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Jüdische Presse · 1924-01-04 · 1 (4.1.1924) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
1 (4.1.1924)
Date
1924-01-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr 1 Horthy .... Namen, die dem verwüsteten Europa nicht viel Hoffnung auf Konsolidierung in Aussicht steilen. Um eine Stütze gegen diese, von England geschaffene Front zu haben, sucht Frankreich Hüte in Russland und findet sie auch dort. Es mag wie ein Witz der Geschichte aussehen, aber die Interessengemeinschaft beider extremsten staatlichen Antipoden, Frankreich und Sowjetrussland, ist erwiesen. Und Frankreich wird sich sehr beeilen, die Sowjets formell anzuerkentlen, da die französischen Politiker wissen, dass hier ein Gegengewicht England gegenüber — die Lage in Asien — zu finden ist. ln Asien hat England in letzter Zeit viele Kornplikationen zu bewältigen. Der Konflikt in Afghanistan ist ein sicheres Sympton, dass die Lage in Asien sehr .verwirrt ist. Die Ermordung einer englischen Reisegesellschaft führte formell zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen. England hat aber auch andere und gewichtigere Gründe, um hier Ordnung schaffen zu wollen. Es heisst in den letzten Meldungen, dass der Emir von Afghanistan sich mit Unter- Stützung Sowjetrusslands zum Kalifen ausrufen lassen will. Wenn dies geschähe, so müsste die Türkei einschreiten, die in Angora einen Kalifen, mit dem England einverstanden ist, ernannt hat. Der frühere Kalif flüchtete nach Indien und lebt dort unter englichem Schutz. In Indien wächst die nationalistische Bewegung von Tag zu Tag. Ausser diesem ist es ein öffentliches Geheimnis, dass König Hussein auf die Kalifenwürde Prätensdonen erhebt. Der letzte Umstand zieht Palästina in den Strudel dieser Wirrnisse hinein. Hier beginnt das jüdische Interesse stärker in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Man kann den Verlauf der Dinge heute nicht Voraussagen. Wenn eine englische Regierung der Labour Party Sowjetrussland anerkennt, so stärkt sie moralisch ihren mächtigsten Gegenspieler in Asien, 'Russland, und gibt Frankreich einen starken Stütz- Punkt für die eventuelle Isolierung Englands. Die Lage ist sehr verwirrt, die Entwirrung in weite Ferne gerückt. Denn eine Regierung Rarnsay Mac Donalds kann ebensowenig die traditionelle Politik Englands, die auf Schutz der englischen Interessen in Indien hinausläuft, verlassen, wie das komanunistische Russland das Erbe des zaristischen Regimes, die Expansionspolitik in Asien, mit übernehmen musste. Ob es unter der Flagge der Demokratie, des Sozialismus oder Bolschewismus geschieht, ist einerlei. ־ ״' Diese Ereignisse, zu denen sich noch das neu geschlossene Bündnis Frankreichs und.dyr T^hecho- Slowakei gesellt, werfen schaurige Schatten voraus. Inzwischen aber keucht die kranke Welt und die gehetzte Menschheit dem weiteren Verfall entgegen. Der Anschluss der ungarischen Orthodoxie an die Agudas Jisroel. Von Dr. Raphael Breuer, Rabbiner in Aschaffenburg. ,✓Wenn ausserhalb der ungarischen Nachfölgestaaten das Wort ״ungarische Orthodoxie“ ertönt, dann erwachen in der Seele des Hörenden Empfindungen des Schreckens, die lebhaft an die Emoiionen bleicher Angst erinnern, die in empfindsamen Gemütern etwa der Name des berüchtigten mongolisehen Eroberers Dschengis-Chan erweckt. Während im Worte ״polnische, litauische Orthodoxie“ auch für len hätten, mit den kostbaren Hüllen bekleidet, bei der Begrüssutig des Königs zu verwenden. Es sei dies nur