Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 3 (18.1.1924)
- Date
- 1924-01-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr# 3 JÜDISCHE PRESSE Seite 21 00000000000® NA C H RI GHT EN. Vom Tage Die Theorie der Synthese oder synthetische Theorie. Es ist charakteristisch fü;r diie Weltanschauung des innerlich zerklüfteten modiemen Menschen, dass ׳er ein einheitliches, alles umfassendes Weltbild nicht mehr fassen kann. Nicht, besser stehlt es bei unseren ׳jüdischen ׳Brüdern. Die Nationalisten unter ihnen verstehen das Judentum nur als Natio- 'nalismus. ׳Die Sozialisten würdigen bloss die soziale Seite der jüdischen Lehre und dünken sich vollwertige Juden zu sein, indem sie sozialistisch denken. Jene, die dem Menschen nur auf Grund von ethischen Handlungen Wert und׳ Würde zuerkennen wollen, schätzen׳ die ethischen Prinzipien ׳des Judentums sehr hoch and sind׳■ stolz auf ihr Judentum, dessen sogenannte ethische Gesetze sie gerne beobachten. All diese Typen dünken sich ׳vollwertig. In ihrem partikuljirtistisChen Dogmatismus begriffen, sind sie unerschütterlich in!ihrem Glauben und׳ es ist sehr schwer, ihnen die Erkenntnis nahezufü׳hren, dass sie!nicht aus ,dem Judentum schöpfen, ׳sondern nur für!ihre bereits gewonnene Weltanschauung einen Quellennachweis ׳aus der biblischen Lehre ׳erbringen, dass sie also im besten ׳Falle ein Teiljudentum repräsentieren. Da solche T e i 1 we 11 anschauungen auf die Dauer nicht befriedigen, beginnt man mehrere Teile zu einem Ganzen zu verschmelzen. ׳Etwa Nationalismus plus Sozialismus ergibt eine Weltanschauung, wie sie vom rechten Flügel der Poale-Zianistischen Partei und van anderen sazialistiscih-nationalistischen Gruppen in Palästina -verkündet werden. Nationalismus unter!Hinzufügung eth׳'scher Grundsätze ergibt eine Mischung, die :jetzt besonders in Europa in sogenannten Assimilantenkreisen, die sich um die Logen gruppieren, gebraut wird. Nationalismus plus Religion ergibt eine Weltanschauung, die für die wissenschaftliche Grundlegung der M!i׳sr:ac1hi־Thearie praktisch verwendbar ist. Dass solche Synthesen nichts mit dem wahren Judentum z׳u tun ,haben!, ist klar. Es bleibt jeder Versuch unzulänglich, ׳der Teile einer modernen Welt- .Anschauung!hierausgreift und sie zu einem Ganzen verbauen will. Es mag so ein Bau ׳schön sein, das Wohlgefallen vieler ■ernten, er :hat aber mit dem Judentum .nichts zu tun. Das Judentum als Lehre birgt in sich wohl religiöse, nationale, ethische, soziale und ökonomische Grundsätze, aber es ist ,nicht die Synthese all ׳dieser Prinzipien, vielmehr zieht der wahre; Jude ,se^ne religiösen, ethischen!, nationalen׳, sozialen und ökonomischen Grundsätze aus ׳dem Judentum, aus der jüdischen Lehre, aus der Tlhora. Nicht Teiljudentümer, nicht eine Synthese dieser Teile wollen wir propagieren, sondern das Judentum, die jüdische Lehre, unsere hetliige Thora. Der Jude, der die Synthese der ׳in der Thora wurzelnden׳ verschiedenen Grundsätze ,in sich vollkommen vollzieht, so dass ׳er eine einheitliche Weltanschauung repräsentiert, so wie die Thora einheitlich ist, ist der wahre Jude. Die Woche. London. Anlässlich der Neujaibrsernennunigen ist ׳Sir Herbert Menton J es s al;zum Lord ernannt worden. Er ist ein ,bekannter!konsiervaitiiver Politiker, der!durch zehn Jahre auch dem englischen Umiterlhaius angehört und sich besondere Verdienste in ׳der Londoner kommunalen Verwaltung erworben hat. Er hat den Titel eines Lords von Westimiinster angenommen. Neben iLord Jie'ssel sind noch drei Juden!aus ׳den br!itli!sc!h1en Kolonien־!geadelt worden, und zwar Si׳r!Louis Riahandson lin ,Südafrika, Mr. 'Louis Colhen, Lordbürgermeister der Stadt Adelalide, Haupt- Stadt ׳von Südaustralien,!und Arthur Mlelzi:n׳er Myers, ■ein bekannter Politiker und ■ethfemaliger!Minister in Neuseeland. Warschau. Am 6. Jänner is!t ׳der bekannte Natioualiistenfü,h׳r!er und Se1j1m־Abgeordnete Pfarrer Lutoslaiwsk'i nach kurzer Krankheit an Scharlach ׳gestorben. Pfarrer Lu׳:osl,aw׳s׳ki war das geistige Haupt der polnischen antisemitischen!Bewegung. Er war;Iiniiitiator und Mlitbegründer der extrem-antisemitischen,, über ׳ganz Polen verbreiteten Roizwoj-Oeselfschaft, die die;wüntisohaftlüChe und kulturelle Vernichtung der polnischen Judenihelit systemaüsCih herbeifuhren will. Er war auch derjenige, der ׳im polnischen Sejm den!Antrag!auf Einführung des Numerus clausus für jüdische Hörer an den polnischen Hochschulen eingebracht, diesen Antrag!in der BiildiungskommissSon des Sejm als ׳Referent vertreten und mit allerlei Mitteln ׳durchzusetzen versucht ,hat. ©elit B0׳g1i!nn des Jahres 1921 dehnte er seine!antisemitische Propaganda auch über 1,die Grenzen Polens aus. Er unternahm ׳eine Vorlesungsreiise nach Paris, um dort in Verbindung mit der Toyalistischen antlsemitisehen Presse eine internatioiniale antisemitische Bewegung zu begründen. Seine ex׳t׳rem-!an1tisem׳it!isah׳e Gesinnung brachte ׳ihn zur Zeit seiner Kandidatur l׳n Konflikt mit dem damaligen Nuntius i׳n (Polen, dem jetzigen Papst, ׳der der Judenhetze abhold!war. Erst fm der!vergangenen Woche war Lutoslawski von ׳der polnischen ׳fascistiischen Orgainisat'ion!wegen seiner Verdienste um die anlis'emittische Sache zum Ehrenmitglied!ernannt ־worden. Boston« Der jüdische GrasSkauifmanin M׳r. Edward A. Feelans von Boston!hat soeben einen Preis von 50.000 Dollar für die besten Vorschläge ,zur dauernden Sicherung des Friedens aosgesetzt. Frankreich, ׳IitaMen, England und wahrscheinlich auch!Deutschland wenden׳ sich an dem Wettbewerb beteiligen. Jerusalem. Aus Amman wird gemeldet, idüe transjordanische Regierung habe dem Sultan Pascha ׳al Edw׳an und Seinen Freunden׳!wegen ihrer 1Beteiligung a;n ׳dem letzten Aufstand gegen Emir Abdullah eine Strafe van 10-000 Pfund Sterling auferlcgt. Paris. In der!letzten Sitzung;der ^Kommission für Alf-Paris“ ׳wurde ׳eine ׳Mitteilung!des Herrn Grümault über den Text einiger bei Ausgrabungen!auf dam ׳Boulevard Salnt-Mlchel!im Hc׳f׳e des Gluny-tMusaunis auf gefundener jüdischer Grabdenkmäler aus Holz verlesen.!Die Inschrift!ist hebräisch und enthält die traditionellen Gedächtniswarte. Der Gelehnte Herr Gr!