Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 7 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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wmויי■ Seite 48 JÜDISCHE PRESSE Nr 7 Parteien mH grossem Interesse sowie mit Freundlichkeit auf genommen. Poaleh Emuneh Jlsroel in Tel-Awlw. In Tel-Aw׳iw organisierte sich ein religiöser Arbeiterverband mit dem Zweck, die ökonomischen und religiösen Interessen der orthodoxen Arbeiterschaft zu schützen. In der letzten Zeit wurde ein Arbeiterklub eröffnet. An der Eröffnungsfeier beteiligten sich alle Rabbiner von Tel- Awiw sowie der greise Rabb. iRabltno w 11 z und die Vertreter des allgemeinen Arbeiterrates in Jaffa.!In der Eröffnungsfeier erklärte der Vorsitzende die Notwendigkeit der religiösen Fraktion Im Schosse der allgemeinen professionellen Vereine: (Die religiösen Arbeiter bilden einen überwiegenden Teil der Arbeiterschaft und der Mangel einer Organisation behindert die orthodox* Arbeiterschaft an der ihr emtspechenden Teilnahme im öffentlichen Leben. •Rabb. Rabi.no witz beleuchtete die sozialistische fdee auf Grund der Thora und der Tradition. Der sephardisehe Ober ■r abbin er B e n z i 0 n U s i e 1 hielt eine begeisterte Rede über die Reinheit der Idee von Glauben und Arbeit. Der Oberrabbiner der askenasischen Kehiha Rabb. Aronsohn unterstrich in seiner Rede die Tatsache, dass die iüdisohen Arbeiter und Handwerker immer (Träger des wahren traditionellen jüdischen Geistes gewesen sind. Oie Eröffnungsfeier übte einen grossen Eindruck auf die Anwesenden. Eine grosse Anzahl von Arbeitern meldete Ihren Beitritt zum religiösen Arbeiterverband an• 000 Vom Tage, 000 Die Sozialdemokratie in der Kabalstube. Die «!Wiener!Morgenzeitumg“ bringt in ihrer dieswöchentlichen SonntagsnummeT •die!Meldung, dass der sozialdemokratische Parteivorstand Wiens beschlossen bat!, an den nächsten Kultusgemeindewa'hleni sich zu beteiUgen. Die Sozialdemokraten1 hoffen, bei diesen ׳Wahlen auch von orthodoxer Seite unterstützt zu werden.!Hingegen können sie auf eine heftige Fehde seitens der JÜdischnaWonalen' rechnen, d.a die Zionisten, wie ihr Parteiorgan ,mitteilt, durchaus nicht billigen können׳, dass eine Partei, die die Religion als Privatsache erklärt, sich an der Verwaltung der Kulfcusgemainde beteiligen will. Die ,Arbeiter-Zeitung“ dementiert kategorisch diese Meldung, idle nach allgemeiner Ansicht für *die!sozialdemokratisdhe Partei blamabel ist. — Aus obenzitierten Zeitungskommwitiqueis ist einstweilen zu ersehen, dass die ganze Angeiege »heit von beiden Seiten vom ganz kleinlichen Parteim»d Prestigestaudpunkte *betrachtet wird, wobei wir es den Jüdischnationalen durchaus nicht verdenken wollen, dass sie ihren alten Standpunkt von dem privaten Charakter der־ Religion, falls er von den Sozialdemokraten Vertreten! wird, bekämpfen. Tatsache ist, dass viele Juden, die an der Kultusgemeinde, an ihrem Bestand und Ihrer Entwicklung noch interessiert sind, *mehr aus Wirtschaft- Beben als theoretischen Erwägungen der Sozialdemokrat!