Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 51 (21.12.1923)
- Date
- 1923-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630049--1259-2632992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V. b. b. Universitätsbibliothek I., Franzensring ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, 11., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kü. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.500. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.40&; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217: f.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc 8c Co für Floren! 8c Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470L 2 ו¬ ■ cn Wien-Bratislava, 21. Dezember 1923 .ב״ה ויענזדפרעססבורג י״ג טבת תיפ״ד 9. Jahrrg. Burgfrieden. Als Gäste an der Kenessio Gedaulo nahmen drei Herren Rabbiner aus Amerika teil, welche erklärten, sie wären von einer Rabbinervereinitg.ung an Amerika entsandt worden, um die Besserung des Verhältnisses zwischen Aguda und •Misrachi anzubahnen. Nachdem den Herren Delegierten klargemacht worden war, dass sachlich an eine Einheitsfront nicht zu denken sei, kamen sie in feierlicher Form überein, dass die beiden Seiten die ihnen nahestehende Presse nach der Riehtung zu beeinflussen verbuchen würden, aass die sachlich unentbehrliche Polemik rein sachlich geführt werden sollte. Es ist gut, sich daran zu erinnern, gut und notwendig• Wir dürfen wohl für unser Organ das Zeugnis in Anspruch nehmen, dass es diesen Burgfrieden gewahrt hat, allerdings, wie wir jetzt konstatieren können, bleibt diese Abmachung eine einseitige. Wir bedauern es aufrichtig, dass die Herren, die auf die misrachistische Presse einen Einfluss nehmen zu können glaubten, sich darin getäuscht zu haben. Es ist Jfedder nach wie vor das Privilegium dieser Presse, die Aguda und die Arbeiten in dieser Organisation zum billigen Ziel, ihrer vergifteten Pfeile zu machen. Wir. möchten aber unsere Leser und unsere Gcsinnungsgenossen bitten, trotzdem unsererseits an dem Gedanken des Burgfriedens festha'lten zu wollen. Es würde der kindischen Entartung;unreifer Journalisten oder besser gesagt journalistisch unreifer Menschen zu viel Ehe angetan sein, wenn wir allwöchentlich ihre Entstellungen, sobgid sie persönlicher .Natur sind,., zu korrigieren versuchen wollten. Wenn wir ein Wort dagegen sagen, so geschieht es im Interesse der Misrachi selbst, denn, wie immer man zu dem Prinzip der Misrachi steht,-es ist doch ein Gedanke und Gedanken sollten nicht zum Tummelplatz von Ungezogenheiten gemacht werden. Wir wissen auch andererseits, dass unsere Zeit für theoretische Auseinandersetzungen im Augenblick nicht geeignet ist. Nur dagegen erheben wir Protest, dass in einer misraohistischen Zeitschrift der allmächtige Schöpfer und Herr der Welt als eine Art Nationalg-tt dargestellt wird. Das ist eine Verirrung, die uns doppelt schmerzt, weil es das Judentum seines Heiligsten entkleidet. So weit musste es kommen, so weit sollte es nicht kommen. Es ist Sache der Führer der Misrachi, sich und ihre Gesinnungsgenossen von einer derartigen Verwirrung zu schützen. Bnei-Brak. Der Name klingt uns von der Hagadah angenehm in den Ohren .... die einstige Wirkungsstätte Rabbi Tarphons, Rabbi Akibas, Rabbi Eliesers . . . . Die Geschichte erzählt uns wie diese Gelehrten eines Sederabends in Bnei Brak sassen und so eifrig vom Auszuge aus Aegypten erzählten, dass sie gar nicht merkten, dass die Sonne aufgegangen ist ... . Unzählige Male ist die Sonne über Bnei Brak aufgegangen. Die grosse Lehrstätte ist nimmermehr und durch nahezu zwei Jahrtausende hören wir nichts mehr von dieser Stadt im Nachalas Don. Doch wie diese ist das ganze heilige Land nicht bloss historischer Boden, denn zu sehr ist jüdisches Sehnen und