Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 1 (4.1.1924)
- Date
- 1924-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE Nr. 1 Herrenmodehaus A. BORENSTEIN Wien, II., Hollandstr. 10 S&satlloHe Herrenmodeartikel (Herrenwäsche, Krawatten etc.) sssns nässlge Preise. sss&3 Feinste Herrengarderollen HB.010L Maee. Neu eröffnet: Konfektions Abteilung. BO"* Kein שעטנז *ou hilfe suchen. So wie bisher geht es au! keinen Fall weiter. Die Bewegung lebt seit Jahfen ohne ein organisatorisches und ideelles Zentrum. Wenn dieser Zustand noch einige Zeit anhält, dann wird es bald keine Hoffnung mehr auf Heilung dieser schleichenden Krankheit geben . . . .“ Man wird wieder sagen, dass hier irgend ein propagandistischer, hässlicher Gewinn aus diesen Worten gezogen werden will. Dass man schadenfroh, gemein, niederträchtig, verlogen, verräterisch ist . . . Jüdische Menschen sind es aber, unsere Brüder. Das Rieseln des Mörtels im Gemäuer schmerzt den Warner mehr denn den Gewarnten .... Besonders, da er wusste, dass Unheil entstehen muss, wenn man auf einer äusseren und inneren Lüge baut. Die zionistische Organisation, so wie sie heute ist, steht auf einer Lüge. Wo die Wahrheit ist wissen alle, die es wissen wollen. K. Die Not der deutschen )uden. Judenausweisungen. Nürnberg. Die bayrischen Behörden beginnen wieder mit den Judenausweisungen; diesmal wird die Form mehr gewahrt, indem sich die Auswedsungs- Verordnungen gegen die Juden richten, welche nicht die deutsche Staatszugehörigkeät besitzen. In Nürnberg hat eine grosse Zahl jüdischer Familien, die polnische Staatsbürger sind, aber bereits 20 bis 25 Jahre in Bayern wohnen, Ausweisungsbefehle erhalten, in denen ihnen zugleich die Konfiskation ihres Vermögens angedroht wird. Die Auswanderungsbefehle sind befristet. Die polnische Regierung wird neuerdings in der Angelegenheit intervenieren. Spendenausweis. (Fortsetzung.) Allgemeine Spenden: Salomon Aschkenasy K 100.000, Simon Lipschütz Dinar 20, David Bischofstmder K 60.000, durch Bethausverein ״Thora Ejrichaim“ K 1,630.000, Jäger durch Heinrich FleiBchmann K 10.000, durch Rabb. Josef Adler, Schäfsburg, Romänien, 1. Sendung Lei 600, 2. Sendung, gesendet durch Rabb. Josef Adler, Schäfsburg, Rumänien: Michael Fried Lei 600, Hermann Marton Lei 400, Moritz Beinhacker, Sigismund B&ruch je Lei 300, zusammen 600, Friedrich Weinstock, Dr. Josef Fried, Hermann Baruch, Isidor Feiner, Lasar Abraham je Lei 200, zusammen 1000, Josef Adler, Emanuel Zimmermann, Bela Simon, Simon Schulsinger, Koloman Hirsch, Moritz Graunfels, Ignatz Fried, Isak Schobel, Moritz Jakob, S. D. Katz je Lei 100, zusammen 1020, Salomon Wegli, Samuel Wurzberger, Rudolf Roth, Moritz Gidali, Salomon Chamowitsch je Lei 50. zusammen 260, Chewras Bachurim Lei 230, zusammen 4000, Ortsgruppe der Agudas Jisroel, Jerusalem Dollar 60. Gesamtsumme der Spenden K 651,837.544. lebeisnittelbilfe llr DiMM der flgidiiM. Zur Versendung gelangen folgende Pakettypen: (Die Preise der Pakete verstehen sich inkl. Porto, Verpackung« Expedition und Transportversicherung gegen alle Schäden.) Paket 1 (6 Kg.) K 67.000 1 kg raffinierter Zucker V, ״ koscher Kunerol l1/• n Vollreis 174 » Weizenmehl Paket II (5 Kg.) K 67.000 1 kg raffinierter Zucker */4 ״ koscher Kunerol 1 ״ Vollreis 174 » Weizenmehl V4 ״ Kakao 74 ״ ungebrannter Kaffee Paket III (6 Kg.) K 77.000 17. kg raffinierter Zucker 1 ״ koscher Kunerol 1 ״ Vollreis 74 » Hülsenfrüchte 7t ״ ungebrannter Kaffee Paket IV (6 Kg.) K 77 000 1 kg rafffinierter Zucker 1 ״ koscher Kunerol 1 ״ Vollreis 'A Hülsenfrüchte V, n Kakao 7t n ungebrannter Kaffee Paket V (6 Kg.) K 104.000 17! kg raffinierter Zucker 17t■י.׳ h koscher Kunerol 74 n Vollreis 7t » Kakao 7a » ungebrannter Kaffee Paket VI (10 Kg.) K 144.000 2 kg raffinierter Zucker 2 ״ koscher Kunerol 74 » ungebrannter Kaffee 74 ״ Kakao 2 ״ Vollreis 2 » Weizenmehl Bestellungen anf diese Paket« werden entgegengenommen und Auskünfte erteilt beim Generalsekretariat des ״JUdlschen Hilfswerk“' Wien, II. Bezirk, Malzgasse Nr• 12 a, Telephon Nr. 49*0-54. NACHRICHTEN Vom Tage Bemerkungen zur Misrachi-Konferenz. Die feigen Rabbiner. An der Misrachikonferenz der Donau- und ‘,Balkanländer: Oesterred oh, Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland, die vom 25. bis 27. Dezember v. J. in Wien tagte, haben auffallend wenig Rabbiner teilgenoimmen.. Abgesehen von dem Wiener Oberrabbiner Dr. Chajes, der als Präsident des zionistischen Aktionskomitees die Konferenz begrüsste, und von Rabbiner Mayersohn, der in seiner grossen Schlussrede sich als Freund de;• Misrachi bekannte, war bloss der Biafetoker Raw Fayans als Gast, der Oberrabbiner der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde Moses Schwarz in Hlokovec und der Oberrabbiner der neologen israelitis^hen Ku'ltusgemeinde Novi Zamky, Dr. Samuel Klein, als Delegierte an der Konferenz anwesend. Mah hat das Fernbleiben der Rabbiner an der Konferenz mit dem Umstand erklären wollen, dass die Rabbiner unter einem Terror leben und aus Furcht urtd Feigheit ihre wahre Gesinnung, diie selbstverständlich im Gebahnen misraohistisch wäre, ndht offen zur Schau traigen wollen. Man verfällt auf die merkwürdigsten Dinge, wenn man eine Tatsache mit Hypothesen erklären will• Um eine Ehrenrettung des Misrachigedatikens, der seinen Trägern ׳als! der Ausdruck des wahrhaften unverfälschten thoratreuen Judentums gilt, vorzunehmen, scheut tnan sich nicht vor Verdächtigung und Herabsetzung der Träger der Thora, der Rabbiner zuriiok. Welche Autorität Sollen diese Rabblher in ihren Gemeinden haben, wenn von ihnen öffentlich (behauptet und mit geschäftiger Beflissenheit verbreitet wird, dass sie wohl eine Gesinnung haben, dass sie Sympathie zu einer Idee hegen, aber zu feig sind, um dieser Gesinnung, dieser Sympathie auefi öfentMch Ausdruck tu geben. Jude sein bedeutet Mut besitzen. Thoratreuer Jude sein, bedeutet, diesen Jüdischen Mut in unendlich gesteigerter Potenz in sich tragen. Es gehört nun ein zweifelhafter Mut dazu, die thoratreuen Rabbiner in Bausch und Bogen feiger Mutlosigkeit zu zeihen. 51 Prozent. Es wurde an der Konferenz viel von den hohen und idealen Aufgaben der Misrachi gesprochen. Als unmittelbares Ziel wurde aber den Misrachisten die Aufgabe gestellt, auf dem nächsten Kongress 51 Prozent der Stimmen, also die Majorität zu besitzen. Dieses Ziel scheint aus dem Programm der älteren nri&rachtetäschen Schule ohne vieH Ueberlegung übernommen zu!'sein. Vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren, in der Blütezeit des europäischen Pariamentarlsmus, war durch eine kompakte Majorität alles zu erreichen. Es ist nur natürlich, dass damls die Mistwhttten die Erreichung der Ntedwwät ffl teffl zit)M- StfoCheii Parlament als das wirkSSEMte Mittel zur Durchsetzung ihrer Forderungen erblickten. Seither geht es aber mit dem Parlamentarismus Immer mehr abwärts. Nach der Ansicht kundiger Politiker, die die Gegenwart mit offenen Augen betrachten, pfeift der Parlamentarismus in Europa aus dem letzten Loch. Was immer aus dem parlamentarischen System auch in der Zukunft werden mag, eines scheint schon heute sicher zu sein: die Auffassung, dass die Majorität allein alle Macht besitzt, muss aufgegeben werden. Es genügt in diesem Zusamenhange auf die momentane parlamentarische Situation in England, im klassischen Lande des Parlamentarismus, und auf die pariamentausche Situation in Qe&terrelch hitizuwcifcen. Für alle Fälle scheint uns aber dJe Forderung def Misrachisten nach 51 Prozent deT ,fcftee im künftigen Zionistenkongf&ss etwas Veraltet. '•Man sollte, falls man wirkliehe Erfolge haben will, der Entwicklung der Tatsuchen mehr Rechnunag tragen. Es könnte noch die tragikomische Situation eintretelt, da&s zwar das misrachistische Ideal von den 51 Prozent erreicht wird, dass abdi* das jüdische Parlament des Zionistenkongresses bereits so sehr von der europäischen Entwiddung p&ria!mentaricher Systeme in Mitleidenschaft gezogen ist, dass selbst eine 51prozentige Majorität die öffentliche Geltung und Heilighaltung de: Thora und ihrer Vorschriften für die 49 Prozent nicht retten könnte. Fortschreitende Verselbständigung der Misrachi. Trotz all dem kann man mit dem Geist der Konferenz auch vom Standpunkte der unabhängigen Orthodoxie nicht unzufrieden sein. Wenn man die Vertreter der Jugend beiderlei Geschlechtes sprechen hörte, so musste man die Ueberzeugung gewinnen, dass die Jugend von Liebe zu Palästina und von Anhänglichkeit zur Thora und Tradition geleitet, nicht mehr gewillt ist, die Sklavenketten einer Organisation zu tragen, die so wenig Verständnis für das wahre Judentum hat. Die jugendliche Entrüstung gegen die Respektlosigkeit, mit welcher die zionistisehe Organisation die heiligsten Güter des jüdischen Volkes behandelt, kann nicht mit leeren Formeln beschwichtigt werden. Sie fühlt in ihrer Begeisterung für den Aufbau des heiligen Landes, dass an dem Verhalten der zionistischen Organisation nicht Personen, SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformatione■ in feinster 0. modernster Ausführung! Mit •Inamdrlfff modern frisiert DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHBITSLN AUF HAUT gearbeitet, gänzlich unkenntlich Im Tragnn■ Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen werden übernommen. Provinz Versand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkstitte für modern« Haarkonfektlon FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien! II., Stnfanlattrassa 7 (jetzige Hillaidlt.) untere oder höhere Beamten, schuld sind, sondern das ganze System. Nicht Beamte müssen abgelöst, versetzt oder entlassen werden, sondern das ganze System muss geändert werden. Und zwar das Grundprinzip des Zionismus überhaupt, welches das jüdische Volk auf Grund der rassenmässigen Zusammengehörigkeit und der nationallen Aktivität und nicht als G-ttesvolk unter dem Banner der Thora zusammenfassen will. Diese Erkenntnis lebt in misrachistischen Kreisen noch nicht. Sie erblicken in der zionistischen Organisation noch immer den höchsten Ausdruck des jüdschen Volkes und seiner einzigartigen Einheit. Doch dass die Misrachi nicht mehr mit der Rolle des Mascligiach in der zionistischen Organisation zufrieden ist, dass sie sich zur selbständigen Arbeit in Palästina entschlossen hat, dass sie auch Golusaibeit in ihr Programm aufgenommen hat, dass die jüngste Konferenz gerade unter dem Einfluss der Jugend sich vom Keren Hajessod losgesagt und die Gründung eines selbständigen Keren Misrachi beschlossen hat, das alles sind wertvolle Zeichen des immer mehr fortschreitenden Prozesses der Verselbstständigung der Misrachi-Organisation, mit dem der Prozess der seelischen Emanzipation der einzelnen Misrachisten paraM geht. In der misrachistischen Jugend glauben wir die Träger dieses Prozesses zu erblicken. Noch einige Schritte vorwärts auf diesem Wege, und sie werden nicht mehr in einer 51prozentigen Majorität auf dem Zionistenkongress das Ideal von Misrachi erblicken, sondern in denn thoratreuen Juden, der, von seiner jüdischen Ueberzeugung getragen, jüdischer Pflichterfüllung lebt, vereint mit all seinen Weggenossen, für die es bloss einen Leitstern gibt: die Thora. ©@© Sie Woche. @®0 Warschau. ׳Der Führer der radikalen Bauerngruippe ״Wysiwolemie“, Thugutt, dessen Premterschaft vor einigen Tagen׳ gescheitert ist,!hat sich in seiner ,letzten Konferenz mit dem Präsidenten' des Jüdischen ParliamentsMubs, Leon Reich, in folgend• Weise geäussert: ,״Man ,wirft mir Antisemitii'smus vor. Alle Polen sind Antisemiten. Aber es gibt solche, mit denen sich reden lässt. Die Leute von Wyswoleme gehören zu denjenigen Antisemiten, die keine Pogroanpropaganda betreiben.“ Kiew. Das zum Zwecke antireligiöser Propaganda vorbereitete ׳Sammellbuoh ,,Apikores“ (Ketzer) Ist bereits erschienen »und enthält satyrisahes und ihumoriiStlsches Material über G-tt, Glauben, Rabbiner und Klej-Kodesch. Warschau. Die zuständigen Behörden in dem Distrikt Wilna haben1 beschlossen, die!zwangsweise Sontnitagsriuhe, die für die übrigen1 Teile der Republik bereits -Geltung hat, für den Wilna-Distrikt auf!unbestimmte Zeit aufzuschieben. Man ist!zu dieser Massnahme!infolge der Interventton einer Vertretung der Wülnaer Judemheit!geschritten. Jerusalem. Am 18. Dezember abends kam «s zu ,einem verhängnisvolllen Zusammenistoss zwischen vier Qg&haTdDm ki Jerusalem in der Altstadt von Jerusalem; wobei «Un Junger Seiphard'i, namens!Ban Sdimiuleil, ein Emigrant aus Smyrna, ein Messer zog und! aiutf zwei seiner Gefährten lossitach. Einet der Gestochenen starb