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Jüdische Presse · 1924-03-21 · 12 (21.3.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
12 (21.3.1924)
Date
1924-03-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^■«»iiiBWTOjpaww^ jiay^p JÜDISCHE PT ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration t Wien, 11״ Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: F&r Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise» Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 25 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 800 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich ג Postspar kessen amtWien, Konto Nr. 13.458: f&r Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170: für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40.217:!.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc tk Co f&r Florenz & Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VU. 1470. Np. 12 Wien-Bratislava, 21. M3rz 1924 .ביה ויענה־פרעססבורג ט*ו אדר־ב. תים*ד 10• Jahrg. Das jüdische Territorium. Vor vielen Jahrhunderten gab es einmal in den weiten Steppen des heutigen Russland ein jüdisches Reich, das Reich der Chazaren. Es ist ■bekannt, dass sich die Geschichte auch heute noch sehr eingehend mit der Tatsache beschäftigt, dass ferner der grosse Jude in Spanien Chisdai ibn׳ Schaprut es durchgesetzt hat, mit diesem Reich in Verbindung zu treten und die Tatsache seines Bestandes dadurch der Vergessenheit entrissen hat. Daran wird man unwillkürlich erinnert, wenn man liest, dass heute in Sowjetrussland Bestrebungen im Gange sind, ein eigenes jüdisches Territorium zu schaffen. Die Motive sind natürlich ganz anders geartet. Es scheint, dass man in Sowjetrussland dazu übergeht, statt des nationalen Prinzips, welches seinem Wesen und seiner Art nach mit den bolschewistischen Grundprinzipien unvereinbar ist, das territoriale Prinzip zu schaffen, das heisst dass in dem Gefüge der Sowjetrepublik nur diejenigen Menschen zur Geltung kommen können, welche auf einem geschlossenen Territorium eine kompakte •Masse darstellen; mit anderen Worten, mit all den Begriffen, welche sonstwo und sonstwie die Grundläge einer Nationalität bilden, wird aufgeräumt und alles ausser Kraft gesetzt, ausser der Gemeinschaft der Siedlung. Geschichtlich gesprochen, bedeutet dies, dass man in bezug auf die Verhältnisse zwischen Staat und Nationalität zu den alle!׳primitivsten Formen zurückzukehren beabsichtigt. Die durch hohe Intelligenz ausgezeichneten Juden in Russland haben wohl dieses Verhältnis rasch erfasst und die jüdischen Kommunisten sahen sich vor die Möglichkeit gestellt, ihren Einfluss gänzlich zu verlieren, wenn es nicht gelänge, auch ihrerseits sich territorial zu gruppieren. Zuerst nun tauchte die Idee auf, ein solches Territorium in Weissrussland zu schaffen. Der Versuch misslang. Die neueste Phase dieser Bestrebung gipfelt darin, dass man den nördlichen Teil der Halbinsel Krim mit Einbeziehung von Odessa und Umgebung zu einem jüdischen Territorium umzugestaliten versucht. Neben diesen Grundgedanken hat die Sowjetregierung auch die Meinung kundgegeben, es müsse dadurch den vielen, durch den Krieg entwurzelten | Juden die Möglichkeit eines neuen Aufbaues ihrer Existenz gewährt werden. Wir haben uns bisher bemüht, die Tatsachen, wir meinen hierbei auch das Tatsächliche auf dem Gebiet des Wolfens, objektiv wiederzugeben, es Hesse sich dazu sehr viel sagen pro und kontra. Zunächst geht daraus zu unserem Schmerz hervor, dass auch die Form der absoluten Freiheit der Juden nooh keine absolute Betätigungsmöglichkeit gegeben und dass die geschiehtliehe Entwicklung bis zur rückläufigen Form eines grossen Ghettos geführt hat. Dass Sokolow im Namen des Zionismus diese ganze Idee bekämpft aus Furcht, es könnte daraus ein Wiederaufleben des