eine fromme Täuschung, durch die nicht hn geringsten die Verehrung für den König geschmälert würde, die doch ihren eigentlichen Ausdruck in dem mit der Anrufung Gottes verbundenen religiösen Segensspruch des Oberrabbiners finde. Ueberdies aber — so schloss der Redner — möchte er noch seinen Vorschlag durch eine weitere Massnahme erganzen: Sämtliche Anw'esende sollen durch ein feierliches Gelöbnis sich verpflichten, niemals irgendeinem GemeittdemitgÜiede von dieser neuen Einführung Mit- •teilung zu machen. In Zukunft aber sollen, um jeder Indiskretion vorzubeugen, nur die jeweiligen drei Rabbiner in das Geheimnis eingeweiht wenden, damit sie bei gegebener Gelegenheit die entsprechenden Vorkehrungen veranlassen können. Als der Redner geendet hatte, ertönte von allen Seiten lebhafter Beifall. Nur der Oberrabbiner, der als Vorsitzender die Beratung leitete, schien von der Idee nicht sehr erbaut zu sein. Nach einigem Nachdenken sagte er dann: ״Ich glaube, manches wäre gegen den Vor- ,schlag zu bedenken, aber da ich sehe, dass alle für ihn sind und da ich auch unter dem Eindrücke des heutigen traurigen Vorfalles stehe, will ich schweigen und wünsche nur, der Vorschlag, der zur Ehre der Thora gemacht wurde, ohne der Ehre des Königs nahezutreten, möge zum Segen sein.“ (Fortsetzung folgt.) Feinste Herrenganleroben nach Mas! ׳ ־•« ■ Lager feinster. Original , engl. Stoffe Wien, II., Hollandstr. 16 westeuropäische Ohretrdie zarten Weisen einer liebliehen chassidischen Melodie erklingen, fühlen sich dieselben Ohren, wenn sie das Wort ״ungarische Orthodoxie“ vernehmen, wie von den Misstönen einer schrillen Dissonanz, wie von den harten, trockenen, erbarmungslosen Klängen eines nur von Streit und Zank, vort Kampf und Sieg erzählenden Kriegsberichts berührt. Sehr mit Unrecht. Denn die schönste chassidische Tat hat sich auf ungarischem Boden abgespielt. Hier ist der Gedanke von der autonomen Thora mit allen seinen politischen und organisatorisehen Folgerungen am frühesten erwacht. Zu einer Zeit, als man in Deutschland, Polen, Litauen an eine selbständige Organisation der Orthodoxie nicht einmal im Traum zu denken wagte, haben sich unsere Gesinnungsgenossen in Ungarn unter Führung ihrer Gedaulim an die Verwirklichung des agudistischen Grundgedankens herangemacht, sich aus einer zersplitterten Schar von Gesinnungsgenossen und Gesinnüngsgemeinden in eine sie alle umfassende organisierte Gesinnungsgenossensohaft zu verwandeln. Wo gibt es eine chassidische Erzählung, die für die Reinheit des jüdischen Bewusstseins so wertvoll und so fruchtbar wäre, wie diese geschichtliche Tat der ungarischen Orthodoxie! Wäre es möglich, den Ablauf historischen Geschehens auf Grund logischer Denknotwendigkeiten im voraus zu bestimmen, dann hätte man schon vor einem halben Jahrhundert in unseren ungarischen Gesinnungsgenossen die berufenen Initiatoren der Agudas Jisroel vermuten dürfen. Es war aber offenbar eine von G-tt gewollte und von G-tt gefügte, mit logischer Voraussicht nioht zu berechnende, psychologische Notwendigkeit, dass agudistische Bedürfnisse gerade dort am frühesten erwachten, wo in den einzelnen Gemeinden der Grundgedanke der Agudas Jisroel, die orthodoxe Autonomie, am wenigsten Wurzel gefasst hatte. Je schwächer dieser Gedanke in der Isolation der einzelnen lebte, umso stärker suchte er sich in der Verbundenheit aller auszuwirken. Und je stärker er in der Vereinzelung wirkte, umso geringer war das Bedürfnis, ihn auch in der Gesamtheit sich bewähren zu assen. Daher kam es wohl, dass erst im Kislew dieses Jahres der Anschluss der upgari$chen Qr|110djoxy^ai1 jjje Agudas Jisroel^ die von ihr nicht gegründet sondern vorgefunden wurde, sich vollzog. Wir dürfen uns wohl der Hoffnung hingeben, dass dieser Anschluss beiden Teilen zum Segen gereichen wird. Man wird sich immer besser kennen und schätzen lernen. Das Misstrauen wird schwinden. An seine Stelle wird die Achtung, vielleicht auch die Liebe treten; und wenn es auch wohl noch geraume Zeit dauern wird, bis die Wälle zwischen der ungarisehen und polnisch-litauischen Orthodoxie, die von einer altersgrauen Entfremdung errichtet wurden, beseitigt sein werden, dürfte die Annahme wohl nicht unberechtigt sein, dass die vielen, starken Fäden, welche die Geschichte 'der letzten hundert Jahre zwischen der ungarischen und deutschen Orthodoxie hinüber und herüber gesponnen hat, im Rahmen der Agudas Jisroel sich noch vermehren und verstärken werden. In einer Aufsatzreshe ״Das orthodoxe Judentum in Mitteleuropa“, die vor einigen Jahren in den ״Jüdischen Monatsheften^‘ erschien, habe ich diese Fäden eingehend besprochen und zu begründen versucht, warum trotz dieser geschichtlichen Verbundenheit die Annäherung der ungarischen Orthodoxie an die Agudas Jisroel so zögernd erfolge. Damals war Krieg und die Hoffnung auf einen Sieg der mitteleuropäischen Mächte noch nicht begraben. Inzwischen endete der Krieg mit einer Niederlage dieser Mächte und einer Zertrümmerung des alten Ungarn, die auch der ungarischen Orthodoxie wertvolle Stücke entriss und ihr den Gedanken einer Anlehnung an die ewig lebende und nie verarmende Gesamtheit immer näher MÖBEL-SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE“ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 K&ohaa-, ßotolaf-, Vorand K&dohen- Zimmer *u billigsten Preisen. Nur eigene Erzeugung. Goldene Medaille 1913. B&mtUbke Kflohenbolzger&te Filialen: I., Splegelgaaie 15 VIII., JosefstBdterstr. 30 IV., MarQaretenstr. 2 XVIII., Währlitgeritraeee 115 VI., Stnmpergaese 51 XXI., H&uptetraese 28 XXI, Kagran, Wagraaieratrasse 118 1P legen musste. Majn wird sich nun in Zukunft jener Fäden der Verbundenheit immer deutlicher bewusst werden, je stärker in diesen unglaublichen Zeiten Katastrophe übet Katastrophe das Gefühl ״Ich hab' mein‘ Saldi‘ äui nichts gestellt“ in unseret־ gesamten Zeitgenossenschaft erschüttert haben. t Wird so die ungarische Orthodoxie an der Agudas Jisroel einen starken Rückhalt haben, der sie befähigen wird, dem Wandel der Zeiten zu trotzen und ihre so glänzend bewährte Autonomie auch in Zukunft siegreich zu behaupten, so wird man auch den Zuschuss an Kraft, den die Agudas Jisroel durch den Anschluss der ungarischen Orthodoxie gewinnt, als eine reiche Mitgift zu buchen haben. Ich denke hier weniger an die Verstärkung der Agttda um zirka 250.000 Mitglieder, die ihr durch diesen Anschluss erwachsen, als vielmehr an den Zustrom an geistiger Kraft, den die Aguda durch den Anschluss der ungarisehen Orthodoxie mit ihrer besonderen geistigen Eigenart gewinnt. Es ist ja freilich immer ein gewagtes Unternehmen, im Volke der Thora, die uns alle umfasst, beherrscht, bezwingt und durch gemeinsame Unterwerfung unser aller unter die typische Erscheinung Israels, des G tteskneohtes, nivelliert, folkloristische Scheidewände aufzuriohten. Aber es hat mär doch immer zu denken gegeben, dass und warum die ersten Wortführer des Zionismus, Herzig und Nordau, dem ungarischen Judentum entstammten. Die Hellhörigkeit dieser Menschen für das, was in einer bestimmten Periode der jüdischen Gesclüchte auf dem Grunde der jüdischen Volksseele an Wünschen, Sehn- Süchten und Forderungen sich unausgesprochen regte, das ungewöhnliche formale Talent, mit welchem sie die Regungen zum Ausdruck brachten und vor der Welt zu einer Zeit vertraten, als das Wort Palästina auch in manchen orthodoxen Kreisen von allen bösen Geistern der Assimilation umsohwirrt und umwittert war, der Mut des Frondierens, dessen es damals, mehr als heute, bedurfte, um die Brücken zur Vergangenlieit ab- und einen neuen Weg in die Zukunft aufzubrechen: sollte es ein Zufall sein, dass diese Bewegung, die eine Fülle von Kräften und Gegenkräften erzeugte und deren von G^tt gewollte Mission vielleicht nur darin besteht, dem ״Raw mechaulel Kaul“, dem göttlichen Weltenmeister, der die Zeiten zum Kreissen bringen wollte, damit aus ihrem Schosse die Agudas Jisroel geboren werden könne, ״wesaucher kessilim wesaucher auwrim“ das erforderliche Kontingent von Kessilim- und Auwrim-Söldlingen zu stellen, in ihren ersten Repräsentanten dem Boden des ungarischen Judentums entstammte? Bi!^ jetzt hat die ungarische Orthodoxe noch keine Zeit und Gelegenheit gehabt, ihre besondere Geistigkeit durch fruchtbares, weithin wirkendes Tun in den Dienst der jüdischen Gesamtheit zu stellen. Ihr Anschluss an die Agudas Jisroel gewährt ihr die Möglichkeit zu zeigen, was sie kann. Wir hoffen und warten. _ Keren Hatauroh und Keren Hajischuw. Donnerstag den 19. Tebeth fand im Saale des Hotel Continental eine äusserst gut besuchte Ver- Sammlung für den Keren Hatauroh und Keren Hajischuw statt, einiberufen von der Orts- und Jugendgruppe der Agudas Jisroel in Wien. Es scheint, als ob über allen Versammlungen, die nach der Kenessio Gedaulo stattgefunden haben, ein Abglanz dieses׳ grossen Ereignisses ruhen würde. Die Kenessio hat eine unvergängliche Stimmung geschaffen, die immer wieder die Gemüter erfasst, wenn sich Menschen im Dienste dieser ewigen Idee zusammenfinden. So auch diesmal. Es galt dem Bericht über!die Tätigkeit der Agudas Jisroel seit der Kenessio Gedaulo. Alber immer wieder und wieder mussten die Redner auf dieses Ereignis zurückkommen׳ immer wieder bezeugten säe dadurch, dass die Kenessio Gedaulo, abgesehen von der Fülle der Aufgaben, die sie in kristallener Klarheit der religiösen Judenheit vor die Augen stellte, eine unvergängliche historische Tat gewesen ist, die für das jüdische Volk einen Wende- Punkt, und das einen Wendepunkt zum Besseren bildet, der grosse Eingang in die bessere jüdische Zukunft. Nachdem der Präsident der Ortsgruppe Wien, Herr Wolf Pappenheim, die Erschienenen begrüsste, und kurz die Entwicklung der Agudabewegung seit der Kenessio Gedaulo skizzierte, erteilte er das Wort Herrn O!be r r a b b• Hi r s ch le r׳ Vize- Präses der orthodoxen Landeskanzlei Bratislava, zum Berichte über die Tätigkeit der Agudas Jisroel seit dam Ablauf der Kenessio Gedaulo. Oberrabb. H i r s c h 1 e r beginnt seinen Tätigkeilsbericht mit der Feststellung der grossen Popu'larität des durch die Kenessio geschaffenen Daf Jaumi. Wenn in letzter Zeit in allen Lagern der jüdischen Welt sich ein starkes Streben nach der Schaffung einer ״Einheitsfront“ gezeigt hat, so hat die Agudas Jisroel in dem Daf Jaumi ein Band,!■ groi uad Erzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detailvorkaufs-Niederlage: l.v Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaafbewahrung gegen Vereiterung über die Sommeruonet•

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