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Jüdische Presse · 1924-01-25 · 4 (25.1.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
4 (25.1.1924)
Date
1924-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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|| p .SU J4^ .I Nr. 4 J0PI8CBE PRESSE Seite 27 Wo sind die Störenfriede? Es ii^gt von, jeher im Wesen der Dinge, dass in einem. Volke, in dessein Schosse zwei grosse Parteien sich befinden, eine konservative und eine liberale, alle durch Geburt, Erziehung usw. konservativen Eiemente der konservativen, die anderen der liberalen Partei sich anschliessen. So wird es niemals möglich sein, dass zum Beispiel ein konservativ denkender Engländer der liberalen Partei!beitreten würde, um durch seme Anwesenheit in irgendwelcher Form auf die Anschauung der liberalen Partei einen Einfluss auszuüben. Bei uns Juden, dem Volke der unbegrenzten Möglichkeiten, wurde in unserer Gegenwart jedoch dieses Paradoxon zur Tat. Das jüdische Vo־]k, seinem Wesen und seiner Geschichte nach, duldet keine Teijung und!Splitterung in Parteien. Sein Wesen beinhaltet einzig und allein seine Religion. Auch dlie Geschichte drückt dem Volke!den ewiigen Stempel eines religiösen Volkes auf. Doch hat unsere sonderbare Gegenwart uns das Glück beschert, dass unser Volk wie die anderen Völker in Parteien aufgeteilt wird. Dies Glück wurde uns zunächst durch die zionistische Partei zuteil, die einen Umbau des Volkswesens bezweckte, um dann dein Volke eine neue Seele einzuhauchen, die aus dem modernen amerikanisch-europäischen Geiste geboren wurde. Diese jüdischen Menschen haben sich nun von ihren Brüdern, die bei ihrer alten historischen Position harrend verblieben sind, abgeschieden und haben stich eine eigene gesunde :liberale Organisation geschaffen. Der Natur der Dinge folgend, hat •sich nun im Laufe der drei Jahrzehnte des Bestandes der zionistischen Organisation ein grosser Teil der ״liberalen“ Juden dieser Partei angesctolossen. Einzigartig ist nun, dass tsich auch konservative, orthodoxe Elemente — die Misrachi — dieser liberalen Partei — und das ist das Paradoxe — angeschlossen haben. Der Anschluss der Misrachi an die zionistische Partei als Fraktion war elin grosser taktischer Fehler, er hat eine ungeheure Erstarkung des Liberalismus bewirkt und dem freigeistigen Elemente deti Weg zur Macht über die jüdischen Massen geöffnet• Der Fehler war aber zur Zeit seiiner Entstehung nicht so verhängnisvo'M, da einerseits die zionistische Partei ein scheinbar grosses Feld für unschädliche, praktische Arbeit hatte, andererseits die grossen orthodoxen Massen in ihrem schweren materiellen und moralischen Lebenskämpfe ihre Kräfte zersplitterten und drittens Misrachi selber ln den Anfängen zu.schwach war, um als entsprechendes Gegengewicht dem freien Geiste gegenüber, ais die konservative Partei des jüdischen Volkes selbständig aufziutreten. Umso unbegreiflicher ist es, dass nun, wo es endlieh dank dem ewigem Geiste des jüdischem Volkes gelungen ist, unter Führung der grösstem Geistesautoritäten dem grösstem Teil der jüdischem1 religiösen Volksmasse in eine selbständige Bewegung zu bringen, der Misrachi weiterlifin seine eigenen Ziele, die in Agudas Jisroel enthalten sind, bekämpft, und so weiter das ׳Paradox von Konservativismus (in einer liberalen Partei, künstlich am Leben erhält. Es ist nun selbstverständlich, dass unter diesen Umständen die Position des