Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 8 (22.2.1924)
- Date
- 1924-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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זיל5|1.י7' •י T-r/עי; •v*!מינוייייי״׳י Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE Seite 55 Das Erwachen der Wahrheit. Die Londoner jüdische Zeitung ״Die Zeit“, die man gewiss nicht ״verdächtigen“ kann, dass ׳sie im orthdoxen Lager steht, widmet einen Leitartikel dem Probtem des jüdischen Chimich. Wir lesen dort folgendes: ״Die nationale Disziplin kann man nur beim frommen, g־ttesfürchtigen Geschlechte feststeUen; dort nur ist jüdische Sitte und׳ jüdischer Brauch anzutreffen. Me modernen Lehrer und Führer, die seinerzeit versuoht haben, den Nationalismus im Rationalismus zu verankern, haben durch dieses Bestreben nur die Flucht aus dun Judentum erleichtert. Aus dem frommen jüdi- .selten Milieu äst es viel schwerer zu flüchten und das Volk zu verlassen, als aus den modernen fortschrittliehen Reihen.“ Der Verfasser geht hierauf zur speziellen jüdi־ sehen Chinuchfrage über und sagt: ״Man kann absolut kein Erziehungssystem für das junge jüdische Geschlecht schaffen und dabei sich leichtsinnig oder gar mit Hass zur alten jüdischen Weltanschauung beziehen. Derjenige, der auf die grossen Massen des jüdischen Volkes, die im alten jüdischen Glauben leben, v-ic auf wilde Fanatiker blickt oder gar wie auf Mensehen, deren Zeit schon vorbeigegangen ist, der hat keine Ahnung vom wahren Sachverhalt. Die:e Art von Argumentation entbehrt jedweder realen Basis. Diese Argumentation ist deswegen falsch, weil sie lebensunwahr ist. Auf einem faulen Stamm ist es schwer, neue Blüten zum Leben zu wecken. Was. auch bei diesem Verfahren herauskommen mag, ist eine mehr oder weniger, ,mechanische Kombination, die organisch tot ic-t. Leben und Tod aber können sich nicht vereinigen.“ .,Der wirklich schöne Jude ist derjenige, der seine erste Geiste nahrung von der ewigen Quelle des jüdischen Glaubens gesogen hat. Wenn er auch in seinem weiteren Loben mit den modernen Strömungen zasammenkam und im Kampfe mit diesen Strömungen so weit unterlag, dass er von der praktischen Aus- Übung der Gebote abgekommen ist, ist seine Seele doch ganz geblieben. Und heute, in einer Zeit des allgemeinen Niederganges, sind die frommen Juden voll mit echt jüdischem Leben und dieser Umstand behütete sie vor aller geistigen Dekadenz.“ In der Vergangenheit hat der jüdische Cheder und die jüdische Jieschiwa das jüdische Geschlecht vor dem Abfall behütet. Es stärkte das hinge Geschlecht gegen die Anfeindungen der Umwelt oder gegen die zersetzende Stosiskraft der modernen Lebensform. Wird nun das neumodische Chinuchsystem. wird das heutige junge jüdische Geschlecht allen diesen Angriffen eine feste Panzerung bieten? Der Verfasser des; Leitartikels antwortet darauf: ״Wenn das neue fortschrittliche Geschlecht in eurer Atmosphäre von Feindschaft aufwachsen wird, sogar mit einer dünnen Schichte von Nationalismus, was kann man dann von diesem Geschlechte erwarten? Man darf dem Kinde im ersten Wachstum nicht einen Hass oder ■im ׳besten Falle eine Gleichgültigkeit dem grössten Faktor des jüdischen Wesens der Religion gegenüber einpfianzen, man darf nicht den Geist und die Anschauung grosszüchtcr?, dank welcher der junge Jude auf das fromme Judentum wie auf welke Blätter herabsieht Welche Achtung kann die Jugend vor dem eigenen Stamm haben, wenn derselbe von derartigen welken Blättern bedeckt ist, dass man kein ׳einziges gesundes Zweigehen erblicken kann?