Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 2 (11.1.1924)
- Date
- 1924-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Weldler&Fürst JÜDISCHE PRESSE Nr 2 Feinste Herrengarderoben nach Mass Lager feinster, Original engi. Stoffe Wien, II., Hollandstr. 16 Schmitojahr ist der Sabbat der lebensspendenden Erde des heiligen Landes. In dem vollkommenen Debakle der ethischen Werte müssen die Juden retten, was zu retten ist. Die Erfüllung des Gesetzes der Schmitoh wird die Seele unseres Volkes, wie jede Erfüllung eines Gesetzes, vor der drohenden moralischen Verwahrlosung schützen können. Dies ist der ethische Wert des Käfer Nefesch. Doch trotzdem die Erde im heiligen Lande ruhen muss, ׳müssen gleichzeitig den jüdischen Erdarbeitern Erwerbsmöglichkeiten geschaffen werden• Dies geschieht am besten durch Häuserbau. Denn ausser den früher erwähnten Zwecken der Steuerung der Arbeitslosigkeit, wird dadurch die Wohnungsnot gelindert, der Aufbau des heiligen Landes gefördert, die Pf 1 icht gegenüber Erez Jisr0e 1 erfüll t. Wo ein Haus entsteht — entsteht neues Leben. Der Kofer Nefesch dient all diesen Zwecken und das ist sein praktischer Wert. Für jede jüdische Seele muss der Kofer Nefesch entrichtet werden. Er soll mithelfen, die grosse Last der unumgänglichen Verpflichtung unserem Volke und seiner seelischen Konstitution, unserem Lande und seiner Heiligkeit gegenüber, kleiner zu machen. Kofer Nefesch ist Auslösung — ist Erlösung der Seelen. Im Laufe der nächsten Woche wird der Gerer Rebbe auf seiner Reise nach Erez Jisroel in Wien weilen. Einen herrlicheren Ueberbringer des Kofer Nefesch der österreichischen Judenschaft kann -mar! sich nicht wünschen. Doch muss die Gabe der Grösse des Ueberbringers wenigstens annähernd entsprechen. Der!Kofer Nefesch ist mit K. 10.000 per Kopf festgesetzt worden und kann im Bureau der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Oesterreich, Wien, II., Malzgasse 12a, oder bei der Zentraleuropäischen Länderbank auf das Konto ״Keren Hajischuw“ entrichtet werden. Wir bitten jedoch um Angabe des Namens und der Adresse der Spender. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Oesterreich, Wien, II-, Malzgasse 12a. MÖBEL- SPEZIAL-FABRIK ,KÜCHENFEE“ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 Kftohen-, Bohlaf-, Vor- und Mädoheu- Zimmer za billigsten Preisen. Nur eigene Erzengang-. Goldene Medaille 1913. S&mtltohe Kflohenholzger&te Filialen: l, Spiegelgasse 15 VIII., Josefstädterstr. 30 IV., Margaretenstr. 2 XVIII., W&hringerstrasse 115 VI., Stumpergaese 5t XXI., Hauptetraase 28 XXI, Kagran, Wagrameratrasse 118 Eine Botschaft des Chofez Chaim. למינן ורבנן רבותינו הגאונים שליט־א ואל בל יראי ד׳ החיידים בישראל. -. . . . . ....f den Geisteseigenschaften, wegen ihrer Treue und Tüchtigkeit durch erleuchtete Monarchen zu den höchsten Vertrauensstellungen berufen worden waren, wurden von einem der übelberatenen Nachfolger auf dem Throne oft über Nacht gestürzt, ohne sich verteidigen zu können, ihres Vermögens beraubt und an ihrem Leben bedroht. Aber nicht genug damit. Wegen der angedidhteten Missetaten des einen, zu hoher Stellung gelangten Juden mussten dann oft alle seine Glaubensgenossen, von den reichsten bis zu den ärmsten, bestraft werden und sie konnten von Glück sagen, wenn sie nur mit harten Geldstrafen gezüchtigt und nicht auch samt und sonders als