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Jüdische Presse · 1923-02-15 · 7 (15.2.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
7 (15.2.1923)
Date
1923-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7 JÜQISCP&TOgSSE Ein zweites grosses Gebiet können wir ebenfalls afe von A'guda erobert 1bezeichnen. Wir meinen Gemilus Chasodim. Hand in Hand mit der Abkehr vom Glauben ging eine Erschlaffung der viefgerühtnten jüdischen Mildherzigkeit. Auch diese Krankheit begann sich selbst in orthodoxen Kreisen einzubürgern, als Bollwerk materialistischer Emanzdpations- Bestrebungen. Gegen dieses musste systematisch vorgegangen werden. Der Umstand, dass Aguda satzungsgemäss zahllose Aufgaben zu lösen hat und somit ungeheure Geldmittel zur Verfügung haben muss, ׳kam ihr diesbezüglich fördernd entgegen. Selbstverständlich hat die Umwertung bereits!im liberalen Lager Schule gemacht. Noch können wir lange nicht zufrieden sein, wir können aber diie neue Richtung aufdeoken und sie eine schöne Strecke lang verfolgen. Wenn wir etwa die Berichte dieser Woche lesen, so finden wir wertvolle Körner, die eine grosse Ernte versprechen. Wir zitieren: Einlauf für den Keren Hatauroh in Deutschland innerhalb zwei• Tagen 500 Pfund! Ergebnis einer Sammlung in Lublm innerhalb einer Woche 50.000 Dollar! Zeichmingsergebnrs für eine polnische Kolonie än Erez Jisroel in wenigen Tagen 8000 Pfund! Und schliesslich Ergebnis des Wiener Sammeltages unter Heranziehung der fiberalen Juden über &!n׳e Milliarde Kronen! Wir erwähnen diese Berichte auszugsweise, weil ׳es sich zweifellos nicht bloss um Keime dieser neuen Rdchtung handelt, sondern weil wir in!Ihnen schon deutliche Symptome sehen. d. h. 6. WIENER INTERNATIONALE MESSE 9.—15. M&rz 1924 GÜNSTIGSTE EINKAUFSGELEGENHEIT für ALLE BRACHEN REICHSTE AUSWAHL! TESTE KONKURRENZFÄHIGE PREISE! GROSSER ERFOLG DER HERBST- HESSE 1923: 109.000 EINKÄUFER davon 25.000 Ausländer aus 72 Staaten der ganzen Welt machten grosse Bestellungen! AUSKÜNFTE: WIENER MESSE, WIEN, VII. Zeitwende. An aller Zeiten Wende steht der Tod. Krieg, Hunger, Pest, Revolution, seien sie Ursachen oder Folgen, wenn sie das Ende einer Epoche und den Anlang eines neuen Zeitalters bilden — sie sind eine Zeit des grossen Sterbens. Eine Zivilisation, eine Kultur, ein Staat, ein Volk, eine Menschenigeneration gehen zugrunde und ihnen folgt eine fürchterliche Zeitspanne des chaotischen Ueberganges. Die Ruinen der eingesunkenen Zeit vermengen sich mit den Fundamenten der neuen. Nur kundige, scharfe Augen vermögen Altes vom Neuen, Vergangenes vom Zukunitsträchtigen zu unterscheiden. Eine solche Zeitenwende ist unsere Epoche. Der Menschen mit dem scharfen Blick gibt es aber wenige. Es ,ist nun naheliegend, dass man sich in solcher Verfallszeit mit der Frage beschäftigen müsse, welche Mittel notwendig sind, um dem drohenden Uebel Widerstand leisten zu können. Das Problem ist, wenn man es für eine ganze Welt, oder für ein ganzes Volk betrachtet, sehr schwer zu lösen. Wesentlich leichter ist es, die Aufgäbe auf das Minimum eines einzelnen Individuums zu reduzieren, um dann die Schlüsse auf eine grössere Gemeinschaft zu erstrecken. So fragt es sich nun, wie es bei -uns Juden und um uns Juden bestellt ist in dieser Zeitwende, in der Zeit des naturgemässen Verfalles. Bevor an das Problem selbst geschritten werden kann, muss eine Bemerkung vorausgeschickt werden, die einen Irrtum korrigiert. Es herrscht die aus eigener Ideologie und aus Gehässigkeit fremder Argumentation entstandene Anschauung, dass wir Juden jedwedes Uebel dank der dem Volke innewohnenden rassischen Kraft üiberstehen. Der Antisemitismus hat, um den Hass durch Neid zu schüren, das Märchen erfunden, dass der Niedergang der Welt ein jüdisches Produkt ist, um die Weltherrschaft der Juden vorzubereiten. Dass nun das Märchen von der jüdischen Weltherrschaft eine der abgeschmacktesten Lügen ist, ist bekannt. Doch die ideologische Anschauung von der Unverwüstlichkeit des jüdisehen Volkes entbehrt ebenso wie die antisemitische Argumentation jedweder Basis. Dass das jüdische Volk die gewaltige Unbill zweitausendjähriger Zerstreuung und Knechtung überdauert hat, ist kein Beweis, dass es drohender Zermalmung weiterhin standhalten kann. Ein kurzer Gang durch die Länder der jüdischen Zerstreuung wird die Richtigkeit dieser Behauptung bekräftigen. In Russland befindet sich der wertvollste Teil des Judentums zwischen zwei furchtbaren Stampfmaschinen: Pogrom und Bo Ische wasmus. Der erste mordert den Körper, der zweite die Seele. Die Ohnmacht des* übrigen. Teiles des Judentums zur Hilfeleistung vergrössert die Tragödie des Gesamtjudentums. Das oft zitierte Beispiel des Widerstandes der Juden zur Zeit der Inquisition in Spanien ist insofern nicht stichhältig, als das damalige Judentum in Spanien im Verhältnis zum heutigen russischen Judentum ungleich Widerstandsfähiger gewesen ist. Denn das unzerreissbare Band des Glaubens machte das spanische Judentum fähig, die Katastrophe zu überleben. Das heutige russische Judentum ist nicht durch dieses Band stark. Der Teil, der den Kampf um den Glauben, um die Seele, heldenmütig ficht, :ist klein. Die Folgen aber, die Ver■ giftung des russischen Judentums durch den Bolsohewismus, sr.nd ungeheuer. In Polen drückten die wirtschaftliche Not und der offene Hass der regierenden Kreise wiie auch die allgemein in diesem Lande herrschende Sittenfäulnis schwer auf Körper und Geist der Juden. Doch hier scheint das Judentum sich noch am kräftigsten gegen den Niedergang zu wehren, Siehenfich ist dies deshalb der Fall, weil das polnische Judentum zum weit überwiegenden Teile gläubig geblieben ist. In Deutschland sind d'ie Symptome des Niederganges am deutlichsten sichtbar. Die niedersausende Entwertungskatastrophe verwandelte die blühende Judenheit Deutschlands in eine Ruine׳. Der erschreckende Geburtenrückgang, die hohe Sterblichkeiltsziffer einerseits, der Verlust durch Flucht aus der Religionsgemeinschaft anderseits, dezimieren das deutsche Judentum. Was den letzterwähnten Umstand der Taufe anbelangt, behaupte man nicht, dass es sich um Elemente handelt, die besser verlorengehen als dass sie, im Schosse des Judentums geblieben, durch Assimilation ׳einen ständigen Krankheitsherd bilden. Man vergesse nicht, dass die Erscheinung des Massenübertrittes bereits Folgen einer tiefer liegenden Ursache sind. In Amerika konnten die bisherigen Versuche zur Schaffung eines jüdischen gesellschaftlichen Lebens nur geringe Früchte tragen. Der Amerikanismus tötet hier jedweden jüdischen Oragnismus und hat bisnun nur eine üble Zwdttererscheinung!geschaffen. Wobei noch zu bemerken äst, dass das wenige Jüdische, das heute in Amerika zu sehen ist, nur dank der älteren Imiigranten existiert, wogegen die bereits in Amerika geborene junge Generation vollständig entjüdisoht ist. Dies ist die grösste Gefahr,!die in den EinwanderungSbeschränkungen dem Judentum droht. Bin Umstand, der leider von den betreffenden׳ jüdischen Faktoren in Amerika gar nicht berücksichtigt wird. In früheren Epochen jüdischer Geschichte sehen wir Immer zur Zeit ׳der Vemjphtwigsattentate gegen Brautausstattungen Billigste Ein kaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer stiege 5 (nächst Salzgries), Telephon 66-3-71 Ml« elnemGrlVf SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformationen in feinster u. modernster Ausführung t DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Ais besondere Spezialität: SCHEITELN AUF HAUT gearbeitet gänzlich unkenntlich Im Tragen■ Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen werden übernommen. Provinzver.sand wird prompt effektiiiert Erste Wiener Werkstätte für moderne Haarkonfektlon FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien,!1•, SteVanleitrasae T (]*tilge Heilendst,) modern frisier« das Judentum, das Volk zum Wanderstabe greifen. Heute ist auch diese letzte Abwehrmassnahme nicht mehr möglich. Wohin denn? Das heilige Land ist trotz aller Versicherungen nichts mehr als eine ״geistige Heimstätte“ und darf nichts mehr sein, wie wir es durch das Buch M׳r. Churchills erfahren haben. Es muss also, da die Erfassung des ganzen Volkes gegenwärtig nicht durchführbar äst, die Erfassung des einzelnen Individuums zum Ziele erhoben werden. Die Erfassung des Individuums kann durch zwei Mittel erreicht werden: durch Erziehung von der Kindheit an und durch aufklärende, zum Herzen gehende Propaganda unter den bereits Erwachsenen. Wir wissen aus der jüngsten Entwicklungsgeschichte der Russen, Tschechen und Ukrainer, wie• diese Erfassung des einzelnen Individuums vor sich ging und welch grosse Erfolge dieses Arbeitssystem brachte. Die Parole hiess: ״Ins Volk!