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Jüdische Presse · 1924-01-25 · 4 (25.1.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
4 (25.1.1924)
Date
1924-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. JÜDISCHE PK; ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, U., Malzgasse 12a. — Telephon 49 054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig: F&r Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 8 Dollar, Italien 85 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 300 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 8.000. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWlen, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217: f.Rumänlen: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz 8tC0,B3karest;fürdieSchweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Mr. 4 | Wien-Bratislava, 25. Jänner 1924 .תיפ״ד G3v ב״ד, דענזדפרעססבורג ייט IO. Jahrg■ Zwei Wege. Es ist notwendfig, dass man sich in der heutigen Zeit, rn weicher wieder einmal, und zwar meistens unter dem Druck äusserer Ereignisse, das Streben nach der sogenannten Einheitsfront '1in heftigen Angriffen auf die Orthodoxie sich äussert. über das Wesen oder Wollen derselben ׳Rechenschaft gibt. Wir schreiben diese Zeilen hauptsächlich in Rücksicht auf Amerika und Russland. Dort hat sich nach sehr sorgfältiger Vorbereitung der Hass gegen die Juden in Formen gekleidet, die auch im sogenannten finstersten Mittelalter in Deutschland nicht an der Tagesordnung waren. Die Tatsache ferner, dass nunmehr auch in der sogenannten Roten Armee der Antisemitismus sich derartig breitmacht, dass die •Spitze der Sowjetrepublik sich gezwungen sieht, eine eigene Einrichtung ziur Bekämpfung des Antisemitismus in der Armee zu schaffen, dass also sowohl! im Lande der wirklichen Freiheit als auch im Lande der theoretischen Freiheit sich alles gegen die Juden wendet, lässt die ernste Befürchtung erstehen, dass man auch hiier und dort innerhalb der Judenheit zu falschen Mitteln der Bekämpfung dieser Pest seine Zuflucht nimmt• Seit 3000 Jahren predigt das Judentum der Judenheit, dass letztere eine wirksame Bekämpfung des Hasses nur in der Treue gegen das Gesetz des Allmächtigen finden kann; seit 3000 Jahren;predigt dies das Judentum vergebens. Es ist eine der beschämendsten Tatsachen, dass Juden in solchen Zeiten zunächst einmal vom lieben G—4t ein Moratorium verlangen und vermessen!genug sind, in der Religionstreue und in der Betätigung derselben ein Motiv für diesen Hass zu suchen. Die!unter d׳em Druck des Antisemitismus zusammengeschweisste Einhelitsfront hat immer die grössten Opfer von der Orthodoxie verlangt, und unter thoratreuen Juden die grössten Verheerungen angerichtet. Diese Einheitsfront, mag sie sich ״Achdus“ oder irgendwie sonst nennen, hat im Kampfe gegen Rechts ez zuwege gebracht, dass bis tief in die Kreise der Orthodoxie hinein eine Verwirrung über die Grundbegriffe entstand. Diese zu klären, ist Zweck dieser Darstellung. Ueberbüickt man die, den! Allmächtigen sei Dank, noch grosse Schar der Reiigionstreuen, so treten uns zwei Typen entgegen: man könnte sie die Vertreter der institutionellen und der individuellen Religiosität nennen. Man könnte auch; so sagen: die einen wollen zunächst einmal den Rahmen schaffen, innerhalb dessen die Reiligionstreuen ihre Sicherheit finden, wollen diesen Rahmen festigen und stärken, wollen diejenigen, die innerhalb dieses Rahmens leben, religiös-sittiilch heben und fördern, und wollen und sollen natürlich ,letzten Eudes, wenn sie in sich gefestigt sind, auch diejenigen erfassen, die noch ausserhalb dieses Rahmens sich befinden. Geht man von diesem Standpunkt aus, so ist die Gründung von Gemeinden und Gemeinschaften, in denen die Orthodoxie das konstitutive, ausschlaggebende, ausschliessliche Prinzip ist, das Gegebene. Geschichtlich stellt sich die Sache so dar: Als die jetzt sieche Reform in ihres Da- «eins Maienblüte sowohl das einzelne Individuum mit Macht umstrickte und verdarb, als auch die Gemeinde entweihte und ihrer Bestimmung entkleidete, da ging man an den damals allmächtigen Staat heran, um die Möglichkeit einer GemeindebiMüng im alten Stil in rein religiöser, autoritativer Form zu erringen• So entsteht die sogenannte Austrittsgeineinde, als ein Markstein institutione’ler Religiosität, das heisst die Einrichtung als solche, sowie auch die einzelnen Veranstaltungen der Gemeinde waren genau den Grund- Ritzen und den Vorschriften c^r Religion angepasst. Diese Gemeinde wurde gegründet mit der deutlichen Erkenntnis und im klaren Bewusstsein, dass damit gleichzeitig eine Erziehungsanstalt!geschaffen war. Sic bot also eine Heimstätte auch für solche Menschen, die individuell •nliclit mehr oder noch nicht religiös waren. Indem solche einzelne Persönlichkeiten sich in den Rahmen der mstitutioned-relijgiöscn Gemeinschäften begaben, anerkannten sie die Pflicht lind das Recht der Gemeinde, sie zu religiösen Einzelpersonllichkeiten zu bilden. Sie gaben gleichzeitig durch ihren Zutritt die Erklärung ab, dass nur die durch die Gemeindobildtmg zum Durchbruch gelangte Anerkennung des rein religiösen Elementes die einzige und ausschliesslich zulässige Form des Judentums darstellt- Diese Erkenntnis ׳und dieses Bekenntnis ist es, gegen das sich der erbitterte Kampf wendet, der sich das Schlagwort ״Separatismus“ geschaffen hat. Die Schöpfer dieses Schlagwortes verlangen im Gegenteil die Zustimmung dazu, dass innerhalb des Judentums das freie Spiel der Kräfte walte und in .den Einrichtungen der Gemeinde sich alle Anschauungen gleichberechtigt ausleben dürfen, von der alten Form der Orthodoxie an bis zur radikalen Leugnung der Offenbarung.- Wir wiederholen, die als Einrichtung religiös gebauten Gemeinschaften sind für alle da, wollen für alle da sein, müssen für alle da sein, verlangen aber von jedem einzelnen, dass sein Denken und Wollen dem Grundprinzip der Gemeinschaft sich unterordnet. Von dieser Voraussetzung ausgehend, versteht man es, wenn in anderen Ländern, in denen entweder der Staat die Gemeindebildung überhaupt nicht zuiäsüt, oder die Reform so radikal׳ war, dass es ihr nicht einmal der Mühe lohnte, cllie Einrichtung der Gemeinde in bezug auf ihren religiösen Charakter zu ,,reformieren“, eine derartige Bewegung nicht eiltstand. Die Notwendigkeit, zu prinzipieller Klarheit zu gelangen, war dort eben durch äussere ,Umstände nicht erzwungen worden. In diesen Ländern herrscht die individuelle Religiosität als Mittelpunkt, und man hat zu dieser das Vertrauen, dass siie den weiteren und näheren Umkreis erzieherisch beeinflusst. Man kann es auch so ausdrücken, dass dort der Mittelpunkt der religiös Lebenden und Strebenden mehr eine Gemeinschaft als eine Gemeinde (ist. Ob auch in diesen Ländern sich derselbe Prozess vollziehen wird1, wie in einigen Ländern Zentraleuropas, das hängt davon ab, wieweit der Staat eine Einmischung auf Bildung und Bestand der Gemeinde ausüben wird, oder staatskirchenrechtlich gesprochen, wieweit der Staat in bazug auf die jüdische Gemeinde sich zu einer Trennung von Staat und Kirche bereitfinden lässt• Es müsste 11atürlich auch in Betracht gezogen werden die religiöse Reife der Juden des betreffenden Landes, das heisst wieweit sie bereit und gewillt sind, auch ohne die drohende Gestalt des Steuerexekutors sich diejenigen Einrichtungen zu schaffen und zu erhalten, die zur Betätigung des religiösen Lebens notwendig sind. Auf alle Fälle jedoch, ob mm in einem Land der institutioneile oder der individuelle Grundgedanke des religiösen Lebens vorherrscht, die Bekämpfung Der Traum des Rabbi. (:Fortsetzung.) Im Traume hatte die erregte Phantasie dem Rabbi im bunten Durcheinander Bilder aus der blutgetränkten Vergangenheit der Juden in Spanien und Portugal vorgeführt Bilder und Szenen, die seinen Geist allerdings in der letzten Zeit auch im Wachen nur zu oft bedrückt hatten. Scharen weinender, verzweifeKer Menschen, die aus dem Lande!gejagt, in die Fremde wandern mussten, einem ungewissen Schicksale preisgegeben, zogen im Traume an .