Bettler aus dem Lande gejagt wurden. - In dem weohselvollen Schicksale, das Don Isak Abravanel erfahren, spiegelt sich ziemlich genau das Schicksal, das die Juden in Spanien und Portugal Jahrhunderte ׳hindurch erlebten. In Isak Abravanel, der hervorragende staatsmännische Begabung mit grosser jüdischer Gelehrsamkeit und Kenntnis der Philosophie und der Literatur seiner Zeit vereinigte, der die patriotischeste Hingabe für die Interessen des Landes mit der innigen Liebe für seine Religion und seine Glaubensgenossen verband, der die höchsten Ehrenstellen im Staate erreichte und schliesslich ein Opfer der böswilligen Verleumdung, als Bettler sich aus dem Lande flüchten musste, kann man auch das Schicksal der jüdischen Gesamtheit in Spanien und Portugal verkörpert erblicken. Unsere Weisen s. A. sagen: דאנח כלב איש ישיחנח Diesen Ausspruch erklären sich die einen, dass der Mensch an die Sorge zu vergessen trachten soll, die anderen aber sagen, man möge sich die Sorge im Gespräche mit anderen vom Herzen reden. Meine Sorge aber — an die kann ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen, wie ich es später erklären werde. Und ich versuchte schon dieselbe mir vom Herzen zu sprechen; ich sprach schon darüber mit vielen Menschen, ich habe schon gerufen, doch keiner hat mir geantwortet. Deswegen habe ich beschlossen, von meinem Leid und meiner Trauer zu allen Juden der Welt zu sprechen und gewiss werden sich Mensehen finden, denen meine Worte ins Herz dringen und ein Echo erwecken werden und mir wird vielleicht am Herzen leichter werden: Weh ist es mir sehr, wenn ich sehe, wie die Thora und ihre Gebote bei dem heutigen Geschlechte gesunken ist. (Es ist bekannt, dass sich früher in jeder Stadt und jedem kleinsten Städtchen Vereine befanden, die unsere Thora und unser Wissen gepflegt haben. Heute sind viele, viele Städte vorhanden, in denen ausser dem Raw kein einziger Talinid Chochem wohnt.) Mein Schmerz ist grösser, wenn ich sehe, wie im jüdischen Volke selbst, tagtäglich neue Streitigkeiten entstehen, wie sich der Zwist vermehrt, wie jedesmal neue Parteien entstehen und ihre Meinungs- Verschiedenheiten und Gegensätze ins öffentliche Leben hinausgetragen werden. Der eine verlangt bestätigende Unterschriften für seine Partei ׳und dabei beleidigt er die gegnerische Seite und der andere macht es ebenso. (Ich sah, dass einer geschrieben hat: Derjenige, der viele Unterschriften sammelt, der tut wohl. — Ich aber sage, derjenige der viele Unter- Schriften sammelt, er vergrössert nur den Zwist im Volke Israel). Der ganze Golus brennt in einem schrecklichen Feuer der Zwietracht. Und jeden Tag erhalte ich gegen meinen Willen, Zeitungen, Briefe und vieles andere, das nur Beleidigungen der gegnerisehen Partei enthält. Doch besonders gross ist der Schmerz, dass auch in unserem Heiligen Lande der Satan und sein Werk triumphieren. Auch unser Land zappelt im Netze der Zwietracht. Ich weiss nicht, wer die Erlaubnis zu so einem grossen Vergehen gegeben hat, zur Verleumdung und zur Zwietracht und warum jeder von ihnen glaubt, dass die Wahrheit auf seiner Seite ist und nur der Gegner die Zwistigkeiten verursacht, nur auf den Gegner die Schuld zurückfällt — ihn aber selbst keine Strafe ereilen wird. Doch dies ist ein verhängnisvoller Irrtum. Wenn sogar die W^hrheit auf seiner Seite sein sollte, wird dennoch bei jedem Zwist