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Jüdische Presse · 1924-02-01 · 5 (1.2.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
5 (1.2.1924)
Date
1924-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 34 JOPBCBE PRESSE Nr 5 Eine kleine Neuerung war doch besclrieden. Es war quasi der Schlager der neuen Männer, die Anerkennung Sowjetrusslands. Doch sollte man auch da nicht die neuen Männer überschätzt haben? Europa braucht ein gesundes Russland. Benötigt das russische Absatzgebiet, Russlands Konsumtionskraft, Russlands Produktion. Kein Land benötigt all dies mehr, als das unter der Plage der Arbeitslosigkeit stöhnende England. Aus den bisherigen Aeusserungen der bestinformierten Blätter, unter anderen der ״Times“, kann man entnehmen, dass es sich in der Anerkennung Sowjetrusslands nur um die formelle Sanktionierung und eventuelle Ausbreitung der berelts ־ bestehenden kommerziellen Verbindungen, handelt. Es ist auch anders nicht möglich. Ebenso wie das revolutionäre, ja sogar bolschewikische Russland das Erbe der zaristischen Expansionspolitik und zaristischen Zentralisationstaktik lückenlos mitübernehmen und seine eigenen Ideen diesen unterordnen musste, ebenso muss eine sozialistische Regierung Englands in die Fusstapfen der alttradionellen Politik Englands, die ebenso liberale wie konservative Minieterien befolgen müssen, treten. Es geht nicht um die Herrschaft einer Parteiidee, eines Parteidogmas oder eines Parteiprogramms. Der noch so grosse Wille der Menschen muss vor der Allmacht des Schicksals — im Leben der Völker Bestimmung genannt — restlos kapitulieren. Auch in der jüdischen Welt muss sich diese Wahrheit durchringen. Die Führer aller Parteien, die Wortführer aller Ideen müssen einsehen, dass noch so grosse Kraft- und Willensanstrengungen im letzten Punkte doch versagen müssen. Dort wo wahres Leben herrscht, dort wo ein neues Leben erwachen soll, dort sind die Spuren seit urewigen Zeiten verzeichnet. E s g i 11 nur, aus der furchtbaren Wirrnis der Zelt auf den alten Pfad zurückzufinden. Nur er führt zum ersehnten Ziel. Die flammende Leitsäule jüdischer Bestimmung heisst die Auserwähltheit des jüdischen Volkes. Sein Schicksal: durch unsagbares Leid zur Erlösung. —z. Konferenz des Zentralrates der Agudas Jisroel in Polen. (Von unserem Warschauer Berichterstatter•) Vergangenen Sonntag und Montag fand in Warschau die Konferenz des Zentralrates der Agudas Jisroel in Polen statt. Die Konferenz wurde äusserst zahlreich aus ganz Pollen beschickt. Im Namen des Geschäftsführenden Ausschusses eröffnet« Herr J. M• Lewin die Konferenz mit einem Berichte über die bisherige Tätigkeit und über die Fragen, die auf die Tagesordnung der Konferenz gestellt wurden. Zum Präses der Tagung wurde einstimmig Oberrabb. 1P10 cky aus Ostrow gewählt. Nach einer Begrüssung der Konferenz durch die Vertreter der orthodoxen Arbeiterpartei ״Poaleh Emune Jisroel“ wird die Aussprache über die politisehe Lage eröffnet. Es hielten längere Referate die Abgeordneten Kirschbraun und Mintzberg. In der sich hierauf entwickelnden, äusserst lebhaften Diskussion, die sich bis Montag, nachmittags ver- Nun spielte sich in der Synagoge eine Szene ab, die ihresgleichen wohl noch nie gehabt. Nachehv ander wurden die vom König öezeichneten Thorarollen geöffnet, aus jeder las der Oberrabbiner, der mat grosser Gewandtheit die Stellen fand, die er suchte, dem König einige der herrlichen Lehren vor, mit denen die Thora Israel, ja die ganze Menschheit beschenkt