Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1924-01-04 · 1 (4.1.1924) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
1 (4.1.1924)
Date
1924-01-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630051-2630052--1284-2633018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr; 1 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 *las das thoratreue Judentum einigt und stark zu• sammenfassL Der Dal Jaujni׳ d ie Q e m eins a m- Veit derselben hohen Oedanken und־ Ideen bei der orthodoxen Judensdhaft in der ganzen Weit, ist das beste Mittel, eine Einheit des JJenkens und־ Tuns zu erwirken. Es ist eine Einheit der Seelen, die dadurch geschaffen wind, und die stärker ist als alle anderen äusserlichen Mittel. Solange das übrige Judentum sich nicht unter die einzig eini- «ende Fahne der Thora schart, solange dürfte das Streben nach einer ,.Einheitsfront“ von keinen grossen Erfolgen gekrönt sein. Die in letzter Zeit angestrebten Schaffungen von jüdischen Völke rbuhdligen sind nur Notbehelfe, die kaum die grosse Aulgäbe erfüllen können. Es kommt auf innere Ralliierung, auf die Zusammenfassung der jüdischen Mensehen im jüdischen Rahmen an. Redner bespricht die praktische Tätigkeit der Aguda in den verschiedensten Ländern. Der Ans c h 1 u s s U n g a r n s, die Schaffung einer LandesorganisationinBöhmen und Mähren, die E rfolge i n Amerika und in Polen, die soziale Tätigkeit für di? deutschen Brüder sind Beweise, dass die Aguda in stetem Wachsen sich befindet und dass langsam die jüdische Welt zur Einsicht kommt, dass im Lager der Aguda die Möglichkeit vorhanden ist, über Zeit und Schicksal dem jüdischen Volke eine bessere Zukunft vorzubereiten und bessere Lebensmöglichkeiten in der Gegenwart zu schaffen. Des jüdischen Volkes Glück in seiner tausendjährigen Geschichte hiess: Kontinuität der Geschlechter. Keine Lücke, keine Pause darf entstehen. Die Lebensaufgabe eines Geschlechtes muss von den Nachfolgenden ohne zeitlichen Zwischenraum fortgesetzt werden. In dieser Kontinuität liegt alles Heil. Und deshalb ist die wichtigste Aufgabe, die sich die Agudas Jisroel gestellt hat, die Erziehung •der jungen Generation im Geiste und Sinne der ewigen Thora. Von dieser Einsicht waren die Schöpfer des Keren Hatauroh geleitet, als sie in Ausführung des betreffenden Beschlusses der Kenessio Gedaulo im Keren Hatauroh das Instrument schufene, das dem Verfall des jüdischen Erziehungswesens steuern sollte. Oberrabb- H i r 8 c h i e r bringt den jüngst erschiene- •nen Bericht der Sowjetregierung zur Sprache, der in freimütigster Weise seine vollkommene Niederlage im Kampfe mit der jüdischen Volksschule, dem Cheder, eingesteht. Die nationalistisehen Schulen sind beim ersten Angriff vom Erdboden verschwunden, der Cheder blieb, weil die jüdischen Sowjetleute selbst ihre KindeT im Cheder er- :ziehen Hessen. Die Stimme des jüdischen Blutes ist stärker als alle gedanklichen Kons׳trukiionen, die eingewurzelte Form des jüdisehen Lebens triumphiert über die Mache moderner Lebensart. Das Beispiel des Cheders ist der Beweis unvergänglichen Volikscharakters. Und deshalb muss der Keren Hatauroh, der durch die Erhaltung dieser Cheders׳ und Jeschiwos das junge Geschlecht vor sittlichem Verfall, vor furchtbaren Irrgängen behütet, und die Jugend durch eine echt jüdisehe Erziehung für ein echt jüdisches Leben im Sinne der Thora vorbereitet, mit allen Kräften von allen Juden unterstützt werden. Nicht minder wichtig ist die zweite von der Kenessio Gedaulo geschaffene Institution, der K e r e n H a j i s c 11 u w. Die Vorwürfe der Gegner der Ortho- •doxie, in und für Erez Jisroel nichts getan zu haben, sind lächerlich. Es geschieht vieles. Es geschieht nur ohne grosse Reklame und Propagandaspektakel, und es werden, bei aller intensiven Arbeit in und für Erez Jisroel, die wichtigen Arbeiten im Golus nicht vernichlässigt. Jene in den anderen Lagern künstlich geschaffene Golusmüdigkeit ist verhängnisvoll. Das Heilige Land ist mit dem Leben eines jeden thoratreuen Juden mit so starken Banden verknüpft, dass eines das andere bedingt. Die Anfänge sind gemacht worden. B n e i B