Misrachi als Fraktion im■ Rahmen der zioniitischen Partei eine sehr heikle ist, und dass ihre Führer, um ,der Umnatürlichkeit dlieser Lage Existenzberechtigung zu geben, versuchen, die einmal fest-!stehende selbständge Organisation des orthodoxen Judentums in Agudas Israel jedwede Positiv,ität absprechen, und dieselbe nur als Mittel zur Zersplitterung des Volkes ansehen. Es sind nun nicht die Zionisten, die Agudas Isroel als Friedensstörer bezeichnen, denn diese wissen es sehr gut, dass sie selbst es; gewesen sind, die dlie erte Spaltung im Volke verursachten, sondern unsere orthodoxen Juden, die in Misrachi organisiert sind, die uns zu Störenfrieden stempeln. Und es gelingt ihnen auch hie und da, in ׳der Orthodoxie Gegner der Aguda zu schaffen, da jeder orthodoxe Jude friedensliebend ist. Nun gelang es ׳aber auf der ersten Kenessio Oedäuloh der Agudas Isroel, einen Waffenstillstand zwischen Misirachi und Aguda zu schliessen. Unsere Thoraautoritäten und Führer haben ihrem Wunsche Ausdruck nach Frieden und Einheit in den Reihen :des orthodoxen Judentums gegeben. Da die Moezes Gedaulej Hatauroh sahen, dass die Hauptursache der Zwistigkeiten die fortwährenden Angriffe in der Press* beider Lager liegt, wurde beschlossen, dass die agudisüische Presse sich jedweder beleidigender oder abfälliger Polemik zu enthalten habe, wogegen die auf der Kenessijo anwesenden amerikanischen Rabbiner als Delegierte ,der Misrachi!ihrerseits! ebenfalls versprachen, dass dlie misrachistische Presse solche Poleinik unterlassen werde. Dieser Beschluss wurde von dem Führer der Misrachi Rabbi Meir Berlin, im seiner Rede am Tage nach der Kenessio in Wiien in der Ver- Sammlung im Saale des Hotel Continental aufs wärmstc begrüsst. Agudas Isroel hat bisnun diesen Beschluss respektiert. Dlie Kräfte der Presse wunden einzig «und allein für die vielverzweigten Gebiete engerer örganisatorischer Ailbeit verwendet. Misrachi aber sali scheinbar ein, dass im ׳Unterlassen der Polemik ein Grössten der Aktivität verloren ging und haben wieder zu der einzigen Waffe der Bekämpfung der Aguda durchs Schiagwort von Friedensstörern gegriffen. So lesen wir in einer der jüngsten Nummern des offiziellen Misrachiorgan« ״Hator“ in Jerusalem, in einem Leitartikel die alten Beschimpfungen und BeleidUgungen, die wieder einmal die Aguda als ewigen Friedensstörer dahinstellt. Der Artikel, betitelt ״Zwietracht i!m Leben, Zwietracht lim Tode“ basiert auf einer unrichtigen Meldung, wonach die Agudas Isroel an die Wiener Kultusgemeinde die Forderung nach einer selbständigen Gemeinde und separatem Friedhof gerichtet haben soll. Dies ist nicht richtig. Die Agudas Isroel hat sich in lokale Angelegenheiten niemals eingemengt. Richtig ist vielmehr, dass die Leitung der Adas Isroel (Schiffschul) unter anderen religiösen Forderungen auch einen abgesonderten Teil des Wiener israelitischen Friedhofes verlangte, da sie es für sehr unrichtig halte, dass die Aschen der im Krematorium verbrannten jüdischen Leichen zusammen mit den toten Körpern religiöser Juden bestattet werden. Damit sind, da dies der einzige Grund zu den Angriffen war, auch alle anderen Ursachen hinfällig. Wir wollen; diese Angriffe nicht mit Gegenangriffen beantworten, wir halten auch jetzt an den Beschlüssen der K. G. fest. Die Friedensbotschaft unseres grossen Führers, d&e Ghofez Chaim, die in einer der jüngsten Nummern der ״Jüdischen Presse“ erschienen ist, ist die beste Antwort auf jede