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Jüdische Presse · 1924-02-22 · 8 (22.2.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
8 (22.2.1924)
Date
1924-02-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE Seite 57 Der Bericht wurde mfit grossem Beifall aufgenommen. Jakob «Rose-nheim würdigte die stattgefundene Verbrüdlening von Ost und West dm Rahmen der Aguda und überbrachte dem Delegiertentag die Qrüsse des Geschäftsführenden Ausschusses. Dr. Deutsch- ä n d e r referierte über die Tätigkeit des ״Keren Hathora“ und der Palästina-Zentrale. ׳Der ״Keren Hathora“ hat in Deutschland festen Fuss gefasst und grosse Erfolge zu verzeichnen. Rabbiner Dr. Auerb a c h referierte über die Tätigkeit des Gruppenverbandes. Delegierter Gottfried Goddschmidt legte dem 'Delegiertentag das Statut vor, das mit geringen Aendierungen einstimmig angenommen wurde. Der bisherige Vorstand des Gruppenverbandes wurde neugewählt. Auf Antrag des G. A. wurde Halberstadt als Zentrale, für den ״Keren Hathora“ in Deutschland, Hamburg bestimmt. Polen. Zu den Kultuswahlea in Polen. Es scheint, dass endlich mit dem unerhörten Zustände aufgeräumt werden soll, dass grosse!Gemeinden Ihrer Selbstverwaltung beraubt sind und dort autakratisehe, meist irreligiöse Regierungskommissäre geleitet werden. Besonders in Galizien hat dieses Verhältnis in vielen grossen Gemeinden׳ zum Verfall der ,Talmud Thoras und der rituellen Einrichtungen geführt und das .Ansehen der Rabbiner stark geschmälert. An den Jereim, •die doch G. s. D. in ,ganz Polen, auch Galizien Idiie grosse, ,grosse Mehrheit ׳bilden, liegt es, sich zu organisieren, damit ihre .Mehrheit!in *den! Gemeinde- Stuben zur Geltung kommt להלמת קל[ התולה. Es darf da unter den Frommen keine Parteiungen »eben, es darf niemand sich beiseite stellen. Alles muss einmütig!dafür eintreten, dass die Gemeinden,, entsprechend den wirklichen׳ Zahlen, durch strengjüdische Majoritäten vertreten! sind. (Nur wer עוסק בצלכי צבול כאמונה ist, 'kann die jüdische Gemeinde zur Blüte führen und kann sie auch bei den Behörden gut vertreten. Jüdische Deputierte beim polnischen Staatspräsidenten. Warschau. Zu dem vom Staatspräsidenten Wojoiochowski und seiner Gattin veranstalteten poiitischen Dejeuner im Belvedere-Schloss, welchem eine Reihe Staatsmänner und Politiker beiwohnten, wurden auch der Präsident des jüdischen Parlamentsk’ubs Dr. Leon Reich und Deputierter Kirschbaum eingeladen. Die jüdisch-orthodoxen Abgeordneten in Polen und der Jüdische Klub,• New York. <J. T. A.) In einem!Interview mit dem hiesigen J. T. A.-Vertreter gab der trübere!Präsident des Klubs der jüdischen Abgeordneten in Polen!, Abgeordneter Dr. Thon, der sein Amt niedergelegt hat, um in Amerika für den Keren Hajessod und Tarbavth zu arbeiten* seinem!tiefen Bedauern über die Differenzen zwischen den ortfhodoxen jüdischen Abgeordneten׳ und den übrigen Mitgliedern des jüdischen Parlamentskhibs, Ausdruck. Er!be- ׳tonte die Wichtigkeit des Zusammenarfoeitens der ganzen jüdischen!Bevölkerung, deren Lockerung die jüdische Posifian schwächen könnte. Wie er sagte, hofft er jedoch, dass der Riss noch vermieden wird und dass die Einigkeit der jüdischen Parlamentarier, bestehen bleibt. Rouland. Oberrabbiner Elieser Rabinowitsch s. A. Der vergangene Woche verschiedene Obenrabbiner Hagaon Elieser R a b 11!n 0 w 1i t s c h ist als Märtyrer und Kämpfer um den Glauben