!Agudas Jisroei loslassen wird. Agudas Jisroei stand in den jüngsten sechs Jahren nicht selten vor schweren politischen Ent- Schlüssen. Die Entwicklung der Dinge hat ihr ■bisher immer noch recht gegeben». Die zionistische 1Politik der letzten sechs Jahre ist eine unterbrochene Kette von schweren Missgriffen und Fehlern. Agudas Jisroei ist nach der Kenessio gefestigt genug, um in aller Ruhe abzuwarten, bis innerhalb der Zionistischen Organisation politische Nüchternheit u!nd ehrlicher Verständigungswille die Oberhand gewinnen. © NACHRICHTEN. © Ottterrticb. Diskussionsabend in der Wiener Jugeitdgruppe II. Samstag -den 9. Adar -Sahenii, abends, referierte Se. Eihr-w. )Herr!Rabbiner Dr. Joel Rall-ak über Einladung des Vorstandes -der Zeire •Agudas Jisroei, Wien, -LI., •über ,Aufgaben -der Agu da-Ju g e nd“. Von dem Stand- .punkte ausgehend,!dass diie Jugend ein Werkze-ug der Aguda-il-dee •seii, stellte er fest, -wie!nur «intensive Arbeit diese Voraussetzung bestätige. Es s-e׳i eine rein geistig-ethische Richtung^ ,in der sie sich zu entwickeln habe, während die praktische Arbeit däs Mittel zum Zweok seii. Der Wert einer Jugen-dtgruppe liege somit nicht in -der .numerischen Stärke ihrer Mitglieder•, sondern im seelischen! Kontakt jedes einzelnen als integrierender Bestandteil der Jugendgruippe ,im besonderen und1 der Agu-da im allgemeinen. Die organisatorische Erfassung der Jugend für das Agudaideal könne nur gelingen, -wenn ,die Jugend selbst die!initiative ergreift. Alle Beschlüsse -der K. G. seien!;hinfällig, wenn nich-t Jugend in -dleni ersten! Reihen zu finden sei. Von einer kurzen kritischen) Beleuchtung der derzeitigen Verhältnisse in!dien׳ Wiener Jugendgru-ppen •übergehend, rief er die Jugend zu erhöhtem Lerneifer auf -und forderte aktive Tätigkeit für Keren׳ Hatauroh, Erez Jlisroel und soziale Arbeit als die wichtigsten Arbeitsgebiete der Agudia. •Nach Eröffnung der!Diskussion erweiterte Redakteur S c 11 a b s e S c h ö n f e 1 d!den Aufgabenkreis der Aguda- Jugend dahin, -dass sie -vor allem neue Jugend heranziehe. (Die!Leitung ׳der Wiener Zeirim möge!ihre bisherigen Arbeiten dahin revidieren.!Das Lernen sei selbsttverstandliehe Aufgabe jedes Juden: Neu sei •die organisatorischpraktische Betätigung. M׳a-n möge von -den Gediaulim wie Gern Rebbe und -Chofez Ghaijim ש י ל ט א lernen: die nach reiflicher Ueberleigung viel Zeit dem Limud hatauroh entzogen ,haben, um der Organisation zu dienen. Beza lei Stern widerlegte die -Kriifik;der Vor¬ Jahre genügende Zufriedenheit auslösen körnten-. Mottl Aschkenasy wollt* sUMcerö seeflteohe Heranzddtuftg -der iKodt FebflStehifchÄen! -ttfcd;fikht zuletzt dieser, welche!in der (Bfewegübg fes#en Fu&s gefasst!haben. ׳Klein, Frankfurt, /Verlangt fortech-rittie,, •deren absoteter Gegner Zufriedenheit sed. Mia« könne nie von -genügenden Leistungen de* Agudia sprechen{, denn es gebe immer noch ein Höher-birnauf.!Die Jugend soll fiiV afeudlstisefres ,Bekenntnis auch öffentlich betätigen׳. Satt mul Stern, als (Vorstand, erklärt den׳ beigonnenen!Weg ausschliesslich für Taurohil'ernen als dietti einzigen, d-er für (Wien 1n Betracht komme. An der Debatte beteiligten! sich -weiters Moses Poleoh, Joel Aschkenasy, David Reismann und mehrere andere. Erst um 1111 Uhr nachts -kam Obmann David!!Baumgartner zum Schlusswort. Rabbinerwahl im Monteüore. Wien. Um!Bethausverein Monteflor e, wo seit jeher -die -hertvornagenidsten-!Schüler1 aus der Pre-ssburger Jeschiwoh die Rabbinerwürde!bekleidet ׳haben״ -hat vergangenen