Verleumdung von der Friedensstörung durch die Aguda. Die falsche Taktik des Misrachi wird also auch durch Angriffe mit Proklamationen von agudistrsehern Kampfeswillen nicht gerechtfertigt werden. Diese Worte sollen nur als Aufklärung dienen• Das Volk möge nun sehen und urteilen: Wo sind die Störenfriede? T. H- Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtfichem etc. Leopold Lederer stieg• 5 (nächst Salzgries), Telephon 65-371־ ERÖFFNUNGSANZEIGE« Beehre mich hiemit, höfl. aczuzeigen, dass ich in Wien XV., Thalgasse 11 (Ecke Harlahilferstr. 169) einen streng כשך Selchwarenverschleiss und Frühstück- Stube mit Delikatessenhandlung eröffnet habe. Die Waren beziehe ich ausschliesslich aus Fabriken, die unter Aufsicht der ״ADAS JISROEL“ (Schiffschul) stehen. Als Referenzen gebe ich an: Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Moritz F losch (Stümpertempel), Sr. Ehrw. H. Rabbiner Aron Weiss (Storchentempel). Hochachtend Josefine WeisZ leMttelhille (Sr Deutschland der flsedis ]isroel. Zur Versendung gelangen folgende Pakettypen: (Die Preise der Pakete verstehen sich inkl. Porto, Verpackung, Expedition und Transportversicherung gegen alle Schäden.) Paket 1 (5 Kg.) K 44.000 1 kg Kristallzucker V* n Tomor (Fett) l1/* n Vollreis 1״ 4/י Mehl Paket II (6 Kg.) K 54.000 1/,kg holländ. Kakao 1 ״ raffinierter Zucker 1 ״ Tomor (Fett) 1 ״ Vollreis!74 n Weizenmehl 17. kg 1 n ״ 1 ״ ./8 ״ .7 Paket IV (6 Kg.) K 69.000 17, kg Kristallzucker 1 ״ Tomor (Fett) 1 ״ Vollreis 74 Hdlsenfrtichte 7, ״ holländ. Kakao Paket V (5 Kg.) K 104.000 17, kg raffinierter Zucker 17. * koscher Kunerol 74 » Reis 7, n Kakao 7, מ ungebrannter Kaffee Paket VI (10 Kg.) K 144.000 2 kg raffinierter Zucker koscher Kunerol ungebrannter Kaffee Kakao Vollreis Weizenmehl V. V4 Paket III (5 Kg.) K 77.000 raffinierter Zucker koscher Kunerol Vollreis Hülsenfrüchte ungebrannter Kaffee Paket VII (lOKg.)Kl 15.000 2 kg raffinierter Zucker 2 ״ Tomor (Fett) 2 ״ Vollreis 2 ״ Weizenmehl 74 n Kaffee 1/4 ״ holländ. Kakao 7״ ״ Gries Bestellungen auf diese Pakete werden entgegengenommen uDd Auskünfte erteilt beim Generalsekretariat des ״indlschMi Hilfe werk“, Wien, II. Bezirk, Malzgasse Nr. 12 a, Telephon Nr. 49-0-54. Mit denn Kopfe durch die Mauer.. •׳■/■/ :■־- ־־■• ■-־■ .1 •׳■- Des Tempels alte־, starre .Mätier ist beute Symbol und Mahnung für das ganze Volk. Und das ganze Voflk sieht in grösster Ehrfurcht, heiliger Scheu und heisser Liebe zu dieser Mauer auf. Das ganze Volk. Mögen einzelne fremd geworden sein, fremd dem Volke, weil fremd dem Gilfaiuben; mögen sie auf der ״Höhe" europäischer Gesinnung wandeln, die keine Bindung — lateinisch relligio — duldet, freien Geistes über jede nationale und gläubige ״Senthnenta'lität“ erhaben •sein — vor diesen uralten, granitenen Quadern erlleben sie Rückfälle und!in Demut beugen sie den stolzen •Nacken vor diesem letzten Wahrzeichen einer Majestät des Glaubens. Es gibt jedöoh einen kleinen Haufen von Mensehen im jüdischen Volke, denen der Anblick dieser stolzen Ruine das Blut li׳n die Hirngefässe treibt, so dass sie alle Selbstkontrolle, ja allen Verstand ver- Heren. Ist dies, weil Pygmäen den Anblick von Riesen nicht vertragen!können? GeisteskrüppeJ, denen heroischer Geist als Hohn ihrer Nichtigkeit vorkommt? Und weil die Mauer d&steht seit Jahrtausenden, allem Unbill! von Mensch und Natur trotzend, versuchen sie mit ähren Köpfen sie ednzurennen. Ein Haufen von׳ Herostraten! II. Seitdem der