Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 4 (25.1.1924)
- Date
- 1924-01-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26 JÜDISCHE PRESSE Nr 4 des Antisemitismus wild in jüdischen Kreisen nur dann gelingen, wenn sie sich an diesen religiösen Mittelpunkt anschliessen, von diesem ausgehen und von diesem getragen wird. Die nächsten Schulbeispiele werden Amerika und Erez Jisröel sein. Die Tätigkeit des orthodoxen Sejmklubs in Polen. (Von unserem Warschauer Berichterstatter.) Vergangenen Sonntag fand in Warschau ein massenhaft besuchtes Meeting statt, in welchem die Vertreter der thoratreuen Judenheit im polnischen Senate und Parlamente den Bericht über ihre Tätigkeit im vergangenen Jahre erstattet haben. Der Berieht selbst sowie die im Anschluss an denselben gefasste Resolution sind von Bedeutung und dürften auch ausserhalb der Landesgrenzen Interesse hervorrufen. Als erster ergriff das Wort Sejmdeputierter E. Kirsch braun. In einem zweistündigen, sachlieh gehaltenen Referate wurden die verschiedensten Gebiete der parlamentarischen Tätigkeit der orthodoxen Abgeordneten besprochen und die Erfolge aufgezeigt. In den Kommissionen für Kultus und für Militärangelegenheiten ist Bedeutendes erreicht worden. Redner erklärte, dass unter den erschwerenden Umständen oft durch persönliche Intervention mehr geleistet werden konnte als durch Interpellationen im Plenum des Sejm. Dass Einzelarbeit mühseliger ist und auch deshalb im Rahmen des jüdischen Sejmklub angefeindet wird, ist nicht ausschlaggebend. Die orthodoxen Abgeordneten und Senatoren wollen weiter wie bisnun sich vollständig in den Dienst der Interessen der orthodoxen Massen stellen und alle Mittel zur Wahrung derselben anwenden. Die Situation im Rahmen des jüdischen ■Sejmklubs selbst ist zufriedenstellend. Auch hier hatten die orthodoxen Mandatare die Interessen ihrer Wähler ohne Kompromisse vertreten und haben durch ihre feste Haltung vieles erwirkt, aber auch verhütet. Redner ist ein Gegner der sich jetzt bildenden Anschauung von der Notwendigkeit engerer Mitarbeit mit den Vertretern anderer Nationalitäten. Man hat schon unzählige ■Beispiele des vollkommenen Versagens solcher Allianzen erlebt. Redner hält ein politisches Zusammenarbeiten mit den anderen Nationälitäten für einen grossen Fehler. Die ganze Kraft müsse für die Sache des jüdischen Volkes verwendet weiden. Das Referat des Abgeordneten Kirschbraun hatte eine allgemeine Befriedigung hervorgerufen, und die Versammelten bezeigten durch stürmischen Applaus ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Abgeordneten Kirschbraun. Der zweite Redner, Abgeordneter L. Minzberg stellt fest, dass die Arbeit der orthodoxen Mandatare durch die ziemlich chaotischen Verhältnisse im Sejm selbst ungünstig (beeinflusst wurde. Die in rascher Folge wechselnden Regierungen und ihre Systeme erfordern die gespannteste Aufmerksamkeit der Abgeordneten. Dadurch konnte man zu einer geordneten Arbeit nicht kommen. Die Arbeit der orthodoxen Abgeordneten war aber konsequent. Die Aufgaben derselben sind sehr gross und wichtig. Es handelt sich um die Erhaltung des orthodoxen Schulwesens, die Existenz von höheren Jeschiwos, die durch die Tätigkeit der orthodoxen Abgeordnetengruppe vor dem Verfall gerettet wurden, sowie eine Schweissbedeckt erwachte der Rabbi, und nun konnte er sich nicht mehr enthalten, auch während des Tages sich fast unausgesetzt mit dem Inhalt des Traumes zu beschäftigen, dem er unwrl’kürlich allmählich eine tiefere Bedeutung betizulegen sich gedrängt fühlte. Nicht so sehr die Wiederholung des Traumes war es, die ihn bedrückte, als die Verschiedenartigkeit des Ausdruckes, mit dem 'im Traume sein Vater dieselben Worte an ihn richtete- Der Rabbi nahm den ganzen Tag über keine Speise zu sich und vertiefte sich iin das Studium der Manuskripte, die sein!gelehrter Vater ihm hinterlassen hatte. Inzwischen aber versuchte er immer wieder einen besonderen, versteckten Slinn in der so wenig ׳geheimnisvo'ltii klingenden *Lehre zu entdecken, die dreimal im selben Wortlaut, jedoch mit so verschiedener Betonung an sein Ohr gedrungen war. Vergebens aber waren seine Bemühungen. In dieser Nacht floh der Schlaf den Rabbi. Der Morgen begann ■eben zu grauen, aber plötzlich rief er, wie von einer höheren Erleuchtung beglückt, aus: ״Gel'obt sei der Allmächtige, vielleicht wurde so die Ahnung bestätigt, die sich miir vor Jahren aufgedrängt hatte!