Zangwi'llschen Territorialismus, eines neuen Uganda- Projekts erfolgen, will nicht viel!besagen. Viel ernster sind folgende Erwägungen: 1. wird das ganze Projekt nur dann verwirklicht werden können, wenn es die ganze jüdische Welt finanziert. Nachdem nun selbst in bezug auf das mit aller Begeisterung und Hingabe aufgenommene Projekt der Besiedlung Palästinas, vom Auge des nüchternen! Beobachters gesehen, die finanziellen Kräfte vollkommen versagt ן haben und da, wo sie die grosse Linie hätten annehmen müssen, die Gebärde des gnädigen Almosengeöers an den Tag legten, um wieviel mehr wird dies der Fall sein dort, wo in der Tat nichts spricht, als eine Regung des Mitleids, Zaber stellt das Projekt der jüdischen Köffiftiühistöu öls gerade Gegenteil des Reiches der Chazaren dar; während man dort eine gewaltige Staatseinheit auf dem festen Qrund der jüdischen Religion aufgebaut hat, sollte hier der in seiner Perversität grandiose Versuch gemacht werden, ein jüdisches Territorium im Gegensatz zur jüdi- .sehen Religion aufzubauen. Würde das neue jüdische Territorium unter diesen Voraussetzungen zur Tat werden, dann wäre es für jeden religiösen Juden ein Verbrechen an sich selbst, dazu hilfreiche Hand zu leisten. Unsere Leser mögen aus diesen Auseinander- Setzungen sehen, welch ein neues Problem von furchtbarer Tragweite sich da auftut. Es verdient mit vollem Ernst erfasst zu werden. Der Traum des Rabbi. (Forit&etzung.) ״Majestät, ich hätte mich1 ... ich erkenne es ... durch meine!Erregung beinahe hinreissen lassen, durch die Richtigstellung eines Missverständnisses eine weitaus schwerere Anklage auszusprechen . . . Und darum ,bitte ich ,Ew. Majestät, gnädigst meiner Versicherung Glauben zu schenken: mir kam es nicht in den Sinn, die Gerechtigkeit der Richter zu bezweifeln.“ 0״ Rabbi, Ihr entgeht ,mir mit dieser ausweichenden Antwort nicht! Ihr habt mich erst recht neugierig auf den Gedanken gemacht, den selbst Ihr nicht den Mut hattet, gleich auszusprechen. Ich befehle Euch als Euer König, diesen Mut aufzubringen. Sprecht nur getrost. Ihr werdet schon die richtige Form finden und wenn es selbst — was ich wohl nicht glaube —eine Anklage gegen mich sein! sollte.“ ״Wie können Majestät selbst im Scherze eine solche Möglichkeit annehmen“ — flüsterte der Oberrabhmer erschrocken, dann aber fuhr er sich fassend fort: ״Als ich von den Richtern sprach, die die Wahrheit finden können, durchzuckte meinen Geist die Erinnerung an die Richter Israels im jüdischen Staate, denen nach den Gesetzen der Thora und der Rabbinen verwehrt war, einen Angekl agten, und wenn er der fürchterliehsten Verbrechen verdächtig war, | durch die Anwendung der Folter zu befragen.“ ״Ihr rühmt, Rabbi, das Rechtsverfahren, wie es das jüdische Gesetz verschreibt, wohl nur, um damit das Rechtsverfahren anderer Völker zu verurteilen . . .?“ ״Majestät, ich wollte nur feststellen, dass jüdische Richter, die zur Urteilsfällung nach jüdischem Rechte schritten, vor der Gefahr geschützt waren, und mochten sie von noch so idealem Rechtssinn erfüllt sein, einen Unschuldigen zu verurteilen. Liegt denn der Gedanke nicht nahe, dass ein Angeklagter nach erlittener grausamer Folterung sich lieber zu jeder nie begangenen׳ Missetat bekennt, um durch den rasohen Tod weiteren langsamen Folterungen zu entgehen?“ Der König schien von den Worten des Oberrabbiners bewegt zu sein. Nach einigem Nachsinnen sagte er: ״Ihr haltet es also für denkbar, dass ein Unschuldiger sich zu einem Verbrechen bekennt?