Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 3 (18.1.1924)
- Date
- 1924-01-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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I Seite 18 JÜDISCHE PRESSE Nr 3 werk «li im erwmwkten #*18 glühet M8> Hättf man ffcfcfdNu«** 81 48* tfM**9* 910 RiGfcfe anderes m&m 9h 818 MNtodk von QttÜsrefe* und Uebermitt settan# g*cfrts?ek1gr, entarten? Hter* renmeq«cfc<m, so hätte 8» jede{■ denkende!! und!»liefe* den Bfunt ntebt! «ulires Rpum gehabt eis Ekel W$ Verzweiflung. Die $imde der Befreiung hätte weid ein Aufatmen bedeutet, ninnnerinekr aber tim Pest, Die Erinnerung an die Kneefctaekaft hätte sieb v•?* dichtet su dem unheivoHen Keim einer Herreefwuebt die gegebenenfalls andere schwächere Menschen wiederum zu Sklaven erniedrigt hätte. Ntfeht die Stunde der Befreiung selbst, sondern vielmehr der gewaltige lückenlose Anschluss dieser Befreiung an die vorgehende Qolusperiode hat aus gequälten Sklaven aufrechte Menschen gemacht, und nicht nur als die Söhne Jakobs, sondern als die Söhne Israels, welcher dereinst mit überirdischer Kraft den Himmel zur Erde gezwungen hat, zogen unsere Ahnen aufrecht aus Aegypten. Es ist die brennendste Präge unserer Zeit, wie man sich ernstlich mit dein Golus abfindet. Ist uns doch auch diese Periode, abgesehen von ihrer Dauer, genau so klar und deutlich vorausgesagt worden, wie dereinst Abraham der Aufenthalt in Aegypten. Die Juden von heute schwanken zwischen dumpfer, haltloser Hingabe oder offener Rebellion gegen das Golus. Etwas anderes ist es, wenn die frommen Sänger des Mittelalters, wie dereinst die Ahnen in Aegypten mitten im Golus, mit banger Präge sich an den AHmächtigen wandten, etwas anderes, wenn sie — der Ausdruck sei gestattet — dem Lenker unserer Geschicke das Golus kündigen und den Mächten dieser Erde das Ende des Golus feierlich kundtun. Sollen auch wir oder unsere Kinder einst als aufrechte Menschen das wirkliche Ende des Golus erleben, so muss auch dafür gesorgt werden, dass sicli die dereinstige Stunde der!Befreiung als reife Blüte des Golus offenbart. Wir möchten uns nicht in historische Abschweifungen verlieren und all das Wunderbare noch einmal dar- Stälen, was das jüngste Golus in uns, für uns und für die Welt gezeitigt hat. Es wäre auch jetzt zum Verzweifeln, wenn man in dieser Periode nichts anderes sehen würde als die boshafte Laune entg-tteter Mensehen in einer entg-tteten Welt. Dann allerdings würde dfre grosse Stunde der Freiheit nichts anderes sehen als ein kleines Geschlecht verbitterter Menschen. Dem vorzubeaigen, ist einziger und letzter Sinn einer wahren und der Geschichte treuen Gofuspolitik. Wir werden aufrechten Sinnes dem Morgen entgegengehen. WeMlerftFOr•! Rabbi fekUteHerrengard Ug«f feinster, «iMLN., «Mlstr■ 1• Die zweite Reise des Gerer Mach Erez Jisroel. Mittwoch früh traf der grosse Agudaführer und der gefeierte Rabbi von Gorta in Wien ein, um Donnerstag seine Reise nach Erez Jisroel fortzusetzen. Der Gerer Rabbi gehört mit dem Grossrabbiner von Czortkow zu -jener Gruppe der grosse» Chasridimrabbis, *die in Agudias JisroeJ den einzig richtigen Weg zur Zusammenfassung der ׳thoratreuen Judenheit erblicken und1 diese organisatorische Zusammenfassunig gleichzeitig auch in den Dienst einer energischen und zielbewussten Erez Jisroel-Aifoeit stehen wollen. Erst bei der