׳mault •erklärte, in der Nachbarschaft des jetzigen Boulevards Saint-iMichd׳ existierte!ein Jüdischer Friedhof schon ln der ׳Zeit, bevor König Philipp der Schöne im Jahre;1306 ׳die Juden aus Frankreich vertrieben ׳hat. Warschau. Die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse iin Polen, verbunden iriit ,grosser Arbeitslosigkeit,, haben ■das Elend unter der jüdischen Arbeiiterschiaft auf ׳einen hohen Grad gesteigert. Erscihäpfungstcde infolge Hungers ■sind eine häufige ׳Erscheinung. Allein ,iin Lodz sind iin!den letzten׳ Tagen dbai ׳jüdische Arbeiter, ׳ein Weiber, ׳ein Lastträger und ein Tischler,!infolge Erschöpfung durch Hunger auf ׳der Strasse zascmmengebrochen und gestorben. ' Oe$t«rr«icb. Wien. Aehnlich Idem BratiSlav-aer מ ן T-Zettel erschein׳: :hier' seit einigen Wochen ein ,AVochenk'ale ruder der Agudas Ji'srdel-Jugend׳,gruppe“, ׳der ׳die •Gebetzeiten •und Schiurim ׳(Vorträge) in allen Wiener orthodoxen ßefchämseirn ,und 1Klausen nebst ׳den Veröffentlichungen!der Wiener Agulda-Jugend grap-pen enthält. Dieser Wochenkalemder wird jeden Donnerstag an mehrere!tausend jüdische Familien in allen Wiener Ge,mei1nld'eb'eZi׳rken verwendet. Deutschland. Agudas Jisroel in Leipzig. Leipzig. Die Agudas Jisroel!in Leipzig ist seit zwei Monaten ־im Aufblühen ׳begriffen, insbesondere •wird ׳eine rege Tätigkeit der Jugendgruppe, ׳die allabendlich zu dreistündigem Lernen ׳im Agiudalokal sich versammele,, entfaltet. Auch der Daf Jaumi SChiiur wird fleissig ׳gelernt. Dank ■der ׳Tätigkeit des Herrn Krauss ist es gelungen, auch!auf!sozialem Gebiet ErspriessliChes zu leisten, indem wöchentlich am 70 bis 80 notleidende Familien Leipzigs Lebensmiitteipakete verschickt werden•, die von der hiesiigen iMädchengruppe gesammelt werden,. Die Lebensmittelpakete aus Wien werden auch :zu diesem Zwecke v׳erwendet und ׳wird diese Hilfsaktion voraussichtlich ׳auch weiter fortgesetzt werden können. Für die nächsten Tage wurde eine Massenversammlung der Agudas Jisroel festgesetzt, an der Herr Dir. Dr. Jos. Carlebach aus Hamburg sprechen wird. Polen. Die Zwangssonntagsruhe in Wilna eingeführt. Nachdem die Zwangssonntagsruhe vor kurzem in ganz Polen verordnet und für Wilna hinausgeschoben worden war, hat nun der neue polnische Arbeitsminister eine telegraphische Order nach Wilna gesandt, dass die Einführung der Zwangssonntagsruhe auch im Wilnaer Gebiet sofort zu geschehen habe und dass keinerlei Ausnahmen Platz greifen dürfen. UKraine. Melamdim zu Zwangsarbeit verurteilt. Minsk. Wie aus iTscbetisahersk (Gouvernement Hamei) berichtet wird, sind1 dort zwei!jüdische Lehrer (Mieladilm), der ׳eine zu zwölf, der andere zu sechs Mo- Telephon 78־7־57 שייטול D r bekannte Spezialist für individuelle Scheitel, Perücken T ransformationen Brantfrisurenausallerfeinstem dauergewellten Naturhaar Carl Polak Üamenfiriseair Wien, IV«, Schleifmöhlgasse 3 liefert obige Artikel prompt und billigst für In- und Ausland en groa and ea d61a11. Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haarmuster und Angabe des Masses von einem Ohr zum änderen. 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Czernowitz. Die freisinnigen ׳rumänischen Zeitungen machen die Regierung •darauf ,aufmerksam, •dass ׳die zahlreichen jüdischen Schank,inhaber iin den׳ rumänischen Dörfern Infolge■ der ׳Regierunigsverfügiungen nicht alleliin brotlos gemacht, sondern auch lin!Lebensgefahr gebracht werden. Statt einfach idlie Schinaipsbrenineretien zu unterblinden, •erlässt ׳die ׳Regierung fortwährend ׳Verordnungen gegen die ,jüdischen Schankinhaber,!denen ׳diie Konzessionen: entzogen und angeblich׳ Witwen unld Invaliden1 ,übergteben werden sollen. Dias ganze Vorgehen ׳der Regierungsargane ge,gen ׳die jüdischen Schankinhaber gibt aber den antisemitischen Agitatoren •eine Ermutigung,, über ׳die!Dörfer z!u ziehen und die im allgemeinen judenfreundltiche;bäiuerliehe Bevölkerung gegen!die jüdischen Einwohner, besonders gegen •die!Schartklinhalber, zu hetzen. Amerika. 32.000 Dollar für Chedarim. New York. (I. T. A.) Das Central Relief Commitee hat in den letzten Tagen 32.000 Dollar nach osteuropäisehen Ländern abgeschickt. Aus dieser Summe sollen Chedarim, Talmud-Thora-Schulen, Seminarien und Jeschibotli erhalten werden. Das ist die zweite grössere Summe für diese Institutionen seit den letzten Feiertagen. Aus diesen Geldern sollen auch arme Schüler gespeist und bekleidet werden. €rtz Jsrotl. Jerusalem. Der Wassermangel, der sich alljährlieh zur Sommerzeit und zu Winteranfang einstellt, hat einen Privatmann veranlasst, an die Regierung mit einem fertigen Plane heranzutreten, nach dem die Stadt das ganze Jahr hindurch mit Wasser versorgt werden könnte. Die Kosten belaufen sich auf einige hundert Pfund. Die Regierung versprach, den Plan eingehend zu prüfen und noch vor Ablauf des Jänner endgültigen Beschluss zu fassen. — Wie ein deutscher Reisender, der die Wüste Sahara durchwandert hat, in hiesigen Zeitungen mitteilt, befinden sich unter den vielen Arabern in dieser Wüste etwa sechstausend Höhlenbewohner, die unstreitig von Juden abstammen. Sie bilden den produktivsten Teil der dortigen Bevölkerung, sind bodenständiger wie die Araber und versorgen diese mit Speise und Trank. — Jerusalem durchlebt eine schwere wirtschaftliche Krisis, hervorgegangen aus den unerfreulichen Zuständen auf dem Weltmarkt und dem allgemeinen Geldmangel. “Die bürgerlichen Feiertage brachten nur eine vorübergehende Besserung. Die Banken verweigern die Kredite und die kleinen Verleiher verlangen unerschwingliche Zinsen. Der ganze palästinensische Handel ist schwer bedroht. König Hussein kommt nach Jerusalem. Jerusalem. (J. T. A.) Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, hat die Palästina-Regierung König Hussein ׳eingeladen, nach Jerusalem zu kommen. Man nimmt als bestimmt an, dass König Hussein der Einladung folgen wird, da er schon früher seine Absicht kundgegeben hat, die Omar-Moschee zu besuchen. Protest des paästinensisch-arabischen Komitees in Aegypten gegen den Advisory Council, ’ Kairo. Der ׳Sekretär dies!palästinensisch-arabischen Komitees ln Aegypten ha׳t iin Verbindung ׳mit d׳er a׳m 14. Dezember sfa'btgefundenen Sitzung des!neuen AdMsory Council folgenden Protest der Presse übergeben׳: ,,Das Palästlna-Kornitee ■in Aegypten erklärt öffentlich, diass ׳die Bewohner Palästinas Idiiiesen Council!nicht ׳gewählt haben, der nur vorn lOberkbmmissär aus englischen ׳und jüdischen Beamten gebildet worden׳ ist. ׳Wir sind stolz darauf, zur arabischen Nation zu gehören, die dlie zionistische Regierung in ׳der Weise boykottiert, -dass kein Bewohner •zu finden ist, der an ihrer imperialistischen P01!H8k tedlhiaben ׳will.“ Zur Saison! 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