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Jüdische Presse · 1924-01-11 · 2 (11.1.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
2 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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V. b. b. JÜDISCHE PCüSE ORGAN DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschechoslowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar. Italien 25 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 300 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenänt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest. Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag. Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rum&nien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz 8: Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheck!(. Luzern VII. 1470. «p. 2 Wien-Bratislava, 11. JMnnep 1924 .ב*ה ויענה-פרעספבורג ה״ שבט תיפ׳ד j 10. jahrg. Eine kritische Stande. Wir haben in der vorigen Nummer versucht, unsere Leser aufzuklären über die Vorgänge innerhalb der Judenheit in Deutschland. Nachdem wir hoffen dürfen, dass dieses objektive Bild einigermassen unseren Lesern zur Orientierung gedient hat, möchten wir heute ebenso objektiv die Frage prüfen, welche Schuld auf seiten der Bekämpften vorhanden ist. Damit muss allerdings die Perspektive erweitert werden, weil Schuld und Sühne nur in dem Bereich eines Gedankens gesucht und gefunden werden kann, im Gedanken des Verantwortlichkeitsbewusstseins im Geben und Nehmen sittlicher Werte. Wir gestehen unumwunden zu, dass eine sehr feine Differenzierung des religiösen Gefühles dazu gehört, um die folgenden Ausführungen zu verstehen; dass dieses Verständnis nicht immer vorhanden war, und zwar auf beiden Seiten, trägt die Schuld an der Entwicklung der Dinge, wie wir sie heute erleben. Man vergisst nur allzu leicht, dass in Europa die äusseren Formen der sogenannten Austrittsbewegung oder des ״Separatismus“ bedingt waren durch die Einmischung des Staates in innere religiöse Dinge; weil der Staat einen Zwang auf die Oemeindeverhä'ütnisse ausübte, musste dafür Sorge getragen werden, dass dieser Zwang nicht ausartete zu einem Gewissenszwang. Hauptsächlich darin liegt auch der Grund des Verständnisses der Gesetzgeber in einzelnen Staaten, mit dem sie den sogenannten auf den Austritt abzielenden Bestrebungen gegenüber sich verhielten, so insbesondere in' Deutschland und Ungarn. Staatskirchenrechtlich ausgedrückt heisst das; da der Staat die Grundlage des jüdischen Religionsbekenntnisses nicht kannte und keine Stelle vorhanden war, welche ihm diese Grundlage ebenso autoritativ darstellen konnte, wie es bei anderen Konfessionen der Fall ist, so beschränkte er das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in bezug auf die jüdische Religion nur auf eine Art Polizeiaufsicht und schuf durch das ״Austrittsgesetz diejenigen Massnahmen, die geeignet waren, diese Polizeiaufsicht nicht zu einer Einmischung in innere Dinge werden zu lassen. Man stelle sich nun einmal vor, es hätte diesen staatlichen Zwang nicht gegeben, sondern man nehme das Beispiel Amerikas, all wo es einen Gemeindezwang ebensowenig gibt wie eine Zwangsgemeinde, und infolgedessen von einer Austrittsbewegurig von einem ״Separatismus“ überhaupt keine Rede sein kann. Man findet es dort für selbstverständlich, dass religiöse Gemeinden naturgemäss religiöse Gemeinschaften sind, und es wohl in Amerika keinem Menschen ׳beifällt, den anderen darüber scheel anzusehen, dass er zu solchen Institutionen nicht beitragen will, deren Vorhandensein allein schon für ihn als eine Verletzung der Religion gilt. Uebrigens kann man auch bei diesem Kapitel wieder erkennen, dass die Umwälzung, welche im Jahre 1918 einsetzte, weder das Produkt noch der Ausdruck einer bestimmten Gedankenriahtung ist. Nehmen wir nun einmal — und der Leser verzeihe uns diese Abschweifung — dieses Verhältnis als gegeben an, so ist vom höheren Standpunkte aus die Austrittsgemeinde eine solche Schöpfung, welche nicht nur für sich die ungehemmte Betätigung ihrer religiösen Anschauung erkämpft hat, sondern vielmehr auch mit der Pflicht begabt ist, für ihre Anschauung zu werben und ihr letzten Endes wieder die Stellung innerhalb der Judenheit zu erringen, welche bis vor 150 Jahren die selbstverständliche war. Dazu bedarf es einer von allem Persönlichen und Zeitlichen Iosgelösten Werbung. Dazu bedarf es weiter einer solch durchsichtigen Klarheit des Standpunktes, dass niemals ein Zweifel in der otyen geschilderten Aufgabe entstehen kann "und man hat dies dunkel empfunden, wenn man immer wieder von der Prinzipientreue als dem ersten Gebot spricht. Die schwere, noch ungelöste Frage ist, ob der Weg zum Ziel über das Individuum zur Gemeinschaft, oder über die Gemeinschaft zum Individuum führt. Wir sind eigentlich im ersten Stadium stecken geblieben; die Gemeinde ist noch nicht zur Gemeinschaft geworden. Das ist die Bresche, durch die unser Gegner, nach der oft geschilderten Methode des Diebes, der, um das Augenmerk von sich abzulenken, ״haltet den Dieb“ schreit, in unser Lager einzudringen versucht. Je mehr sich in anderen Ländern unter der Einwirkung staatlichen Zwanges die Spuren des Kampfes zeigen, welchen Deutschland und Ungarn im vorigen Jahrhundert, nicht ohne Wunden, durchgekämpft haben, umso mehr ist es Pflicht, Deutschland und Ungarn zu zeigen, dass auch auf diesem Gebiete Thora nizchis, der Gedanke der Thora zeitlos allumfassend ist, das Individuum in den Bann der Gemeinschaft zieht und den Segen der Gemeinschaft auf jedes jüdische Individuum ausstrahlen lässt. Weil dieses Ziel noch nicht erreicht ist, darum konnten in so vielen Ländern solche Bestrebungen entstehen, wie wir sie jetzt als Beginn einer neuen Periode des Kampfes in Deutschland erleben. Der Sieg wird auf der Seite der Treue sein. Kofer Nefesch in Oesterreich. In der jüngsten Sitzung des Vorstandes der österreichischen Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel wurde der Beschluss gefasst, die österreichische thoratreue Judenheit aufzufordern, nach dem Muster der slowakischen, die Institution des Kofer Nefesch ins Leben zu rufen. Kofer Nefesch — ist nicht eine Parteisteuer, ist keine Organiisationsgebühr oder irgend eine Summe Geldes, die als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Partei gelten soll. Kofer Nefesch ist ein teilwedses symbolisches Loskaufen jeder jüdischen Seele von der Last der Pflichten, die in unserer Zeit auf jedem, einzelnen jüdischen Menschen ruht. Kofer Nefesch — heisst das Minimum, das jedermann, gross oder klein, arm oder reich leisten muss, wenn er nicht in Angesicht des grenzenlosen Niederganges unseres Volkes in gegenwärtiger Zeit, grösster Verzweiflung anheim fallen will. Aber dies ׳ist nicht alles. Der Kofer Nefesch ist keine Geldspende, die momentanes Unglück steuern soll. Um die immer stärker werdende Not der Seelen geht es. Wer den Kofer Nefesch entrichtet, macht es möglich, dass tausendjähriges Gesetz erfüllt wird. Dieses Jahr ist ein Schmitohjahr. Der heilige Boden Erez Jisroel soll ruhen und muss ruhen. Das Der Traum des Rabbi. 11. Fünf Jahre waren seit diesem Tage vergangen und wiederholt hatte sich für die Juden in Saragossa Gelegenheit geboten, dem Könige bei einem Besuche des Judenviertels ihre ehrerbietige Huldigung darzubringen, ohne dass die Thorarollen selbst aus der Bundeslade entnommen worden wären. Die leeren Kästchen, in die kostbaren, mit Silber und Gold geschmückten Mäntel gehüllt, wurden dem Könige entgegengetragen und nur der Segensspruch war der alte, echte, unverfälscht traditionelle geblieben. Aber auch sonst hatte sich inzwischen wieder einmal viel in diesen Landen geändert. Nach einer Atempause, in der die Juden in Spanien und Portugal sich eines ungestörten Daseins erfreuen durften, hatten sich wieder düstere Wolken des Glaubenshasses und der Verfolgung zusammengeballt und mit Entsetzen hörten die Juden bald aus dieser, bald aus jener Provinz Nachrichten über das Wüten der immer mächtiger werdenden Inquisition. Der Fanatismus der Eiferer fand häufig die mächtigste Förderung in der Habgier von Fürsten, die es sich gerne gefallen bessern wenn ihrem oder dem Staatsschätze — was zumeist dasselbe war — die Güter der Unglücklichen zufielen, die angeblich aus religiösen Gründen zum Tode verurteilt wurden. Die einen sorgten unermüdlieh dafür, dass von Zeit zu Zeit in die flammenden Holzstösse zur grösseren Ehre Gottes lebende Menverdienstliches Werk darin, sich an der Habe der Gemordeten zu bereichern. In diesen Ländern wurde das milde Licht der Toleranz, das edle, von Menschenliebe und Gerechtigkeitssinn erfüllte Monarchen auch den Juden leuchten liessen, gar häufig von lodernden Scheiterhaufen abgelöst, die von Fanatikern für wahre — Glaubenshelden angezündet wurden. Mit unauslöschlichen Gefühlen der Dankbarkeit gedachten die Juden der Fürsten, die sich durch keine Ueberredungskunst bewegen liessen, Böswilligkeit und Grausamkeit als Ausfluss von Liebe und Gerechtigkeit zu billigen, wenn es sich um Juden handelte. Von Generation zu Generation pflanzte sich z. B. die rühmvolle Erinnerung an den Gerechtigkeitssinn Don Pedro I. (1357—1367) fort, der es als die höchste Maxime seiner Regierungsweisheit erklärt hatte, gleiches Recht für alle ohne Unterschied des Glaubens gelten zu lassen, aber sich nicht mit den schönen Worten begnügte, sondern diese Maxime auch in die Tat umsetzte. Nicht als Legende, sondern als historisch beglaubigte Tatsache wird zur Charakteristik Pedros berichtet, wie er in einem Prozess gegen zwei Edelleute, die einst als Edelknaben an seinem Hof gedient hatten, geurteilt hatte. Die beiden hatten einen jüdisehen Händler, der mit seinen Waren in den Ortschäften herumzog, im Walde überfallen und seiner Habe beraubt. Das war damals ein nicht gar seltener Vorfall, ber dem ein Edelmann nicht Gefahr lief, besonders schwere Folgen zu erleiden. Aber diese Edelleute wollten die Angelegenheit kurz damit erledigen, dass sie den jüdischen Händler einfach totschlugen. Tote erheben in der Regel keine Anklagen. In diesem Falle kam es anders. Dr König hatte zufällig von der Sache gehört und die Edelleute wurden verhaftet. Der König liess sie vor sich bringen und sie leugneten nicht, den Juden, der es gewagt hatte, wenn auch nur, um sich zu wehren, die Hand gegen Edelleute zu erheben, totgeschlagen zu haben. Der König aber sagte: ״Ihr habt wohl daran getan, dass Ihr, als Ihr das Räuberhandwerk ergriffen habt, das Rauben und Morden zuerst an den Juden gelernt habt, um nachher zu den Christen überzugehen“. Aber um diese weitere Ausbildung zu verhindern, entschied der König, dass die beiden Mörder enthauptet werden. Nicht nur diese, auch ihre angesehenen, in hohen Stellungen sich befindenden Verwandten hielten es für ungeheuerlich, dass wegen eines gemeinen jüdisehen Händlers soviel Aufsehen gemacht werde, so dass sogar das Blut von Edelleuten fliessen solle. Aber der König beharrte auf seinem Rechtsspruch und das Urteil wurde vollzogen. Pedro I. war nicht der einzige, der sich als gerechter König erwies, aber dicke Bände würden nicht genügen, um all die Namen der Juden zu verzeichnen, die als Opfer der Unmenschlichkeit und Gewalt fielen, die durch die königliche Majestät geschützt, geduldet oder־ gar anbefohlen worden waren. Ein Thronwechsel war häufig entscheidend für den völligen grundstürzenden Wechsel im Schicksal der gesamten jüdischen Bevölkerung des Landes. Edle jüdische Männer, die wegen ihrer hervorragensehen geworfen wurden, und die anderen fanden ein Othmar Schilf Wien 1. —— Kärntnerring nr. 6 (((geulter dem Botel Bristol), Cei. 51׳3־« Die grösste internationale Kun$twerk$tätte für Perücken, Scheitel und Transformationen €w 9m — ett getan / Billigste ClnuanTsgiieiie / Die Bmteimng awrgarant. flattergewimw Hatarhaar liefert seit nebr 91$ »»derttolb 3*br*ebait» de« 90mb«»te« OFfbbdoxe» Dane» aller £ü»dtf Perücke». Spezialist f« BriatScbelteln. Diese «erde» der m!dcDe»fris»r mit verblüffender Cä«cbu«0 »acb0en*cbf. If* Uw ver Trrefübmag »aschütte», bitte de» Uoraaiaea OTHMAR »»d die Adresse ge»»» an beacbte»_i ד*■

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