Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 3 (18.1.1924)
- Date
- 1924-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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״!•«UH;. י*זןיי m*. ׳ ji, i'jiijpiiy . ,1.wm^h wyjw»!! Nr. 3 JÜDISCHE PRESSE Seile 19 DUfe, die als Boten des Himmels zur Erde niederstdgen, um die Erde mit dem Himmel zu vermählen, liegt das Geheimnis seiner werbenden Kraft. Cr umschreibt nicht, er beschreibt. Er Öffnet die Pforten des Himmels und zeigt uns den heiligen Geist, der sich am Sabbat als Nesdiomoh Jesseroh auf den Menschen niederlässt. Dieser heilige Deist kann weder vorgestellt noch erklärt werden, denn vorstellbar und erklärbar sind bloss menschliche, niemals göttliche Dinge. Wir alle, ob wir nun Raschis, oder Roschbos, oder Ibn Esras, oder Algasis, oder Hirschs Definition der Neschomoh Jesseroh den Vorzug geben, beugen uns, so oft wir beim Ausgang des Sabbat unsere der scheidenden Neschomoh Jesseroh nachtrauernde Seele durch die geheimnisvolle Zeremonie der Bsomimbiichse aufzurichten trachten, in Demut vor des Sohars heiligem Geist. Wir alle sind bewusste oder unbewusste Adepten des Chassidismus. Nur eine geistige Strömung gibt es im heutigen Judentum, der bewusster Antichassidismus ist: der jüdische Nationalismus. Was für die christliche Kirche der Antichrist bedeutet, das bedeutet für das orthodoxe Judentum der jüdische Nationalismus: Verdrängung der Religion von ihrem Herr scher throne, Emanzipation der Erde vom Himmel, Kampfansage gegen den heiligen Geist. Was versohlägt’s, wenn einzelne Nationalisten zwischen Nation und Religion eine Vernunftehe herzustellen sich bemühen? Der Rationalismus mag dazu seinen Segen geben. Der Chassidismus sagt: Was hat die Nation mit dem heiligen Geist zu tun? Wenn für uns der Begriff der Religion alles, aber auch wirklich alles umfasst, was bleibt dann noch für die Nation übrig? Und darum ist es gut, dass in der Agudas Jisroel der Chassidismus mitführt. Er is׳t die Neschomoh Jesseroh der Agudas Jisroel. Eine Weltjeschiwoh in Lnbiin. Bin Interview ,mit iSejmdepuWertem OberrabbineT Scbapira- Sanok. (Von unserem Lubliner Korrespondenten.) Wählend in!Litauen!, wo!viel später als in Polen grosse Jescihiwoh-Zentren entstanden sind, dte bis zum heutigen Tage existieren, ist in!Polen eine Aenderung eingetreten* In Litauen! herrscht!noch!!immer das grosse Bewusstseim der Notwendigkeit dieser Jesch-rwoth und es ist dort mötgUdi, in der Tradition weiter za lehren und zu lernen. Die Verhältnisse ,in Polen sind ׳wesentlich anders. Dort kann der Unterricht!zwar in der alten!Form «geleitet «werden, •die äusseren Einrichtungen aber müssen geändert und dem heutigen Leben angepasst werden. Als «die polnische AgudaHZentraüe beschlossen hatte, einige solcher Jesahiwoth zu gründen, habe Wh an erster Stelle die S!a«dt Lublin vorgescblaigen. Ich wählte dSeste Stadt aus zwei Gründen: die Lage des Ortes und seine historische Bedeutung. Es ist allgemein bekannt, dass das brausende Leben der Grosstadt, welches mehr «das Auge in «Anspruch nimmt, «den Geist des Menschen «abstumpft, wogegen dBe Provinzstadt mit ihrer primitiveren, ruhigeren und gesünderen Lebensart dem menschlichen!Denken mehr zuträglich!ist. Deswegen sehen! wir, dass •in!Deutschland die giossen Hochschulen gewöhnlich sich in kleineren Ortschaften befinden, wie Heidelberg, ׳Ma!rb«urg usw., und aus diesen Universitäten «die meisten grossen Denker und Philosophen des deutschen Volkes hervorgegangen sind. Gleichzeitig muss dem Umsitand Rechnung getragen׳ werden, dass sich die ganz kleinen Ortschaften!, wegen dtem Mangel «der sanitären Anstalten und dem geringen Zufluss von grossen Massen «der städtischen Schüler ebensowenig als Sitz grase r JescbLwoihs eignen. In Lublin fand ich nach genauesten Untersuchungen eine grosse «jüdische Stadt m&t dem Charakter der alten jüdischen Kleinstadt. Die politisch-adlrrtinlistrative Lage der Stadt