־ sichen Partei angebörem Diese haben das!Bestreben, in der Kultusgemeinde eine!Rolle zu spielen und da ihre Stärke in der Kraft der sozialdemokratischen iRartedliegt, sind sie Sfrlbstver stündlich bestrebt, das zugkräftige Partei- Programm bei dem Kampfe um die Kulfcusgemeinde weidlieh auszunützen1. Wir glauben daher, •dass trotz aller of- IteieHen ׳Erklärungeni die •der sozialdemokratische Partei angehörendlen Juden früher oder später den Kampf um die Eroberung der Kulfusgemeinde־ aufnehmen werden. Diese Kamp) wird schwerwiegende Folgen haben׳. In ganz Osteuropa, von Kowno bis Kischenew, sitzen sozialistische Juden in den Vertretungen der Koltustgemeinden, wo sie überall einen erbitterten Kampf führen gegen den Kultus, der die Gemeinde seit altersher zusammenhält. Erst •waren Ae Jüdischnationalen, die statt der K u!11 u sgemeinde eine Volk sgemeinde schaffen wollten, 19hr*e!treuen Bundesgenossen, die!ihnen den (Weg durch die 'Lockerung dies religiösen Gefüges der alten jüdischen Gemeinden frei machten. Zu spät haben sie bemerkt, dass Ihre Adepten das Zerstörungswerk bedeutend gründlicher vollbringen, als es ihnen selber angenehm ist. Daher sind heute die Jüdischnationalen die Bundesgenossen der Konsenva-tiiven, ja sogar der selbständigen!Orthodoxie. Hoffentlich werden die Wiener Jüdischnationalen!aus den Erfahrungen ihrer Gesinnungsgenossen׳ im ■Osten lernen. Statt eine antiorthodoxe Politik zu führen!, die eine Annäherung zwischen Sozialdemakratie und!Orthodoxie!provoziert, sollten sie bestrebt sein, die alte Kultusgemeinde zu erhalten, in weicher die Frömmsten und Orthodoxesten* gerade gut genug sind, um die uralten Institutionen des!jüdischen: *Volkes für eine bessere Zukunft ■zu erhalten. Die Woche. Berlin, Im Alter von 69 Jahren ist am 9. Februar in Berlin Geheimrat Dr. Felix v. Lusdhan, Professor an der Berliner Universität und Direktor des Museums für Völkerkünde, gestorben; Der Tod des weit über die Grenzen Deutschlands bekannten Gelehrten hat in wissenschaftlichen Kreisen Deutschlands ungeheuren Eindruck gemacht* Professor v. Lusdhans eigentliches Gebiet war die Antbropologie. Sein Hauptwerk ist ״Völker, Rassen!, Sprachen“. Der Hauptgedanke dieses Werkes ist, dass eine ״weisse“ Rasse wissenschaftlich nicht feststellbar ist* In einem weiteren Werke, das seinerzeit viel Aufsehen erregt hat, JDie anthropologische Stellung der Juden“, fürhte er die ganzen Theoriiert der;dieutsch-arisohen Rasseanbeter ad ״HADERECH“ 4>—י■י—יו^׳^■—— erscheint nach kurzer Unterbrechung in bedeutend verheuerter und vergrözserter Form wieder. Ab nächsten Monat werden diejenigen, die.bis 16. Februar (10 Adar 1) den Bezugspreis von K 100.000 für ein Jahr bezahlt haben, das Blatt regelmässig monatlich zugestellt erhalten. Da dez ||lhter1(|1( eine Zeitung ist, die Ober die gaase Welt in vielen Tausenden Exemplaren verbreitet, eignet er sich speziell als Insertionsorgan. Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. absurdum und wies nach, dass es eine reine arische Rasse gar nicht gibt. Wegen dieser seiner Stellung war Professor Luschatir obwohl Nichtaüde und konservativ gesinnt; Gegenstand von Angriffen seitens der deutschen Rasseantisemiten; diese konnten aber sehr wenig gegen die überragende Stellung des Gelehrten ausrichten. Czemowltz. Dieser Tage drangen zwei Banditen in das Haus des in ChasskÜmkreisen bekannten Rabbis von Stefanestie ein. Während der eine der Banditen dem Rabbi die Mündung eines Revolvers vor die Stirne hielt und *ihm mit ErsChiessen drohte, wenn er um Hilfe riefe, raffte der zweite Bandit eine grosse Summe Geldes und einen wertvollen Juwelenschatz •zusammen. Die Banditen sind unerkannt entwichen. Jerusalem. Wie der J. T. A.