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Jüdische Presse · 1924-01-11 · 2 (11.1.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
2 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 JÜDISCHE PRESSE Seite 11 «Idberer, wenn» keäne organisierte Au/torlfläit ׳vorhanden, wäre, •die Russland! bei 1dem uinveirmeJdtödhen Sturze des boftscftielwfctisdien) SRegton&s?vom Chaos r*ettien!könnte.“ Es hefisst dann wörtMdi weliter: ״Nur unter dem Schutze der Autarttäiti, die wir ogaaHsJeren, (kaim die in ׳Russland lebende ׳Masse der Judeniheit *dem furchtbaren Schicksal zu entgehen ihoüfen, das durch die Orausamkeileni und Gewalttaten! wahnstffnnitger jüdisdheT Fltthrer für sie Itcraufbesdiiwore n׳ wird» deren Zahl uingliidcliiloheiriweiste ®öhr gross ist; und die sicfoexffich bei dem ersten Zeichen1 der Gefahr sich aus dem Staub« machen werden!» um ihre elendien ßr׳üder als Sündentoöcke für!ihre!Missetaten׳!Ihrem Sahidksal zu überlassen,;Ver&abilJcih werden diese hei gelegemtfliiah auf treten* den Volksfühnern Schutz suchen׳. Es sollte nicht verkannt werden, dösis das jiudentfejind'Hche Gefühl der Massen׳ ׳jedes Eirjireteni für die Juden schwer, wenn! riioht unmögliich machen!!wird. Die öffenitliiohe!Meinung ׳wird jeden, der für die Jandlen in die Schranken tritt, als bestochen1!verdach־ ׳tilgen und1 jede Parteinahme für jüdische Freunde wird dadurch rasch verschwinden. Keine Autorität ausser derjenigen־ des Zaren1 kann über dterariüge Verdächtigungen erhaben sein; nur des Zaren ׳Wort, kann die Masse wirksam bändigen und die Juden vor Gewalttaten retten.“ Man!wird׳ es dem Ghiief-fRaiblbi nicht!verdenken können, da'ss er in seiner Erwiderung dem Zweifel Ausdruck verleiht, ob gerade der Zar seine Autorität zuguns'ten einer von der irxeigeführiten Volksleidenischaft ■bedrohten Judenheit in der Tan.!jemals mit der genügenden Energäi© Einsetzen würde. Mit Bedauern stellt Br. Hertz fest, dass der Führer der russischen Monarchisten gerade die jüdischen Bolschewisten und: sie allein als Urheber der über das russische Volk gekommenen Le!id)en ׳amsiebt. Die scMämmsiten dieser (Leiden sind im Laufe der letzten׳ Jahre doch zweifellos auf dlie Tsdheka, das zur!Bekämpfung der Gegenreivolutiion etfingesetete Tribunalli zunückzuführen׳. Nun ׳ist aber allge!me׳m!bekannt, dass alle berufsmässigen &päöne, Hooligans ■und Henkersknechte, diie der!alten zaristischen Oohraina diieniten, in den Dienst Lenins und seiner Genossen überigeganigen! sind, und dass mit Ausnähme ׳von Tro-tzky diie führemdten bolsohcwliisitöSchen Geister durchaus keine Juden sind1. Dass die Monarchisten nun gerade die wenigen Juden für diie ׳Leiden des rusSÜsahen! Volkes rverantwortlfiich! miaCheni»!erwecket kein gültiges Vorurteiil für ׳ihre Objjek!t®vli1tüt. Soweit der ׳merkwürdige Briefwechsel. Uns scheint, dass es!die Tatsachen auf den Kopf stellen1 heisst,!wenn man, wie ׳der russische 'Monarchist es tut, d!ie Masse des russischen Volkes!als, eine Gesellschaft ׳von Judenfressern hinstellt und’ den!Zarismus als Schützer der Gerechtigkeit. DSIe ׳geschiehtliohe Erfahrung bewelist die Uurtichtigkeit beider Behauptungen. Die ungiebäl^eitte' russische Volksma'sse wütr|de keinerle® Gefahr für Leib und Leben idter Juden bedeuten, wäre sie nicht von oben, von den sogenannten ״Gebildeten׳“ verhetzt, däe den Judenhass als Element der Poliitlik betrachten!. Und unter d&esem Gesichtspunkt kann man sich der ernstesten & FILIALEN! . m m WIEN/IV. argentinierstr.62* g U r G0SSING / STERAN KLEE - I i'l ״ GRA3E/. I $ AUSKÜNFTE WERDEN STETS GERNE ERTEILT. g t, Pelzhans Armer & Orner Wien, II., Lasslng-Lelthnerplaiz 3 (Taborstr. 17 b) Grösste Auswahl In Käntels, Jaokta und Fftohsea. Fassonierungen nach neuesten Modellen in eigener Werkstätte. 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Mag die Gegenwart trauriger sein denn je• Die Anfänge der Revision der Kriegszeit sind doch jetzt gemacht worden. Mögen die Anfänge schwach und aussichtslos seiin oder scheinen. Sie sind da! Und aus dem kleinsten Samen schafft herrliches Leben lebensherrlicbe Frucht. Heute, wo die Zukunft unheilschwanger uns entgeigenstarrt, haben wir Glauben und Hoffnung nötiger denn jemals. Aus dem Elend und der Erniedrigung unserer Tage müssen wir hellen Auges in die Dunkelheit schauem Die Krisen, die heute die ganze Welt schütteln, sind Vorzeichen einer nahen Aenderung. An jedem einzelnen liegt es, diese Wendung als eine zum Guten oder zum Bösen, deuten zu wollen. Optimismus ist jedoch lebenschaffend Je trauriger es um uns ist, desto hoffnungsfroher sollen wir den gesegneten Tag erharren, an dem die Welt zum Gerichte über sich selbst tagen wird. II. Wie ist die Lage unseres Volkes? Trotz zweitausendjähriger Knechtung wird die Feststellung gewagt, dass ein Volk sein Leben immer a I!1 e i n b es t im!m t• Der grandioseste Beweis ist eben dasselbe zweitausendjährige Exil. Denn es hat eine zweitausendjährige Existenz zur Voraussetzung, erfüllt von ebenso vielen und ebenso grossen Freuden wie Leiden. Und deshalb muss die Frage lauten: Wie ist die Lage i n unserem Volke? ׳Das jüdische Volk erlebt heute die tiefste Ernie drigung, erlebt sein grösstes Leid während seiner Geschichte. Nicht — um nur die jüngsten Geschehnisse zu erwähnen — damals, als Bruder Jude gegen Bruder Juden die Mordwaffe erheben musste, nicht damals, als zur Schande der ganzen Welt Abertausende von Juden, Männer, Frauen und Kinder, von einer wilden 'Horde zur Schlachtbank geschleift wurden, und nicht deshalb, weil heute eine ganze Welt im Hasse gegen unser Volk tobt. Nicht damals, sondem heute, und nicht deswegen, weil die Anderen böse gegen uns sind. Ein jeder Jude schlage sich an die Brust und frage, warum uns heute grösste Schmach׳ bedeckt, warum heute unser Elend am blutigsten ist. Ein jeder wird die Antwort finden. III. Der Parteien im jüdischen Volke gibt es sehr viele. Und trotzdem eine jede von diesen noch in Gruppen, Abteilungen, Fraktionen zerfällt, steht das Volk abseits von allen. Vierzehn Millionen Juden beiläufig wohnen in allen Teilen und Strichen der Welt• Zählt man aber alle Parteigänger im Lager des Judentums zusammen, so erhält man keine zwei Millionen. Und keiner Parteifahne gelingt es, einen erheblichen Teil, des Volkes um sich zu scharen, wie es einst gewesen ist, als über dem ganzen Volke nur die eine Fahne flatterte.... Doch es soll keine Standorte uuf Kosten der anderen erhöht werden. Einst gab es auch viele Parteien im jüdischen Volke. Sie befehdeten sich und haben sich selbst und das ganze Volk im mörderischen Kampfe aufgerieben. Aber das ganze Volk war in ihren Lagern. Der Glaube und Zion einten sie. Wenn jedoch heute alle Parteien im Judentum zugrunde gehen würden, es ginge nur ein Teil des Volkes verloren. Nicht zehn von zwölf Stämmen des Volkes, sondern zwei von den zwölf. Das Volk bestünde weiter und würde dasselbe Leben führen. Im Leide und in Hoffnung auf den Erlöser. Denn was das jüdische Volk einst geeint hat, dasselbe entzweit es heute. Doch das Volk geht weiter seinen Lebensweg und schenkt keinem Gehör. Wer weiss nicht, dass die Parteien die Schuld tragen, dass dem so ist? IV. Die zionistische Partei stand bis vor kurzeT Zeit im Zentrum des öffentlichen jüdischen Lebens. Die tausendjährige Sehnsucht des Volkes nährend, hat der Zionismus die Chance gehabt, eine Bewegung des Volkes zu werden. Doch gleich in seinen Anfängen verfiel er in eine Lüge. Baute eine trügerische Säule ־־ den Nationalismus — in seine Fundamente ein. Grub sich selbst das Grab, in dem er, fernab vom Wesen des Volkes — seinem Glauben — seine Zelte aufschlug. Isolierte sich selbst. Schuf durch die Uebernähme fremder europäischer