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Jüdische Presse · 1924-02-28 · 9 (28.2.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
9 (28.2.1924)
Date
1924-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 9 JÜDISCHE PRESSE Seite 63 Der Niedergang der deutschen Judenheit. Eine deutsche Zeitung •birüngt folgende Annonce: ,,Rabbiner gesucht.“ Streng gesetztestreu (Rieh• tung: Gemeindeorthodoxie Achdu«,. Nichtaustrittler) mögliohst nicht aus -dem Osten oder aber ׳sieh •südwestdeutschen und hiesigen!Verhältnissen unpassend^ verträglieh, Frieden suchend! und! ausgleiahend wirkend, über Personen und Parteien stehend, vor allem weitgewandt, mit Eignung als Redner, Organisator und FiihTer, der sich nicht um kleinliche und!innergemeindliche Dinge ׳kümmert, sondern als (Rabbiner wirklich (praktische Arbeit fürs orthodoxe Judentum leistet. Angebote unter Bf, 5004 an Ala-tiaasenstein & Vogler, Düsseldorf, Hiansahaus. Wir drücken zunächst dem Setzer dieser ZeStung unsere tiefste Anerkennung aus, dass es ihm das echt lüdiische 1Schamgetfübil verboten hat,!im Zusammenhang einer sojlchen Anzeige das )Wort ״orthodoxes Judentum“ zu gebrauchen, und1 nehmen an, dass die Zusammenstellung ״orthodoxe Judentum“ ein bewusster!Druckfehler Sstt. Wir glauben, dass selbst die äusserste Refarmgeme'inde heute ,es nicht mehr , wagen würde, von einem ,Rabbiner zu verlangen, ׳dass er sich um innere gemeindliche Dinge nicht kümmert. 'Es wäre eine .׳wunderbare Aufgabe für einen Juristen, dann zu entscheiden, wenn ein auf Grund dieses Ausschre'ibens amgestellter )Rabbiner der Korn׳־׳ petenzüberschreitung beschuldigt würde. Es mü,sste den Vätern des *Aohdus“ wirklich bange werden ob dieser ersten ©Mite ihrer Bestrebung. Wir aber sind stolz für den Osten, dass Haasenst.ein & Vogler immerhin der Meinung sind!, dass sich ein Rabbiner .dieses Kalibers östlicher Provenienz nicht findet. Wir empfinden es aber auch wie einen Schlag Ins Gesicht, dass den Rabbiner-Ausbildungsstatten des Westens untersteifet׳ wird, sie 'können auch nur einen Schüler entlassen •haben, der ׳diesen Aniforderangen entspricht. Neben dem verehrten Herrn Sekretär verdient auch die ausschreibende Gemeinde den aufrichtigsten Dank dafür, dass sfile es vorgezogen.!hat, ihren Namen nicht zu nennen . und. das Ausschreiben׳ . anonym zu erlassen. Es ist ,uns aber ׳durchaus nicht scherzhaft zumute, im Gegenteil, wir sind!,! wie wir annehmen!, mit den kurzsichtigen Urhebern des ״Achidus“ tief erschreckt und betrübt über eine solche Entartung. Es •lohnt anidrt, einer solchen Entartung gegenüber itn lehrhaften Ton über die Bedeutung des Rabbiners zu sprechen. :Wir knüpfen daran nur die Hoffimurtgl, dass (jedem . wirklich :gesetzestreuen Juden., ׳in •den Reihen des .Achdus die ׳Schamröte' ins Gesicht steigt, damit ihn ein!Moment der Besinnung dabin führt, wohin er wirkiah gehört.!Diese Annonce ist das religiöse ßiedermeiertum im schlimmsten Sinne des Wortes. Soli sich .aber irgend ein Rabbiner finden, ׳der auf ein solches AiusschreSben!hin, eine •solche Stelle annimmt, dann hat־ ihm und seiner Gemeinde das Prognostiken bereits Jofhan, der Sohn Gideons, gestellt, als er die Zusammenhänge zwischen Sichern• und'AbimeleCh. aufdeckte: ,Freut euch, Abimelechs, wie er sich euch freut.