(ihm vorüber.;Dazwischen aber erhoben sich auch lodernde Scheiterhaufen, iin die Menschen, in Büssergewänder gekleidet, geworfen wurden, während sich ihren Lippen der laute Schema-Ruf entrang. Und ringsumher auf dichtgefüllten Tribünen sassen unld standen grausam blickende, beifatlklatschende Herren und schöngeputzte Damen, sich an den Qualen der für ihren Glauben Sterbenden ergötzend. Die von dem frommon Wahn bestrickten Zuschauer glaubten damit ihrer eigenen Religion zu dienen, zu ihrer höheren Verherrlichung beizutragen. Von der Pein dieses furchtbaren Schauspieles ergriffen, war der Rabbi erwacht, um in schwerer Ermattung nach einer kleinen Weile wieder in den Schlaf zu versinken. Wfüeder bemächtigte sich seines Geistes ein ten Nerven beschwichtigendes. Der Rabbi sah das Bild :•,eines Vaters, des grossen, berühmten Rabbis, der im A׳'׳ter von 96 Jahren aus dem;irdischen Leben geschieden war, im Vollbesitze seiner geistigen Kräfte, inmitten des Studiums, sanft und schmerzlos, als ob er zum Schlummer eingehen würde. So trat sein Bild ihm vor das Auge, wie er ihn zum letzten Male lebend gesehen hatte. Mit kaum vom Alter gefurchten Wangen, mit freundlich lächelndem Munde und heiteren Ausgen stand der hohe Greis an seinem Bette, hob wie segnend die Hand über ihn und sprach: ״Zage nicht und fürchte dich nicht, wenn auch jetzt dir und den Deinen Gefahr droht. Sie wird, so du meine Worte beherzigst, Vorübergehen, ohne dass euch ein Leid trifft. Vergiss aber nicht die Lehren deiner Väter und lasse nichts an der Thora ändern.“ Nachdem der Greis, milde lächelnd, dies gesprochen, entschwand seine Erscheinung dem Träumenden. Als der Rabbi nunmehr nach kurzem, aber erquiekendem Schlafe erwacht war, gedachte er noch der beiden, so verschiedenen Traumbilder, die in dieser Nacht ihm genaht waren, aber im Laufe des Tages, der wie immer den Pflichten seines Amtes und dem Studium gewidmet war, vergass er sie völlig. Aber seltsam; in der folgenden Nacht wiederhotlte sich die zweite Hälfte des Traumes. Wieder erschien dem Ralbbii sein Vater, wieder sprach er mit liebevollem Bliok die zu beherzigenden Worte, die er die Nacht vorher aus seinem Munde vernommen, aber diesmal schien es :dem Rabbi, als ob der Sprechende mit vfel ernsteren, ja geradezu mit düsteren Mienen sich ihm genähert hätte und dass er die segnende Hand schliesslich wie flehentlich ihm entgegengestreckt hätte• Der Rabbi war ganz im Sinne der Lehren des Talmuds!gewohnt, Träumen keine sonderliehe Bedeutung zuzumessen, aber die Wiederholung desselben Traumge'bildes ging doch nicht ganz eindruckslos an ihm vorüber. Unwillkürlich gedachte er während des Tages der schönen Worte, die er wie einen Befehl im Schlafe vernommen, aber es fiel ihm nicht ein, sich weiter um die Deutung derselben zu kümmern. Entsprachen sil-e doch ganz und gar seiner eigenen Auffassung, waren sic doch ohnehin Leitsterne seines Lebens: stets war er bestrebt, den Lehren seiner grossen Ahnen getreu zu leben, und wie wäre *ihm je der Gedanke gekommen, auch nur an einem Buchstaben der Thora rütteln zu lassenl Aber auch in der dritten Nacht, als der Rabbi lange nach der zwölften Stunde sefin Lager aufgesucht hatte, wurde er, kaum, dass er eingeschlafen war, von demselben Traumgesicht mächtig ergriffen* Aber diesmal übte die Erscheinung nicht mehr den wohltuenden, beruhigenden Eindruck, wie in den ersten Nächten. Erschauernd, schwer aus gepresster Brust atmend, sah der Rabbi, wfie sein Vater mit zornigen Blicken vor ihm erschien und er erkannte, dass die früher so liebevoll gesprochenen Worte einen schier drohenden Klang angenommen hatten. Traumbild, aber jetzt war es ein mildes, die erreg- Ottmar Scbffi Wien 1. ==—— Känttnerring Dr. 6 (g<g«ni6« a<■ fiotti Bristol), co. 51-3-61 Die grösste internationale Hnnstwerkstätte für Perücken, Scheitel und transformatlonen €n gtes — «n detail / Billigste BmulmtlU / Pie Rcrstel m ans garant. tenwmmm Bafrfftaat Cleltrt teil nefer «I« Mdtrtbxlb frbmbiiui dci oorxebnftti orthodox«■ Damen aller Härter Perfekta SftttMflht 1• Brait'Scfteltel*. Biete werde* der IDädcbcifriiMr ■it cerblfiffender C9xscb1pa<1 •acbgea*dtt. *** Bw *er Trre!i»r*»fl 1* tchütie*, bitte de* Uor»Mu* OTHMAR n»d die HdreM» mmm x» »eacfcfca! -R»

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