hat• Mit wachsender Ergriffenheit vernahm der König, wie die Thora das gleiche Recht, für alle verkündet, für den Einheimischen, wie für den Fremden, wie sie für ־die Armen und Bedürftigen sorgt, Erbarmen und Güte •gegen den Feind befiehlt, Unsittlichkeit, Unredlichkeit, Neid, Hass, Lüge und Verleumdung als Sünde brandmarkt... Der Oberrabbiner las׳ den hebräischen Text und der Mönch übersetzte ihn sofort, wortgetreu, ohne zu stocken, ohne sich auch nur einen Moment besännen zu müssen. Als der Oberrabbiner bei der neunten Thorarolle angelangt war, las er aus ihr die Stelle: ״Aber auch wenn sie im Lande ihrer Feinde sein werden, werde ich säe nicht verwerfen und sie nicht verschmähen, um sie zu vernichten, meinen Bund mit Ihnen zu •brechen, denn ich bin der Ewige, ihr Gott•“ Mit mächtigem Klang hatte der Oberrabbiner den Satz zu sprechen begonnen, aber von Rührung überwältigt, schloss er mit thränenerstiokter Stimme. Der Mönch übersetzte die Worte mit bebenden Lippen. (Fortsetzung folgt.) Weldler&Fürst Feinste Herrengtrderobea nach Mats / Läger feinster. Original engl. Stofle Wien, II., Hollandstp. 18 zogen hat, wurde einerseits die Tätigkeit des jüdisehen Sejmklubs einer scharfen Kritik unterzogen und andererseits die Richtlinien der orthodoxen Politik festgesetzt. Die hierauf mit überwältigender Mehrheit gefasste Resolution deckt sich inhaltlich vollkommen mit der Resolution, die auch vom Massenmeeting angenommen wurde. (S. Bericht über dlas Massenmeeting in Nr. 4 der ״Jüdftsohen Presse“.) Die dritte Sitzung am Montag abends befasste sich mit der Organisation des ״Keren Hatairroh“ in Polen und mit der katastrophalen Lage der Jeschiwos und Chadorim. Da Oberrabb. Schapira abwesend war, referierte Herr A. Z. F r d e d' m a n n namens der CbinuchrZentrale. Das ausführliche Referat gipfelte in der Forderung, dem Keren Hatauroh einen weitgehenden autonomen Modus zu gewähren, damit sämtliche orthodoxen Kreise für diese Aktion gewonnen werden können. Nach •einer gründlichen Diskussion! und nach dem Resume durch Red. M. Kamäner wurden folgende Resolutionen gefasst: 1. Der Zentralrat der Agudas Jisroel in Polen beschiliesst, in Ausführung der Beschlüsse der Kenessio Gedaulo, die Gründung und Organisation des Keren Hatauroh ln Polen als Finanzanstrument, das für die Erhaltung bereits bestehender Jeschäwos, den Neubau anderer, und für däe Existenz von Chadorim und anderer Chmuchi-Institutionien zu sorgen hat. 2• Der Keren Hatauroh wird auf ganz autonomen Grundlagen aufgebaut, mit einem selbständigen Direktorium an der Spitze. Es müssen aber statutarisch die Prinzipien der Aguda in bezug auf das Ghinuchwesen sowie das Verhältnis des Keren Hatauroh zu Agudas Jdsroel festgesetzt werden. 3. Keren Hatauroh organisiert ein besonderes Arbeitsbureau «unter der Leitung eines Direktoriums. Die juridische Seite der Angelegenheit der Chadorim konzentriert sich weiterhin im Seimklub der Agudas Jisroel. , , ך Modewarenhaus Brüder FisGbersäachf. 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Schapira aus Sanok seinen Dank für seine erfolgreiche Arbeit aus. 8. Der Zentralrat beschliesst, dass •die von der Kenessio Gedaulo beschlossene Delegation nach Amerika so bald als möglich abzureisen hat, um dort mit der Arbeit für den Keren Hatauroh und für die Renaissance des religiösen Judentums in Amerika zu 1beginnen. Die Zusammenstellung der Delegation wird dem G. A. übergehen. Es wurde ferner beschlossen, an das Zentralbureau der Agudas Jisroel lin Wien die Bitte