“ ״Gewiss, Majestät! Nicht jeder hat die körperliehe Kraft, gepaart mit Seelenstärke, um im Bewusstsein seiner Schuldlosigkeit Martern zu erdulden, die Qualvoller sein können als der Tod. Und dagegen beweist auch die Tatsache nicht das mindeste, dass Die politische Lage in Erez Jisroel. Die palästinensische Orthodoxie bei König Hussein. Seit der!denkwürdigen Balfour-Deklaration in bezug auf Palästina wird das Schicksal unseres Heiligen Landes ,von drei Faktoren bestimmt. Von der englischen Regierung, von der arabischen Majorität im Lande und von der historischen Verknüpftheit des jüdischen Volkes mit dem Lande seiner Verheissung. Seit sechs Jahren hat der Sinn der Balfaur- Deklaration Wandlungen erfahren, die immer davon abhängig waren, welcher der oben erwähnten drei Faktoren an Stärke und Einfluss zu- oder abnahm. Als Sachwalterin der historischen Ansprüche des jüdischen Volkes auf das Heilige Land trat die Zionistische Organisation in Erscheinung, die auch von der englischen Regierung und von der grossen nichtjüdischen Oeffentlichkeit als solche anerkannt wurde. Man hatte von ähr erwartet, dass sie im Bewusstsein der weltpolitischen und historischen Bedeutung dieser Anerkennung, die anderen jüdischen Gruppen nicht mit terroristischer Gewalt beherrsehen, sondern durch weitsichtige Konzessionen und kluge Anerkennung der berechtigten Ansprüche zur redlichen Zusammenarbeit heranziehen werde. Das ist nicht geschehen. Der 'Uebermut und die politische Unreife der Führer waren auch nach aussenhin von den verderblichsten Folgen. In falscher Einschätzung der durch die englische Regierung vollzogenen Anerkennung der Zionistischen Organisation a!ls Sachwa'lterin der jüdischen Ansprüche hat sie Jahre hindurch׳ den Arabern gegenüber eine Politik verfolgt, deren unselige Wirkung kaum aus1 der Welt zu schaffen ist. Agudas Jisroel als selbständige Organisation der tharatreuen Judenheit hat mit!Unmut, aber Zurückhaltung das pjolitische Falschspiel der Zionistischen Organisation beobachtet. In richtiger!Erkenntnis der historischen, heiligen An- Sprüche des jüdischen Volkes wollte sie ihre Anschaumigen den Mächten, vor allem aber den beiden entscheidenden Faktoren, den Engländern und Arabern, bekanntgeben. Agudas Jisroel hat aber, und das! wollen wir allen Verdächtigungen und: Verleumdüngen gegenüber immer wieder hervorheben, nichts unternommen, ohne vorher Anes so viele unglückliche Helden gegeben, die unter der Folter ihren Geist verhauchten, ohne sich ein Geständnis erpressen zu lassen.“ ״Das wäre ja furchtbar,“ murmelte deT König. ״Sind Euch selbst solche Fälle bekannt, Rabbi?“ Der Oberrabbiner antwortete nach einem Moment des Zögerns: ״Soll ich Ew. Majestät versichern, mit feier- Hohem Eide beschwören, dass ich ausnahmslos alle meine unglücklichen Glaubensgenossen, die sich unter grauenhaften Peinigungen zu ,der Missetat bekannten, Hostien geschändet, christliche Kinder zu religiösen Zwecken gemordet und ähnliche von unserer Religion verpönte Missetaten begangen m haben, für Unschuldige halte? Mein Wort, mein Eid Hesse ja noch immer Zweifel bestehen, wo Zweifel einmal Platz gegriffen. Haben doch die Fälle, in denen, wenn auch leüder zu spät, die unbestreitbare, sonnenklare Unschuld der Beschuldigten sich ergab, da zum Beispiel das angeblich ermordete Christenkind gesund und heil aufgefunden w-urde, nicht genützt, um jeder neuen gleichen Beschuldigung gläubige Anhänger zu sichern!“ ״So wären also Lügen und Verleumdungen, oder was Ihr als solche ׳bezeichnet, unausrottbar?“ fragte der König. (Fortsetzung folgt.) /v ,ן g +## tf-h ■ Pie grösste iatenutlOBalt K»«tweri(stöttt fgr ־ I Imlfläf SChlfl PtfKctoii, Scheitel und transfonnatlonen \^9I/III%9I €י ftf0< — cd detail / BUllostc €HUti»T<qicnc / Pie Kentei ppg nt garapt. dawergetteme* mm rftiar - - Witn 1.-- ftSrststrrisa Dr. 6 (gtgtuleer «m u«t(1 Britto», Cti.«•«ג Eltfcrt itlt tttfer alt aadertbalb üabrxebaua de« poracbMitea orthodoxe« Datei «lief Eäader Perftcfcea. SpexialUt la iraatoScbeltela. Bleie werdet der midebeafrftar ■it aerblflffeader ClHtefeaaa •acbgettxcbf. 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