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Jüdische Presse · 1923-02-15 · 7 (15.2.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
7 (15.2.1923)
Date
1923-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 46 JÜDISGgg PRE$8E Nr. 7 Befremdend schon, da&s das Jüdische eigentlich keinen Ausdruck für dieses Wort hat. Aber nicht •nur iexikographisch ist ״Selbstbewusstsein“ dem Judentum fremd. Auch inhaltlich. Der Jude — das heisst der ״rechte“ — ist gar nicht imstande, sich, als ein Selbst, .als ein Absolutum zu fassen. Ein wirkliches Selbst, das wahre Ezeun, ist nur G-tt alein. Der Mensch aber, und insbesondere der Jude, stets ein!Bedingtes, nur Relatives. Nur G-tt ist ״einzig“, das •heisst ohne Beziehung, aber der Mensch, der Jude insbesondere, in doppelter Beziehung. So gestaltet sich sein Bewusstsein: in Beziehung auf G-tt ist‘s Menschenbewusstsein, in Beziehung auf Welt und Menschen sein 'Judenbewusstsein. •Und beide Bewusstseinsarten lassen sich,• wie es scheint, auf ein Gemeinsames reduzieren. Nicht nur die sorgsame Vergleichung beider führt dazu, als den zad hasohowe sdiebbohen das Bewusstsein des Andersseins zu erkennen, auch die Tatsache, dass beide auf Beziehungen fussen und Be- Ziehungen überhaupt nur dort möglich sind, wo zwei als nicht dasselbe gegenüberstehen, auch diese Tat- Sache führt •mit Notwendigkeit dahin, als Folge dieser Stellungnahme des Juden einerseits zu G-tt, andererseits zu Welt und1 Menschen, das Bewusstsein des Andersseins zu postulieren. Nennen wir‘$ •kurz: da« Andersbewusstsein. Wahrhaftig ein stolzes! Wort!!Sind1 wir also wirklich diese stoilzen Gesellen, die sich besser dünken als •die ״anderen“? Nein! Die mit massloser Eitelkeit in ihrer Auserwähitheit prunken? Nein! Aber a m s e g u M 0? Ja! Also doch ״anders“? Ja! — denn wahrhaftig, nicht die Rassigikeit unseres Schädelbaues, noch sonst desgleichen, wonach man auch Pferde, Hunde und Hühner züchtet und prämiiert, machen unser Anderssein aus. Nein, nichts desgleichen. Sondern das, was überhaupt nur in erhabener, natürlicher Weise alles Lebende differenziert und klassifiziert, das Lebenselement. Darum also, weil unser Lebenselement Geschaffenheit und Körperliohkeit ist, deshalb sind wir anders! als!G-tt. Und darum also, weil •unser Lebenselement Tauro ist. darum sind wir anders als die ״anderen“.״Wer denkt da .nicht an •das Jdefe Gleichnis Rabbi Aki-bas vom Fuohs und den •Fischen? Seht ihr so sind sie, die man gewöhnlich die Assimilierten nennt, nicht Fuchs, nicht Fisch, nicht Fleisch: Amphibien. Lurchenhaft wollen sie an beiden teilhaben, an unserem Element des •Beeir majim chajim, des lebendigen Wassers — und am Element luftiger Leere der ״Anderen“. Aber dass ihre Lurchenhaftigkeit nicht g־ttgeschaffen, nicht natür- Üoh •ist, sondern krankhaft, das macht‘s, dass sie daran zugrunde gehen und daran sterben, als Juden jsterben. Sagt selbst, ist das Stolz, wenn der Fisch1 sein Wasser liebt wie sein Leben? Wenn‘:s> also jüdi־ scbes Selbstbewusstsein gibt, und nun. •glaube ich, dass e־s eins gibt, dann ist •es dieses Andersbewusstsein• Ist es nicht nur wegen all des!bisher Gesagten, sondern ist schon rein a priori, weil das jüdische Wort uns den Ausdruck dafür bietet• — Hawdolo. Ist mal Hawdolo-Bewusstsein als wesentlich erkannt, dann muss es aber auch ehrlich anerkannt werden. Und diese Anerkennung des Hawdolo-Bewusstseins! fordert kategorisch die Tauro als unser Lebenselement. Befinden wir uns in Hawdolo-Bewusstsein, dann haben wer unseren rechten Mokaum, unseren. ״Aber jemand vom Hofe, der davon wusste, muss :Euch doch eine Andeutung darüber gemacht haben? Ich dachte, vielleicht der Leibarzt des Königs.... ich weiss, er gehört niaht mehr zu uns ... aber er ist ein •Freund seiner einstigen Glaubensgenossen geblieben. Oder vielleicht...