gefallen. Die letzten Jahre des grossen Gaon waren׳ eine einzige Kette fürchterlicher ßchnkanierungen seitens der Verfolger *jüdischer Religion in ßowjetrussland. ׳Der Minsker!Ra׳w hat bis zu seinem letzten Atemzuge heldisch für den heiligen Glauben ge-!stritten. Und nur die ungeheure Kräfteanspannung, die notwendig war, u׳m in diesem Kampfe den Mann zu stellen׳, hat das vorzeitige Ende des grossen Gaon verursacht.. Oberrabbiner Elieser Rafbinowitsdh .wurde ׳im Jahre 5615 geboren. Schon im der frühesten Jugend war e׳r unter den Namen der »Kie w er 11 u.j“ in der ׳ganzen Ukraina bekannt. Alle damaligen׳ russischen׳ Thoraautoritäten sagten dem jungen Hub eine grosse u׳n!d schöne Zukunft voraus. Im 18.!Lebensjahre wurde er Schwiegersohn ■des grossen bekannten Gaon R. Jeruchim!Leib ׳s. A״ der als Minsker Raw!unter dem!Namen JDer Gudel“ bekannt war. Hier hatte der junge lluj Gelegenheit, sich im Studium zu vervollkommnen, und wurde vom Minsker 1Raw bei verschiedenen!wichtigen! rabbinlscihen Angelegenheiten herbeigezogen,, da sein Charakter, seine G-ttesfurcht, sein klarer logischer Stil bei der Beantwortung vieler aus allen Weltgegenden kommenden Fragen grosse Dienste leisten konnte. ׳Im Jahre 5633 wurde R• ,Elieser als Raw in die Gemeinde von Smolewitsch berufen, wo er sechs Jahre lang Thora vermehrte,, bis sein Schwiegervater, der Minsker Raw, verschied. In diesem Jahre wurde R• Elieser als 1Ra!bbitter in die grosse blühende Minsker Kehiilla berufen, wo er bis zu seinem ׳letzten Tage!verblieb. OberrabbinoT ׳Rabinowitsdh s. A. war in den iiidi-!sehen Kreisen in der ganzen Welt als eine der grössten xabblnischen Auitorrtäjten des . heutigen rabbtnischen׳ Geschlechtes .׳bekannt. Ausser seinem stufenden!Wissen zeichnete sich der Selige durah seine weitverzweigte ★ Fördert das jüdische Hilfswerk! * gesellschaftliche Tätigkeit auf allen Gebieten des (jiidiischen Lebens in Russland ans. Um seihe zentrale Persönlichkeit gruppierten sidh alle .Schichten!der jüdischen Volksmasse von den Chaisidim ׳bis zur fortschrittlichen Intelligenz. Ueberall übte sein!Wort die grösste!Wirkung aus, so dass es Ihm gelungen ist, die grosse!jüdische Kehilla in Minsk in ׳vollster Eintracht zu erhalten, ohne dass «in dieser Stadt der zersetzende Geist der Zeit eine!grössere Wirkung ausüben konnte. Aber nicht׳ nur auf seine eigene Kehilla erstreckte sich seine Tätigkeit. In alflfi wichtigen Angelegenheiten nahm er hervorragenden Anteil. So z. B. war er eines der aktivsten Mitglieder d׳er seinerzeit von der zaristischen Regierung einibeirufenen Rabbinerkommissiom׳!in Petersbürg. Als lim Jahre 5672 die Agudas J!isroel1־Bew egung nach Russland gedrungen ist;, stellte sich der Minsker Ra.w sofort in die Reihen derselben, um dort mit!aller Energie für die Verbreitung des Agu!da4dea׳ls zu arbeiten. Nach dem .Umstürze in Russland treffen wir Rabbiner Eliieser Robinowitsdh als Präsidenten -der Agudas Jiisroel!i!n Weissrussland, wo unter seiner Leitung eine kolossale Tätigkeit zugunsten des!jüdischen Er!aiehun׳gsw׳e׳sens entfaltet worden ׳ist,!der eine ganze Reibe von Ghedarim ׳und Mädchenschulen im Thorageiste ihr Entstehen׳ verdanken. Beim Ausbruch der Hungerkatastrophe in Russland hat R. Elieser Rabii no w i ts ch, der!allein unter den Entbehrungen krank geworden ׳war, eine grosse Aktion zugunsten der Hungernden entfaltet. Eine ganze Reihe von angesehenen Rabbinern stellte