nur die Sucht zum Siege mächtig und dann wird alles Böse erklärlich, denn Zorn und Sieg zerstören alle Dinge. Doch was werden wir antworten, wenn wir von ׳Höchster Stelle zur Verantwortung gezogen werden? Doch böser denn dies alles ist, dass die Sünde des ChiluI Hachem verbreitet wird und wer kann wissen, wie das Ende, G־tt behüte, ausfallen kann? Es ist doch der Ausspruch unser Weisen s. A. bekannt, ׳der da lautet: ,;Ein unbewusst Sündigender und ein bewusster Sünder sind gi'eich bei ChiluI Haschem“. Und:* ״Für die Sünde des ChiluI Haschern folgt gar bald die Strafe“. Jedem Einzelnen ist bekannt, was einst geschah zur Zeiten unseres Tanai R. Akiba, der tausend Schüler sein Eigen nannte, die alle während einer Pest gestorben sind, G־tt schütze uns. Die Welt war damals leer von Thora, bis R. Akiba zu den Lehrern dieser Zeitepoche, derer nur fünf gewesen sind, kam, die da waren: R. Meir, R. Jehuda. R. Josua, R. Simeon und R. Elieser ben Schamu. Wir trauern heute noch zwischen Pessach und Sohewuot deswegen. Und doch bestand ihre ganze Sünde nur darin, dass sie einer den anderen nicht ehrten. Betrachten wir dies: Es waren doch nur Worte, nur die Uebeitretung ei:1. s VeF otes, wofür keine Todesstrafe v > וי Himmel verhängt wird. Warum aber sind jene doeb gestorben? Nur deswegen, weil es ein ChiluI Haschern war, dass Talmidej Chachamim im Streit untereinander lebten und dadurch die Thauro und ihre Gebote vor den Augen der ganzen Welt entwürdigten. Deshalb sage ich: Mojrej, Werabojsaj! Warum sollten wir uns nicht eine Lehre von diesen ״Zedern des Libanons“, den ״Heiligen der Höhe“ nehmen, wo doch ein jeder von ihnen einen gewiss triftigen Grund anführte, dass nicht an ihm die Schuld liege und dass der Gegner die Sohuld trage. Trotzdem sehen wir, dass ihr Wissen und ihre Heiligkeit sie nicht schützen konnte und dass auch bei ihnen die ewige Gerechtigkeit des Gesetzes ihren Lauf genommen hat. Wisset, dass wenn einer vollkommen gerecht ist und der zweite durch ihn gestraft wird, so wird der erste auah gestraft. Wie die Gemarah erzählt, G-tt sagte einst zum König Dawid Friede sei mit ihm: ״Wie lange wird die Sünde bei dir sein? Durch dich würden Saul und seine drei Kinder getötet, Nauw, die Stadt der Priester ist durch dich und den Edomiten Daag verstossen worden“. Und trotzdem Säul und Daag Dawid befehdeten, was konnte er dagegen machen? Und doch lud er auf sich grosse Schmerzen. Ich sah, wie einer sich gefreut hat, daiss er Gelegenheit gefunden hat, den anderen zu beleidigen und er tat dies auch bald in einer Zeitung, öffentlich. Doch Weh über solche Freude: Unsere Welsen erzählen, wie G-tt deshalb Abim tötete, weil er Jerobeam beleidigte. Sollten wir uns kein Beispiel davon nehmen, wenn der Oberste Herr selbst Jerobe am s Ehre beschützte und die Ehre von Zadikim behütete. Ausserdem ist ja bekannt, dass manchmal die Sünde eines Einzelnen genügt, um die ganze Welt in schwere Strafen zu stürzen. Was kann aus der Zwietracht, Verleumdung und ChiluI Haschern durch tausende von Juden noch geschehen, G-tt erbarme sich? Und besonders zu einer Zeit, wo so vieles Unglück und Elend sich über uns Juden häuft, da es scheint, als ob alle Vorzeichen eingetroffen sind, die als עקבתא דמשיחא zu deuten sind. Es ist wahrscheinlich, dass unsere Zeit schon die עקבתא דמשיחא ist und darum sich jeder Jude stärken müsste in Thora