“ ״Wenn man auf einer Karte graphisch den geisti gen und ׳kulturellen Zustand' des Volkes darstellen ':önnte, in verschiedenen Farben seine religiösen und weltlichen Mitglieder, d. h. von der Religion entfernten Juden ausdrücken könnte, wie klein wäre dann der Raiun, den das fortschrittliche Judentum auf dieser Karten einnehmen könnte. Die Farbe würde im grossen Meer der religiösen Färbung verschwinden. Die Kinder, die im radikalen modernen Geiste erzogen wurden, werden nicht auf ihre nationale Verwandtschaft And Zugehörigkeit zu den grossen jüdischen Massen stolz sein, wenn sie zur Anschauung erzogen werden, dass man die׳ jüdische Religion als einen Ueberrest ans dem Mittelalter aus dem jüdischen Leben entfernen muss. Die moderne fortschrittliche Erziehung mit dem bisschen Jüdisch und einem Tropfen jüdischen Na- Konalismu.v, jedoch mit einer Menge Hass zum gött- ■ichen Strom der jüdischen Geschichte, sie ward uns sicher keine freien, stolzen Juden schaffen können. —MMHH111MHIIH IIII11W llll .. Brautausstattungen Billigste Einkaufsquell« in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Wie«, I., Flaoher- «tleg-a 5 (nächst Salzgries), Telephon 65-3-71 Leopold Lederer 6. WIENER INTERNATIONALE MESSE 9.-15. März 1924 GÜNSTIGSTE EINKAUFSGELEGENHEIT für ALLE BRANCHEN REICHSTE AUSWAHL I FESTE KONKURRENZFÄHIGE PREISE I GROSSER ERFOLG DER HERBST- MESSE 1923: 100.009 EINKÄUFER davon 25.000 Ausländer aus 72 Staaten der ganzen Welt machten grosse Bestellungen! AUSKÜNFTE: WIENER MESSE, WIEN, VII. Langsam, Schritt für Schritt, wird es heller im ״fortschrittlichen“ Lager. Man sah die Früchte des neuen nationalistischen Chinuchs und' man überzeugte sich, dass derselbe nicht jüdisch-national sein kann und dass! er nioht zum jüdischen Volke, sondern anderswohin führen muss. Wir hoffen, dass man vielleicht einmal, voraussichtlich nicht zu spät, die grosse Wahrheit erkennen und׳ zum wahren jüdischen Chinuch zurückkehren wird. Mit dem Gerer Rebbe in Jerusalem. (Brief eines Mitreisenden.) Den ersten Sabbat in der ׳heiligen Stadt verbrachten wir!in einer Atmosphäre von Kduscha und Freude. Die Heiligkeit der jüdischen Residenz und das ganze Milieu sowie die Umgebung unserer Rabbeim und der Jerusalemer Rabbiner, Gaonim und Talmidej Chachomim, zusammen mit der Freude und Inbrunst, die bei uns sowie bei den Jerusalemer frommen Juden herrschte, verschaffte uns an diesem ersten Sabbat in Jerusalem einen unbeschreiblichen geistigen Genuss. Den ganzen Sabbat waren wir von unseren Jerusalemer Brüdern umgeben,זה יוצא וזח נכנם Eine besonders grosse Gesellschaft, auch aus den nichtorthodoxen Kreisen kam, um unseren Rabbeim Scholem darzubieten. Man kann ohne Uebertreibung sagen, dass das ganze jüdische Jerusalem durch unsere Ankunft in eine besondere Stimmung geriet und dass unsere Ankunft das einzige Tagesgespräch der Jerusalemer Judenheit bildet. Montag