־Ver treter erfährt, hat die Standard Oil Company of America bei Ihren׳ Bohrungen im Südosten von Hebron eine ergiebige Petroleumquelle entdeckt. Jerusalem. Im Verlaufe einer Unterredung, die der Korrespondent des *Alif Ba“ in Amman mit dem zum Besuch des Königs Hussein aus Konstantinopel dort eingetroffenen Scherii Nassar Ihn Saoad hatte, sagte dieser:!Binnen 'kurzem wird kein Jude oder Kurde mehr in Konstantinopel geduldet werden, da die Türken einen Hass gegen alle Nichtmohammedaner hegen. Warschau. Wie bekannt, hat der Verteidiger dies seinerzeit ln Plozk auf Grund einer leichtfertigen Denunziation von einem dortigen Feldgericht verurteilten und ersohossenen Rabbiner Schaptro eine Revision gegen die Bestätlgung dieses Urteils durch das militärische Kreisgericht beantragt* Die Akten wurden deswegen an das oberste Militärgericht gesandt. Nunmehr hat das oberste Militärgericht die Akten dem Oberprokunator übergeben. Man glaubt, dass der Prozess vor dem obersten Militärgericht noch Ende Februar stattfinden wird. Jerusalem. Der Herausgeber des in Bagdad er-;scheinenden «Algo!jrb%l“< righfct in einem Artikel schwere Angriffe gegen die Juden in Irak, denen er nachsagt, dass sie eine Tätigkeit zugunsten Ihrer Brüder in Palästina entfalten. Die Juden ln Irak, schreibt er, tragen auf ihrer Schulter ein ״Mögen Dovid“, in welchem das Wort ״Zion“ zu lesen ist. ® NACHRICHTEN. © 0t<ftrrtit*. Das Ergebnis des Jüdischen Sammeltages. Wien. Das Endergebnis des vom Jüdischen Hilfswerk der Agvudas )Israel gemeinsam mit den Fürsorgeinstitutionen «.der israelitischen Kultusgemeinde ׳Wien veranstalteten Sammeltages am 14. und 15. Schewatih beträgt über e i n e M i H i a r d e Kronen. DtHtKMaM. Der Deiegiertentag in Halberstadt. (Telegraphischer Bericht an die ״Jüd. Presse“.) Halberstadt Der Delegiertentag des Gruppenverbanden der Agudas Jis-roel in Deutschland fand unter ausserordentlich grosser Beteiligung in Halber- Stadt am 4. und 5. Adar statt. In beäug auf den Othmar Schilf, der bekannte Wiener Perücken- und SdieitefezeugeT, hat seine im 1. Bezirk, Kämtnerring 6« befindlichen Werkstätten!bedeutend vergrößert und mit den neuesten technischen Behelfen ausges$1ijt$&.- lassen. Othmar Schiff, auf dem Gebiete des Periicke&wegens tonangehend, befasst sich dereit mit der Herausgabe von neuen Modellen, und wird den geehrten Damen empfohlen, von diesen im Bedarfsfälle Gebrauch zu machen. MÖBEL• SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE“ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 Su •lfmi Enmiug. Bohlaf-, Vorand lUehmilantr aowie Säohm in garantiert solider Bauart xn den billigsten Preisen. Verkauf sfcntltahsr Käola« nrlti. HöohsteAnsxsiohnung. Ctoldene Medaille 1918. 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Es wurden bereits tausend Dunam Boden gekauft. Zu Beginn des Frühlings wird mit der Anbauarbeit begonnen. Es besteht ferner der Plan, in dieser Kolonie eine Thoralehrstätte zu gründen. Eine neue Attacke gegen die Schechita in Polen. Warschau. i!n der Sitzung der administrativen Sefmkommission vom 5. Februar stand ein von den der Rozwoj-Organteatlon angsefoörenden Abgeordneten eingebrachter Gesetzentwurf zur Diskussion, der das Verbot der Jüdischen rituellen Schlachtung in Polen fordert. Die Diskussion wurde vertagt. Die Vorbereitung zum Bau der grossen Jeschiwoh in Lublin. Lublin. (A. J. P. B.) Am 29. Scheva-t fand in Lublin in Anwesenheit der Oberrabbiner K1 a z k i n, Lublin, L-einer, Radzin, und Oberrabbiner Sejmabgeordneter S c h a p i r o, Sanok, die