Lebensformen eine judenfremde Atmosphäre. Und zog in seinem Anhang jene typische Form des Juden der Peripherie auf# der, fernab dem wesentlich-nationalen Charakter des Volkes, nur durch die dünne Kette der nationaJistisehen Bindung des Intellekts, krampfhaft gehalten wird. Und steht heute am Scheidewege. Je länger der Entschluss auf geschoben wird, desto schwieriger wird er zu fassen sein. Dass der Zionismus heute mit gebrochenem Rückgrat künstlich lebt, wie es seine Gegner behaupten, ist falsch. Er hat nie Rückgrat besessen. (Die Ursachen der gegenwärtigen Krise in der zionistischen Partei sind nicht wesentlich. Es ist nur eine vom Schicksal׳ verschwenderisch verschenkte Gelegenheit und prachtvoller Anlass zur Revision. Jeder halbwegs Informierte weiss, dass Dr. Soloweitschik sich während seiner ganzen öffentlichen Tätigkeit von persönlichen Rücksichten leiten Kess. In Litauen war es ein persönlicher Eitelkeitskampf Dr. Soloweits ch!ik gegen Dr. Rosenbaum. Jetzt ist es Dr. Soloweitschik, der!gegen Weizmann Sturm läuft, um denselben zu verdrängen und dessen Stelle einzunehmen. Wobei noch zu bemerken wäre, dass es für den Zionismus und sogar fürs Judentum besser ist, wenn Weizmann siegen sollte und Dr. Soloweitschik mit seiner Streberei endlich in der Versenkung verschwinden sollte•) Das Gebot der Stunde für den Zionismus heisst: Gericht über sich halten. Mit der ganzen Wucht einer lebensfähigen Partei, mit dem jüdischen Idealismus kühn die Fehler einsehen und den bisherigen Weg verlassen, den Nationalismus massigen, national werden, den Glauben als das Heiligste an die Fahne heften, dann könnte er seine Rolle wieder spielen, düe ihm von seinen Gründern vorgeschrieben wurde und sein Wesen beinhaltet: das westliche Judentum von der Peripherie herbeiholen, das sonst zugrunde gehende assimilierte westeuropäische und teilweise amerikanische Judentum dem Volke erhalten und dessen Kräfte dem Volke nutzbar machen. Dann könnte die zionistische Partei vielleicht auch die Führung nach aussen hin erringen. ׳׳״ V. Die kleinen Parteien im Lager der zionistischen Partei haben mehr oder weniger keine Existenzberechtigung. Der linke Flügel der zionistischen Partei — der Poale Zion und dessen diversen komischen Abarten, von der sich kommunistisch gebärdenden Gruppe ewig redender bundistischer Chaluzim bis zu der philiströs-bourgeoisen — auch nur von der Mandatssucht ihrer Führer künstlich erhaltener Eintagsfliegen Zeirej-Zion, Hitachdut und VoTkisten — -sind Auswüchse jedes Parteilebens. Nebenbei kann der Zionismus den Wert dieser Parteigenossen an der Tatsache ermessen, wie dieselben jetzt (siehe Be- Schluss der Verselbständigung der Hitachdut), wo eine Krise im Zionismus herrscht, wie die Ratten ein leckes Schiff verlassen, ihre kümmerlichen Organisationsansätze Hals über Kopf retten wollen und davonlauf en. Der rechte Flügel der zionistischen Organisation, der ״Misrachi“, ist durch die letzten Ereignisse, durch das Fiasko am Kongress in Karlsbad und die Kenessio Gedaulo, in die Enge getrieben worden. Momentan wurde auf die Art neue Luit geschaffen, dass man wieder einmal den wesentlichen Entschluss verschoben hat und sich selbständig zu etablieren versuchen wird. Dass zwischen zwei Hämmern nicht sehr wohnlieh ist, hat ״Misrachi“ erfahren. Ob die eigene Wohnung gemütlich sein wird, wird die Zukunft erweisen. Jedenfalls hat ״Misrachi“ unter der jetzt herrschenden Wohnungsnot im jüdischen Lager a׳m stärksten gelitten und entschloss sich lieber für ein kleines, aber eigenes Zimmerchen als für die Aftermiete ln einem fremden Salon ohne Mesusos. VI. Ein ewiger Fluch lastet auf einer, zum Glück ganz winzigen, Gruppe von Juden. Es sind die jtidi- Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 (nftchst dem Stefansplatz, um die Ecke)

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