jüdisches Hoffen in ihm verankert. Einst wird auch Bnei Brak den alten Glanz erreichen. Es lebt in uns, kann, gleich Jerusalem, nicht wie die rechte Hand vergessen werden. Ein kurzer Blick auf die Landkarte belehrt uns, dass ■es auf der Strasse Jaffa—Jerusalem liegt, die Eisenbahn vorbeiführt, und das Ruttenberg’sche Elektrizitätswerk sich dort befindet. Kenner des Landes schildern die landschaftlichen Schönheiten der Gegend und nicht zuletzt die vorzügliche Beschaffenheit des Bodens für Ackerbau und Viehzucht. Die Palästina-Weltzentrale der Agudas Jisroel verfügt bekanntlich über ausgezeichnete Nationalökonomen, die einstimmig Bnei Brak als das geeignetste Kolonisationsgebiet klassifizierten. Es entspricht vermöge seiner glücklichen Lage allen Grundbedingungen, die theoretisch das Äipbrbliihen einer Kolonie gewährleisten. Sein vorzüglicher Ackerboden, wie er nur selten in Palästina zu finden ist, kann bei fachmännischer Bearbeitung die schönsten Produkte einer Musterlandwirtschaft in allerkürzester Zeit liefern. Saftige Weiden geben der Viehzucht unschätzbare Chancen. Das Ruttenberg’sche Elektrizitätswerk in der Nach- *־ barschaft, gute Eisenbahnverbindungen sowie die geringe Entfernung vom Meere sichern industriellen Unternehmungen verlässliche und billige Kommunikationen bei Beschaffung von Rohmaterialien und Verfrachtung der Fabrikate. Die gleichen Vorteile blühen naturgemäss dem Handel, der nicht bloss den Absatz den industriellen und agrikulturellen Erzeugnisse an sich! zu reissen vermag, sondern sich auch einen vornehmen Platz in der Entwicklungsgeschichte Palästinas als kommerzieller Umschlagsplatz zwischen Ost and West, zu erobern Gelegenheit hat. Unter diesen glänzenden Voraussetzungen ist das Entstehen und Gedeihen einer solcherart gewissennassen künstlich gepflanzten Stadt nur mehr Fragen von Planmässigkeit und Energie. Die juridischen Vorarbeiten sind bereits erledigt. Die Proponenten haben die Gesellschaft unter dem Titel Baiith Wenachaloh registriert und eine Reihe wichtiger Vorträge mit Behörden und Privaten geschlossen. Ein grosser Landkomplex wurde angekauft und noch weitere Gebiete wurden durch Optionsrecht sichergestellt. Jeder Landesorganisation istdurch Vermittlung der Palästina-Weltzentrale der Agudas Jisroel die Möglichkeit zu tätigem Mitaufbau erschlossen worden. Die vorzuschlagen. Die Slowakei hat bereits ihre Tätigkeit begonnen und verzeichnet mit Stolz ihre ersten Erfolge. Die Zeichnung für die österreichische Gruppe wird jetzt in Angriff genommen und es müssen in fünf Wochen die ersten 2000 ägyptische Pfund bereits bestätigt sein, damit das Optionsrecht zu den. ermässigten Verkaufsbedingungen der vorderhand für Oesterreich in Aussicht genommenen 250 Dunam Boden . verwertet werden können. Doch neben dem praktischen Moment spielt auch die . > v tschechoslowakische und selbstverständlich auch die österreichische Palästinazentrale hat die Gelegenheit dicht unbenützt gelassen, nn* jedem dieser Länder die Gründung einer eigenen Ein Nachtrag zum ״Mortarafall im 18. Jahrhundert“. Die auf Grund von behördlichen Protokollen, zahlreichen Famiiienbriefen und Familientraditionen verfasste Studie über einen ״Mortarafall im 18. Jahrhundert“, der sich in Oesterreich abspielte, hat, wie uns zahlreiche Zuschriften ׳bezeugen, das lebhafte 111teresse unserer Leser erregt. In einer dieser Zuschriften wird ai. a. auch darauf hingewiesen, dass nicht nur die vier Söhne lsak Landesmanns — insbesondere die zwei ältesten Jeremias und Markus — angesehene Taludgeleihrte waren, sondern dass auch ein weibliebes Mitglied dieser Familie durch grosse Bibel- und Talmudkenntnis berühmt gewesen. Es war dies die Gattin des Jeremias Landesmann, Juditha, geh. Gomperz, die talmudischen Diskussionen nicht nur