offizielle Bericht der Sowjetregierung freimütig vor aller Welt ihre Niederlage im Kampfe gegen die jüdische Volksschule, den Cheder, eingestanden hat, beginnen die jüdischen Genossen von •neuem gegen diese Institutionen Sturm zu laufen. Melamdim wandern auf Jahre ins Gefängnis für das Verbrechen, •mit Kindern den Pentateuch und den Talmud studiert zu haben. Die Kinder selbst werden in diesem Lande roter FreiheSt schwer gestraft; die Freiheit des Individuums, des Wortes und des Gedankens wird schwer geahndet. Es wird wohl all dies nichts nützen. Der Cheder wird niiaht untergehen. Aber der Fluch], der die Vergewaltiger des Volkswillens bedeckt, wird für ewige Zeiten an ihnen haften bleiben. Die Taten der jüdischen Bolschewiken schaden dem jüdischen Volke mehr als tausend Jahre Knechtung und Unterdrückung durch Fremde. Es bewahrheftet sich hier die Ansicht der jüdischen Weisen, dass die Sünde eines einzligen Menschen eine ganze Welt ins Verderben ׳bringen kann. Diesmal ist es die jüdisehe Welt. Die Flut des Hasses, die heute gegen das Judentum tobt, ist zum grössten Teile auf Konto weniger jüdischer Bolschewiken zu setzen. Drückt und erdrückt nicht diese Männer der Alptraum der schauerlichen Frage: Was wird mit den Juden in Russland geschehen, wenn Wandlung der Machtverhältnise emtreten wird? Das Judentum müsste sich immer von neuem vor der ganzen Welt von diesen Wahnsinnigen lossagen, die sich selbst und leider auch einen grössten Teil des Volkes mit ins Ver derben reissen. III. Der Ruhmeslorbeer der Genossen in Russland lässt ihre Kommilitonen in den anderen Ländern nicht ruhen. Wo sie mit Taten nichts wirken können, dort wollen sie wenigstens mit Demonstrationen bezeugen, dass sie an,!dem Generalsturm unter der Devise: ״Mit dem Kopfe durch die Mauer“ — die Mauer des jüdisehen Wesens — teiilnehmen. Ist es denn nicht bloss Attrappe, wenn die Herausgeber der sozialistischen ״Folkszeitung“ in Warschau plötzlich ihr Blättchen auch am Sabbat erscheinen lassen und die ״Sonntagsruhe“ befbehalten? Haben sie denn geglaubt, dass irgend jemand sie für die Zaddikim gehalten liat, die strenge den Sabbat behüten? Sie ״machten“ die Sonntagsnummern ja auch am Samstag. Durch geschäftliche Rücksichten lässt Süch diese Entartung nicht entschudigen. Sie, die Sozialisten, müssen doch auch den Arbeitern einen Ruhetag in der Woche gönnen. Also doch nur ein Unterschied zwischen Sabbat und Sonntag. Sabbatruhe würde wie eine Heiligung dieses Tages ausseben. Dies darf einem jüdischen Sozialisten nicht passlieren. Oder sollte man Rücksicht aiuf die religiösen Gefühle der Massen nehmen? Wo bliebe die gesegnete Diktatur des jüdischen Proletariats, welches, das Bemitlelidenswerte, in den Personen einiger schreibender Verführer vertreten ist. Der Sabbat muss vor den Augen der ganzen Welt entweiht werden. Ebenso wie man am Jom Kippur Geläge und Tanzunterhaltungen zur Verherrlichung der sozialistischen Idee veranstalten muss• Das Sacrileg war seit jeher die (liebste Betätigung dieser Selbst- Schänder. IV. Der ״Vorwärts“, das führende Blatt der jüdisehen Sozialisten in Amerika, druckte auf seiiner ersten Seite ein grosses Inserat mit der Anpreisung der Automobile aus den Fabriken des Führers der amerikanischen und besten Förderers der europäi- Perücken aus dauergew elftem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 (nächst dem Stefanaplatz, um die Ecke)

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