“ ׳Nach dem Gottesdienste Hess der Oberrabbiner -die Vorsteher der drei Hauptsynagogen zu einer Berätung zu sich bitten. (Fortsetzung folgt.) Weldler &F iiret Feinste Herrengarderoben nach Mass Lager feinster. Original engl. Stoffe Wien, II■, Hollandst■»■ 16 ganze Reihe von vitalen Angelegenheiten. Redner zahlt eine Reihe von Tatsachen auf, in welcher die Tätigkeit der orthodoxen Deputierten von aitsschlaggebender Wirkung war. Senator A. Mendelsolin will mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit nur einiges Erläuterndes hinzufügen. Zur Frage: Interpellation oder Intervention? möchte er folgendes erklären: Ein polnischer Senator beklagte sich dern Redner gegenüber, dass eine Interpellation, die *er vor drei Monaten erhoben hat, noch nicht erledigt wurde, woraufhin ein anderer polnischer Senator an der Hand der Tatsachen bewiesen •hatte, dass eine Interpellation, die er vor drei Jahren einsendete, bis zum heutigen Tage der Erledigung entgegenharrt. Dieses Beispiel möge genügen und Antwort sein auf die Vorwürfe, dass die orthodoxen Mandatare eine Schtadlanus-Politik betreiben. Nur wo sich persönliche Intervention einstellt, kann Positives erreicht werden. Zur Frage der inneren Politik im jüdischen Klub selbst erklärte Senator Mendelsohn: Es ist iin allgcmeinen die Tendenz zur Schaffung einer ״rein nationalen Politik“ zu konstatieren. Wie seinerzeit ein Misrachi-Abgeordneter erklärte, rechnet man damit, dass ״gewisse“ Gruppen aus dem jüdischen Klub austreten werden. Es ist klar, dass man unter diesen ״gewissen“ Gruppen die orthodoxen Mandatare versteht. Was rein nationale Politik bedeutet, ist ebenso bekannt. Es heisst nationalistische Politik mit Hilfe und in Allianz mit den anderen nationalen Minderlieiten. Es ist selbstverständlich, erklärte Senator Mendelsohn, dass die orthodoxen Senatoren und Deputierten eine solche Politik, die sehr schädlich für das Judentum in Polen werden kann, nicht mitmachen können. Es sei gleichgültig, ob eine Majufes-Politik nach rechts oder nach links getrieben wird. Selbständige, nur die Interessen der jüdischen Bevölkerung vertretende Politik, muss vorherrschend sein. Nachdem der Vorsitzende die nachstehende Resolution vorbringt, wird dieselbe unter grossem Beifall angenommen und die Versammlung geschlossen. 1. Das orthodoxe JVtexSemmeetinK, weiches in Warschau am 13• Jämner 11924 abgdialten wurde, fasste folgende Resolutionen׳: Nachdem!wir den!Bericht der orthodoxen Sejmdeputierten und Senatoren über ihre paiUamentarische Tätigkeit im vergangenen Jahre entgegengenommen haben, drückt die Versammlung ihre tiefste Anerkennung und ׳Dankbarkeit aus für die mühevolle und erfolgreiche Arbeit und fordert die orthodoxen Mandatare auf, in derselben Richtlinie wie bisiher, ihre zielbewusste Arbeit für die Erreichung der Gleichberechtigung fortan setzen. 2. Die orthodoxe MassemverSammlung anerkennt iin Hinsicht auf die eigenartige Lage der Juden in Polen, dass durch die jüdische parlamentarische Repräsendanz eine strengjüdische selbständige Politik geführt werden1 muss, so ׳dass es unbedingt!nicht erwiiincht sei, sich mit anderen nationalen Minderheiten unter welcher Form auch immer •zu verbinden. Die ׳Massenversammlung billigt deshalb die bisherige Stellung der orthodoxen! Repräsentanz in dem jüdischen ,4(010“,,!welche diesen Standpunkt vertreten hat. Von diesen Griondansdhauungen aus!werden die orthodoxen 'Vorsteher im jüdischen *Kolo“ aufgefordert, auch in Zukunft dieses •Prinzip stets zu verteidigen. Sollte aber Modewarerthaus Brüder FischersNachf. Anton Schäfer Wien, II., Raeppgasse 17 Grosses Lager aller Schneider- und Modisten-Zugdiörartikel, WäscHo. Stoffe, Teppiche und Vorhänge. 3 MÖBEL- SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE“ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 Nur eigen« Erzen gang, ftohlaf-, Vor* und Mädchenzimmer «owie Kfcohen in garantiert solider Bauart zu den billigsten Preisen. Verkauf sämtlicher Küchengerät«. HÖohste Auszeichnung. Goldene Medaille 1913. 