Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 4 (25.1.1924)
- Date
- 1924-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 28 JÜDISCHE PRESSE Nr 4 ,Der Hadereth* erscheint nach kurzer Unterbrechung in bedeutend verbesserter und vergrösserter Form wieder. Ab nächsten Monat werden diejenigen, die bis 1&. Februar (10 Adar 1) den Bezugspreis von K 100.000 fUr ein Jahr bezahlt haben, das Blatt regelmässig monatlich zugestellt erhalten. Da der vHad«r«Ch* eine Zeitung ist, die ttber die ganze;Welt in vielen Tausenden Exemplaren verbreitet, eignet er sich speziell als Insertionsorgan• Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. sehen Ar1tlis׳e׳miten, ׳Henri Fords. 0 sich überstürzende Pikanten«: die sozialistischen Redakteure wussten keinen besseren Titel für dieses Inserat als die Aufsohrift: Das schönste Geschenk für die Juden zu den Jontim-Taaiwlim. Diese Schamlosigkeit bringt dem antikapitalistischen Blatte lumpige 1000 Dollar ein. Nicht vieli in ,unserer Mi'lliardenzeit. Aber dieser, wie ׳er jetzt heisst, ׳״F 0 r d w ä r t s“ hatte ja auch zu seiner Zeit Konzerte des polnischen Judenfressers ׳und Klavierspielers Paderewsk'i annonciert und Juden zum Besuche seiner Konzerte animiert. Scheinbar •mir zu dem Zwecke, damit Padcre:\vski viel Geld aus Amerika nacli Polen mifcbr'mge, um Pogrome und Judenschlägerclien zu inszenieren, Judenboykott und Judenruin zu finanzieren. Die ganze amerikanische Oeffentiichkeit und Presse ist einig im Proteste gegen diesen Verrat• ״Wer im Kriege mit dem Feinde in geschäftlicher Verbindung steht, ist ein Verräter und wird standrechtlich bestraft. Henri Ford hat offiziell dem Judentum Krieg erklärt. Der ״Vorwärts“ hat schmählichen Verrat begangen . . .“ schreibt ein führendes Blatt in Amerika. Die Rabbiner des Landes, •an der Spitze I) r. P11 i 1 i p p Klei n, haben an die Oeffentiichkeit eine feierliche Protestkundgebung erlassen. Doch dies ist in Anbetracht dieser unerhörten Frechheit (der ״Vorwärts“ v'ersucht seine Tat mit Duldsamkeit zu entschuldigen!), Selbstbesudelung und obendrein völligen Missachtung der Gefühle des gesamten Judentums vliel zu wenig. Hier muss aktive Abwehr einsetzen. Das amerikanische Judentum ist stark genug, um diesen Aussatz vom Leibe zu entfernen, Boykott ist ein englisches Wort. Englisch ist ulic Sprache Amerikas. V. Das Judentum steht in schwerem Kampfe mit dem alle Dämme einreissenden Antisemitismus. Bevor dieser Streit •erfolgreich durchgeführt wird, muss Säuberung in den eigenen Reihen stattfinden. ׳Der furchtbare Kampf in dem Engpass von Thermopylen, der heute tobt, darf nicht durch schurkische Taten eitriger vom Geschlecht des verräterischen Ephialtes verloren gehen.!Man komme ׳diesen Zuständen nicht mit Toleranz oder ihrem Gegensatz, einem unduldsamen Fanatismus, entgegen. Die Gefahr dieser Seuche ist grösser, als es auf den ersten Blick erscheint• Sie muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Es gibt keinen jüdischen Bol sehewismus. Die wenigen!jüdischen Bolschewiken sind ein v 01k sf re indes, künstlich erzeugtes Gewächs. Allerdings eine giftige Pflanze, die gegen das eigene Volk gerichtet ist. Das Judentum hat die Fundamente für soziale ׳und humane Lelbens- und Wirtschafts־ form gelegt unid auch heute ist im Schosse des gesetzestreuen Judentums Platz für den jüdisohen Arbeiter. Wenn positive Umstände bis nun keine jüdische Einheitsfront schaffen konnten, so möge wenigstens die starke Abwehr solcher gemeiner Attentate gegen die Reinheit des Vdkscharakters eine geeinigte Front herbeiführen. —z־ SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformationen in feinster u. modernster Ausführung! mii«in.moriff DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. 