um die Delegierung einer leitenden Persönlichkeit in das Bureau der Aguda in Polen zu richten, die an den Organäsationsarbeiten in Polen teilnehmen soll׳. Da noch eine ganze Reähe von wichtigen Angelegenheiten nicht erledigt werden konnte, wurde beschlossen, eine zweite Session *des Zentralstes in einigen Wochen eimzuberufen- Die Seuche. Das Beispiel der jüdisch-sozialistischen Zeitung in Amerika, des ״Vorwärts“, oder wie er jetzt allgemein genannt wird, des ״Fordwärts“, hat leider Nachahmer gefunden. Eine bis jetzt angesehene und ziemlieh weitverbreitete Zeitung, wie das ״M 0 r nin g Journa 1“,druoktebenso Inserate des Judenfressers und Grossfinanziers der ganzen europäischen antisemitischen Bewegung, Henry Fords, ab. Diese Erscheinung ist bedeutungsvoll und unheilvertoündend. ״Moming Journal“ druckte die Inserate Fonds dann ab, als bereits die gesamte jüdische Oeffentlichikeit Amerikas gegen das voJksverräterisehe Vergehen des ״Vorwärts“ starken Protest erhoben ha׳t. Trotzdem waren diese Kundgebungen des Volkszornes gegen jämmerliche Selbstschänder scheinbar nicht stark genug, scheinbar nicht eindringlich genug, um auf die Leitung des ״Morning Journal“ jenen Einfluss auszuüben, der not- ׳wendig gewesen ist, dass die vielleicht bereits gefassten Absichten der Drucklegung Fordscher Inserate unterlassen werden sollte. Wir haben, als wir vorige Woche über däe Schandtat des ״Vorwärts“ geschrieben haben, Boykott anempfohlen. Wär haben die Möglichkeit einer solchen Schandtat ,nur dem verkrüppelten Geiste der sozialestisch^kapitalistischen Macher vom ,,Vorwärts“ zugetraut. Wir haben es nur für möglich gehalten, dass lichtscheues, ausbeuterisches und lügnerisches «Gesindel fähig sei, sich selbst ins Gesicht zu spucken. Die Tatsache aber, dass ein bis jetzt angesehenes, verbreitetes jüdisches Blatt dieselbe Sdhamdtat begeht, «lässt leider sehr tief in die Mentalität der amerikanischen Presse bücken. Wir wollen nicht generalisieren. Es gibt •mehrere jüdische Zeitungen in Amerika, die einer solchen Gemeinheit nicht fähig sind. Doch wenn wir heute, angewidert von diesem Schmutz, empört über die Beleädigung, die d׳em ganzen jüdischen Volke, besonders aber der gesamten amerikanischen und europäischen «jüdischen «Presse angetan wurde, doch nicht so den betreffenden Zeitungen wie uns selbst zuliebe nach einer Erklärung solcher Ungeheuerlichkeiten suchen, so tun wir es aus dem Bestreben, die Quellen aufzuweisen, aus denen solche Unwürdigkeiten entstammen. Seuchen entstehen hauptsächlich durch Mangel von Hygiene. Die jüdische Mentalität in Amerika ist heute unhygienlsdi. Aus dem Zusammenstoss zweier vollkommen fremden, entgegengesetzten Zivilisationen müssen Auswüchse entstehen, die unästhetisch, unfein und kuliturwidrig sind. Die gegenwärtigen hässüche» Erscheinungen sind Produkte des Kampfes des ״modernen“ Geistes matter alttraditioneüen Kultur des Judentums. Dieser Kampf wurde und1 wird mit einer barbarischen Zerstörungssucht geführt. Hier helfen nicht Ermahnungen. Seuchen wüten umaufhaltsam. In Amerika, wo das Geld die dominierende Stellung im gesellschaftlichen Leben spielt, ist es nun möglich, eine künstliche Scheidewand zwischen Ottmar Schiff Witt) 1 -— äirntntrring Itr. t («!tiit« am sttei biwoi), cti. «•*־« - r^• du gr$$$u internationale Hnn$twtrit$tättt fihr - 1 1 Perücken, Scheitel und Cransformationen 6» »m - <» ««all / Billigt« 6mm«r«ainu / in« Hentti »1g m gtnnt. awnwtmm n«mn«r — im■■■■

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