Kenessio im Ein] vorigen Jahres haben die beiden Rabbiner dftesein Gedanken und diesem Willen Aus (druck gegeben. Die feierliche Ansprache des Gerer Rabbi, in weicher er anlehnend an Rabbi Jona den Anschluss an Agudas Jisroel als heilige Pflicht hmgestellt hat, haben auf alle, die diesen zu Herzen gehenden Appell vernommen haben, nachhaltigen Eindruck gemacht. Wer das Glück hat, den Rabbi von Ger näher zu kennen, der weiss es, dass er bei Worten allein nicht steilen bleibt. Er misst sich seihst ,mit dem strengsten Masstabe. Er Ist unermüdlich und konsequent, um immer neue Wege für die Verwirklichung seiner Ideen zu finden. Der Wille, Agudas Jisroel als Organisation zu fimmer wachsenden Leistungen für Erez Jisroel zu bewegen, hat ihn bestimmt, vor der Wiener Zentralratssitzung der AgudÄ und hn Nissan 5681 (April 1921) nach Erez Jisroel zu fahren. Er wurde dort mit fürst- Heben Ehren — מלהי ימן JHP — angenommen. Alle Schichten und Schattierungen der Emwofcner Erez Jisroels haben der Reise des Gerer Rabbi eine grosse Bedeutung beiganessen. Tatsächlich bedeutet die ersjbe Reise des Gerer Rabbi einen Markstein in der Erez Jisroel-Arbeit der AgUda. Der wirtschaftliche Stab, der den Rabbi von Gora nach Erez Jisroel begleitete, hat gleich einige wirtschaftliche Crründungen, von denen ,JBiujan Hoorez“ die grösste ist, vorgenommen. Die grosse Bedeutung der Reise selbst, sowohl vom ideellen wie •wirtschaftlichen Standpunkt ans betrachtet, kam erst nach der Rückkehr des Rabbi klar;zutage. Sein noch vom Schiff a$s geschriebener öffentlicher Brief hat ün allen indischen Kreisen tiefen Eindruck gemacht. Er verpflichtet hier seine Anhänger, eineti wesentlichen Teil flugs Vermögens Modewarenhaus Brtder FischersNaehf. Anton Schäfer! Wien, 11., Ruppgasse 17 Grosses Lager aller Schneider- und Modisten-Zog»hörart*k«l, Wäach«. Stoffe,. Teppiche und Vorhänge. und engste Umg^ung ן vc* Wh •fe. %י» AmmiBp« grtmliiw 6<auM» «יי ״m* VeMirtm *et w*mm RsAM eetugriia _ Donnerstag früh titte 84* MM überfilM S^npunden R» Bmpf ^n- % Erez Jisfwg zur Vetfüffflfl« z* fMb*, E? tefl£?t J94m an* vorsidhUipsf fWmtff dq? wirt$Aaft» liebeii Möglichkeiten sieb in Erez Jlgpoef ft&eustedtfo Er schätzt sich glücklich, dass er gleich einen Teil *eines Vergnügens in Erez Jisroel investieren konnte. In ähnlichem Geiste war die Ansprache ' gehalten, die er in Wien auf seiner Rückreise im Ijar anlässlich einer zu seinen Ehren veranstalteten Sitzung des Rabbinischen Rates und des.Geschäftsführenden Aus- Schusses der Agudas Jisroel gehalten hat. Seit drei Jahren hat sich vieles in der Welt verändert. Agudas Jisroel hat die grosse Kraftprobe seiner!ideellen und׳ organisatorischen Kraft anlässlich der Ken&ssio bestanden. Von den grossen politischen Erfolgen, die damals das jüdische Volk aufgewühlt haben, ist so manches verlorengegangen. Es fehlt nicht an Pessimisten, dge in Erez Jisroel nicht mehr die jüdische Heimstätte erblicken wollen, von der vor vier Jahren noch die Rede war. Allein dfie Liebe zu Erez Jisroel ist in der Orthodoxie frei von momentaneu Eingebungen. Der Wille der Aguda zur Arbeit für Erez Jisroel ist unabhängig von jeder politischen Konjunktur, er ist bestrebt, durch Mizwas Jischuw Erez Jisroel im Sinne jener Grossen — Rambam, Scheloh u. a. — dem Heiligen Lande und seinem Charakter als territoriales! Werkzeug zur Erfüllung