r a k ־wurde durch Verträge gebunden, die slowakische Landesorganisation hat bereits grose Summen bereitgestellt, um eine slowakische Kolonie zu gründen. Die österreichische Landesorganisation folgt diesem Beispiel nach. Die Gartenstadt Newell-Jisroel ft im Entstehen. Dieses Jahr wird zum Bauen von Häusern benützt, um den schmittohaltenden Juden Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Dies alles sind Beweise ehrlicher Arbeit. E h r 1 i c h e< A r b e i t nicht nur um das Land, sondern auch um die Heiligkeit und Reinheit des Landes. Redner erwähnt die kommende Reisedes Gerer Rebbe und deren grosse Bedeutung. Auch erwähnt er die Araberfrage, in der bisnun viel Unheil von Unberufenen gestiftet worden ist. Die Agudas Jisroel muss einen ebenso starken WHlen zur Führung zeigen, wie sie bisnun den Willen zu produktiver, ehrlicher Arbeit, wie es die erwähnten Beispiele beweisen, ge- .zeigt hat. Dann wird das ganze Volk an die Agudas Jisroel glauben und sich ihrer Führung anvertrauen. Die prachtvoll apg eiterte Rede des Referenten wurde viele Male durch den starken Beifall der Anwesenden unterbrochen. Sie löste allgemeine Beidedigung aus, die sich ebenso auf den Bericht über die Tätigkeit als auch auf die glänzenden Ausführungen des Redners bezogen. Der zweite Sprecher des Abends, Schuldirektor Dr. Josef C a r 1 e b a c h aus Hamburg, überbringt den Dank der deutschen Juden für die dar gebrachte Hilfe «und (besonders für die Udbernahme der Kinder. Die Lehrtätigkeit des Redners in verschiedenen Ländern gibt dem Redner die Möglichkeit, seine Ausführuiigen durch Erfahrungen zu bekräftigen. Nicht nur das Heilige Land müsse Agudas Jisroel fordern, sondern auch Thauroh überall und jederzeit. Beides oder keines muss die Parole sein. Des halb ist eben die Lage der Jeschiwos so beängstigend; Es geht nicht nur um Schulen und Erziehungswesen, es geht um die Zukunft des ganzen Volkes, auch jenes Teiles, der heute im gegnerischen Lager ist- Denn alles, was heute mit Renaissance des Judentums bezeichnet wird, sta«mmtaus der J e s c h i iw 0 h und verdankt man dem Cheder. Das Erwachen der neu hebräischen Sprache und Literatur, die Schaffung der modernen jüdischen Wissenschaft, alles hat seinen Ursprung im Cheder und in der Jeschiwoh. Ebenso wie die Schöpfer und Träger dieser Literatur und Wissenschaft dein Cheder ihr Wissen und Können verdanken. Redner zitiert ein Gedicht Ch. N. Bialiks, das seine Ausführungen bestätigt. Dies ist ein Beweis, dass man auch drüben die Bedeutung des Cheders erkennt. Und was jetzt in Russland geschieht, geschieht immer und überall. Nur die grösste Not treibt die Menschen ins andere Lager, sei die Not körperlich oder seelisch. In Erez Jisroel ist es ebenso. Hier muss endlich ein Anfang gemacht werden. Mögen die Verhältnisse im Lande heute sein wie sie sind; aber Redner hegt die feste Ueberzeugung, dass die erste Kolonie in Erez Jisroel al pi Tauroh eine Revolution bei Juden und Nichtjuden hervorrufen wird. Man wird sehen! Man wird vergleichen können! Und man wird erkennen müssen, was jüdisch heisst, was׳ jüdisch ist! Der tobende Kulturkampf im Golus und ׳*#ן WIEN!. GRABEN 30 DIE GRÖSSTEN UND SCHNELLSTEN .“SCHIFFE DER WELT! WIEN / IV. 9 GIÜJSSING / Er die sein nur Spott Hohnlachen zur Pelzhaas Armer & Omer - '!• * .* Wien, II., Lassing-Leithnirplatz 3 ~ 17 ,־ b) Grösste Auswahl in Mänteln, Jaoken und Fftohsen. Fassonierungen nach neuesten Modellen in eigener Werkstätte. Reichhaltiges Lager in allen Arten Verbrämungsfellen. Billig• Preise, da kleine Hegte. Geschlossen שכת im Heiligen Lande hat einen klaffenden Riss im Judentum verursacht Die Agudas Jisroel mit den Führern, die. heute an seiner Spitze stehen, kanri und mus® die Genesung bringen. Die Losungen der Kenessio Gedaulo für Keren Hatauroh und für Binjan Hoorez sind geeignet, allem Unheil zu steuern. Es Hegt an uns allen — jetzt wie niemals während der Jahrtausende! Die in aphoristischer Form gehaltene Rede Doktor Carle bachs hat durch die leidenschaftliche, aus dem vollen Herzen strömende Suada einen grossen Eindruck auf die Anwesenden gemacht, die dem Redner mit rauschendem Beifall für die .Ausführungen dankten. Nachdem der Präsident den beiden Sprechern nochmals dankte, und an die Anwesenden die Aufforderung richtete, alle verfügbaren Kräfte den grossen Aufgaben des Keren Hatauroh und Keren Hajischuiw zu widmen, erinnerte er an die grosse Hilfe, die die deutschen Juden Oesterreich und Russland leisteten, und schloss mit dem Appell, die Hilfsaktion der Agudas׳ Jisroel zu unterstützen, die Versammlung. Es ist zu hoffen, dass nun die österreichische thoratreue Judenheit mit Taten den Sprechern des Abends antworten wird. ak. Es rieselt im Gemäuer. Ein unheimliches Gefühl dumpfer Angst stellt sich ein, wenn man Worte plötzlich zu lesen bekommt, Worte, die geeignet sind, den Schmerz zu erhöhen, den man empfunden hat zur Zeit als Vieles geschah, was besser nicht geschehen sollte und als man mahnend schützen wollte, dies ״Unterfangen“ nur Höhn, Gelächter und pöbelhafte Anrempelung «ngebracht hat. Der Gewarnte hat es immer leichter als der Warner. Die Qual der Gewissensbisse ist mit dem Trost einzuschläfern und zur Ruhe zu bringen, ohünmächtig gewesen zu sein gegenüber dem Schicksal der Vernarrtheit, momentaner geistiger Blindheit, Verwirrung, Vertrauensseligkeit, falsche Berechnung, oder wie die vielen Entschuldigungen und lindernden Erklärungen heissen mögen, gefolgt zu haben. Aber der Schmerz des Warners ist grenzenlos, hat ja das kommende Unheil gesehen, er hat nahende Katastrophe vorausgesagt. Doch all Sehen und Sagen, Rufen, Schreien hatte und selbstbewusstes, zufriedenes Antwort. Er aber war ohnmächtig und musste, ohne eine Hand rühren zu können, Zuschauern wie die Lawine heranrollt .... Dieser Schmerz kann die Besinnung raüben. Die zionistische Partei ist stark im Lager des jüdischen Volkes. Zu einer Zeit, wo allgemeine Verwirrtmg sich an jeden Strohhalm der Schlagworte klammerte, ist die zionistische Partei gross geworden und hat die jüdische Welt beherrscht. Heute ist es ein wenig anders. Aber heute noch stehen Massen von jüdisohen Menschen in ihrem Lager und haben das Gefühl und müssen es haben, dass sie sich in einem Gebäude auf schwankendem Boden befinden, in dessen Gemäuer — vom Fundamente bis zum Dachgiebel — der Mörtel sich loslöst und das Gebäude brüchig macht .... In der Leitung der zionistischen Partei ist durch den Austritt Dr. Soloweitscliiks eine Krise entstanden. Es soll nicht in fremde Töpfe geguckt und am schlechten Geruch der verbrannten Speisen ״Labung“ gesucht werden; doch diese Krise wird von der zionistischen Presse selber eifrig besprochen. Und da hört man Worte, die das eingangs erwähnte Bild, von den Schmerzen des genarrten Gewarnten und des ohnmächtigen Warners, erstehen lassen lässt. In der ״Jüdischen Rundschau“ vom 20. Tebeth schreibt Robert Weltsch: ״. . . . Wir wissen, dass unsere Organisation den Wendepunkt des Krieges, der ihr zuerst völlige Zerrefesaing, sodann ein plötzliches und unorganisches Anwachsen brachte, nicht unbeschädigt überstanden hat. In den letzten Jahren wurde das Bewusstsein der Verfallserscheinungen auf organisatorischem Gebiet immer stärker und kulminierte gerade in der letzten Aktöonskommitee- Sitzung in den Entschluss, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Aktivität der Bewegung wieder herzustellen (von uns gesperrt gesetzt. Red. ״Jüä. Presse“) und die zionistische Tätigkeit auf allen Gebieten systematisch zu beleben. Das unglückselige Ende des letzten Kongresses hat dazu geführt, dass wir heute keine Exekutive haben, die imstande wäre, diese nisatorische Arbeit zu leisten .... Die zionistische Oeffentlichkeit soll die Aufklärung der Angelegenheit durch die berufene Instanz verfangen, aber sie darf nicht zulassen, dass der innere Kampf unsere ohnedies schwachen Kräfte vollends verzehrt. Sie muss die Angelegenheit als ein neues Symptom unserer organisatorischen Zerrissenheit und Zerfahrenheit betrachten und Mittel zur Abargabeit, wie es die *™ahnten Beispiele beweisen, ge■ | Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kärntneratrasse 8 (dickst dem Stefanepletz, im die Ecke) 57

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.