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Jüdische Presse · 1924-02-28 · 9 (28.2.1924) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
9 (28.2.1924)
Date
1924-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Seite 62 JÜDISCHE PRESSE Nr. 0 legenheit der verschobenen Arbeitsleistung in engem Zusammenhänge steht. Von gegnerischer Seite wurde oft in Ermanglung eines realen stichhältigen Argumentes sowie aus Parteineid und angeborener Gehässigkeit der Vorwurf erhoben, Agudas Jisroel treibe mit!seiner charitativen Tätigkeit Politik. Gehässigkeiten durch Beweise und logische Argutoente aus der Welt zu schaffen, ist noch ■niemandem gelungen, wie ja das bekannte Sprichwort Vom Kampfe mit der Dummheit diesen Kampf a priori als aussichtslos bezeichnet. Und um des!Friedens willen ging man in den Kreisen der Aguda auf diese ״Ent- Politisierung“ der grossen Leistung der Agudas Jisroel auf charitativem Gebiete ein. Das heisst, man verzichtete wie schon hunderte Male früher auf die Betonung des Umstandes, dass die Leistungen des Jüdischen Hilfswerkes nur deshalb so gewaltige sind und sein können, weil das ganze Programm des Jüdischen HilfsWerkes ein integrierender Teil des Programmes der Agudas Jisroel ist. Eine jede Partei, ■eine jede Organisation, besonders aber jede grosse Bewegung hat das Recht und sogar die unbedingte Pflicht, ihre Leistungen der grossen Oeffentlichkeit in entsprechender Form bekamntzugeben. Es geht hier nicht an, im Verhörgenen zu blühen. Die Gehässigkeit, die in der Tatsache der Informationen der Oeffentlichkeit nichts anderes als Protzerei sehen will, verbleibt eben Gehässigkeit, die obendrein noch als dumm zu bezeichnen ist. Hier darf man nicht denselben Masstab anlegen, der bei einer einzelnen Person benützt wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Welt fortwährend am laufenden gehalten wird, weil die Oeffentlichkeit absolut kein anderes Mittel besitzt, um die Notwendigkeit, Leistungsfähigkeit und fortschreitende Ent- Wicklung einer Bewegung kontrollieren zu können. Die gegnerische Gehässigkeit sieht darin Unbescheidenheit und Tamtamtaktik. Und trompetet dies mit niedriger Skandalwut als Argument in die Welt. Daran darf man sich nicht stossen. Auch dieser Krawall der Gegner liegt in der Natur der Sache. Das grosse Ereignis der Kenessio Gedaulo erwies die Richtigkeit der verfochtenen Anschauung. Eine geradezu sträfliche Bescheidenheit und Reserve konnte es bis zur Kenessio Gedaulo ermöglichen, dass die grosse Oeffentlichkeit nur sehr spärliches Wissen über die Bewegung, ihr Programm, ihre Menschen besass. Die Kenessio Gedaulo hat diesbezüglich ein klein wenig Abhilfe geschaffen. Aber wiederum waren es andere, die hier Neues und Grosses entdeckten, welches Verfahren selbstverständlich viel mehr Zeit und Mühe kosten muss. Die Wahrheit haf eine laute Stimme. Vor Schlag- Worten Scheu zu empfinden, is,t wohl jedem Reinliehen und Friedliebenden Angeborenes. Aber dieses Feingefühl kann mitunter schädlich sein. Das Jüdische Hilfswerk der Aguda ist nur deshalb eine der wenigen grossen und leistungsfähigen jüdischen Institutionen Europas geworden, weil es das Jüdisohe Hilfswerk der Agudas Jisroel ist. Das will betont werden. Und um auf die oben erwähnte Harmonie unter den Arbeitsgebieten zurückzukommen: Gemilas Chasodim ist nur einer der drei Grundpfeiler der jüdischen thoratreuen Welt. Die zwei anderen sind Thauro und Awaudo. Es soll diese Feststellung nicht den Anschein erwecken, als ob hier irgendein, irgendwie gearteter Vorwurf konstruiert wird. Aber wenn nicht nur Verfolgungen, Martern und Qualen, son■ dem auch den Tod erlitten? Habt Ihr auoh das nie bedacht? Rabbi, Ihr seid doch ein kluger, denkender Mann!“ Der König hatte fast mit Ergriffenheit, nachdrücklich jedes seiner Worte betonend, gesprochen. Menschliches, herzliches Empfinden leuchtete aus seinen Mienen, und der Rabbi konnte nicht zweifeln, dass Güte und Wohlwollen die Quellen waren, aus denen diese Rede floss. ״Majestät — erwiderte er — das habe ich oft und oft bedacht. Und gleich mir, wohl nicht nur die Grossen in Israel, nicht nur die gelehrten Söhne un■ seres Volkes, sondern!auch die letzten und geringsten in seiner Mitte. Aber wir alle, alle haben uns zu allen Zeiten in dem einen Gedanken gefunden, auf den Knien unseres Geistes Gott zu danken, dass er in seiner Gnade und Barmherzigkeit das Volk Israels seiner Thora gewürdigt, die von uns im Notfall fordert, dass wir für sie leiden und sterben, aber niemals für sie Menschen anderen Glaubens quälen und töten!“ Der Oberrabbiner hatte in seiner Erregung mit sich steigernder, lauter Stimme gesprochen. Sein Antlitz war blass und strahlte von Begeisterung, dass er dastand, wie einer!der alten Propheten, die, vom Geiste ergriffen, das Wort Gottes verkündeten. (Fortsetzung folgt.) _Zur rrllhfalirSMlfOlt empfiehlt die Firma Weldler & Fürst ■ Wien, II., Hollandstrasse 16 (Kcke Kleine Sperlgasse) falnst• Hernngirdtrobea nach Maas aus ihren eigenen feinsten u!.d aus. mitgebrachten Stoffen. man das Ausmass und die Leistüngsgrösse der charitativen Tätigkeit der Agudas Jisroel in Oesterreich und Wien erkannt hat, so mutet man der österreichisehen Landesorganisation die gleiche Lei- S tungsf ähigkeit auch auf den anderen, ebenso wichtigen Gebieten, zu. Der äussere Anlass ist gegeben. Die räumliche Beengtheit (ein oft sehr behindernder Faktor) ist geschwunden. Eine Fülle *grosser Aufgaben harrt der Erledigung. Die Oesterreichische Patästinazentrale, der österreichische Keren Hathauro, eine ganze Reihe organisatorischer Arbeiten, unter denen die Kofer N e f e s c h-A k t i 0 n hervorragt, die Ausbreitung des Presse- und Verlagswesens sind Gebiete, auf denen volle Entfaltung zu gewärtigen ist. Es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, dass bei der Tatkraft und Liehe zur Idee der österreiohisehen und Wiener thoratreuen Judenheit, eine neue Phase in der Entwicklung -der österreichischen Landesorganisaiien der Agudas Jisroel und der Wiener Ortsgruppe eintreten wird. Eine Phase, die zu jenem Range führen wird, dem *die thoratreue Judenheit Oesterreichs und Wiens, im Rahmen der Weltaguda entspricht: Zur Mus tergül tigkeit. Ebenso wie die von der österreichischen gesetzestreuen Judenheit geschaffene Institution des Jüdischen Hilfswerkes der Agudas Jisroel heute als Muster gilt, ebenso muss die Tätigkeit und Leistungsfähigkeit auf allen anderen Gebieten ein leuchtendes Beispiel sein. Dies soll der Ehrgeiz der österreichisehen Landesorganisation und der Wiener Ortsgruppe dier Agudas Jisroel1 werden. f. z. brach die Herren dodunals im Kultusministerium anknöpften, erfuhren sie eine sehr unwirsche Antwort. Es ist klar, dass wirklich liberale Eiemente im Namen der Gerechtigkeit, wirk- /Hcto konservative Elemente ftlm Interesse des Konservatismus keine Zwangsgeuielt*• schaft genehmigen können, die Menschen zusammenpressen in Belangen, die sie nicht gemeinsam haben. Der unglückselige Paragraph!im Judengesetz von der Einheit der Gemeinde hindert ■die Orthodoxie in ihrer Bat- Wicklung, zwingt sie, für toeterodoxe Zwecke!und Personen Beiträge zu leisten und bedeutet einen Gewissenszwang sondergleichen. Die Wiener Kultusgemeinde, die steh für eine ■der konservativsten hält, weil sie keine Orgel und keinen Mädohenahor hat, obwohl die rituellen Einrichtungen, ohne das Gewissen der Gemeinde, die vielgehasste Orthodoxie,, total versumpft waren, gibt auf die Postulate, die •Ihr die orthodoxen KultusvorsteheT anfangs 1922 unterbreiteten, nicht einmal eine Antwort. Vederemo. Verband der altösterreichischen Kultusgemeinden. A׳m 7. Februar verstarb In Trappau der Kultus- Präsident Dr. Th. Sonnenschein. Selber hat für seine Gemeinde ■viel geleistet. Hat sich, er, der verbissene Antinationalfst, von den Nationalen ins Bockshorn jagen lassen und mit ihnen kompromittiert. In dem Nachruf erwähnt JDie!Wahrheit“, er habe den Bund der österreichischen Kuilitiusgemeinden geplant «und Minister Hussarek habe beinahe zugesfimmt. Zur ׳Steuer der geschichtlichen ״!Wahrheit“ siel kan!־ statiert, dass das Statut dieses Bundes ganz ׳im Geiste der politisch liberalen. Im reüigiösen Dingen illiberalen; Intoleranten, deutschJortschrittllchen Juden entworfen war, die in Judensachen lieber ■alles in ihrer ׳Hand vereinigen wollen. Während im Motivenberieht wiederholt betont wurde, dler Bund habe ׳in religiösen iMaitenien nichts dreinzureden, gehörten■!in seine Kompetenz: 1. Feststellung der Qual'ifikation der Rabbiner, Schächter, Religtomslehner und Kantoren. 2• Entscheidung ohne Appellationsforum von Streitigkeiten zwischen Gemeinde und Rabbiner (meistens religiöser Natur), Gemeinde und ■Mitgliedern (,beispielsweise Orgelirage, Kaschrusch). 3. Erstattung ■von Gutachten am die Behörden (ob Mischehen erlaubt sind, Orgel zulässig usw.). Um die Herrschsucht voll und :ganz zur Geltung zu!bringen, wurde stipuWert, dass in dem 6880öpfigen Oberrat eine ■Viertel Million westlicher liberaler Juden 58 Vertreter, eine Million orthodoxer Ostjuden zehn Vertreter haben sollten. ,Ganz Galizien protestierte einmütig gegen diese Vergewaltigung sowie überhaupt gegen (jede staatliche Zusammenschweissung der Träger so diametral entgegengesetzter Weltanschauungen wie Orthodoxe und Neologe. Die Orthodoxie: Rabbiner!Fürst, R. Hofbaue!, W. Papp ein heim!kämpften in dler Konferenz- Die Herren Dr. Sonnenschein und Kern wollten, um nur etwas zu retten, dem Anschluss Galiziens zustimmen, wogegen sich die Herren Nationalen nach Kräften wietonten. 'Dabei schämten sich die Herren (Abgeordnete für Galizien) nicht, ׳in öffentlicher!Sitzung!Ihre Mandanten aller denkbaren Untaten: Fälschung usw. zu bezichtigen. Diese elegante Art gab dem verblichenen Dr. Bloch Gelegenheit, die Ehre seiner Landsleute zu verteidigen und den Herren Nationalen׳!eine glänzende• Abfuhr zu bereiten. Die Orthodoxie machte an die Regierung eine Eingäbe, in der sie historisch (auf Grund von Aeusserumgen der hervorragendsten NeologenfütoTeT) nachwies, dass im Judentum auffassungsgemäss ein!Schisma bestehlt!, wie es ,nicht schärfer zwischen! zwei beliebigen christlichen Konfessionen besteht, und der Staat ■kein Interesse und auch kein Recht hat» Bekenner verschiedener Auschauugen!in eine autoritative Zwangsgemeiinschaft zusammenzu-!pferchen.!Diese unwiderlegliche Argumentation trug Ihre Früchte. Dies war im Jahre 19!10, als vor dem Zusammen- Der Schlag gegen die litauischen Jeschiwos. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel dran« die Kunde in die Welt, dass das Privileg der litauischen Jeschiwos ,auf Militärfreiheit vom Ministerium kurzerband aufgehoben ׳wurde und die Thorajünger ihrem Lebensstudium entrissen und in die Kasernen gesteckt wurden. Der Ukas kam auch für die führenden Persönlichkeiten in Litauen so überraschend, dass ihnen gar keine Zeit blieb, über Abwehr dieses Schlages nachzusinnen. Es schwebten gerade Ver- *handlungen zwischen den Jeschiwoleitungen auf der einen und dem Bildungs- und Kriegsministerium auf der anderen Seite, über ,ein neues Reglement für Alter, Vorbildung und Studiendauer der Jesohiwo- Zöglinge. Eine Kommission unter Mitwirkung der kompetenten jüdischen Instanzen war ■mit der Verarbeitung des Materials betraut. Ohne letztere anzuhören, wurde nun plötzlich besagter Beschluss vom Ministerium gefasst und auch sofort zu seiner Ausführung geschritten. Was das für die Thorazentren Litauens, ia für das Judentum der Welt bedeutet, bedarf keiner weiteren Erörterung. Litauen ist seit Jahrhunderten die geistige Kornkammer der jüdischen Diaspora, In Russland wie in der Ukraine, im hohen Norden wie in den Westländern und Amerika ist litauische Thoraintelligenz dominierend. Schon dieser Umstand ,allein sicherte Litauen vom ersten Augenblick seiner Reichsgründung an die Sympathien der auf dem Erdball zerstreuten Juden, die Sympathien der Welt Auoh bewusst ist von jüdischer Seite viel für Litauens Prestige getan worden und nicht zu wenigst war es der überaus ׳grossen litauisch-jüdischen Kolonie in Amerika zu verdanken, dass die Vereinigten Staaten im Sommer 1922 zuerst die litauische Republik de jure anerkannt hatten. Litauen hatte in letzterer Zeit durch den neuen politischen Kurs von den ersen Sympathien in der Welt ein wenig emgebüsst. Aber man war gerecht und optimistisch genug, um diese Schwenkung zu den Uebergangsstörungen zu zählen und auf eine baldige Rückkehr zu den ersten Rechts- und Freiheitsgrundsätzen zu hoffen. Die neue Entrechtung wäre aber gerade dazu angetan, uns und die Welt um diese Hoffnung zu bringen. Man sollte in den leitenden Kreisen Litauens bedenken, dass die Einberufung der Thorajünger nichts anderes als •eine Verstopfung der Quellen bedeutet, aus denen der gesamte jüdische Osten, Amerika und ein guter Teil des Westjudentums ihre Kraft schöpfen. Das Recht der Militärfreiheit gehört zu den primitivsten Rechten der geistigen Bildungsanstalten aller Konfessionen. Durch dieses Ausnahmegesetz für die jüdische Konfession wird das jüdische Judentum nicht allein in seiner Ehre tief gekränkt, sondern in einer Zeit, da es sich gegen den Geist des Unglaubens und des Umsturzes schwer zu wehren hat, in seiner Kraft geschwächt, ja gelähmt. Nur eine kurzsichtige, auf den Augenblick berechnende Politik kann es übersehen, in welchem Masse damit auch eine Schwächung Litauens für alle Zukunft verbunden ist. , Wir zweifeln nicht daran, dass von jüdischer Seite in Litauen alles aufgeboten wird, die Massnähme rückgängig zu!machen. Freilich werden die thoratreuen Juden dabei allein auf sich g e s t e 111 s e i n. Die linke Seite wird keinen Finger für die Jeschiwos rühren und nach den Erfahrungen, die man im harten Kampfe um den Sabbat gegen das Sonntagsruhegesetz gemacht hat, kann auch nicht vom Minister Rosenbaum und seinem Anhang in dieser Richtung etwas erwartet werden. Umso eifriger und energischer sollten sich alle jüdischen Juden Litauens zur Wahrung ihrer heiligsten Rechte zusammentun und nicht eher ruhen, als bis Regierung und Sejm zur Einsicht dessen kommen, was hier für uns und für sie selbst auf dem Spiele steht Perücken dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, K&rntnerstrasse 8 (nächst dem Stefansplatz, am die Ecke)

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