Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 51 (21.12.1923)
- Date
- 1923-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 400 JÜDISCHE PRESSE Nr. 51 Ehrenfrage eine grosse Rolle. Oesterreich, das bei allen bisherigen Leistungen stets führend in die Räder der Agudahentwikhing einzugreifen verstand, soll diesmal nicht zurückstehen. Wie verlautet soll eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Wiener Orthodoxie in des Gerer Rebben Reisegesellschaft nach Erez Jisroel fahren. Ihr soll die Ratifizierung der Kaufsurkunden, die Uebernahme der 250 Dunam Boden an- Vertraut werden. Bis zur Reise vergehen knappe fünf Wochen, in welchen Oesterreich sich seinen Ehrenplatz neu zu erringen vermag, lieber den Aufbauplan von Bnei Brak ist noch viel zu sagen und wird noch vieles in diesem Blatte geschrieben werden. Vorderhand sei wegen Raummangels und auch wegen der Kürze der Zeit, die der praktischen Arbeit voll und ganz gewidmet werden muss, über die Organisation, soweit sie die österreichische Landeszentrale direkt tangiert, folgendes in grossen Zügen gesagt: Ein Dunam Boden (zirka 918 Quadratmeter) kostet beiläufig 9 ägyptische Pfund. Dieser Komplex genügt für ein Einfamilienhaus samt Garten, der den Bedarf an Kartoffeln und Gemüsen für dessen Inwohner deckt. Wer den. Ankauf einer Parzelle mit einem oder mehreren Dunam bezeichnet, geht mit der regristrierten Gesellschaft ״Bajith Wenacbalo“ ein kaufmännisches Vertragsverhältnis mit allen statutarisch festgesetzten Rechten und Pflichten ein. Er erhält nach der Zeichnung eine Interimsbestätigung, die. nach der Einzahlung aller Raten gegen die Grundbuchsurkunde ausgetauscht wird. Hiedurch ׳wird er Eigentümer der gewünschten Parzelle, welche er dann für sich verwenden, in Pacht geben, bezw. der Aguda zwecks Exploitation zur Verfügung stellen kann. Grundsätzlich darf der Boden nicht in dem Sinn entgegengesetzter Weise bearbeitet werden, noch darf er unnützer weise brach liegen. Bei Veräusserung hat die Aguda Vorkaufsrecht. Die verhältnismässig bilügen Gestehungskosten versetzen jeden Juden in die Lage, zumindest ,ein Dunam käuflich zu erwerben. Aber noch mehr: er hat die angenehme Möglichkeit, seinen Bekannten oder Verwandten zu Hochzeiten, Geburtstagen und ähnlichen Anlässen ein apartes Geschenk zu machen, das ausser dem schönen und praktischen Wert auf den edlen Zweok geulath hoorez in sich schliesst. Die Aguda hat hiezu künstlerisch ausgestattete Widmungen :anfertigen lassen. Aber auch einem dritten Wunsche soll in einem Schlage Genüge geleistet werden. Es gibt viele, die nicht nur selbst Landbesitzer in Palästina sein wollen, sondern auch das Gleiche ihrem Vereine, Bethause, Klaus, Jugendgruppe, Ortsgruppe usw. wünscht. Für diese Fälle wurden Blocks hergestellt, die diesem Vereine über Verlangen zur Verfügung gestellt und mit dessen Stampiglie versehen werden, damit er unter seinen Förderern Spenden sammle, die ihn in die Lage versetzen, heiliges Land anzukaufen. Auf diese Art wird der einzelne Spender nicht Besitzer Weldler&F urst Feinste Herrengarderoben nach Mass Lager feinster. Original engl. Stoffe Wien, II., Hollandstr. 