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So •tritt an alle unbemerkt die grosse Zeit der Ent- Scheidung!heran. ׳Rechts oder links. Ob dies ein Glück und einen ■Segen für die Menschheit bedientet, ׳wollen wir nicht untersuchen. Die Mitte, der gold’ine Mittelweg, die Konzilianz und die nicht immer entschiedene Stellung des Lavierens zwischen Extremen, kurz der Liberalismus hat für eine lange Zeit ausgewirkt. Unser Zeitalter ist radikal. ׳Inn Judentum, das heute zerrissener ׳ist als jemals in seiner Geschichte, gibt es ׳heute viel zu viel Parteiungen und Gruppierungen. Sie verdanken ihre Existenz meistens der Tugend der;grossen Agilität und der Untugend •der!Haarspalterei bei Juden. Ob!ihre Existenz immer auch bereebtigt ist, soll diesmal dahingestellt bleiben.!Dem Zuge der Zeit folgend, wird auch hier Wandlung eintreten müssen. Der Grundzug im Volke, sein Charakter ist•: sein Glauben. ׳Der Konflikt, mit dem Althergebrachten, Traditionel'len, Konservativen, der immer aus der betreffenden Zeiitepoohe geboren, bedeutete Abfall. Mehr oder minder krass oder gemässigt, radikal oder liberal — es war immer Abfall. Wie er genannt wurde, tut nichts zur ‘Sache. Assimilation, Aufklärung, Reform oder Nationalismus — im Wesen w׳ar es Abfall vorn alten Stamm. Heute gibt •es noch Schattierungen und Nuancierun- •gen. Sie werden verschwinden müssen. /Die Zeit und ihr Charakter verträgt sie nicht. Es gilt heute eine Scheidung. Wir werden ,uns •alle entscheiden müssen•. Rechts oder links. Lenins Tod• Lenin war das Symbol des bolschewistischen Russland, das die ganze Welt in eine neue Epoche mit der Macht eines Naturereignisses hiineindrängte. Cs ist hier nicht der •Platz, die Bedeutung des Mannes und seines Werkes zu beurteilen. Er hat die Welt vor ein neues Dilemma gestellt, ein Dilemma, das mit seinem Tode aus der Welt verschwirndet. Es 'ist die schreckliche, aber grandiose Frage der Neu- Ordnung durch die Anarchie. Lenin jedoch hat nur demoliert. Der Aufbau lässt heute noch auf sich warten. Die neue Ordnung, die neue Lebensform, die neue Gesellschaft, der neue Mensch, all dies blieb in fast unsichtbarem embryonalen Zustand. Es bleibt eine grosse Frage, ob das!Werk, •das von der ungeheuren Kraft dieses Mannes getragen •wurde, von anderen fortgesetzt und •vollendet!werden kann. Der Mann!und seine Idee war eines. Es müsste jetzt eine •ganze Reihe von Jahren׳ vergehen, damit die Idee des!Mannes so •mit seinen Nachfolgern verwächst, dass sein Werk fortgesetzt werden kann.!Inzwischen!zeigen sich bereits beute de u!tliehe Spuren des Niederganges der Leninschen Idee.!Hat schon die Krankheit Lenins Cine Lockerung möglich gemacht, so kann sein Tod das Ende seiner Idee ׳herbeiführen. Der prädestinierte Nachfolger Lenins, Trotzki, steht •heute in diametralem Gegensatz!zu den übrigen Führern der Bolschewiki. Solange •Lenin lebte, hielt er die star- ׳ken radikalen und Cigens'iminigen Individualitäten in Diszlplin- Jetzt kann der Kampf der Individualitäten und der divergierenden Anschauungen •ausgeifocbten werden. Es