sowie der Reichtum an modernen hygienischen Institutionen macht Lublin zu!einer Grosstadit, wogegen die sitiäeni, engen Gässchen und das ruhig ihiinfliessende I-eben es zu einem ruhig-beschaulichen 'Städtchen׳ macht. ׳Was die ihlistorische U׳eberllefer׳ung ainbelangt, ist es ebenso allgemein bekannt, dass Lublin in der Geschichte des jüdischen Geistes eine führende!Rolle linnehat. Jeder Stein in Lublin erinnert an die :grosse «Vergangenheit dieser Gemeinde^ währen in anderen jüdischen Zentren die Spuren dieser Vergangenheit nur in den Archiven zu finden sind. Schon die Schul des Maharani und des Maharsahaill sind ewige Symbole der grossen Vergangenheit der Stadt. Aus all diesen Erwägungen׳ fasste ich den Plan, die Beschlüsse der Kenessro in bezug auf ׳Schaffung grosser Jeschiwoh-Zentren zuerst l׳n Lublin zu realisieren. Wie soH num die geplante Jeschiwoh eingerichtet werden? Die Jeschiiwoh soll nach dem bereits ausgearbeiteten Pla«ne in vier grosse Gruppen von je 120׳ Sähtttem eingeteilt werden. Die Schüler!werden nach thteti Fähigkeiten eiingeteilt «werden׳, je«de Gruppe erhält!den Unteirricht nach einem bestimmten Plane. Die 'Vier Gruppen werden den Namen der berühmten Rektoren׳ ■der a׳Men Lubliner Jeschiiwoth tragen: R.!Schülern SdMChwöfe,!Maharschall, Mahiaram und MalharschaH s. A. Del■ Lehrplan ־w-ird dem Denken dieser grossen!Lehrer angepsfsst sei«. 'Die Gebäude werden den •modernsten hygienischen «urid techmsöben Anfardemagen entsprechen.!Ausserdem soQ ein Internat anfleschtoesen werden- Jede AbteJlttng wjpi In etnera tasofdtoftft ÜdMMte uMiilMMBt!Wertteil Utii *Mi •ein eigenes <&Hh Hamkirasch. Die Schüler weiden die gairte Woche das Gebet Beatour verrichten. Die Oberaufsicht über jede Gruppe!hat ein eigener Rösch Jisdhäwoh. Die Front vor den vier Gebäuden wind eine grosse Synagoge einnehmen, in der alle Schüler an Samstagen und Feiertagen׳ beten ׳wenden. An die Spitze!aller Abteilungen wird ein Rektor bestellt werden, zu dessen hauptsächlichen Aufgaben die Prüfung der Schüler zählen wiird. Dje Jeschiiwoh soll den Namen ״Jeschiwoh Ghochme Ltublin“ tragen. Laut dem bereits festgesetzten׳ Plane sollen Knaben von!14 Jahren, das heisst Absolventen der Volksschule ausgenommen׳ werden. Die!Lehrzeit!wird sieben Jahre dauern. Der Lehrplan!umfasst ganz Schass, •Tospihoth und Sabulahan Aructh. Dies ׳ sieht sehr umfangreich aus, doch auf Grund meiner pädagogischen Erfahrung kann ich behaiupten, das bei« einigem guten Wilden und durchschnitt-!iahen. Fähigkeiten «die Durchführung des Lehrplanes möglich ist. Die oberste Aufsicht über die Jeschiiwoh erhält ein Kuratorium des Keren Haitauroh ün Warschau, welches den Lehrplan und •die Finanzgebamng bestimmen wird. Das Kuratorium besteht aus!50 Personen,!unter denen sich die bedeutendsten Rabbiner und Rabbeiim sowiJe die orthodoxen Finanzleute und Persönlichkeiten des öffentliehen Lebens befinden. Ausserdem wird' ein lokales Kuira- «torium zur ׳Verfügung stehen. HP scAvrttdkXÜasche. m wmzm. FILIALEN: ___ WIEN/IV. AttGENTlNlEP.ÖtR.62# V G0SSING / STEFAN KLEE AUSKÜNFTE WERDEN STETS GERNE ERTEILT. — Haben steh Buer Ehrwürden mit der LubUner Oflfto&nfte Üt bezog auf diesen f%äi ln V«־- btofang *wetzt? —־ Bevor Och nach Lublin kam, habe teh!mteh «mit ötafgen angesehenen MitgUedera der Lubkner •Orlbodoxie in Verbindung gesetzt, die meinen1 Plan vom lokalen Staadpunkte aus approbiert «haben. Eine Stunde nach meiner Ankunft in Lublin habe ich bereits meinen׳ Gastgeber, Heran Samuel Bicthenbaiutm, für den׳ Plan interessiert »mrf ausarnmen mit ihm und den Herren«!Moses Sczaraustefl und!Moses Bisenberg einen Platz besichtigt, der laut •den Erklärungen •eines Fachmannes vom technischen und ׳hygienischen Standpunkte ,aus sich für den Bau der not- «wendigen Gebäude eignet. Dieser Platz mit einem grossen Garten, der!einen Wert von 16.000 Dollar darstellt, hat Herr Samuel Eichen- «bäum für unseren Zweck gespendet. Dass damit eine kolossale Tat geschehen ist, die den Spender mit Ruhm bedeckt,!ist nicht notwendig zu betonen. — Wie stellen sie Sich, Herr Rabbiner, die Finanäie^ rumg einer solchen grossen Anstalt vor? — Der fertige Bau der Gebäude und ihre Einrichtung dürfte 30*000 •Pfund Sterling kosten; die Erhaltung eines* Schülers monatlich 1 Pfund, «die Administration und alles übrige 10.000 Pfund pro Jahr. «Diese Summe ׳wird zur Hälfte im Polen selbst, zur Hälfte •im Ausland gedeckt ׳werden. In Polen wird die Summe in Form einer jährKdhen Steuer,!km Ausland' durch einmalige Spenden, die einen eisernen Fonds bilden werden, aufgebracht werden. Auch werden die kleinen Jeschiwoth, deren Schüler «die Lubliner Jesahiwoih!besuchen werden, zugunsten derselben einen kleinen!Betrag entrichten. — Was erwarten Sie Herr, Rabbiner, von Lublin selbst? — Da wir dadurch der Stadt!Lublin einen solchen geistigen, aber auch materiellen Schatz schaffen, hoffen wir, dass auch Lublin vieles zur Realisierung dieses Planes beitragen wird. — Inwiefern befindet sich Ihr Plan, Herr Rabbiner, im Stadium der Verwirklichung? — Nach meiner Rückkehr nach Warschau werde ich mich ־'der juridischen Seite der Frage widme 11, das heisst der Legalisierung des Kuratoriums. Ebenso weide ich mich mit dem Ausfindigmachen der notwendigen׳ technischen Kräfte beschäftigen. Dann;geht es an die!Sammlung «des Geldes. — Wird ,in der Jeschiwoh auch in profanen Wissenschäften Unterricht geigeben werden? — Diese Frage!wurde in der AgUda noch nicht besprachen. Ich persönlich bin der Meinung, dass «die VermisChiing «beider Lehrstoffe dem!Schüler keinen reinem Begriff beider Wissenschaften׳ geben kann. Jedoch werden diesbezüglich V.erhandfangen׳ «mit dem Kultusministerium gepflogen und wir haben keine besonderen Schwierigketten zu bewältigen. Ich glaube, dass wir!den!Termin, der uns von Herrn Eichenbaum gegeben׳ lat (dass im ׳Laufe der nächsten drei Jahre «die Gebäude errichtet werden müssen) um vieles früher erreicht haben werden. Zu Beginn des Frühlings ,Wird der Grundstein für dieses Zelt der Thora «in Lublin gelegt •werden, das nicht nur für Lublin, sondern für das ganze Judentum eine!Zierde sein!wird. Das 50jährige Jubiläum der Ohew Zedek-Schul in New York. Von Sz. Erdberg, New York. Die Ohew Zedek-Schul, die erste ungarischjüdische Kehila in New York, feierte vorigen Monat ihr 50. Jubiläum. In unserer alten Heimat ist es nicht Brauch, solche Jubiläen von Gemeinden zu feiern. Wer zählte denn die Jahre der alten Synagoge im heimischen Städtchen? Wer wusste vom Alter der Kehillah? Man konnte annehmen, dass die Kehilla seit damals bestehe, seitdem man im Golus war. Und die Schul?, Wer erinnert sich an die Zeit, als sie gebaut wurde? Sie ist bestimmt viele hunderte Jahre alt und wird nur von Zeit zu Zeit restauriert. Vielleicht haben die ersten Wanderer ihre Fundamente gelegt. So heimisch wie man mit dem Himmel über dem Kopfe, mit der Erde unter den Füssen und mit dem Teiche vor den Augen gewesen, so heimisch war man mit der Sohul. Und eben so ewig wie dies alles, eben so ewig ist auch die Schul und die Kehilla. Selbstverständlich konnte man da nicht Jubiläen feiern. Anders aber ist es in der Neuen Welt. Aus ganz kleinen Anfängen wuchs die neue Heimat, fast vor den Augen der Gründer der Ohew Zedek-Schul, zu einer Millionensiedlung. Man hat säht arm begonnen. Man wunderte von Ort zu Ort, von Gegend zu Gegend. Man stieg langsam auf, aber andauernd, man wurde reicher und es verblieb eine schöne jüdische Schul. Acusserläch schön und innerlich und man verdiente wirklich eine Jubiläumsfeier. Die 160. Street, in der sich heute die Ohew Zedek-Schul befindet, war zu jener Zeit, als einige ungarische Juden die Schul begründet haben, noch 1 - *־y —ו~דו^^^vר^^rJI‘ו~דTדורrirוrלrun^lו^^ Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert Unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kämtnerstrasse 8 {nickst den Stefansputz, am die Ecke)