‘ (Einer unserer Mitarbeiter meint, die ganze Annonce wäre nur ein Scherz. Mag sein. Aber auch dann is!t sie ein Symptom für den ׳Niedergang. Wenn Purimscherze auch vor dem!Heiligsten ׳nicht zurücksdhreoken, dann sind Sie Zeichen einer niedrigen Gesinnung.) ©©©VomTage ©©© Die Lage in Erez Jisroel und die Palästinakonferenz in New York. I׳n einer offiziellen Kundgebung schreibt Weizmann: *Ich bin sicher,!dass!man auf beiden Seiten Zugeständuisse machen wird.“ Vielleicht ‘ist mit diesen Worten dlie politische Situation in Palästina treffend gekennzeichnet, obwohl derjenige, der dieses!Wort vor etwa Jahresfrist geäussert hätte, als Volksverräter gebrandmarkt worden wäre. Es würde sehr viel zur Entspannung der Situation nach aussen und linnen beitragen, wäre die Erkenntnis von der Wahrheit dieser Worte Gemeingut; denn wahrhaltig, die Situation Ist •ernst genug und hat dadurch eine gewisse Verschärfung erfahren, dass die Araber nunmehr verlangen, •nur solche Juden als •Gleichberechtigte erachten zu müssen, welche bereits •in Palästina geboren sind!, ׳dass ,hingegen alle ״Landfremden“ von •der Vertretung ausgeschlossen sein müssten.!Dass dies der bisherigen Uebung!in bezug a׳uf *die Betätigung des palästinenSischen Bürgerrechtes entspricht, ist klar. Allein wenn man •reale Politik treiben will, muss man wohl׳ oder übel auf beiden Seiten darauf verzichten, das Vergangene in Rechnung zu stellen. ׳Man müsste sagen, auf drei Seiten, denn es ist erstaunlich, wie gern und leicht man vergisst, dass denn schliesslich doch auch England ein sehr gewichtiges Wort •in dieser Angelegenheit ׳mi'tzu sprechen hat. Am botrübendsten ist diese ׳neue Wendung der Dinge 1׳n bezug auf die Ein Wanderung. Im ganzen vergangenen Jahre sind nicht ganz 3800 jüdische Personen in Palästina einige* wandert, wobei die Zahl der Ab Wanderer nicht mitgerechnet ist. Wir meinen!, für einen vorsichtigen Politiker!müsste es jetzt das erste Ziel sein,, ׳dafür zu sorgen, dass der an und für sich schwere wirtschaftliche Kampf •in Palästina nicht noch durch ׳politische Einflüsse und Gegenströmungen 0 WIFIIFR INTERNATIONALE MESSE 9.—15. März 1924 GÜNSTIGSTE EINKAUFSGELEGENHEIT für ALLE BRANCHEN ' REICHSTE AUS USWA KONKURRENZFÄHI 'AHLI IIGE FISTE i! GROSSER ERFOLG DER HERBST- MESSE 1923: 100.000 EINKXUFER davon . 25.000 Ausländer aus 72 Staaten der ganzen Welt machten grosse Bestellungen! AUSKÜNFTE: WIENER MESSE, WIEN, VII. verschärft wird.!Denn selbst wenn — wer wagt ׳das noch träumen! — volle Einwanderungsfreiheit gegeben würde, so ׳würde •gewissenhafterweise keine Organisation es wagen können, durch eine nennenswerte Anzahl von ׳Köpfen tdiiie wirtschaftliche Krise zu verschärfen. Bis jetzt!hat uns niemand davon überzeugen können!, dass nicht auch die arabische Frage, genau so, wie fast alle anderen Fragen in dem Leben ׳der Völker heututage, sich auf dem Hintergrund wirtschaftlicher Fragen abspielt. Ist ׳dies aber ׳der Fall, dann wäre es ein Verbrechen, es ausser acht lassen und sich •mit Deklarationen zu begnügen, die einen politischen Erfolg Vortäuschen, ohne die freie Möglichkeit zu gewähren!, Sich Ökonomisch ausizuleben. Wenn endlich einmal der ,politische Kampf ׳und •der Geltungs׳wa׳hn aufhören würden, •eine Wirtschaf tsgemelnschaifit wäre sehr bald und sehr leicht ׳hergiestellt, auch zwischen Juden und Arabern.!Denn wenn •man die neuesten Nachrichten über die Verhandlungen zwischen England und König Hussein genau liest, dann müsste man es ׳schon als einen Glücksfall betrachten, wenn auch nur ׳die sehr, sehr ׳kümmerlichen Privilegien der Erklärungen von Churchill vom Jahre 1922 aufrecht erhalten blieben, wenn also eine politische