sich unter seine 'Führung, die für die notleidenden׳ Jduen Ungeheures geleistet hat. Der grosse Venstorbene,!wollte zur Zeit, als Minsk zwischen zwei feindlgcihen fißpreslagern sich befand, seine Gemeinde nicht (verlassen. Der Kampf mit die Sowjets, die!in Oberrabbiner Rabii no wi!tusch׳ mit Recht die Stütze des religiösen jüdischen Lebens in Russland׳ sahen, hatte ׳den unermüdlichen Maim gebrochen. Als im .vergangenen Jahre dem Seligen der Antrag gestellt worden ist, .Oberrabbiner von Bialystok zu werden, lehnte er, obzwar die Verhältnisse Ihn dieser Kehilla bedeutend! besser gewesen ׳sind, dieses Anerbieten aib und verblieb in Minsk-!In den letzten Jahren bereitete der Verstorbene die Herausgabe seines grossen r׳a׳bbin!isdhen Werkes vor. Der grausame!Tod hatte ein arbeitsreiches Leben plötzlich duirahgerissen. Der Verstorbene Hess 1!1 Kinder ■in Minsk und Wilna zurück. Ein Schwiegersohn ist der bekannte Priluker Raw. תנצג״ה Schutz für die religiös verfolgten Auswanderer aus Sowjet-Russland. Wien. (A. J. P. ß.) Oberrabbiner Abraham Kalm a nowitsch - Ra ko w, Mitglied des Zentralrates der Agudas Jiisroel, und Oberrabbiner Kasowsky- A u g u s 10 v a (Schwager des Oberrabbiners Grodzensky in Wilna) Teisten über Wien nach Paris und London, um in Angelegenheit der religiös verfolgten Auswanderer in Russland Interventionsschritte zu unteraehmen. In Wien!selbst würden Konferenzen mit dem ״Jüdischen Hilfswerk der A-gudas Jisroel“ abgehalten, um auch in Wien eine entsprechende Aktion einzuleiten. Telephon 78־7־57 שייטול Der bekannte Spezialist für individuelle Scheitel, Perücken Transformationen Brantfrisurenaus allerfeinstem dauergewellten Naturhaar Carl Polak Üamenfiriseai? Wien, IV״ Schleifmöhlgasse 3 liefert obige Artikel prompt und biUigst für In- und Ausland ob groi und en ddtaftL Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haarmuster und Angabe des Masses von einem Ohr zum anderen. . Kostenlose Vorführung der neuesten Modelle._ Beachten Sie gefälligst die Hausnummer 3 Cflrkti. Die gesetzliche Freitagruhe tu der Türkei in Kraft Koastantinopet. (J. T. A.) Die hiesigen polizeilichen Hauptämter geben bekannt, dass der jüngst in der Angara- Versammlung angenommene!Gesetzentwurf über die Fest- Setzung des Freitags als des gesetzlichen Ruhetages in der ganzen Türkei schon ln dieser Woche in Kraft treten ,wird. Alle Läden, Bureaus und Schulen^ mohammedanische wie niohtmohamm©dänische, müssen am Freitag geschlossen sein. Auf den von der jüdischen Gemeinde eingereiohten Protest gegen das Gesetz, durch welches jüdische Schulen und Geschäfte an zwei Tagen der Woche, am Freitag und Sonnabend, zu schlossen gezwungen sind, ist noch keine Antwort erteilt worden. Ein Dampfer mit 1000 russischen Flüchtlingen ohne Landungshafen. Saloniki. (J. T. A.) Der Gouverneur von Saloniki, General Lambros, erhielt! ein Telegramm aus Konstant!- nopel, dass ein Dampfer mit :1000 ׳russischen Flüchtlingen aus Noworossilsk, der In iKonstantiinopel miraht!lande■ durfte, sidh auf ׳dem Wege nach Saloniki befindet. General Lambros telegraphierte an die Athener Regierung, er sei aus Mangel .an ,Wohnungen nicht in der Lage, die Ausschiffung!hn iSalcnikier ׳Halfen zu gestatten. (Dias Schiff wurde da׳nn nach Athen dirigiert, wo aber die Landung ebenfalls ungewiss ist. Wie es heisst, soll die Mehrheit dieser Flüchtlinge aus Juden bestehen. Hnerika. Oberrabbiner Mosche Mordchei Epstein in New York. New York. (A. J. P. B.) Oberrabbiner M. M. Epstein der Rosch-Joschiwo von Slobo׳dka, Mitglied des Ra-bbiniisohen Rates der Agudas Jisroel, ist in New York eingelangt. Im Hafen erwarteten gegen 200 Rabbiner den berühmten Gast. Sämtliche Tageszeitungen veröffentlichten ausführliche Begrüssungsartikel. Oberrabbiner M. M. Eipstein wird iin Amerika für die litauischen Joschiwos •eine grosse Aktion unternehmen. An der für den 12. Adar stattfindendien Konferenz der orthodoxen Jugend in Amerika wird Oberrabbiner Epstein ein Referat über die ״Lage der Aguda in Europa“ halten. Protest der Rabbiner ganz Amerikas gegen die geplante Einwanderungsbeschränkung. New York. (J. T. A.) Das Zentralkomitee des amerikultischen Rabbinenverbandes hat sämtliche Rabbiner der Vereinigten Staaten aufgefordert, eine Protestaktion gegen die!geplante neue Efoiwanderungslbüll zu veranstalten, sowie an sämtliche Kongressmitglieder und Senatoren Ihres Staates Protestresolutionen zu senden. Eine soeben abgehailtene Konferenz der Rabbiner des Staates New York nahm!eine scharfe Protestresolutioa gegen die Johnson-Bill an und sprach das Verlangen der orthodoxen Rabbiner aus, man solle ein Gesetz schaffen, dass jedem •in Amerika, auch dem Ntohtameribaner, erlaubt sein soll, seine Familie und seine Verwandten ausserhalb der Quote ins Land kommen zu lassen. Ausbreitung des Ku-Klux-Klan. New York. (J. P. Z.) Die Ku-Klux-Klan-Bewegung greift dn ׳den Vereinigten׳ Staaten immer weiter um sich und nimmt revolutionären Charakter am. Die Ku-Klux-Klan- Anhänger üben ,im Staate IlHnois eine wahre Diktatur aus. Gegen den Ku-Klux-Klan iin Williamson wurden Truppe■ ausgeschickt. Einer der Führer dieser Bewegung wurde getötet. Die amerikanischen Juden und die Kinderhilfe für Deutschland. New York. (J. ■T. A-) (Der Vorsitzende des New Yorker Komitees der Kinderhülfe für Deutschland hat vor kurzem die iin New York zusammengebrachte Summe befcanotgegeben. Sie!beträgt 1130,120.50 Dollar. Bemerkenswert ׳ist die grosse Beteiligung jüdischer Spender. Es sind unter den von Juden ׳gestifteten׳ Beträgen henvorzuheben: Paul Baerwäld vom Joint Distribution Committee!1000 Dollar, Henry Goldman 15000 Dollar, August IHeaksdher 10.000 Dollar׳, Max Honwitz 2600׳ Dollar, Otto IH. Kahn 5000 Dollar, Raliplh Pulitzer 1000 Dollar, J, L. Reiss 11000!Dollar, Mortimer L. Sch'Dff 5000 Dollar, James Speyer 05.000 Dollar, Felix 1M. Warburg!26.000 (Dollar, Paul M. Warbung 25.000!Dollar. Die Leistungen der Juden Amerikas für die Juden Russlands. New York. Das Joint Distribution Committee hat soeben einen Gesamtbericht über seine Tätigkeit!in Russland zusammengestellt, der in einiger Zeit zur!Veröffentlichung gelangen wird. In der Einleitung zu diesem Bericht wird, wie die J. 1T. A.!erfährt, festgesteilt, dass die ׳amerikanischen Juden für das amerikanische Hilfswerk zugunsten Russlamds den grössten!Teil beigesteuert haben. Die Gesamtsumme, die die American ׳Relief Administration (Ana) i» Russland ausgegeben ׳hat, beträgt 58 Millionen׳ Dollar. Davon hat der Kongress 22370.000 (Dollar geleistet; die Lebensmittelpakete halben etwa!10 Millionen Dollar gekostet; der Rest, ungefähr 26 Millionen Dollar, wurde durch freiwillige Spenden aufgebracht. In dieser Summe ist auch der Anteil d׳es Joint, über 8 Millionen Dollar, in-» begriffen.

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