früh begab sich unsere ganze Gruppe mit den Rabbeim an der Spitze zur Kotei Maaruwi. Es ist mir unmöglicli, und ich glaube auch jedem versagt, den Eindruck zu schildern, den dieser Besuch hervorgerufen hat. Das Bewusstsein, dass wir uns jetzt auf dem heiligsten Stückchen Boden befinden, dass wir in der Nähe des קדשי קדשים uns befinden, in der Nähe von השראת השכינה, מקום הארון und gleichzeitig das aufwühlendste Gefühl der schmerzlichen Erinnerung hat uns in der ersten Zeit ganz betäubt. ■scr Gehirn wollte nioht und konnte nicht arbeiten, unser Herz schlug zum Zerspringen und nur herzzerreissende Seufzer unterbrachen die Stille׳. Erst später kamen wir zu uns und haben קריעה gerissen. Man führte uns auf einen ■hohen Hügel, von wo aus man die andere Seite der Klagemauer sehen kann. Das Herz zieht sich wieder in Schmerzen zusammen Eine schweigende Welt Aus Sowjet-(R׳u׳ss}and wird uns berichtet : Die!Situation» lh׳a׳t sich verscihl'immert. Während Ibteher lediglich das Cheder verboten war und in den!Orten, in denen Nicht׳- juiden Vorstände der iBe'hörden sind, sogar ״erlaubt“ •worden ist״ dass Eltern ihre Kinder in der Reliigton und!in ihren ׳Quellenschriften unterrichten״ werden in anderen Städten, in!denen■!jlüdiische (Menschen an der (Spitze der lokalen Sowjetfoehörden stehen, Kinder!in solchen (Schulen■ •gezwungen!, in ׳denen ihnen als höchste IMoral die Notwemdii'gke’it beigebracht wiird, als!Denunzianten gegen Ihre Eltern auifzutreten, ■fal'bs diese versuchen sollten, ihre Kinder zu ״klerikaliisieren“, •das •'heisstv $ö׳e relligiiös zu unterweisen. Das!ist bereits vorgekorrnnen, und d!ite Welt schweigt ■dazu und ■die (Welt ■ahnt niidi't,!was für e׳i׳n Geschi-echt damit grossge zagen wiftd. Freiltoh seihen׳ auch■ ■wiir keinen Weg, wie selbst eine klagende und ׳weinende Welt hier!Abhilfe schaffen könnte. Da kommen Staaten, einer nach dem anderen, um ii'n die vielverheissentden Handelsbeziehungen zu ׳treten. ■Und keiner ■denkt daran, zum Heile des Staates,, mit dem er vor einem!Vertragsabschlüsse s‘.׳eht, zur Erstarkung:, ferner der sittlichen Aufgaben des •eigenen Staates, ׳diesen Gegenstand auCh n׳u׳r zur Slprache ■zu bringen; denn wir sind!überzeugt, •dass die wirklichen Führer!von Sowjet-Russland' im Innern d:i!e lUnverCinbiairked-t religiöser Verfolgung mit den Prinzipien׳ ihres Staates genau so empfinden wie wir, und dass sie es ׳dankbar begrüssen׳ würden, wenn sie Gelegenheit fänden,!dies öffenf1־ lieh zu dokumentieren. Aber die Welt ■schweigt. Wenn wir uns aus ■dieser bangen■ Weite in die behagliichere Enge flüchten und ׳etwa!hoffen, da eine ge- ׳rulhsame Stunde zu (finden, so sind wir ■bitter enttäuscht* denn auch■ hier erschreckt uns ■eine ׳schweigende Welt. Wir haben zwar dieses Thema schon oft behandelt, wir möchten aber die!Wiener ■thoratreuen Kreise bitten, einmal eine Parallele zu ziehen!zwischen den!!Verfolgungen, ■welche in Sowjet-Russland!von jüdischen!Menschen׳ ■gegen jüdische!Menschen ausgeübt werden, ׳und!den Gewissensnöten, welchen ■zu einem!grossen■ Teil die thoratreuen• Eltern in W1i׳en ausgesetzit! ■sind, •wenn! sie ihre Kinder in ■den sogenannten Religionsunterricht schicken. ■Dass hier die Weit schweigt, ist noch unbegreiflicher. Wer