Vorrechtsstellung auch nur zum Schein erhalten bliebe. Unter dieser Voraussetzung gewinnt die Palästimakonferenz in New York, welche die jetzige politische Seite des Zionismus fast •ganz zum Verschwinden •bringt,, •in grossem Umfang an Bedeutung. Wenn nun noch ein Schritt werter gegangen ׳und auch •die ׳Nationalisierung als 'Loslösung von der Religion einer Revision unterworfen würde, dann wären viele Htader.nii'ssie aus dem Weg geräumt, dann wäre übrigens eine Angleichung an die arabische Mentalität vielleiichlt in die Wege zu leiten. ■Wir hoffen noch, das zu erleben. Dann könnte wieder Palästina heiliger Boden werden, :im Bewusstsein aller, die •an diesem Boden Interesse haben,, und diese •Idee würde •die Men'sohen zwingen׳, ©©©1 Sie Woche. |©®© London. (Wiie die ״Times“ Iherichtert, :haben ausser Mr. Riohmond und Mt. iPhilby, letzterer Beamter in Transjordanien, ׳noch folgende englische Beamte der palästinensischen Regierung resigniert: 1Mr. Adams, ׳Direktor •des palästinensischen Museums, und •Mr. Bauman, Sekretär für Erziehungswesen. (J. P. Z.) Jerusalem. Der High-Gommissiioner Sir!Herbert Samüel hat die Einfuhr folgender 'kommunistischer Zeitengen na׳Ch Palästina verboten: ״Eimes“, ״Prawda“ und ״Iswestiia“, alle!in Moskau,!(J. P. Z.) Lemberg. Ein Riiesenlbrarod in Drohobycz (Galizien) hat dieser Tage unter anderem das dortige jüdische Waisenhaus in Asche gelegt. SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformationen in feinster u. modernster Ausführung I DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHEITELN AUF HAUT gearbeitet, gänzlich unkenntlich Im Tragen. Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen werden übermodern frisiert nommen. Provinzversand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkstätte für moderne Haarkonfektloa FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien, II., Stefanlestrasse 7 (jetzige Hs iaadst,) Jerusalem. ׳Am 1. April wird der Nordlbetzirk vop MetuDla endgültig Palästina angegMedert werden. Zu dieser Frist werden• die französischen Behörden den Bezirk verlassem Jerusalem. 1W׳ie düe Blätter meiden,!haben in Palä- •stina ungeheure Schneestüruie gewütet In der Umgebung von Damaskus liegt!der Schnee so hoch, dass ׳zwei Autymobile darin! stecken blieben. Jerusalem. Die ״Palästinensische Wochenschrift“ ist zu 25 Pfund Geldstrafe verurteilt worden^ ,weil •sie einen Brief des englischen Juden Mr. Gardiner abdruckte, dier den Präsidenten des Jialfifaer Landgerichtes, Mr. Beaten, des Aniiisemiitismus beschuldigte. Mr. Gardiner selbst, der sich i!n der Frage der Stellung englischer Untertanen ün Palästina hervorgetan hatte, wurde wegen des genannten Briefes zu einem Monat Gefängnis verurteilt. ©| NACHRICHTEN. |©| Oesterreich. Konstituierung der Chewra Kadlscha für den VI. und VII. Bezirk. Wien. Am 24. d. M. fand die konstituierende Sitzung dies ׳neugewählten Vorstandes statt. Gewählt wurden; Obmann Moritz F e 1 s e n ׳b u r g, Obmannstellvertreter M. Leib, Kassier Goldstein, Schriftführer Ungar, Kontrollor Glatter. Berichtigung. In u serem Berichte über die Generalversammlung der Chewra Kadischa im 6. und 7. Bezirk soll es heissen statt Herr Moritz Beran Herr Moritz B e n a u. Ebenso statt Frau Beran Frau Ben au. Schulrat Dr. Deutschländer über jüdische Schu!fragen. Am vergangenen Moze Schabbos hielt ׳Herr Schulrat iDr. Leo Deutschländer im Turnsaal der Talmud Thora vor einem sehr zahlreichen Auditorium einen Vortrag über ״Jüdische Schulfragen der Gegenwart“. In den einleitenden Worten wies der Vortragende darauf hin, dass die Auffassung von Wesen und Zweck der Schule in den letzten Jahren eine gründliche Aenderung erfahren 'habe. Wenn man früher in der Schule oft nur eine Anstalt sah, die vor allem berufen!ist, den Schülern ein möglichst grosses. Mass von Wissen zu vermitteln, ringt sich In! neuester Zeit immer!mehr die Erkenntnis durch, dass 4fe Schule vor allem auf ׳die Gesinnung des Schülers, und zwar vor allem auf seine, staatsbürgerliche Gesinnung einzuwirken habe. Daher hat sich auch die Stellung des Staates ׳zur Schule wesentlich geändert. Während früher der Staat dem Schulwesen ziemlich gleichgültig gegenüberstand, sucht er' ,in neuester Zeit möglichst •grossen׳ Einfluss auf die Gestaltung des Unterrichtes zu gewinnen, da er in der Schule das beste Instrument sieht, ׳die küntftrgen Bürger mit staatstreuer Gesinnung zu durchdringen. Der Staat will also in der Schule vor allem Charaktere bilden, und es Ist klar, dass alles, das dieser Tendenz nicht entspricht, in der weltlichen Schule •keinerlei Berücksichtigung finden kann. Daher wurde ׳in weiten Kreisen der Judenheit, und im besonderen der thora^ treuen Judenheit das Bedürfnis empfunden, besondere jüdische Schulen zu ׳ schaffen, in denen die Schüler neben einem grösseren Ausmass ׳an jüdischem Wissen, als es der Religionsunterricht an einer Staatsschule zu vermitteln vermag, auch •mit echt jüdischer Lebensauffassung und mit thoratreuer Gesinnung erfüllt werden.!Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ׳besprach der Vortragende die ׳bereits bestehenden jüdischen Schultypen. Er entwarf •ein fesselndes Bil-d vom altjüdischen ׳Cheder und wies darauf ׳hin, dass auch neuere pädagogische Bestrebungen, die zur Arbeitsschule geführt!habend im jüdischen Cheder, in dem jeder Schüler zur mittätigen Anteilnahme am Unterrichit gleichsam gezwungen ist, bereits verwirklicht sind. Den zweiten jüdischen Schultyp repräsentieren jene jüdi^ sehen Volks- und Mittelschulen, die Samson Raphael Hirsch unter der Devise ״Thauroh im Derech Erez“ geschaffen ׳hat, zu -denen auch die Wiener Talmud Thora gehört. Wenn in diesen Schulen ׳noch nicht jene Erfolge erzielt werden, die restlos befriedigen könnten, so •liegt es vor allem darin, dass die Methodik ׳des jüdischen ׳Unterrichtes in den letzten Jahren recht geringe Fortschritte aufzuweisen hat. Der Vortragende formuliert nun die einizelnen Forderungen, die an den Unterricht in den jüdisehen Schulen gestellt werden müssen. Es müssen nicht nur die ׳Methoden des hebräischen, Unterrichtes ver- •bessert und ausgebaut werden, sondern auch der ׳profane Unterricht, ׳wenn nur irgendwie möglich, mit jenem jüdisehen Geist erfüllt werden, der ihm!heutzutage ׳noch fehlt. Vornehm und elegant gekleidet ■ sind alle Herren, die ׳ihre Kleider nach!Mass vom dem bekannten iHerrenkleider-Atelder W'eldller & Fürst, Wien, 1I!IV ׳Hollamdstrasse 16, beziehen. Die Firma gehört wohl nicht zu den teuersten, aber zu den besten Schneidern Wiens was auch die Tatsache beweist, dass sie die angeseltensten Persönlichkeiten der hiesigen jüdischen Kreise , zu ihren!treuesten Kunden zählt. (Entgeltlich.) En gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel.67-302 Detailverkaufs•• Niederlage נ , l.y Graben 20 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaafbawahraag gag•■ Vertioheraag Ifcar dl# Stnanmeazt•

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