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Die orthodoxe Massenversammlung seilt fest, dass die orthodoxen Vertreter des!jüdischen■ *Koio“ mH der!grössten Entschlossenheit die!Prinzipien der Selbständigkeft der Jüdischen Orthodoxie zu verteidigen haben, wofür ihnen eine besondere Dankbarkeit und!Anerkennung ausgesprochen sein soll. 4.!Die orthodoxe Massenversammlung ■nimmt die Erklämug!zur Kenntnis, wonach ׳die orthodoxen Vertreter •in־!Hinsicht auf die WichtigkeL der Entfaltung der Einheit- •lidtkeit des jüdischen ״Kolo“ zuweilen!nicht reagiert haben, auf gewisses emtgegersgesetiztes!Auftreten von anderen Gruppen des jüdischen ,Kolo“, obwohl diese der politischen Richtlinie der Orthodoxie widerspraolien. Die!MassenVer- Sammlung tadelt diejenigen Mfrigleder des flüdsahen *Kolo“, iwelchS mit einer bewussten Taktik eine Zersplitterung des einheitliclien jüdischen Klubs ׳herbeizuführen streben, indem sie mehrere!Male das Zusammen'arbeinen mit den ortltodoxen Vorstehern umnügUcfh gemacht haben. 5• ׳Das orthodoxe Massenmeeting drückt den orthodoxen Deputierten und!Senatoren seinen besonderen Dank aus, für die unaufhörliche Bemühung und fruchtbare Tätigkeit des orthodoxen Sejmklubs bei seiner täglichen Intervention zugunsten der jüdischen Bevölkerung auf allen Gebieten des jüdischen öffentlichen ,Lebens.“ Diese Resolutionen 1bedürfen für denjenigen, der die polnischen Verhältnisse ׳nicht genau kennt, einer Erklärung• Der •sogenannte jüdische Klub zeigt in der jüngsten Zeit bedenklich starke Neigung, sich zum .Sprecher einer NaianalHätenipoMk in Polen zu!machen. Die!Orthodoxie, welche diesem Klub amgteliört.!wurde wegen der geguerisehen Haltung (gegen diese einseitige!Minoritätempoiltik innerhalb dieses Klubs stark angefeindet.!Man vergleiche ׳hierfür die Rede des!Senators Mendelsottin, die sich In ■dem Berich:!über!die Versammlung befindet. Die orthodoxen Deputierten!stellen auf dem Standpunkt, ׳dtass die Schaffung eines Nationalitätenstaates für Polen und Juden ein Unheil bedeuten würde und sie!wollen der Oeffentlichkeit darüber Rechenschaft und Auskunft geben, weiche tiefliegenden Differenzen Lnnerhafb dieses jüdischen Klubs obwalten, wie sie einerseits an der (jüdischen Einheitsfront fesfhaltea wollen, weil sie!aber andererseits dies!nicht mehr leötmen, sobald dieser Klub auf seiner unlieilvol-len Politik beharrt. Wir glauben, dass diese Erläuterungen auch zweckdienlich sind für den Bericht über die Versammlung selbstt. * Fördert die ״Jüd. Presse“ * Zar Araberfrage. ln der ״Neuen Freien Presse“ Nr. 21314 vom 12. Jänner findet sich ein scheinbar sehr instruktiver Artikel von Dr. Woffganig!Weisl über die arabische Frage• Der Verfasser glaubt, dass •die Gefahr dieser Frage überwunden stli, und zwar deshalb, wei' die Araber nur Politiker seien und in denselben Felder verfallen wären, den früher die Zionisten gemacht hatten, während die Zionisten jetzt in der Wirtschaftliehen, kdoniisatorischen Durchdringung des Landes den einzig richtigen Wag gefunden haben, um der arabischen Gefahr m begegnen. Man müsste zunächst einmal'! an Ort und Stelle die vorgebrachte Behauptung nachprüfen. Von einer wirklichen Durchdrljngung kann nur dann erst die Rede sein, wenn die Bevölkertmgszahl infolge des wirtschaftlichen Auf- Schwunges gestiegen ist und natürlich kann die arabisehe Politik nur dann eine andere Bahn einschilagen, wenn dieser Wirtschaftliche Aufschwung auch den Arabern so zugute gekommen wäre, dass dies in der Bevölkerungsstatistik zum Ausdruck käme. Die Frage selbst ist so tief, dass wir vor einer Unter- Schätzung der arabischen Politik warnen .müssen. Sie haben jedenfalls eine Front bis tief in die Reihen der gemässigten Araber hinein, welche sich solange iiir nicht befriedigt •erklärten, ,als die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden einen politischen Hintergrund hätte. Sollte König •Hussein wirklich das Kalifat erlangen, so wäre dies ein neuer Ansporn für die Araber, namentlieh da der Sohn Husseins Emir Abdullah eigentlich unmittelbar •vor den Toren Jerusalems steht. Es ist ■ der Sache nicht gedient, wenn man die arabische Frage!unterschätzt. Gelöst kann s&e nur durch gegenseitiges Vertrauen werden ,und eine wahrhaft jüdische PoKtik müsste den Weg finden, dieses Vertrauen zu erringen. Pelzwarenhaus En gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel.67302־ Detail verkauf s - Niederlage 3 I., Graben 28 Filiale: Karlabady Alte Wiese. Pelzaifbewthrang gegen Versicherung über die Semmernontte