“ Es müssen ebensoviel Chaluzim, die ״ins Land“ gehen, ja sogar in grösserem Umfange ״ins Volk“ gehen. Es gilt, bevor man an einen grossen Bau herantritt, zuerst die einzelnen Ziegel zu schaffen. In der. Zeiten schrecklichen Wende, wo der grosse Bau nur unter ■unsäglicher Mühe in Schneckenschritt vor sich gehen kann, müssen die einzelnen Ziegel vor dem Verderben bewahrt werden. Dieser Baustein ist das־ einzelne jüdische Individuum. —z. Aus der orthodoxen Arbeiterbewegung. Die Deklaration der Vertreter der orthodoxen Arbeiterschait im Lodzer Stadtrat. (Spezialbericht der ״Jüdischen Presse“•) In der jüngsten Sitzung des Staditrates in Lodz ©ah Ratmann A.!M, Rogowy, d)er Vertreter der jüdischen orthodoxen Arbeiterschaft, folgende Deklaration ab: *Im Namen der orthodoxen Arbeiterorganisation ״Poadeh Eamme'h Jiisroel“ habe!ich d'ie Ehre, tagendes zu erklären׳: Die jüdische Arbeitermasse, die zulm weit über־, wiegenden!Teil religiös tat, hatte bisnun mangels .entsprechender Organisation keine Möglichkeit, im öffent-, liehen Leiben ihre eigenen Anschauungen zu vertreten. Der Mangel eigener Vertreter schuf eine unerwünschte und oft sogar bedauernswerte Situation, in welcher die ortho-, doxen Arbeiter ähre Stimme in den wichtigen, teils• ökonomischen, teils religiösen Angelegenheiten nicht erheben konnten.; Die erwähnte Situation wurde oft von Führern unreligiöser Arbeitergruppen missbraucht, die ständig im Namen des ganzen jüdischen׳ Proletariats mit antireligiösen• Devisen und Postulaten in der Oeffentlichkeit lanäsetreten, sind, was in der!Allgemeinheit eine g׳anz falsche Meinung, über das jüdische Proletariat gebildet hat. Die Bewegung zur Organisierung des gesamten orthodoxen Judentums, die auch die orthodoxen Arbeiter-!nassen umfasst, hat sich zum Ziele gesetzt, dieser unnormalen undl das gesamte orthodoxe Judentum schädigenden1 Situation, ein Ende zu bereiten. Zum ersten Male tritt in diesen hohen Stadtrat eine Vertretung — wenn auch zurzeit eine kleine — der orthodoxen Arbeiterorganisation. Ohne auf die einzelnen Punkte unseres Programmes einzugehen, wollen wir nur unterstreichen, dass unsere Stellung in diesem Stadtrat sich ausschliesslich auf praktische Arbeit stützen wird, indem wir immer die Wahrung der Interessen der Arbeiterschaft vor Augen haben1 werden, ohne auf Demonstrationspolftik Rücksicht zu nehmen. ■Aus dem obenerwähnten Standpunkt heraus, werden wir in allen ökonomischen Angelegenheiten1 solidarisch mit den anderen Arbeitergruppen Vorgehen. Dagegen erklären wir׳, dass in allen anderen Angelegenheiten für uns der Umstand massgebend sein wird, dass wir ein T e 1 1 d e r Bewegung der Agu׳d!as Schlomeh Emunej Jisroel sind! Besonders werden wir der Erziehung unserer Kinder die grösste Aufmerksamkeit widmen. Wir werden unaufhörlich׳ verlangen, diass der Stadtrat aus städtischen Fonds in entsprechendem Masse die jüdisch-gesellschaftliehen und religiösen Schulen (Chedarim) subsidieren soll• •Wir stehen ■fest auf dem Standpunkt der Selbstbestimmung für jede gesellschaftliche Gruppe in allen Angelegenheiten, besonders aber im Schulwesen. Es ist unsere Meinung, dass die allgemeine Schulpflicht nur dann, erst nützlich sein kann, wenn sie es gleichzeitig ermöglicht, jeden Wunsch des einzelnen;Bürgers in bezug auf Erziehung zu erfüllen. Unser Verhältnis zum Stadtrat und zum Magistrat sowie zu den einzelnen׳ politischen Gruppen wird von den Beziehungen der letzterwähnten zu unseren Gmndiprinzäpien abhängig sein, welche wir mit aller Entschlossenheit zu verteidigen gewillt sind zum Segen der ganzen Stadt sowie zum Nutzen der Arbeitermassen.“ Die Deklaration und das in ihr enthaltene Programm der orthodoxen Arbeiterbewegung wurde vom sämtlichen Schiff5 Pelzwarenhans I., Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschmarkl) Tel. 67-302 Detail verkaufs - Niederlage! |a| Gruben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pnlzavfbewabrug gegen Yerelohernng Ober die SennerMf ate

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