Schabbos Heu Rabbiner C. Periz aus Bratislaiva vor -einer •erlesenen Gemeinde -der!Betenden einen -Probeivortrag!gehalten״ mit ■dem Erfolg, d-ass Herr Rabbiner -P e r!i z einstimmig zum!Rabbiner des Vereines gewählt wunde. Herr Rabbiner »Periz wind sein Amt noch -vor Pessacli antreten. Generalversammlung der ״Einheit“. Montag •den 24. März 1924, 7 Öhr abends, findet im Saale des Elisabeth-Heim, Wien, I1IV iMalzgasse 7, die 12׳. ordentliche Generalversammlung der ,,E-inhe ft“, Verein zur -Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen, statt. Poltn. Anfang Juni jüdische Gemeindewahlen in Kongress- Polen und Galizien. Warschau. Das offizielle!polnische Regie rungsorga׳n ,Monitor Polski“ -veröffentlicht eine Verordnung des iBil-dungsmlinisters über die Wahlen für -die jüdischen׳ ,Gemeinden (Polen. Danach sollen die Wahlen! -in dem früheren Kongresspolen am 1. Juni stattfinden. Die Wahlen in -den Kreisen Krakau,!Lemberg, Stänüslau, Tarnopol müssen! ebenfalls am 1. Juni beendet sein.!In Galizien haben -seit K-rfregsbegünn keine -jüdischen Wahlen! stattgefuniden, ■die Gemeinden wurden! durch Oereuten der Regierung -verwaltet. Die!Ausschreibung der!Wahlen!in ׳Polen u!n!d Galizien! sowie!in den Randgebieten bildete eine Hauptforderung der jüdischen -Oeffenitliobkait. •U-eiber -die Wahlen in •den Randgebieten hat jedoch -die -Reg>i׳er׳urtg bisher keine Verordnung erlassen. Boykott der Posener Messe durch die jüdische Kaufmannschaft. Warschau. (J. -T. A.) Das Zentralkomitee der iüdisdhen kaufmännischen-!Organisation Polens hat auf eine Emladung, sich an der Posenier Messe zu beteiligen, die folgende Antwort erteilt: Obwohl!die Posener Messe an der Westgrenze der Republik, am Aufsfallstor zu den grossen Handelsindustrien Europas äbgehal-ten ׳wird, ist die jüdische kaufmännische Klasse!nicht in der Lage, an derselben teil zu nehmen, weil in!Posen keine persönliche Sicherheit für zu-relisemdte jüdische Kaulfleute besteht. Eine -solche Beteiligung •wird solange unmöglich sein, als!diie unerhörte Duldung der verbrecherischen antiljüdiscben Aktionen! in •Posen andauert. Eitantn. Rekrutierung der Schüler der Jeschiboth in Litauen. Kowno. (J. P. Z) Bis jetzt haben •die Schüler der Rabbiner-Seminare!(Jeschibotht) in!Litauen •dasselbe Recht genossen, -wlie die übrigen Schüler!der Hochschulen und wurden vom Militärdienst!bis zum •28• Lebensjahre befreit. Letztens beschloss die ■Oberrekrutierungsikommissian, dieses Recht -den! Jeohibotih als!Hochschulen; zu entziehen und -deren Schüler zur Militärpflicht zu rufen, ln einem Gespräch mit einem Pressevertreter äusserte sich der Kultusminister Bistruss,!da-ss!dien Jeschiboth!das Recht!der Hochschulen nicht erteilt werden könne, -weil sie kein!festgesetztes Lehrprogramm und keine bestimmte Studienzeit haben und weil d-ort keine profanen Gegenstände gelehrt werden׳. Mit der Erledigung -dieser Frage -wurde der Kultusminister und Minister für jüd. Angelegenheiten!, Dr. S. Rosembaum, vom Gesamtimi-nisterium beauftragt. Da aber -die Leiter -der Jechiboth ■sich weigerten, ein Minimum -von profanen Gegenständen -einzuf-ühren, kam es zu keinem Resultat und die Schüler der Jeschibotlh mussten dem Ruf zum Militärdienst Folge leisten. Diese Tatsache hat grosse Erbitterung unter der jüdischem Bevölkerung -hervorgerufen. .. ‘ ‘ Kleins Palästina Medizinal ־־Weine של פסח Original ohne jedwede Mischung, nur wenn Siegel unverletzt .. Tel.49-6-36 J. Klein, Wien 2. Bezirk. 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