feierliche Er- Öffnung des Arbeitsbureaus der zu gründenden Weltjeschiwoh in Lublin statt. Die bed dieser Gelegenheit eröffnete Aktion hatte gleich in den ersten Tagen einen grossen Erfolg. Es wurden zirka 5 0.0 0 0 D 0 H a r gezeichnet. Am 25. Adar II. findet in Lublin die feierliche Grundsteinlegung zu den .grossen Gebäuden, hi denen die Weltjeschiwoh untergebraoht sein wird, statt. Gleich hierauf wird mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der Antrag auf Aufhebung der zarlschen Judenbeschränkungen vom polnischen Sejm abgefeimt. Warschau, in der letzten Sitzung des polnischen Sejm wurde der Dringhchkeitstvorsdilag des Jüdischen׳ ׳Parlamentsklubs wegen Abschaffung der aus der Zarenzejt stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden verhandelt. ■beT jüdische Deputierte Hartglas führte aus, seit dem Jahre 19119 verhandelt man über diesen Gegenstand, ohne dass bis jetzt eine Regelung stattgefunden hat. Die Akten wurden so verlegt, dass man ein halbes Jahr nach Ihnen suchen musste. ׳Die Referenten halten in der Regel die Akten stets viele Monate lang bei sich, um dann mit Hülfe von Ausreden eine Vertagung iherfoelzuführen- Als ein Beispiel dieser Beschränkung führte der jüdische Deputierte an: Das Bergamt in Domhrowa hat einem gewissen Stephan iLubeztki einen {Bescheid zukoromen lassen, dass ein!von ihm ©!»gereichter Gesellschaftsv ertrag deshalb ungültig sei, weil einer der Gesellsdhafter ein Jude ist und als solcher kein Recht bat, sich an der Bergindustrie zu beteiligen. Solcher Beschränkungen׳ gäbt es viele. Vor drei Jahren)!hat der polnische Gesandte ׳in Amerika erklärt, dass die Judenbescbrärikungen in Polen gemäss dem Versailler Vertrag abgeschafft sind. Solche Erklärungen wurden ■wiederholt gemacht, die aber ln׳ Wirklichkeit keine Grundlage haben. •Bei der Abstimmuttg wurde der Dringlichikeitsantrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Minderheiten abgelehnt. Eine Hochzeit Im Hause des Beizer Rebbe. ln Allesghttz wurde die Hochzeit des Sohnes des Beizer Rebbe gefeiert. Schon Wochen vorher strömten Verwandte und Verehrer aus Ungarn und der Tschechoslowakei nach der Residenz des Rabbi. Auch Viele Rebbes waren zur Feier erschienen, in der 'Hochzeitswoche wurde an jedem Abend ein grosses Festmahl abgehallten, bei dem der Bräutigam ledesmal haladhisohe •Vorträge hielt. In der ganzen Stadt und Umgebung herrschte gehobene Festesstimmung. Die Braut ist eine Tochter des ChassKHmrebbe Rabbi 'Mosche Aaron •aus Kobrän. Die Trauung fand unter freiem Himmel am Freitag nachmittag statt. R«$land. Aufhebung von Todesurteilen gegen jüdische antibolschewistische Führer ln Russland. Moskau. 1W׳ie bekannt, hat das allrussische Exekutivkomitee der Sowjetrepubä'lken, die kn August 191212׳ vom Reviutionsgerfcht gegen die Führer der!Sozialrevolutionäre ausgesprochenen Todesurteile aufgehoben. Unter־ diesen Führern befinden sich die Juden Gote, Hendelmam^ Gerstetig Eger, Eikind und Bugenie R-atner- Die Todesurteile wurden in eine Gefängnfehaft von fünf Jahren für die An- Stifter und von •zweieinhalb Jahren für die anderen umge-!wandelt. Den!Verhafteten bleibt es nach Ihrer späteren׳ Freilassung untersagt, sich! in dichtbevölkerte russische Zentren, besonders!in den iLndws׳tries,tädten, aufzuh-aften. Oberrabbiner Elieser Rablnowltz 8. A. Wien. Wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, ist am Freitag den 4. Adar 1. der grosse Gaon