wird die Kraft fehlen, die eimhgend, alle Faktoren •dem Werke unterordnete. Oie Welt stellt teilnahmslos dem Tode Lenins gegenüber. Er hat viel Unbeit der Welt gebracht. Das jüdische Volk und das russische Judentum beugten sich demütig vor der Majestät des •Todes und der Gerechtigkeit des Schicksals. Das grosse Unglück, das das Judentum;in der Zeit der ׳Herrschaft!Lenins lin Russland erlebte, wird nach seinem Tode nicht aufhören. Ob sein!Werk den Mann überleben oder ■mit seinem Tode ein •Eride nehmen •wird, in beiden Fällen droht dem Judentum Unheil. Deshalb!ist der Tod Lenins •nichts anderes!als eine Mahnung. Das ga1!ze Judentum sali, die Nachricht vom Tode Lenins vernehmend, sich seiner Binder und deren Schicksal in Russland erinnern und alle Kräfte bereif halten, um das Unheil, das den Brüdern immerfort droht, •abwehren zu können. © äus der Woche. © Kowno. Im Zusammenhang mit der Durchführung der strengen Sonntagsruhe m Litauen, iwodlurch die kulturelle und ökonomische Existenz der jüdischen Bevölkerung Litaue ns stark ׳beeinträcht'igt wird, wurden in der letzten Zeit in fast sämtliohen Städten Litauens jüdische Volks- Versammlungen •afogehalten, in •denen gegen dias Gesetz protestiert ■wurde. Die Protestresolutionen, wurden sämtlich der jüdischen Sejm-Fraktion zugesandt. Paris. Als Antwort auf eine Anfrage hn Parlament stellte der Ministerpräsident Poincarö fest, Frankreichs Zu Stimmung zum britischen Mandat in Palästina ergebe sich mit Notwendigkeit aus dem Beschluss des Völkerbundrates, der die Bedingungen dtess!Mandats gleichzeitig mit denen des französischen Mandats in Syrien und Libanon angenommen bat. Diese Beschlüsse des Völkerbundraites stimmen mit Artikel 22 ׳dies Versailler Vertrages (über die Gründung des Völkerbundes) überein. Das Inkraf«treten des Lausanner Vertrages würde die Wirkung haben, dass sich die Türkei aller •ihrer Souveränitätsreohte über Palästina, Syrien und Libanon ergibt. Bukarest. •Wie aus Kanstambincpel berichtet wird, sind bei •dem Guter gang dies amerikanischen Dampfers der Conoiios Ooean Line in der •Nähe des Hafens von Tropezunt, unter den 300 umgekommenen Passagieren mehr als hundert Juden ums Leben •gekommen. New York. Dreizehn jüdische Waisenkinder wurden aus den Vereinigten Staaten •aus dem formellen Grunde ausgeiwiesen, dass ihre Adoption •durch amerikanische 'Bürger erst •nach Ihrer Einschiffung nach den Vereinigten Staaten geschehen sei und dass darum das Adoptiomsgesetz auf ihren Fall nicht •angewendet •werden׳ kann. Man •hatte gehofft, •dass die Kinder Ln Anbetracht ׳ihrer Adoption durch amerikanische Bürger!nicht der ,russischen Quote zugerechnet werden •würden, •allein die Einwanderungsbeihörde auf Elfis Island 51׳at entschieden, dass bei diesen Kindern eine Ausnalime •nicht 'berechtigt ist. Ein 104 Jahre alter Jude bei Präsident Cooifdge. Washington. (J. T.A. Der •104 •Jahre alte Jude ln Hoboken ■in New Jersey, Koppel Bier, ,ist dieser •Tage im Weissen Hause erschienen und hat dem Präsidenten Cooilidge sämtliche Stimmen seiner Nachkommenschaft, die, wie er erklärte, aus 1147 ׳wahlberechtigten guten Repufhlfkanera besteht, ■zugsagt. Bier ist Besitzer einer Schlächterei in Hoboken, in der er noch }edlen Tag •tätig ist. Kowno. ׳(J. •T. A.) Herr Rabinowitsoh, der gewesene Erste Sekretär der litauischen• Gesandschaift im London, ist nun zum Ersten Sekretär der litauischen Gesandtschaft in Washington ernannt ■worden. Lembeg. (J. T. A.) Am 14. Jänner um zwei Uhr nachts stiessen auf der Strecke Lemberg—Stollbunaw fn der Nähe der Station Miohalowska zwei Personenzüge zusammen. 