kann ermessen, in wieviel Kinderherzen,!in wieviel Kfnderseelen da ׳der giftige Keim späteren Abfalls vom der Religion in unserem Sinne gefegt! wird. Man kamn ■es nicht begreifen׳, warum die Welt schweigt. Ist •es ׳Feigheit, oder!ist ׳es überstarkes Vertrauen •a.u1f die Kraft ׳des eigenen Heims, das zu paralysieren, was der!Unterricht!verdirbt. Hat man׳ das Vertrauert, so scheint es unbegreiflich, dass man anderseits nicht weites, was ׳es bedeutet, Schule ׳und Haus in offenen Konflikt zu bringen. Man!ahnt nicht, wie leicht aus dieser schweigenden Welt eine ■solche Welt wenden kann, in der die!Thora sChweigt. Ist e׳s ■nötig mehr zu sagen? Mit elnnmGrlff SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformationen in feinstem.modernster Ausführung! DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHEITELN AUF HAUT gearbeitet, gEnzllch unkenntlich Im Tragen. Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen werden übermodern frisiert nommen. Provinzversand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkstitte für moderne Haarkonfektion FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien, II., Stefanlestrasse 7 (jetzige Hs.tendst } und ...ולבסוף ילולי יליל Tränenströme flössen aus unseren Augen auf den heiligen Boden unter unseren Füssen. So misohten sich unsere heissen Tränen zusammen ■mlit dem Tränenmeere der übrigen Juden, die hier ständig stehen und bei der Klagemauer ihr Gebet איש איש על נגעי לבבו verrichten. Man zeigte uns die Orte der ehemaligen Heiligkeit und Pracht. Da waren die berühmten שערים dort die עזרות. Da stand der Altar, an dem man opferte, auf diesem Orte sass der ■Sanhedrin und sprach das ewige Recht. Heute ist auf demselben Orte ein arabisches Gerichtsgebäude. Auf dem Platze, wo seinerzeit das!Bes Hamik closch gestanden ist, befinden sich ■mohammedanische Metschete. Wir sehen jedesmal mehr Ruinen, und jedesmal wird unsere Wehmut grösser, und jedesmal wird unser Schmerz grösser, gleich ״כיום שרפת בית אלקינו Unser Führer erzählte uns die Legenden, die sich um jedes Stückchen des Bodens gebildet haben. Hier wurde der האר״י הקודש geboren, da ist der אור החיים הקדוש verschieben usw. Ich werde dies alles bei nächsten Gelegenheit genauer beschreiben. Heute hielten wir eine Konferenz ab, an der auch Herr Henoch W 0 j d i s 1 a w s k i teilnahm, der seit fünf Monaten in Erez Israel weilt. Nach •einer längeren Beratung, in der uns Herr Wojdislawski über den ■Stand der Wirtschaft und Industrie ׳informiert hat, haben wir beschlossen, hier eine grosse Textilfabrik zu errichten, an der sich jedes einzelne Mitglied unserer Gruppe beteiligen wird. Morgen werden wir unsere Beratungen fortsetzen und weitere Schritte beschliessen. Wir hoffen bestimmt, dass unsere אתעהתא דלתהא eine אתעתתא דלעילא bringen wird, und wir werden mit G-ttes Hilfe zugunsten des jüdischen Volkes in seinem heiligen Lande erfolgreich tätig sein. J. M. Piotrkowsky. Jerusalem, Montag, 22. Schewath. Vom Tage I Schiff ' Pelzwarenhaus En gros und Erzeug«ns!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67-302 Davailverkaufs-Niederlage: ו.! Grabon 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzanfbewahraag gegen Vereioheraig über die Soanernaaate