der Thora zu dienen. Wir hoffen, dass die zweite Reise des Gerer Rabbi all das verwirklichen wird, was die Besten unseres Volkes gemeinsam mit seinen grossen Führern zum Wähle des jüdischen Volkes und seines Heiligen Landes wünschen, und dass der Aufblick zur Chibas Hoorez unsere Grossen führe, uns seihst das Gewissen dafür schärfe, dass es für jeden eine Wahrheit ist: אס אשכך ירושלים תשכך ימיני. Der Gerer Rebbe in Wie». Mittwoch früh trafen Rabbi Mordechal A1 ter aus Gota, Rabbi Morgenstern, der Sokokyver Rebbe und der Bendziner Rebbe Lewin in Begleitung von ungefähr zwanzig IndustrieUen aus Warschau in Wien em. Auf dem Bahnhof wurden die Gäste von einer stattlichen Anzahl Wiener G0$M!mn*sj«*w»sdn und von Vertretern des Zetttralbureafe der Agudas Jäsroel begrüsst und empfangen. Nachmittags fand eine grosse Beratung im Bureau der Agudas Jisroel! statt, in welcher die Richtlinien, die der Delegation in Erez Jisroel dienen sollen, besprochen wurden. An der Beratung nahm der Gzortkawer Gross-Rabbiner, Rabbi!Israel Friedman«, teil Als Abschluss dieser Beratung fand ein zu Ehren der solennen Gäste veranstalteter ׳Begrüssiaigsabedd kn Turnsaale der Talmud Thora!statt. Hier hatte der Präsident der Ortsgruppe der Agudas Isroei in Wien, Herr Wolf Pappenheim die verehrten Gäste und die besonders zahlreich Erschieneneu begrüsst und auf •die Bedeutung der Reise nach Erez Israel hing&wiesen. D*er Sokolover Rebbe sowie der Bendziner Rebbe sprachen über den Zweck ihrer Reise, und haben mit ihren Worten flammende Begeisterung für die Erez Israel-Arbeit der Agudas Isroei hervorgerufen. Ein Teil der Delegation setzte seine Reise noc1״ Mittwoch abends nach Triest fort. Der Gerer Rebbe nnnkrtür £ a j MÖBEL-SPEZIAL-FABRIK ״Küchenfee״ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 P«r •Agf*• Prx««gw»g. fiokl&f-, Voraod KAA0tflo«i1m|g »owle Eüolian in garantiert solider Bauart su den billigsten Preises. Verkauf s&mtlioher Kftobengeeite. Sdohete Aaeaeiebaang-. goldene Medaille 1913. Filialen: I.. Sjfliegelg&sse 15 VJII., Jesefstädterstr. 38 IV., Margaretenstr. 2 XVIII., Wlhringerstrawa 115 VI., Stumpergasse 5( XXL, Hauptatraaaa 28 XXI, Kagran, Wagrameratrasae 118 Von Ub In der Agudas Jhroef dominiert der Ootoo. Im Osten ragt der Chassidismus hervor. Folglich steht der Chassidismus auch in der Agudas Jisroel an ragender Stellung. Darf diese Vorherrschaft des Ghas§&toü§ auch diejenigen mit Freude erfüllen, die der andersgearteten west- und mitteleuropäischen Orthodoxie angehören und vom Chassidismus nur vom Hören und Sagen wissen? Ja! Denn jede Orthodoxie, die echt, geschichtlich berechtigt und religionsgesetzlich legitimiert ist, glich die misnagdisohe, auch die deutsche eines S. R. Hirsch, ist Chassidismus, unbewusster Chassidismus. Wir wollen -uns das an einem instruktiven Beispiel klar machen. D|e Orthodoxie der ganzen Welt stimmt darin überein, dass zur Psychologie des Sabbats auch der Begriff der Doppelseele (Neschomoh Jesseroh) gehört. Der Satz: ״Eine zweite Seele gibt Gott dem Mensehen am Rüsttage des Sabbats, und am Ausgang des Sabbats nmmt er sie ihm wieder weg“, ist nun einmal aus dem Qrundbuche des jüdischen Lebens, dein Talmud (Bezoh 16, T-haanis 27, Masseches Sofrim 17) nicht fortzustreichen. Die Frage ist bloss, was sich der Talmud unter diesem Begriff der sabbatlichen Doppelseele gedacht