und guten Taten, und Friede unter Juden stiften müsste. Wie muss aber ein Jude erzittern, wenn er sieht, wie alles Böse die Welt erfüllt. Es liegt in der Hand eines jeden Einzelnen, Friede zu halten! Brüder und Freunde! Habet Mitleid mit euch und mit dem Klal Isroel. Jeder schaue in seinem Ort auf Friede um jeden Preis. Der שם הנחל darf nicht mehr irgendwie angetastet werden. Ein jeder stütze mit allen Kräften den Frieden, und in diesem Sohus wird uns gegeben sein die Stimme des מבשר שלום auf der Welt zu hören. Dies sind die Worte des Geringen unter den Kohanim, des Dieners der Diener G-ttes, der mit gebrochenen Herzen über den Sturz seines Volkes, und baldige ׳Hilfe fürs Volk erhoffend, seinen Namen zeichnet, Israel Meir Hakohen, Autor des Buches ״Chofez• Chaim“. Eine Schicksalsfrage für die rassische Judenheit. Obe ganze grausame Unsicherheit des jüdischen Galusgesahiakes, die seit Jahrhunderten vielleicht nicht so augenfällig In diiie Erscheinung getreten ist wie :in unseren Tagen, gelangt ׳wieder einmal In einem bemerkenswerten Briefwechsel zum!Ausdruck, der isidli Sn den letzten Wochen׳ zwischen dem Präsidenten der russischen׳ MoularoMsten-Partei in England, Fürst IBelosselsky-ßeloizersky,!und dem Chief-Rabbi Or. Hertz abgespielt hat. Or. Hertz hatte In einer Rosah-lHasohono-Ansp׳r.aahe unter ׳anderem der Furcht Ausdruck!gegeben, dass ,die russischen Manar׳ch'is׳ten, sollten! sie früher oder später wieder zur (Macht gelangen, deir russischen Jiud'eniheit wohl ein Geschick bereiten würden, das •an die ukrainischen Schrecken erinnern könnte. Die westliche Jiudienheit wüdige dlie ungeheime Gefahr nicht genügend, die 1in dieser Hinsicht über den Häuptern der 14 (Millionen russischer Brüder hänge,!in!einem Brief ׳vorn 28. September bestreitet Fürst Belozersky die der monarchistischen Partei unterstellten Absichten!und weist auf eine offizielle Rarteiierklärung d׳eT!Monarchisten hin, die laim 6. Juli 1921 auf einer ׳Konferenz lin ReLchenhall!beschlossen worden!sei• In dieser Erklärung werde unter (anderem!audh volle!Gleichheit vor den Gesetzen׳ und unbedingte Religionsfreiheilt allen׳!russischen Bürgern gewährleistet. In seiner!Antwort bezweifelt der Ohief-Rabbi den praktischen Wert der In ReiahenhaM gefassten Resolutionen und exemplifiziert idabei auf ähnliche papiierne Erklärungen!des Generalis Denükin und de* Admirals Koltschiak, die dennoch nicht vermocht hätten, den mörderischen VerniChtungskampf gegen ganze Gemeinden und Städte in der Ukraine, bezw. Im fernen׳ Osten z!u verhindern. Der Ghief-Rabbi sei daher naCh wie vor von der ׳grössten Sorge über das Geschick der russischen Juden ׳erfüllt für den Fall einer monarchistischen Restauration.!Leider ist nun die ausführliche!Antwort, die Fürst ßetosseifsky unter dem 14• November erteilte, nur >alzu sehr ׳geeignet, die Btfürcihitungen des englischen׳ Oberräbiners zu!rechtfertigen’. (Der Fürst gibt darin zu, dass ,,die Leiden des russischen Volkes Keime des Hasses In so hohem Grade ausgestreut haben, dass es, sich selbst über lassen, diesen Gefühlen in ׳einem Pogrom von beispielloser Heftigkeit Luft machen wird. Dies «ei jedoch umso (Fortsetzung folgt.) _ _ .. ... _ _ -*rr*• -י^^ד-ו‘״^—*-׳1—י-'V^JדKLחJ^L^x^^A^Jר/רJ־/רiי^^יד־^־ור^^^AA* “**1 * * •***»<^*^** fl 9 ££ f 9 9 1״ Bauernmarkt A (£cke Flelschmarlä) Tel. 67302־ Schilr Fdzwarennaus ־•־־rrasr־־: