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Jüdische Presse · 1923-12-21 · 51 (21.12.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
51 (21.12.1923)
Date
1923-12-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 61 JÜDISCHE PRESSE Sette 401 Die Not der deutschen Juden. Die Hilfsaktioit für die deutschen Juden. Wien. Die Hilfsaktion des Jüdischen Hilfswerks der Agudas Jisroel nimmt von Woche zu Woche grössere Dimensionen an. Es muss hier gesagt werden, dass trotz aller Anfeindungen (auch so etwas gibt es bei Hilfeleistung), Unterschiebungen, Missdeutungen usw. die Aktion ihrem vorgesteckten Ziele entgegengeht und dass das jüdische Herz unbeirrt die herrlichen Blüten echt jüdischer Mildtätigkeit reifen lässt. Doch gibt es unter den Menschen auch Nörgler von Natur aus, die an allem Reinen und Guten doch einen Makel entdecken zu müssen glauben. Wie schon während der Russlandaktion des des Jüdischen Hilfswerks der Agudas Jisroel, finden sich auch jetzt Menschen, die ausser ihrem Geiz auch den ׳Ehrgeiz haben, für die Erbännllichkeit ihres Herzcns Gründe anzuführen. Da heisst es, es kämen nur Kinder wohlhabender (?) und dem Hilfswerke nahestehender Eltern nach Wien. Wenn diese Menschen;sich aber nur einmal überzeugen möchten, wie diese Kinder aussehen. wenn sie selbst erfahren würden, dass alles, was sie Vorbringen, Märchen sind, dass es Kinder von Mittelständlern, von Gemeindeangestellten, Lehrern, Kifder der jetzt am meisten betroffenen Ostjuden ׳usw. sind, würden diese jämmerlichen Raunzereien von selbst aufhören. Auf die vorgebrachten Entschuldigungen, dass in Wien selbst genug Not sei, Ufas« man konstatieren, dass trotz der Aufforderungen, Bitten usw.. ebenso vor zwei Jahren wie jetzt, dieselben Menschen bei den zahlreichen Gelegenheiten zur Wohltätigkeit, gefehlt haben. Im übrigen ist ja in Wien wirklich vieles zu tun. Es wird auch von den betreffenden Institutionen, die zu nennen überflüssig ist, da sie stadtbekannt sind, rüstig weiter gearbeitet. Die Sorte von Menschen, die nur Kritik üben und nörgeln, fehlen aber auch da. Statt Taten haben diese nur fadenscheinige Erklärungen. Nun hat die öserreichische Provinz bewiesen, was für Menschen und Juden dort sind. Ausser grossen Geldmitteln, 'die aus allen jüdischen Gemeinden des Burgenlandes eingetroiffen sind, haben die ׳meisten dieser Gemeinden Kindertransporte aus Deutschland übernommen und stellen weitere Kinderübernahme in Aussicht. Taten sind Beweise. Reden sind, wenn es um die Steuerung von Not geht, lächerlich. D i e grosse jüdische Oeffentl-ich-keit hat bewiesen, dass sie die Hilfsaktio-n des Jüdischen Hilfswerkes der Agudas Jisroel mit allen Mitteln zu unters t ü t ze n g e w i l 1,11 s t Der vierte Kindertransport aus Deutschland. Wien. Der bereits angekündigte vierte Transport deutscher Kinder, ist am Montag den 17. Dezember aus Hamburg in Wien eingetrofen. Die Kinder wurden auf dem Westbahnhofe von Vertretern des Jüdischen Hilfswerkes erwartet und mit einem, von der Gemeinde Wien bereitwilligst zur Verfügung gestellten Wagen der Strassertbahn, auf den Südbahnbof geleitet, von Wo die Kinder dank dem wotilwollenden Entgegenkommen der Direktion der Südbahn, gratis nach Baden bei Wien weiterbefördert wurden, ln Baden sind die Kinder in dem eigens für diesen Zweck eingerichteten Heime der Baron Tedesco- Stiftung untergeibracht. Unermüdlich sind bei diesem wie auch bei den früheren Transporten Frau KornmerziaJrat Ernestine Bondy und Herr Theod 0 r P a p p e n h e i m tätig gewesen. Die Empfänger von Wiener Lebensmittelpaketen in Deutschland werden darauf aufmerksam gemacht, dass das fn den Paketen sich befindende Pflanzenfett nur dann gebraucht werden darf, wenn es die Koschermarke Kuner (Kauero!) in Wien trägt. Bitte um Bücher! Das ״Jüdische Hilfswerk‘“ hat ini Tedesco-Heiin Baden bei Wien 40 deutsche Kinder untergebracht. Diese Kinder benötigen sowohl Bücher wie Spiele. .TALES-FABRIK Telephon 69-1-23 טליתים פאבריס Telepho° 691־^ H. Knlsbacher & Söhne, Ulten. I.Deulorgasu 6 ערצייגט וואלל־ אונד דידענטליתים Export nach allen Staaten -23J 1 Wir bitten jene Freunde der deutschen Kinder, die Jugendliteratur und JugendSpiele für unser Heim zur Verfügung stellen wollen, diese entweder in das ״Jüdische Hilfswerk“, II., Malzgasse 12a oder an die Leiterin, Frau Ernestine Bondi, II., Untere Augarten- Strasse 1 , zu senden. Auf Wunsch werden dieselben auch abgeholt. Spemdenausweis für Deutschland. (Fortsetzung.) Sammhiirg der Orth. Isna׳e׳li bischen Kultusgearreiindc, Deutsch-Kreutz: Oberrabfo. Josef Kohm K!10.000, Sailomon Spiegel K 340.000, Jakob Ungar K 320.000!, L. Frischmann K!280.000, S. Brscfoitz K 270.000, Heinrich Hacker, Brüder Haoker je K 200.000. zusammen K 400.000־. Sander. Feiigelstock. Wwe. Grildsohmied je 1K 150.000,. zusammen K 300.000, Adofl'f Gerstl K 130.000, Sdiegmund Lipschüte K 110.000, M!ax Frisdhmainn K!104.000, Blau Jakob, Julius Dirks, Wrlheim Goldtner, J. Schlesinger je K 100.000, zusammen K 400.000, W. Du׳ks K 90.000, Sandtor Wittmaun K 70.000, Ignatz Hacker, Leopold Gerstl, Bliais Pctllack, Konr׳ad Fischer, N. Feiigel stock, Jakob •Polt M. Läufer je K 50.000. ausaanmen! K 3601000, Leopold Goildmamin, Jakob Fischer, Sailomon Wiittmann je K 40.000, zusammen K 120.000, p. Wifrtmann, Ge-rsan Gottlielt, Gustav Bruckner, L. W. Spiegel je K 30.000, zusammen; K 120.000, Moses Redner K 10.000׳ und Dinar 20, Adolf Grfinwald, Bohensky je K 25.000, zusammen׳ K 60.000, J. GoMmamn.!W. Sinai, Max Hacker, J. Geren. S. Frisahanann, H. Rosenberger, J.!Ro'senbatum, Sailomon ׳Kamin, ׳W!we.!Frischmamn, Viktor GiTück, Saloimon Neubauer, Heinrich Moses. M. Zolllschan je K 20.000, zusammen K 260.000, Dr. Jakoboiwltsdh K 16.000׳, ‘Isidor Kohn. Josef Kahn. J.!Deutsch, S. Seidaniarni. David! Kollin;, iRaseribaum W., M. fBruckmen. S. Kahlmauin, S. Sdhiwairz, A. Liebmainn, Janas Gümsberger je K JO.Oqo, zusammen K!1110.000, ׳Poldii Bruckner K 111.000, David We/in׳er, Jasua Fellner, Leapolid Goldiner, A. Bnandl, T. Schlesinger, Nathan Kahn je K 5000, zusammen! K 30.000, zusammen K 3,990.000.!Paul •Bergstelin; Graiz. K 100.000׳, Dr. Alfred)!Popper K 100.000. Oh. ׳Wachs K 30.000, Ist. Kdlt)usge‘m׳einde!, OiberwaTfch, Bürgen׳land!, K 620.000, Isr. Kuitus1gem1ei׳nd‘e Amstetten׳ K 500.000״ Personal der Firma Jaauies!W׳eiss K 460.000, Frankl, Bratislava tsen. K 10, Rabb. tWeisskapf fraruz. Frcs. 50, Hippolyte Pragtte, Paris tranz. Frcs. 30. Summe dler Spenden K 5,800.000, t-sdb. K 10. frainz. Frcs. 80. Lebensmittel pakete: 1. Landesorganisatioin der Agudas Jlisroet Bratäsla/va, IC'20,939.200. Summe der Pakete: K 20,939200. Gesamtsumme der Spenden: K 545,127.544. HOLBBIJST Inh.: LEOP. KOHM und FRITZ LUNZER I. Bez., Franz Josefs-Kal Nr. 41 / Telephon 65069 Ausstellung EDHDND PICK׳ sowie Grosse VerKäufsaosstellnng alter und moderner Meister Geöffnet täglich (auch Sonntag) von 9 bis 6 Uhr. Samstag geschlossen. SBOBtVnEXB!BB««i| re&fr.:,.. WIEN I./ GRABEN 30. AMERIKA UND ■riri י-■■•:;׳-. KANADA DIE GRÖSSTEN UND SCHNELLSTEN SCHIFFE DER WELT! Ku-Kux-Klan. KinKux-Klan! Gespenstischer Name, gespenstisch in dem weissen Mummenschanz, gespenstisches Programm! Die Terminologie der iüdisohen Leidensgeschichte hat sich um ein unheimliches Wort vermehrt, das wie unheilverkündender Uhu-Schrei klingt. In New York, dieser Stadt der reinen Dollar- Vernunft, versammeln sich um Mitternacht Tausende in schneeweissen Talaren, Kopf und Gesicht mit einer weissen spitzigen Mütze verdeckt, die bloss von zwei unheimlichen Augenhöhlen, wie die Augenlöcher des Skelettes belebt wird. Der eigentlich« Sinn des zeremoniellen Unsinnes ist: Wehe den Juden, wehe den Katholiken, wehe den Negern! Die ׳Bewegung verbreitet sich wie Feuersbrunst im dürren Gehölze. Dieses Beispiel ist eigentlich sehr prägnant. Es ist wahrhaftig die grosse geistige Dürre, die das öffentliche Leben Amerikas kennzeichnet, welche den Durst des Volkes nach etwas Romantik, nach Unterordnung unter einen höheren Willen erregt, es ist die Müdigkeit vor der kalten, arithmetisch ausgeklügelten Politik. Dieselbe Müdigkeit geht ja auch durchs Judentum, und trotzdem empfindet die Masse gerade den Juden als Repräsentanten der ״Trickpolitiik“. Dazu kommt noch, dass die Immigration immer mehr antisemitische Massen ins Land bringt und dass der in Europa sich ausbreitende Judenhass durch die hiesigen Volksgenossen der antisemitischen Länder einen Widerhall findet. Die Staatsgewalt steht dieser Bewegung ohnmächtig gegenüber. Die Zahl der organisierten Mitglieder des Klans wird auf Millionen geschätzt. Die blinde Unterwerfung, die man dem ״kaiserlichen Zauberer“ entgegenbringt, enthüllt die geheime Sehnsucht der Massen nach einer Flucht aus diesem starr arithmetischen, auf Ziffern eingestellten Leben, und der Nationalstolz, der sich der Gesunkenheit schämt, ob sie nun einen verlorenen Krieg, eine verfehlte Wirtschaftspolitik oder wie hier eine Demoralisierung des öffentlichen Lebens bedeutet, sucht Befriedigung in der Einbildung, dass alles beschämende Uebel ausser seiner Rasse Hege, wendet sich in allen Ländern zornig gegen den Juden, hierzulande aber auch gegen Neger und Katholiken. Allein der Jude wird mehr als die beiden anderen von dieser Bewegung getroffen werden. Der Neger ist auch schon gesellschaftlich boykottiert, er bietet sozial und wirtschaftlich keine Zielfläche. Der Katholik ist nicht als solcher erkennbar, kann nur in seinen Institutionen erfasst werden und es ist noch immer fraglieh, ob sich nicht Midian und Moab, so feindlich sie jetzt sind, wieder im Kampfe gegen den Juden vereinigen werden. Hat man doch auch in Ungarn vor einem Jahrzehnte behaupten wollen, dass׳ der Protestantismus in der antisemitischen katholischen Volkspartei den gemeinsamen Feind des Judentums und der protestantischen Kirche erblicken werde und im Vereine mit dem Judentums stark genug sein werde, den Antisemitismus zu unterdrücken. Und das amerikanische Judentum? Es steht seinem unheimlichen Gegner ratloser gegenüber als irgend ein Judentum eines anderen Landes der eigenen antisemitischen Gefahr. Es besitzt keine Gesamt- Organisation und was schlimmer!ist, auch keine Lokal- Organisation. Wie seltsam ist es, dass New York kein allgemein anerkanntes jüdisches Zentrum hat, wiie das Gemeindehaus in Europa. Das ״American Jewish Committee“, das auf ruhmeiche Taten zurückweisen kann, ist in seiner Wirksamkeit gehemmt durch die Angriffe, die im Namen der Demokratie gegen das angeblich aristokratische Komitee gemacht werden. Ihm gegenüber stellt sich jetzt die Bewegung des ״American Jewish Congress“. Allein die unlängst stattgehabte Tagung des Kongresses hat kaum auf eine breitere Basis des Volkwillens Hinweisen können, als des American Jewish Committees. Dazu gesellte sich noch der Umstand, dass der sehr schwach besuchte Kongress, dessen legaler Charakter gar von eigenen Delegierten in. Abrede gestellt wurde, tiefgehende Differenzen im engsten Kreise zur Aus- Stellung gebracht hat. Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer ■tiegtt 5 (nächst Salzgries), Telephon 6571־3־ Pelzhaus Armer & Omer WILTRA Poln. Liköre u. 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