hat. Eine Reihe von autoritativen Aeusserungen der berufensten Erklärer mag un$ zeigen, dass innerhalb der Orthodoxie die geistige Ein- Stellung zu den Grundtatsachen des jüdischen Bewusstseins zu allen Zeiten durchaus verschieden war lind auf getrennten Wegen rationalistische und mystisehe Tendenzen im sehnsüchtigen Streben nach den! einen gemeinsamen Ziele sich zusammenfanden. R a s c h i: Neschomoh Jesseroh, das ist ein aufgeräumtes, zur Ruhe, Freude und Gastfreundsdiaft gestimmtes Herz, ein harmonisches Zusammenklingen von Leib und Seele, so dass Speise und Trank nicht den Widerspruch der Seele erregen. Roschbo: Neschomoh Jesseroh, das ist die Ruhe und Wonne, welche die Seele am Sabbat findet, a 1 s 0 b sie eine Doppelseele wäre, und wenn die Tage der Mühe und Plage beginnen, dann ist es, als ob sie ihr abhanden käme. lbn Esra: Neschomoh Jesseroh, das ist der Zuschuss an Körper- und Geisteskraft, der im Gefolge des Sabbats, den Gott gesegnet hat, erscheint. S 0 h a r: Neschomoh Jesseroh, das ist der heflige Geist, der sich am Sabbat auf den Menschen niederlässt. Algasi: Neschomoh Jesseroh, das ist die prophylaktischc Kraft, mit welcher der Sabbat vor den Gefahren der Gesundheit schützt, die den Menschen bedrohen, der nach einer Woche der Arbeit und Genügsamkeit ungewohnter Ruhe und erhöhten Tafelgeaüssen sich hingibt. S. R. H i r s c h: ״So ist Werklosigkeit am Schabboss ....Segen: wenn du also mit jedem Schabboss erneuest deinen Vertrag mit Gott und dich zu Gottes Diener weihest, so spendet dir Gott mit jeden) Schabboss erneutes Licht des Geistes, Wärme des Gemütes, Weihe der Kraft zu solch hohen Berufes rtisfrger Erfüllung, auf dass du es inne werdest, dass Gott dich wirklich zu solcher Lebenshöhe berufe, und so jeder SohaAAbos seine eigene Verbürgung mit sich trage (Neschomoh Jesseroh).“ E$ ist unverkennbar, dass mit Ausnahme des Sohar sämtliche Erklärer, deren Definitionen wir hier zitiert bube«, den Begriff der Doppelseele ups verstandesmässig, das heisst rationalistisch, näher zu bringen suchen. Sie tun so, als ob die Neschomoh Jesseroh die verständlichste Sache von der Welt, ein Objekt unmittelbarer Erkenntnis, wissenschaftlicher Erforschung wäre! In Wirklichkeit haben sie aber, indem sie diesen Begriff der empirischen Verstandesweit allgegliedert haben. Im stillen sich selbst kqjner Täuschung darüber liingegeben, dass ein Begriff, der doch ganz offensichtlich aus einer jenseitigen Erkenntnissphäre stammt, in seinem Wesen sich nicht verändert, wenn map ihm ein diesseitiges Mäntelchen umhängt. Sie haben bloss nach dem Vorbilde der Thora, die ..iu der Spiache der Menschen spricht , deu Begriff der DoppCiSeele in einer uns allen ver- Stündlichen Sprache definiert und dabei als selbstverstündlich vorausgesetzt, dass auch hier, wie bei allen anderen religiösen!Jegriffen, ein restloses Rationalisüercu von Dingen, die eben von Haus aus jenseits aller ratio liegen, an seinem inneren Wahnwitz von selbst zerschellen werde. Religiöser Rationalismus -ist in Wirklichkeit schweigende Mystik, unbewusster Chassidismus. Der Sohar dagegen ist redende Mystik, bewusster Chassidismus. In dieser klaren, me verhein#chten g$w.usstsein des Jenseitigen Wesens aller I v*rka!1?• י l|f •üerlage ב I., Graben 28 . Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. 8יי8י Vfifblirmp 8^״ jüf $•*«?«**■״•