Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 6 (8.2.1924)
- Date
- 1924-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 JÜDISCHE PRESSE Seite 41 imd durch morschen, altersschwachen, todkranken Organismus. Es ist so, wie es der gewesene englische Premierminister Baldwin in seiner letzten Rede sagte: die Zukunft gehört zwei ׳Elementen; dem Konservatismus und den Linksparteien. Der Kampf um den endgültigen Sieg wird allerdings noch ausgelochten werden müssen. Alles, was aiber in •der Mitte zwischen diesen zwei Extremen liegt, wird sich entweder entscheiden oder spurlos verschwinden müssen. a^• Die Woche. |® Amsterdam, Am 27. Jänner wurde in ganz Holland der hundertste )Geburtstag des berühmten, in Holland gebarenen jüdischen Malers Josef Israel feierlich begangen. Die ganze holländische Presse feiert den erst vor wenigen Jahren in hohem Alter verstorbenen Künstler als den letzten Vertreter der ganzen holländischen Schule. Paris. In der neuen ׳vom Ministerium des Innern veröffentlichten Liste der Ritter der Ehrenlegion befinden sich auch die Namen folgender dreier Juden׳: Otto Kahn aus New York und Rozanes und Schwöb aus Paris. Warschau, Die extrem-antisemitische Gesellschaft Rozwoj veröffentlicht erst jetzt die Resolutionen der sogenannten Judemkenner-tKonferenz, die noch Ende!Dezemher stattgeifunden hat. Unter den! bisher noch nicht bekannt gewordenen Beschlüssen ist der folgende erwähnenswert: Es wird ein spezielles Komitee eingesetzt, das sämtliche religiösen Schriften der Juden, angefangen tvoin Talmud, zu übersetzen hat, um de!r Welt die Geheimnisse der Juden zu offenbaren. Konstantinopel. (J• T. A.)!Der J• T. A.-Vertreter in Konstantiinopel hat über den Untergang des Dampfers ,,Conojios“, der auf der Fahrt von Odessa nach den Vereinigten Staaten in der Nähe des Hafens von Trapezunt gestrandet war, Erkundigungen eingezogen und erfahren, dass bei dem Untergang des Schiffes keine ׳jüdischen Emigranten ■ums Leben gekommen sind. NACHRICHTEN. © Oftttrrtielt. Wien. ,,Jüdisches Hilfswerk.“ ׳In der letzten Sitzung «dies vereinigten Kuratoriums und Vorstandes wurden die Herren Univ.-Prot Dr. M. Eisler zum!Präsidenten, Herr Bernhard Hirschier zum Kassier und Herr EmH Kritzler zum Schriftführer gewählt.!Die (Leitung des Jüdischen fflilfswerkes gibt bekannt, dass sie nur!jene Verpflichtungen anerkennt, ■die mindestens von einem der drei genannten Herren gezeichnet sind. Frau R. Kritzler s. A. Wien, Am Dienstag verblich Frau Riwka Kritzler, Witwe nach dem unvergesslichen langijährigen Vorsteher der Adass J'isroel und der Jessod flatora äm 79• Lebensjahre. Im ׳Vereine mit ihrem edlen Gatten führte sie ein echt jüdisches Haus, das allen׳ Armen offenstand. Was dieses Ehepaar an Hilfe und Wohltaten geübt hat, ist unbeschreibhch. Die ganze Schiffschulgemeinde und viele Freunde der Verblichenen fanden sich '•i׳m!Trauerhause ein, wo der Sohn, Architekt Ludwig Kritzler,!im erschütternden Worten den unsagbaren Verlust, den die Familie und das Judentum erlitten, beklagte. Des Rosch-Ghödesoh halber wurden keine Hespedim gehalten; die Schilderung der hohen Tugenden der ׳Verblichenen', die sich ■dre Tfrauergäste erzählten, war die schönste Leichenrede. Auch auf dem Zentralfrtedhofe fanden s!ioh eine grosse Anzahl von Freunden der Familie ein. Das unauslöschliche Andenken! an dieses fromme edle Ehepaar wird! ihren Familien uüd ihrer Gemeinde zum Segen gereichen. Rumänien. Philipp Zltron דל.!Die siebenbürgisebe Judenhelit, die an Tagenden Persönlichkedten nicht gerade allzureioh ist, wurde am 120. iSchewat durch G-ttes unerdorsohlichen Ratschluss um einen Mann vermindert, der den (Stolz des hierländischen׳ Judentums im allgemeinen und eine Säule und Zierde der transsylvanisdien Orthodoxie Im besonderen bildete. Dieser Mann war Philipp Zitron ז״ל a!us Media sch. Als Kind arm er, aber frommer Eltern arbeitete er sich, ein wahrer Selfmademan, aus den. bescheidensten Anlängen zu staunenerregendem׳ Gipfel empor. Als Klefnkaufmann ׳begann er seine Laufbahn und als •der bedeutendste Waren hausinhaber und Grossindustrieller!hierzulande beschloss er dieselbe ׳Infolge eines jähen Todes, der einem ausesrordentlich!Inhalts- und wertvollen 1Leben ein allzufrühes Ende bereitete. Ph. Zitron war eine in sich geschlossene Individualität ln!ieder Beziehung. Ihn zetdine!te ein durchdringender, ׳klarer, praktischer Verstand aus, der die grössten Schwierigkeiten, die!verworrensten׳ Knoten mit seltenem Geschick lösen׳ konnte. Trotz seiner Ueberltegenheat war er aber der leutseligste,•bescheidenste Mil •InnmQrlff SCHEITELN, PERÜCKEN u. Traaaformatlenen ln felnater u. Modernster Ausfühmag 1 DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHEITELN AUF HAUT SurbcHat) gEnsllch ua■ •nntllch Im Trag•■!. Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen werden übernommen. Provinzversand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkstätte für moderne Haarkonfektlon FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien, II., Stnfanleatrassn 7 (Jetzige Holdst .י modern frisiert Mann mit dar ausgesuchtesten Höflichkeit und Zuvorkommenheit aller Welt gegenüber, die den Verkehr mit ihm zu einem wahren Genuss •gestaltete. ׳Ich wall aber ׳hier seine Eigenschaften, diie ihn als!Menschen charakterisierten, nur nebenbei gestreift haben. Was ich an ׳dieser Stelle ihervorheben möchte, das ׳ist sein Wirken und!Schaffen,!die ihm als gesetzestreuen Juden das Gepräge geben. Er war ein ׳streng •religiöser Jude ■mit Einsetzung seines grossen materiellen und geistigen Fonds. Als (Mann der ausgesprochensten Wahrheitsliebe und der Geradheit, verwarf e!r alle Hetterim und!Hetterchen, die ihm von heuchlerischer (Seite präsentiert wurden, um seine!riesenhaften Unternehmungen von den so sehr gefürchteten Nachteilen: der שמירח שבת zu befreien. In seinen Fabriken und in seinem Warenhause wurde so rigoros שבת und י״ט geheiligt, wie man es sich idealer gar nicht denken kann. Fünfzig jüdische Familien fanden ׳ihre!Unterkunft in den Unternehmungen Ph. Z'itrons und der Geist seiner unverfälschten Frömmigkeit übertrug sich durch seine zi-el- ■bewusste Tätigkeit auf seine Mitarbeiter, so dass er der heiligen G-ttessache ■eine von Liebe zur חורת und עבודת beseelte Garde erzogen und geworben hat. Die seltene "זכי wurde ׳ihm zuteil, seine Kinder sämtlich in seinem Geiste erziehen׳ zu können. Seine Söhne und ׳Töchter stehen theoretisch und praktisch auf dem (Boden des gesetzestreuen Judentumes bis zum letzten מנחג ישראל herab. IBei der Verheiratung seiner Kinder kannte er keinen anderen Gesichtspunkt als Hoheit der Abstammung, talmud'ische Kenntnisse und religiöse Integrität• Als sprechendster (Beweis für die Ehre und das Ansehen, die er genossen; sei nur darauf!hingewie-sen, dass sich auch kein Geringerer mit ihm .verschwägerte als der weit über unsere Landsgrenzen hinaus berühmte גאון הצדיק der Oberrabbiner aus iGrosswardein חח״ג מו״ת משה הרש פוכם ז״ל Er hinterliess der תלמוד תורת von!Mediasch einen Fonds von 400.000 ■Lei und zur Errichtung!einer mit ׳de!r ת״ת in Verbindung zu bringenden Elementar- und׳ (Bürgerschule einen! weiteren Fonds in •der Höhe ■von einer Million Lei, den seine Söhne und Schwiegersöhne um eine zweite Million zu erhöhen gedenken. Die am 211. Schewat stattgehabte ,לוי war eine solch überwältigend ׳imposante, wie sie die Stadt!Mediasch noch niemals gesehen. פ ד י ם D ח hielten die Oberrabbiner zu Mediasch, Grosswardein und Schässburg. Trotz der ׳herrschenden Kälte •hielt die unübersehbare Menge mit Geduld und Ausdauer stand und lauschte den Ausführungen ׳der Redner.!Selbst die Honoratioren der Stadt wohnten der ganzen Feierlichkeit vom Anfang bis zum Ende bei und noch :bei der spät abends erfolgten Beisetzung im Friedhof waren viele hervorragende Nichtduden anwesend. Möge das harmonische, ecbtjüdische Leben Ph. Zitrons ז״ל auch ׳nach seinem Tode so befrudhtend und aneifernd wirken, wie zu seinen!Lebzeiten und möchte doch dem siebenbürgischen Judentum, dem es an hervorragenden, gesetzestreuen Persönlichkeiten so dringend nottut, in naheT Zukunft ein Ersatz für den׳ durch das Atosterben iPh. Zitrons erlittenen Verlust erstehen! תנצב״ת♦ iR. J. A. Sch- Eltauen. Das Sonntagsruhegesetz In zweiter Lesung. Kowno. In zweiter Lesung wurde im Sejm das Sonntagsruhegesetz mit den von der jüdischen Fraktion beantragten Aenderungen angenommen. Es steht noch aus, w׳as die dritte Lesung bringen wird. Für den günstigen Ausgang der zweiten Lesung war eine Stimme von Techtsstehender Seite