“ ״Nein, nein״ — unterbrach ihn der Oberrabbiner — ״kein Sterblicher hat mir darüber eine Mitteilung oder auch nur eine Andeutung gemacht“ ״Verzeiht, Rabbi, aber als Ihr vor wenigen Tagen erst, ohne irgendeine nähere Erklärung geben zu wollen.. Ihr ■weigertet •Euch, diese zu erteilen, *als» ich Euch darum bat... von mir in einer Unterredung dringend verlangtet, dass lioh die drei Sy nagogendiener •beauftrage ...“ ״Nein, es ist, wie ich Euch sage. Ihr werdet Euch!erinnern, dass ich schon vor fünf Jahren nicht ohne Ueberwindung, mir nach einem schweren!inneren Kampfe mich dem Beschlüsse fügte, beim!Empfange des Königs unsere heilige Thora durch eine, wenn auch gutgemeinte, aber immerhin mit der Wahrheit nicht übereiinstinimende Liste vor äusserlicher Gefährdung zu schützen. Nun kam allerdings vor wenigen Tagen ein neuerlicher äusserer Anlass hinzu, mich an jenes Bedenken nachdrücklich zu erinnern. Und das leitete mich in jener ׳Unterredung mit Euch.“ ״Ach... darf ich Euch bitten, Rabbi, mir diesen, -wie Ihr sagt, äusserlichen Anlass bekanntzugeben?“ Der Oberrabbiner dachte nach* ״Nun •. ich Weldler&Fürst Feinste Herrengarderoben nach Maas Lager feinster, Original engl. Stoffe Wien, II■, Hollandstp« 16 rechten ״Zustand“; und haben wir diesen, dann* ergibt sich von affeih für uns, dass Tauro uns ein chaifez sen, lebensnotwendig, so wie der Fisch nach Wasser schnappt, dass er nicht sterbe. Dass aber Hawdo 10-Be wusstsein;wirklich zui Anerkennung gelange,' das ist die Grund- und Bodenarbert, die die J. 0. leisten muss, damit die Regenspende ihres Tauroiehrens — kammotor iiokchi — nicht vergebens sei. So wichtig diese Arbeit aber auch »ist, ebenso schwierig ist sie. Weil nämlich jüdisohe Menschen dm Golus gar so oft zum Amphibischen neigen. Wdl jede andere Hawdolo, jede;andere Art- Scheidung G-tt von Anfang schöpferisch in seifte Welt hineingelegt hat, Hawdolo zwischen •Licht- und Finsternis, Hawdolo zwischen Wasser und Wasser, Hawdolo zwischen Art und Art, leminau! Nur diese Hawdolo des!jüdischen Bewusstseins hat G-tt nicht geschaffen, hat ihre!Schöpfung dem Menschen üebrlassen, dem jüdischen Menschen, dass er hiervon gewissermassen werde schuttof lakodausch!bor-hu bemause wereischiss, Mitschöpfer in G-ttes Welt! Versteht• ihr nun, warum es nicht leicht ist, ,H1awdolo־jBewussts׳er'n zu gewinnen? warum auch so schwer, es zu erhalten? Wenn darum irgendwo ehrlicher Wille notwendig ist, eiserne Energie, dann •hier kein Bawdoio-Bewusstsein ohne Hawdolo-Energie, ohne Hawdolo-Wiillen! Wenn am Mauzaei schabbos kaudesah der Jude Hawdolo ׳macht, dann ruft er sich vier verschiedene Hawdolaus ins Gedächtnis. Alle viier nicht immer leicht zu üben; aber alle vier streng und unbedingt gefordert, so wie in allen vieren G-ttes Hawdolo- Tat■ als Vorbild gesetzt ist. H a m a w •d 111 b e i n k!a u d e s c h 1 e c h a u 1 — Hawdolo zwischen heilig und nichtheiilig, zwischen Nur-G-tt und Nicht-G-tt. Kaum irgendwo zeigt sie sich so schroff, wie bei der Milo. Meinst du,!sie sei leicht, weil das Kind sie wehrlos erträgt? Oder fällt es dir leicht, die Orio des Herzens zu beschneiden? Und doch muss mit messerfeinem Schnitt die Trennung erfolgen. — b e i •n auf 1 e c h a u d e s c 11 — Hawdolo zwischen Licht und Finsternis, zwischen Tauro und Nicht-Tauro. Du hältst vielleicht Tauro für ein Kinderspiel, meinst, dass man Tauro so nebenbei gewinnen kann, so sportmässig, •dass der ״Schiur“ allein es schon macht? Aber unsere Alten, die Tauro wirk- ׳lieh hatten, haben es• besser gewusst: Sauss hattauro odom ki jormis boauhel (4. B. M. 19., 14.), wer die Kraft nicht hat, zu entsagen, wird Tauro nie gewinnen! ,Kach hi darko schel Tauro .... (Spr. d. Väter, VI., 4.) — b ei njisroel io ammim — Hawdolo Modewarenhaus Bruder FisßhersNachf. Anton Schäfer Wien, IL, Rneppgasse 17 Grosses Lager aller Schneider- und Modisten-Zugehörartikel, Wäs«he. Stoffe, Teppiche und Vorhänge. werde ihn Euch mitteilen, aber nur Euch allein, doch nicht heute ... bei einer geeigneteren Gelegenheit. Ich möchte auch erstד erfahren, was mir der König zu sagen geTuhen wird, er hat mich, was Ihr noch nicht wisst, für morgen zur Audienz befohlen.“ Der Vorsteher verneigte ׳sich. ״Wann Ihr wollt, Rabbi. Ich •danke ׳Euch innigst, dass Ihr mich Eures Vertrauens würdig haltet.“ Die beiden waren inzwischen vor dem Hause des Oberrabbiners angelangt. •Der Vorsteher wollte sich empfehlen, doch der X>berra!bbiner •hdelt;ihn zurüok: ״Sagt, habt Ihr den Mönch genau angesehen?“ ״Gewiss!“ ״Welchen Eindruck machte er auf Euch?“, ״Er ist ein auffallend schöner Mann, mit einem durchgeistigten Gesicht und Augen, wie ich kaum noch sah. Man kennt ihnen an, •dass er viel studiert und viel erfahren haben muss.“ ״Für wie alt haltet Ihr ihn?“ ״Nun ... ich denke, er wird etwa 30 Jahre alt ®ein. Bei der angesehenen Stellung, die er schon erreicht hat ״Glaubt Ihr nicht, dass er erst etwa 25 Jahre alt ist?“ ״Es kann sein. Bei einem Gesichte, wie dem seinen, kann man sioh leicht täusohen.“ Mit herzlichem Händedruck verabschiedeten sich die beiden Männer. (Fortsetzung folgt.) zwischen Jisroel und den Völkern, Jude und Nichtjud$. Kein Weines ׳Heldentum hat; G-tt von seinem Volke erwartet, als er es fürs Golus,, fürs Leben unter den Völker bestimmt hat, Gibt es grösseres Heldentum, als Jude sein unter Nichtjuden, als Jude bleiben? Denke dir nur. wenn du einen Fisch aus dem Wasser zögest und ihn aufs. Trockene unter Landtiere setztest und zu ihm sprächest; hier lebe! Verstehst du nun, warum ׳es der Brocho Jakauws bedurfte: wejidgu lorauw bekerew ׳hoorez: den Fiischen gleich sollen sie ׳in Menge sein — obwohl mitten im Lande! Der Mann des ׳Golus war Jakauw owinu, er kannte des Golus Wucht und Schwere, fürs Golus gab er uns die Berocho und doch wiil’s G-tt von uns, wie schwer es auch sei — bein ja um hasch wii besehe•isches jemedhamaasse — Hawdolo zwischen Schabbos und Nicht-Sohabbos, zwischen G-tt und Mensch. Wir wissen es alle, •wie Schabbos richtig zu ״halten“ durchaus nicht leicht ist. Wie unser Ich, wenn mit Schabbos-Ausgang die nesohomo jeszeiro uns verlässt, den Seelenriss da so schmerzhaft spürt und an der Scheide von Schabbos und Nicht-Schabbos: ״w!ai! nofesoh!“ schreit — ״Weh mir die Seele!“ (Taanis 27 b.) Und doch, wer ihn entweiht — ein G-ttesleugner, keau weid awaudo •soro, eben darum, weil er damit die Hawdolo zwischen G-tt und Menschen leugnet! Dies alles zeigt uns ausdrücklich, dass Hawdolo-Bewusstsein ohne entschiedenen, energischen Hawdolo-Willen ei!n Unding, ein Unsinn ist. Zeigt uns aber auch, dass G-tt, •der selber auch diese vier Hawdolos wirkt und für seinen Teil bereitet, uns hilft und stützt. Hawdolo und Tauro! — Unter diesem Zeichen werden wir siegen! Aguda-Erfolge und ihre Bedeutung. Unglaublich rasch •geht die Saat der Kenessfo Gedaulo auf. Es ist nicht bloss die Synthese der vielen politischen und moralischen Siege des Agudagedankens in allen Ländern, wo Juden wohnen, als natürliche Auswirkungen des grossen historischen Ereignisses der vergangenen Eilultage, sondern es ist vornehmlich der erzieherische Wert, den die Verwirkliohung des Agudaprogrammes beinhaltet. Nicht Scheinerfolge sind es, von demagogischen Schlag- Worten, bombastischen Kommuniques künstlich genährt. Wir erleben hier eine grosse jüdische Volksbewegung, deren Wurzeln in den Besten Jisroels verankert sind. Auch das Ziel!ist klar. Es heisst: ״Alle Aufgaben in Erez Jisroel und in der Diaspora im Geiste der Thora zu lösen“. Es gibt kein Problem, das nicht in diesem Geiste zum Besten des jüdischen Volkes zu lösen, wäre, und es gibt keine Aufgabe zu dessen Wohl, das nicht mittelbar oder indirekt in den Rahmen dieses weitgesteckten Aktionsprogrammes hineinpasste. Die Arbeitsgebiete sind so mannigfach, dass sie sich wohl als Vereinigung der drei Träger der Welt in Thauro Awaudoh und Gemilus Chasodim in der altsyrnholischen!Bedeutung zusammenfassen lassen, doch bleibt es den Geschieht- Schreibern der Zukunft überlassen, die einzelnen Phasen in der Entwicklungsgeschichte dieser wohl jungen, aber umso mächtigeren Volksbewegung annähernd genau festzustellen. Wir sehen heute schon die Richtung der ersten und wichtigsten Etappe, nämlieh die Abkehr vom Phantom: Emanzipation. Das offene und freie Bekenntnis der jungen, glaulbensstolzen Agudisten manifestierte den Weg aus dem Chaos des modernen Zeitgeistes und ist die Intensivierung des Thaurostudiums und dessen praktische Verwirklichung. Eine Statistik der steigenden Frequenz sämtlicher Jeschiwos wäre ein sehr wertvolles Material für den Historiker. Doch eine erschöpfende Erfassung dieser Materie muss in allen Symptomen, die der Psychologie dieser Massenbewegung zugrunde liegen, gesucht werden. Die Ursache ist das durch die •agudistische Ideologie geschaffene offene Bekenntnis zu inniger Gläubigkeit, die positiven Merkmale sind die Zunahme des Thaurolernens und der Awaudoh in den konservativen Lagern, sowie der Umschwung in Erziehungs- und Organisationsfragen, selbst bei liberalen Juden. Während der individuellen: Und. jüdischnationalen Aufklärungsperiode wagte man nicht öffentlich von Geboten des Schulchan Aruch zu sprechen, und man dachte gar nicht, dass eine jüdische Institution auch jüdischen Vorschriften entsprechen müsse. Heute nach einigen Jahren intensiver Agudaarbeit ist es in den sogenannten •liberalen Kreisen eine selbstverständliche Norm geworden, jüdische Institutionen sogar im streng orthodoxen ßinne zu führen. All die hier gemeinten erfreulichen Resultate der Emanzipationsbekämpfung sind Produkte agudistischer •Erziehung. Der Versuch, diese Fälle durch lokale oder persönliche Einwirkung zu erklären, wird in der Regel soheitern. Auf dieser ׳Basis erscheint die Aussicht für die Erziehung der kommenden Generation recht verheissungsvoll. Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar ifn Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien. i. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 (nächst dem Stefansplatz,, um die Ecke)

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