16 des Bodens, sondern er überträgt sein Recht auf den Verein. In 5 Wochen reist die illustre Ge- Seilschaft in das Land unserer Hoffnun gen. Die Zeit ist lang genug, dass Oesterreich beweise, man habe sich in ihm nicht getäuscht. Aguda in Polen. (Speziafbericht der ״Jüdischen Presse“.) Der Umstand, dass nach dem länger andauern־ dem Buchdruckerstreik das Orgun der Orthodoxie in Polen längere Zeit nicht erscheinen konnte, hat der Bewegung sehr geschadet. Der grosse Enthusiasmus sowie das grosse Interesse, das die Kenessio Gedauio bei Feind und Freund hervorgerufen hat, konnte nicht entsprechend verwertet werden, weil der Hauptkontaikt der Zentralledtung mit ihren Zweigen — die tägliche Zeitung— eben gefehlt hat. Trotzdem aber entwickelte das Zentralbureau eine intensive Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten des agudistischen Lebens. Besonders viel leistete in diesem Zeiträume die Abteilung für Ghinuch und Chisuk Limud Hatauroh. Durch ständigen Briefwechsel und Zirkularschreiben wurde auf eine Erstarkung des traditionellen Unter- ■riohts hingewiesen und die sofortige Reaktivierung von Chedarim, Schiurim usw. verlangt. Im Zusammenhänge mit detn Sijurn auf Berachot, der, wie bekannt in der ganzen Welt gefeiert worden ist, ■organisierte die Zentralleitung ein einheitiiches Programm, das von Hunderten Gruppen im ganzen Lande eingehalten wurde und wodurch dieser erste Sijurn den Charakter einer grossartigen Volksfeier gehabt hat. In allen. Städten und Städtchen in Polen wurden bei dieser Gelegenheit Versammlungen abgehalten, in welchen die Rabbiner sowie die führenden Persönlichkeiten der Stadt über die bedeutendsten Tagesereignisse ■in bezug auf die Orthodoxie besprochen worden sind. Es wurde ebenso auf Impuls der Chinuchabteilung ein Verlag auiter dem Namen ״Agudas Jisroel“ gegründet, derr ^Herausgabe orthodoxer!; Lehrbücher sowie öfmöä'pxev Üiferätür Bezweckt. Dal durch die Einführung des Daf Jaumi ein grosser Man-' gel an Sfurim sich-erwiesen ■hat, hat obgenannter Verlag, Gemarath Schabbas bereits neu erscheinen lassen. Die Neuausgabe bildet ein Prachtstück der Drucker- und Ausstattungsarbeit. Ein Luach mit genauer Angabe des für .jeden Tag bestimmten Blattes wurde ebenso fertiggestellt und der Erlös dient für Anschaffung neuer Sfurim. In Verbindung mit •der Aktion der Keren- Hatauroh-Zentrale wurde für Polen eine Zentrale unter Leitung des Sanoker Raws. Rabbiner Meir Schapira gegründet. Zum Zwecke der Legalisierung der Chadorim haben die orthodoxen Abgeordneten und Senatoren im polnischen Sejm bei den zuständigen Orts- und Schulbehörden die entsprechenden Schritte unternommen. Die Interventionen haben einen günstigen Verlauf •genommen und bereits? Resultate gezeitigt. Die Abgeordneten Mintzberg und Aokermanü, sowie Senator Mendetsohn besuchten jene Ortschaften, wo den Chedarim Hindernisse in der Lehr- und Lerntätigkeit gemacht wurden und haben dieselben behoben. In Czenstochau wurde auch ein Jesaudej-Hatauroh-Cbeder gegründet. Die Arbeitergruppe der Agudas Jisroel, die Poalej Emunej Jisroel, hat sich seit der Kenessio Ge- ■dauio sehr stark entwickelt und wird mit der Zeit ein einflussreicher Faktor im jüdischen Arbeiterleben in Polen. Der Besuch Rabbiner Dr. P. Kohns sowie des Mitgliedes der Exekutive Kalmann Pappenheim hat Gelegenheit geboten, sich mit dn Führern der Aguda in Polen in einer ganzen Reihe von wichtigen Angelegenheiten zu verständigen. Das Wiedererscheinen des ״Jud“ in einer neuen Form und mit Abendblatt, das das Hauptgewicht auf den handelspolitischen und volkswirtschaftlichen Teil legt, gilt als Beweis, dass das Leben der Aguda in Polen frisch pulsiert und׳ dass die polnische Orthodox xie bald als fester Organismus dem ganzen )üdischen Volke neue gesunde Kräfte zur Verfügung stellen wird. Vom Keren Hatauroh. Kisclrtnew. Dar Aufruf für den Keren!Hatauroh •bat ■hier einen starken :Wiiidjenfoall ״jrefurnden■. RalbMtner ■Senator Z'inolisoihu bat sreih an diie Spitze •eines Komitees gestellt, ־welühes bereUs :schöne Bnfollge ■ihrer tAnbetSt unaSziutweisen bat. Besomtdiors in den!Dethäuiserr wiur.dien Ibetiim ■Thoraiaufruf denn Keren ■Haitaiuiroih .mmubafte Spenden gemacht. Colmar. (A. J. P. B.) Herrn Gramdpalblbj 'Weil OoiÜmar sind!in der Gliainuka.wocihie erihebliclhe •Zuwendiamgen׳ fihr ■den Keren Hatainroih׳;giennajdh!t worden. Oie Vorbereitungen, um ©in ständiges Komitee für dtie •Arbeit des Keren! HaJ.!a<u- ■roth ■in ganz Frankreich ׳zu! bilidien, w©rden fortgesetzt, uind dank der uniermüdlHidhen׳ Fürsorge unseres Obenrabbitners wenden dem grossen -Werke!immer neue Freuindie ziugefiihrt werden. Wien, Aus Kreisen der iMiitgliedior dler Adas J'isrod (•Sahifflifsdliiul) ,sind dem Keren■ Hiataiuroh!weitere 5!M-illfonen Kronen •zur Verfügung gestelt!worden. Die Rembrtandsoliul hat nach le/inier ©indiringlioheni Drösche ׳des Herrn Rabbiners Dr. Polak ©inen grösseren: Beüfcria® für den K. T. zur Verfügung gestellt. MÖBEL - SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE u KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 Kttdhen-, Rohlaf-, Vorand M&dohan- Zimmer za billigsten Preisen. Nur eigene ]Erzeugung. Goldene Medaille 1913. 8&mtliohe Kftohenholzger&te Filialen: I., Splegelga88e 15 VIII., J08ef8tfidter8tr. 30 IV., Margareten8tr. 2 XVIII., W&hringerstraaae 113 VI., Stumpergasae 51 XXI., Hauptstrasse 28 XXI., Kagran, Wagramerstrasse 118!*Mir schwand, so liess sie den Geistlichen holen׳, der ihre Beichte anhörte. In dieser Beichte soll: das Fräulein bekannt haben, dass, als es zu Besuch bei den Juden gewesen, die Knaben krank gefunden ׳und niemanden im Zimmer gesehen habe, es einen dieser Knaben getauft habe; sie könne jedoch nicht angeben, an welchem von diesen Knaben sie diese religiöse Handlung verrichtet habe. Das Bewusstsein, ein getauftes Kind, also eine christliche Seele in jüdischen Händen als Juden fortleben zu sehen, habe sie stets beunruhigt, und sie könne nicht sterben und glaube, nach ihrem Tode!nicht selig zu werden, wenn dieses Kind nicht alsbald den jüdischen Eltern abgenommen und als Christ erzogen werden würde. Das Fräulein starb, nachdem ihm der Beichtvater versprochen ,und die Versicherung gegeben hatte, dass er alles anwenden werde, um das getaufte Kind dem christlichen Glauben zu erhalten. Bakl aber wurde dem Isak Landesmann dieser Umstand mit dem Beisätze ׳hinterbracht, dass ihm seine beiden Kinder abgenommen und als Christen erzogen werden sollen. Infolge dieser Nachricht nahm Isak Landesmann eiligst seine beiden Kinder, schickte sie noch in derselben Nacht heimlich fort, und zwar zu seinem Schwager, dem Rabbiner in Lieben bei Prag, welcher die Kinder bei sich verborgen hielt und wo sie in der Religion ihrer Väter erzogen wurden. Der Geistliche aber Hess die Sache nicht auf sich beruhen, drang auf die Herausgabe beider Knaben, indem er angab :;da man nicht wüsste, weleher von beiden getauft sei, iso müssten, um jeden Zweifei zu heben, beide christlich erzogen und den Eltern abgenommen werden. Da aber der Vater den Aufenthaltsort der Kinder nicht anzeigte und das Bemühen der Behörden, den Aufenthaltsort der Kinder zu erfahren, vergeblich war, so wurde Isak Landesmann in!Haft gebracht, in den Kerker geworfen, mit Ketten belastet, in welchen er durch längere Zelt schmachten und leiden ■musste. Bald aber wurde diese traurige Geschichte bekannt, ׳und viele angesehene ■Männer verwendeten sich ■f ür Isak Landesmann, um ihn aus dem un verschulde teil Kerker zu befreien. Alle Bemühungen blieben anfangs vergeblich, bis fast alle jüdischen Gemeinden in Mähren sich der Sache annahmen und an den Stufen des Thrones •der hoohseliigen Maria Theresia ein Bittges'ueh niederlegten, in welchem das unverschuldete Schicksal des Isak Landesmann wahrheitsgemäss geschildert war. Und ׳diese Kaiserin, welche die huldvolle Güte ihres Stammvätern Rudolf nicht verlengnete und die doch bekanntlich der katholischen Religion im eifrigsten Sinne nachlebte, sie erkannte damals schon, in einer Zeit, im welcher noch ganz anders über Religicm;׳ang3׳legenheiten geurteilt wurde, als es jetzt der Fall ist, da^s dem Juden Isak Landesmann ein Unrecht widerfahren, er also gleich aus dein Kerker entlassen und Ü1׳m seine Kinder belassen werden sollen, welche er in seiner Familie seinem Glauben gemäss erziehen könne. Zugleich aber erschien ein Hofdekret, gemäss welchem allen, insbesondere aber den christlichen Hebammen, das heimliche Taufen oder Nottaufen jiidischer Kinder bei zu gewärtigenider Strafe aufs strengste untersagt und auch h/mzugefügt wurde, dass eine solche Taufe als ungültig zu betrachten sch- Dieses Gesetz, das in Oesterreich noch in voller Kraft besteht, erlaubt keinem Unmündigen, t:dd1 der Taufe 01111 e Bewilligung seiner Eltern oder Vormünder, und in welchem Falle diese Bewilligung den Behörden schriftlich vorgel-egt werden muss, zu unterziehen. Zwei ׳unserer glorreichen Monarchen hatten die Devise: Justitia fundamentum regni — sie waren die Nachkommen und Erben Rudolfs und Maria Theremens. ■Die beiden Knaben blieben fortan in Böhmer, wuchsen heran und gründetem Familien in Neuhidscliow und Tepliitz, wohingegen die anderen Fainilieninitglieder teils in Paditz verblieben, teils nach Wien iibersiiedelten. Isak Landesmann aber lebte noch lange Jahre ungestört und unbehelligt in PaHitz und es wurden ihm, nach seiner letztwilligen Anordnung, die Ketten, welche er im Kerker getragen, in sein Grab mitgegeben. Friede seiner Asche!!. Löwy, Med. Dr.“ M a A A n a a Rn gras und Erzeugung _ g . ־י XX \ T» g Ä Ä __!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschmarkt) Tel. 67-302 Schul5 ]7dzWarenhaus “״t“״1־ W W w w WWW ^WWWWWWWWW^W Prlzaafbtwahrttag ן0ן•■ Vertlehtr«■! lb«r 41• StnrnenMaat•