entscheidend. Der jüdische ׳Minister und Sejmdepu feierte •Rosenbaum hat es für gut gehalten, sich Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer /(״Sr/- gries), Telephon 66-3-71 vor der Verhandlung ins Ausland zu begeben, um der ganzen Sache aus dem Wege zu gehen. Ohne die rettende!nichtjüdische Stimme hätte die zweite Lesung das Gesetz glatt angenommen, was abeT den (Minister für jüdische A־ngelegenheiten vollkommen kalt lässt. Amtrika. Ein Notruf der deutschen Juden In Amerika. New York. Das jüdische Zentralaant in New York hat einen Aufruf des Rabbiners Dr. Auerbach erhalten, in welchem gesagt wird, ,/die deutsche Judenbelt befindet sich ■in äusserster No!t. Hunger und ׳Verzweiflung ׳wohnen in den Häusern •der jüdischen Rabbiner, Lehrer und deren Angehörigen“. In dem Aufruf heisst es weiter: ,,Ihr alle, die Ihr die deutsche Judenbeit in glücklicheren Zeiten gekannt habt, ,Ihr, die Ihr von ihrem idealen Gemeinschaftsleben profitiert ׳habt!und •Ihr, die Ihr direkt oder indirekt die Segnungen deutscher (Bildung erhalten habt!, gedenkt der Verzweiflung der jüdischen ׳Beamten• Deutschlands in dieser trostlosen Zeit. Gedenket der Verdienste; die sich deutsche Juden um die Verbreitung der heiligen Lehre sowie um die Linderung jüdischer Not in der ganzen Welt erworben haben!“ €rez 3$roel. Intervention der Führer der palästinensisch-jüdischen Orthodoxie bei König Hussein zugunsten der yemenitischen Juden. Jerusalem, Wie gemeldet wird, hatte der Führer der Agudas Jisroel in Palästina, Oberrabbiner R. Chaim Sonnenfeld, dem Dr. de Haan einen Brief an König Hussein von Hedjas mitgegeben, in welchem der König gebeten wird, seinen Einfluss׳ dahin geltend zu machen, dass der Verfolgung der yemenitischen Juden Einhalt geboten wird. Dr. de Haan, der eben nach Jerusalem zurückgekehrt ist, berichtet, König Hussein habe ihn sehr freundschaftlich empfangen und ihm versprochen, alles, was in seiner Macht steht, für die Juden Yemens aun zu wollen. König Husseins Forderung nach der Unabhängikeit Palästinas. Jerusalem. (J. T. A.) Wie der J.!T. A-Vertreter erfährt, besteht wenig Wahrscheinlichkeit für einen Besuoh König Husseins in Palästina, dagegen weide Sir Herbert Samuel während der nächsten ׳vierzehn Tage König Hussein zum zweiten!!Male ln Tiransjordaniten besuchen. Während einer Unterredung in Amman hat König Hussein erklärt: ״Wir arbeiten für eine absolute Unabhängiglkeit aller arabischen Länder. Ohne das kein Vertrag.“ Diese Aeusserung König Husseins wirft von neuem die Frage der Rolle!Palästinas im Anglo-Hedjas-iVertrag auf, die man nach der englischen Ablehnung des •vo,n dem Gesandten Husseins im vorigen Jahr m Jerusalem übergebenen Kommuniquees als zurückgestellt betrachtet hat-!ln bezug auf dieses Komimuniquee hat der Gesandte König Husseins ■damals den Arabern gesagt: ״Se.!Majestät hat mich beauftragt. Euch seine Absichten in folgender Weise matzuteilen: König Hussein hat dem Entwurf des Anglo-Hedjas-V׳er!tra:ges eine Klausel in bezug auf die vollkommene, absolute Unabhängigkeit Palästinas eingefügt, wonach die Bewohner Palästinas ihre Regierung nach ihren ׳Wünschen wählen können, was d!ie (Balfour-Deklarabion unberührt lässt. König Hussein verlangt ferner, dass der palästinensische Obenkommissär nach Abschluss des Vertrages Euch in Gegenwart der Delegierten aus Hedjas bekanntgibt, dass Palästina gemäss den Zusagen der engliseihen Regierung an König Hussein vollkommen unab- (hängig und bedingungslos berechtigt ׳ist, sich dem arabasehen!Staatenbund anzuschliessen. König Hussein beauftragt mach. Euch zu ׳versichern, ׳dass er die ׳Unterzeichnung des ׳Anglo-HedliasWerträges strifkt ablehnen wird, wenn die britische Regierung diese Klausel nicht anerkennt. Wenn die Verhandlungen erfolgreich sein werden, wird König Hussein mit Euch diie neue Form der Regierung beraten. Im Falle ihrer Erfolglosigkeit wird er mit Euch diie dann zu unternehmenden Schritte erwägen. König Hussein hat mich beauftragt. Euch zu sagen, dass er alle Palästinenser, ob Mohammedaner oder Christen, Juden oder Zionisten, als steine Kinder betrachttet, sofern sie von der iBalfour-Dekilaration absehen.“ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. 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