felgen, sondern an ihnen auch teilzunehmen vermochte. — Von einem Freunde unseres Blattes wird uns die Abschrift eines Artikels zur Verfügung gestellt, den vor 65 Jahren anlässlich des sensationellen Mortara-Falles in Bologna ein Urenkel Lsak Landesmanns, der Dr• rned. I. L ö w y, in einer Zeitschrift veröffentlichte. Der Artikel enthält neben vielen Ungenauigkeiten, die bei der Unkenntnis des damals noch unveröffentlichten Aktenmaterials begreiflich sind, auch manches interessante Detail und eine Version über die Entstehungsgeischichte des Pullitzer Falles, die wohl den neuerlichen Abdruck dieser Mitteilungen rechtfertigen. Die schlichte Darlegung aus der Feder des Urenkels des Märtyrers von Pullitz lautet: ״Ein Artikel ״Die unglückliche Familie Mortara in Bologna“ gibt mir Veranlassung, einen ähnlichen Fall, der sich in meiner eigenen Familie vor u n g efähr 100 Jahren zugetragen und welch hochherzigen Bescheid die Kaiserin Maria Theresia erteilt hat, rmitzuteilen. Im Marktflecken Pullitz in Mähren, Znaimer Kreis, hatte lsak Landesmann die Branntweinbrennerei, Pottaschesiederei!und Gerbhaus zum Eigentüm erhalten. Als rechtlicher und gebildeter Mann stand er sowie seine Gattin in hoher Gunst bei der Obrigkeit, bei dem Grafen B. und hatte das Glück, von den einzelnen Mitgliedern der gräflichen Familie besucht zu werden. Diese Besuche kamen oft ganz unvermutet und zu unbestimmter Zeit; oft ganz ohne Absicht im Vorbeigehen oder um kleine Einkäufe zu machen und Aufträge zu geben. Aus dem ganzen Benehmen der gräflichen Familie war zu erkennen, dass sie ihrem Schutzjuden sehr zugetan sei und ihm ihre Liebe und Achtung zuwende. lsak Landesmann und seine Familie war auch bei seinen Stamrnesgenossen, weil er nicht allein reich, sondern auch gelehrt, fromm und -- ------. -7. ״״SXfJ V : wohltätig war und im Marktflecken Rullitzeine Synagoge auf eigene Konten erbaut hatte, be־; kannt, beliebt und geehrt. Diese Synagoge schenkte;; Landesmann der Jiudengemednde mit der einzigen. Bedingung ganz m eigen, dass, solange ein Landesmannschen Familie in Pullitz lebe, jedem ein-, zelnen ein Sitz Vorbehalten!bleibe- . lsak Landesmann hatte mehrere Ktadej£t,:$hj&1j.״ anderen zwei Knaben, M. und L., welche im Altcrniejht sehr verschieden voneinandr waren. Diese Knaben erkrankten gleichzeitig sehr schwer und setzten die Familie in grosse, Betrübnis. Die Kunde der Erkrankung dieser Kinder gelangte auch in das gräfliche Haus, weiches an dem Kummer der ihnen liebgewpr־. denen jüdischen Familie den herzlichsten Anteil näjjm,. Wie gewöhnlich kam ein oder das andere Mi׳tgl׳iedydes; gräflichen Hauses in die Wohnung des Schutäluderir ohne dass für den ersten Augenblick ddssen Gegenfr. wart wahrgenommen wurde, weil die Eltern^ttdeP?. weitig im Branntwein-, Gerb- oder Pottasoheh^^^^; schäftigt waren. So geschah es auch, dass eines Fräuleins aus der gräflichen י Familie kranken Kindern unbeachtet geblieben war. Bald darauf erlangten die Knaben zur Freude ihrer Eltern ihre Gesundheit wieder. . Nach Verlauf von mehreren Jahren erkra ein Fräulein aus׳ dem gräflichen Hause und Hoffnung zur Genesung dieser Kranken i A Die grösste internationale Kunstwerkstätte für ־ m SCliin Perücken, Scheitel und Cransformation ■ / ■ ■ ■ €« gros — ett detail / Blllfasfe CinRauffguelle / Die fiersfei ihm aus aarattt. daueraeweiuem.ßili Wien T. Kärnfnming Hr. 6 (gegeniber dem Botel Bristol), Cef. 5l62־*3״ ett detail / Billigste ClnRautsguelle / Die Berste! uug aus garant, flauergeiyeHKffl EleKrt seit wehr als anderthalb :Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücke■;! I» Brant-Schelteln. Diese werden der midchenfrisnr mit verblüffender tänschung naebflemaebt., Um vor Trretahrnnfl zu scbfitxen, bitte den Uornamen OTHMßft und die Hdresse genau *u beachten! -fr