14 Personen wurden getötet und 31 •teils schwer, teils leichter ver׳te;!zt. Es handelt sich bei den •Verunglückten zumeist um jüdische Kaufleute. ' Paris. (J. T. A.) ,,Vom Kriege und vom Frieden“ ist ■der Titel ■eines soeben erschienenen Buches, über das •jetzt in Paris viel •gesprochen ■wird. Der Verfasser ist der Iranzösisohe Jude M. M. Klotz, •der während des Krieges Finanlzminrster im Kabinett Clemenoeau war. In dem Buche;werden die!während der Friiedensverhandlungen autfgetauchten Finanzprobleme auseinanidergesetzt. Der Verfasser hat in den Kommissionen zur Klärung der Reparationsfragen öfters den Vorsitz geführt. Washington. Seit Anfang Juli bis Ende September;1923 sind1 laut den Mitteilungen der eben erschienenen offiziellen ״Labo.׳ur Review“ 212.479 jüdische Immigranten in Amerika ein׳ge;׳roffen. Im der gleichen Zeit wandenten etwa 50 jüdische Immigranten wieder aus. Es Wirrd festgestellt, dass die Zahl der jüdischen Rückwanderer im Vergleich zu anderen Nationen äusserst minimal ist. Washington. (J-T• A.) Das Staatsdepartement gibt bekannt, dass Mr. Simon B. Jacobson aus Brooklin ■zum Generalkonsul für Ohristiania ernannt worden ist- Mr. Jacobson wurde als der Söhn armer russisch-jüdischer Eltern in Nciw York geboren; sein Vater war Schochot. M!r. Jacobson war Sekretär der 1915׳ mach Frankreich entsandten amerikanischen Kommission, 1919׳ war er Vizekonsül •in Bordeaux und 1922 Konsul •in Alexandrien. Brüssel. Der jüdische Grossindustrielle Raphael Herman in Detroit hat •für die Errichtung einer internationalen Universität in Brüssel eine Million Dollar gespendet. (J. P. Z.) © NACHRICHTEN. © Otsttrrtfcb. Wien. Der jüdische Sammeltag. Der jüdische Sammeltag hat, wie erwartet wurde, in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens einen grossen Anklang gefunden. Die Beteiligung war eine ziemlich rege. Es ilst!hi׳s nun nicht möglich, den Erfolg der Sammlung genau festzustellen. Jedenfalls sind derartige grosse Mittel notwendig, dass die jüdische Oeffentiichkeit auch nach dem Sammeltage an die grosse Not ihrer Brüder, an die Zukunft — die jüdisehen Kinder — und •an alle Institutionen, die die Not lindern und die Möglichkeit schaffen wollen, aus den vielen verlassenen Kindern produktive jüdische Menschen zu machen, weiterhin bei jeder Gelegenheit wird' denken müssen. Sijumfeier in der Rembrandt-Synagoge. Sonntag abends, den 15. Sohebat, war Acbdus Jisroel (Rembrandt-Synagoge) die Stätte eftner erhebenden Sljumleier, •die die V ereinsmiitgllteder •nach Abschluss des Traktats ברבות veranstaltet haben. Nebst dem Vorstand umkl zahlreichen Vereinst™tgliede rn haben die Herren Rabbiner Jeruchem (Altstadt), Dr. Pinchas Kobn, Rabbiner Schenk (Talmud Thora), Rabbiner Benedikt (Adass Jeschurun) und Vertreter zahlreicher Vereinigungen an der Feier teflge- •nommen. Die סעודת מצו ח dauerte bis Miitternadht und wurde m!1t gediegenen דברי תורת 'der Herren Rabbiner Jeruchem, Dr. Kohn, Schenk, Benedikt, Dr. Pallak, Professor Aptowitzer, Inspektor Wtesner, A. Breuer, Salaman Schreiber, •I. Löwi, Daiwfd Bawmgarten auf einer geilstigen Höhe gebalten, die auf alle •Teilnehmer einen blelibenden Eindruck ausübte. Seitens des Ver eins Vorstandes haben: