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Jüdische Presse · 1923-12-14 · 50 (14.12.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
50 (14.12.1923)
Date
1923-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 394 JÜDISCHE PRESSE Nr. 60 Die Not der deutschen Juden. Eilte halbe Milliarde überschritten! Wien. Die vom ״Jüdischen H i 1 f s w e r k“ der Agudas Jisroel ins Leben gerufene Hilfsaktion für die notleidenden deutschen Juden hat in ihren Sammlungen eine halbe Milliarde überschritten! Diese Tatsache muss besonders hervorgehoben werden, weiil sie uns als Beiweis gilt, dass die Orthodoxie in allen Ländern und besonders in der Slowakei und in Oesterreich vollstes Verständnis für die Situation unserer Brüder in Deutschland hat und opferfreudigst die notwendige Hilfe gewährte• Der Aufruf des ״Jüdischen Hilf swerk es“ der Agudas Jisroel hat bisnun sehr schöne Früchte getragen. Doch das Unglück ist gross. Die Lage in Deutschland ist trauriger denn je. Täglich, ja stündlich wächst die Not. Existenzen gehen zugründe, Kinder ■Leiden!, geistiges und . materielles Gut verfällt. Der Weg, der schon beschritten, muss fortgesetzt werden bis zu seinem Ziele: Deutschlands Judentum die grosse Not nicht so schrecklich fühlen zu lassen! Kinderaktion. An alle jüdischen Familien, die bis heute noch kein deutsches Kind zu Gaste haben, ergeht d!i׳e Bitte, sich ■mit dem Sekretariat des ״J üd i s c h e n H i 1 f s w ׳e r k“ der A g u 1d a s Jisroel, Wien, II., M a 12 ׳g a s s e 12 a, i n Verbind u 11 g zu setzen, da in den nächsten Tagen weitere Kindertransporte aus Deutschland eintreffen. Die amerikanische Hilfe und die Judenhetze in Deutschland. Berlin.!Aus •New York, am 3. Dezember ist soeben der ■folgende Fumkspruc'h eimgetroffen:!Das Mitglied des Kongresses!P-elLer lh!a!f erklärt, dass 1er mit (Rücksicht aiuf Berichte, wonaiah!einige!Leute in Deutschland sich empörende Verbrechen!gegen ׳unschuldige Juden hätten zuschulden׳ kommen lassen־,!die Einbringung der gerne LnsaJmen Resolution aufsahiieberi ׳würde׳, durah ׳dlie 135 Mil- Honen Dollar zur Unterstützung ׳der Bevölkerung Deutschlands bewilligt werden1 sollten. Ein Schritt der englischen Regierung in München. München. (J. T. Ä.);Wie!der Sonderberichterstatter der J. T. A.!aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat nunimieHir!auch dlüe englische!Regierung Vorstellungen wegen der Judenauswielsungen׳!erhoben, Siie 11a!t!auf Grund der Uhr izogegainigenien ,Beschwerden lin München ׳Erkundigungen eürgeizo'gen und' de!r bayerischen Regierung imitteilen lassen׳, siie!wolle ■mit Rücksicht!darauf, dass keim englischer Untertan iausgewiile'sen Ist, (keinen formiellen ׳Protest er-!heben׳, halte!es aber für :ihre Pflicht,!die Aufmerkisamikeit der bayerischen (Regierung a׳uf ׳dien! ׳ausserordentlich schlechten׳ Eindruck, den die Vorgänge machen, ■zu lenken. ,Judenausweisungen aus bayerischen Provinzstädten. München. (J. T. A.) Wie dem Sonde,rbe:r.ich׳terstat׳t׳eT der J. T. A. ׳aus gut orientierter Quelle!miitgeteilt wird, slind lim Gegensatz!zu •München, wo ׳die Auswelsungs- Praxis;in!den letzten Tagen anscheinend ׳eine ׳Milderung erfahren ׳hat,!in!einigen Provinizstädten ׳neue Ausweisungen erfolgt. So rv\״,ird über eine Reihe «zum T׳effi sdbsohtt ungerechtfertigter Airs Weisungen aus Nürnberg berichtet. Aus anderen bayerischen Orten sind sechs poim$cl>e Familien ansgeiwrtesen worden. Reichskanzler Marx und die Judenhetze. Berlin. (J. T. A.) Das ׳Organ der!deutschnationalen Volksipartei ״Deutsahe Tageszeitung“!hatte in den Tagen der Kabine ttsneubilidung gegen den!jetzigen Reichskanzler Dr.!Marx schwere persönliche Angriffe gedichtet und u. a. gesdhdieben׳, diaiss Dr. Marx zu denjenigen Zemtnumsfühnern gehört, die ,besonderen Wert auf freundliche Beziehungen izum Jtudemtum!legen“. ״Und!ist es reiner Zufall“ schrieb das deu'bsahnatiio'nale Organ, Jdaiss Demokratie und Zentrum sich gerade so ׳hartnäckig unld entschieden) für 1Her!m Severimg Einsetzen, der wiederum in seiner ganzen ministeidielilen Umgebung eine solche Vorillelbe für das jüdische Element betätigt, wiie zurzeit wenigstens kein anderer Minister in Deutschland?“ Auf!diese Ausfälle antwortet ׳dlie letzte׳ Nummer des Berliner Zentnuimsangaihs ״Germania“, das deutschnatitofnaile Organ wiefes seinen Aengeri, dite Blamage und moralische Niederlage der Deutschnatiomalern, dienen ׳dlie Zerschlagung der preussisChen Koalition und diie Aufrichtung!eines!Regimes!in ׳PrCussen nach ihrer Fasson misslungen ist, nicht anders tzu bemänteln;, ,als den!antisemitischen Lappen! zu schwenken und Marx zu d׳emjen!igen Zemtmmisifübreru zu rechnen,!dSe besonderen Wert auf freumdlliiahe Beziehungen zum Judentum legen. Diese ״freundlichen! Beziehungen“ bestehen darin, dass Marx sich immer gegen den verhetzenden׳ Antisemitismus gewandt hat und׳ igeleigemtliich den Leuten, die damit politische Geschäfte treiben wollen!, auf dlid Finger klopfte. Die Ablehnung!des Antisemitismus durch das Zentrum entspricht dam Ohiaräkter unserer Partei׳, deren׳ christliche Grundtendenz )keinen׳ Rassen- oder Reifgüamshiass kennt. Wenn daraus!eine nichtsnutzige Agitation i׳n ׳durchsichtiger Absicht ״freundliche Beziehungen ׳zum Judentum“ rmaah't, so kann uns dass weder von unserer (Haltung abbringen, mbdh ddvou abhalben׳, die Urheber solcher Agiitatiionsmiethode so ׳zu brandmarken!, wie siie e!s verdienen.“ lebensmittelliilfe fiir Deuiscliland der flgudas ]isrosl. Zur Versendung gelangen folgende Pakettypen: (Die Preise der Pakete verstehen sich inkl. Porto, Verpackung, Expedition und Transportversicherung gegen alle Schäden.) Paket IV (6 Kg.) K 77.000 1 kg raffinierter Zucker 1 * koscher Kunerol 1 ״ Vollreis */* » HülsenfrUchte V* n Kakao Va ״ ungebrannter Kaffee Paket V (5 Kg.) K 104.000 1V8 kg raffinierter Zucker 172 ״ koscher Kunerol */t מ Vollreis Vg ת Kakao *4 ״ ungebrannter Kaffee Paket VI (10 Kg.) K 144.000 2 kg raffinierter Zucker 2 ״ koscher Kunerol *4 ״ ungebrannter Kaffee % ״ Kakao 2 ״ Vollreis 2 ff Weizenmehl 11NF'־ Bestellungen auf diese Pakete werden Stf entgegengenommen und Auskünfte erteilt heim Generalsekretariat des ״Ilicllscheii *׳^NB MT Hllfawerk“, Wien, II. Bezirk, Malz- SßF" gasse Nr. 12 a, Telephon Nr. 49-0-54. Spemfenauiweis. (Fortsetzung.) Allgemeine Speftdeu. Sammlung durch eine Kami&eedame ׳K 370.0$()5״&, Frau Regln e ׳Morliflz K 20.000, Jäiger durch Heturich Flefechmamin K 10.000, Hermann Befteilheim dttnc'1 M.!Salzer tsch. K 25, Frau ■Lisa׳ Popper, ,Braiflsfäva. (sch. K 200. Summe der Spenden ö. K 37,530.000, tsCh. K 326. Kinderaktion. Sammlung Frl. ׳Margarete und ■Hedwig Pbftak K 90.000. Max Salzer K 26.000. Summe der Spenden ö. K 116.000. Lebensmittelpakete. Durch Landesorganisation der Agttdas Jüisrotab Bratislava, K 110,250.000. Summe der Pakete ö. K 1(\250.000. Gesamtsumme der Spenidfen: österr. K 518,128.344. Osterzucker. Die V6lk6 Surdnyer Zuckerfabrik und Raffinerie A.-O., Velkä Suräny, erzeugt auch heuer raffinierten Osterkristallzucker in Säeken und Kartons unter persönlicher Aufsicht des Suränyer Oberrabbiners M. Frey. Genannte Fabrik erzeugt seit mehr als &0 Jahren Osterware, und zwar unter strenger Beobachtung der Seinerzeit durch Oberrabbiner Ph. Plauth s. A. eiD geführten rituellen Vor- Schriften. Bestellungen werden durch die hiezu autorisierten Agenten der Suränyer Zuckerfabrik und auch durch die Fabrik direkt entgegengenommen. SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformationen in feinster 11. modernster Ausführung \ DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. 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Laut Zeitnngsmeldungen! ■ist dile ■durah!!dlie skanidalösen Vorfälle äussetrst ׳enregbe Jugend!der Warschauer Orthodoxie dm •die Räume ׳dleir Gemelndesbiifbe gewaltsam etinigedJruugen, wobei es (zu lelinem regelrechten Kampfe kam,!in dessen Verlaufe ׳di׳e Oem׳e׳i ndegewalbige ni übel miit!־ genommen wurden, ׳die Einrichtung ׳der Aernber ׳kurz- und kleingeschlagen wurde. Die Demonstration wurde trotz Einschreitens ׳der Polizei!auf ׳der!Strasse fortgesetzt. Grund׳ dieser Ausschreibung w!ar •der ׳Beschluss ׳des Gemeiindle- ,vostandes, ׳der izum Bau eines ׳Heimes für Studenten beiderlei Geahlechbes ihn Hofe einer Synagoge seine Zu- ®timmiumig und seine Unterstützung gewährt (hatte. Wenn man zu solchen Naiahriiahten Stellung!nimmt, so pflegt man In Zeitungsartikeln und iln öffentlichen Aus-praohen vor allem dem Bedauern Ausdruck zu geben, ׳das jeder ׳Kulturmensch fempfintden muss, wenn man von ׳derartigen Ausschreitungen ihöriti. Sollten «doch ©eiistige Gegensätze mit geistigen Waffen und nicht ■mit ׳der Faust •ausge tragen werden! So schön und hoahikuilbiviert eine solche Aeusserung ist, können wir doch unsere Meinung!nicht unterschlagen, selbst!auf ׳dlie Gefahr hfln, ׳dass man ׳uns ׳den Ehrentttlel: Kulturmenschen, äbsprechen wind. Uns that diese Nachricht von!der Aus- Schreibung!der orthodoxen Jugend!in Warschau!überaus sympathisch berührt. Es wurden in ums Eindrücke lebendig, dlie wir bei der!Lektüre der jüdischen Geschichte lin ׳unserer Jugend gewonnen haben. Einst hat ׳man gegen einen jüdischen König, der sich gegen die religiöse Vorschrift verging, imiBt Esrogim!demonstriert,!und zwar!im Heilig-!tum selbst. Dann daahiten wir ׳an die Schüler Rahbü Akibas, idle ׳den Feind mit!Ihren! Griffeln Zurückschlagen1 wollten. Dies!sind Eruptionen der ׳jüdischen Jugend, die sich!im Dienste der .väterlichen ׳Tradülion gegen d.׳i׳e Feinde derselben ׳wendet. Lange, lange Zeiiit haben׳ wiir nichts von dieser jüdischen׳ Jugend nichts gewusst( lim Mittelalter äst selten jemand öffentlich gegen ׳die!Tradition auifgetreteif.!In der Neu- »eit ׳wiederum hat die Jungend׳ f üridie Tradition •nicht ivläel übrig gehabt, vielmehr setzte!siie stahl ln Gegensatz zu der alten Generation und!alben Tradition.. Erst seit!einigen׳ Jahren!, iln unverkennbareim!Zusammenhänge m:Bt ׳der Agudabewiegu ng, können ׳wir wiederum von!elrner Jugend׳ sprechen,!die!ihrer Pflicht!der jüdischen Tradition gegen- •über, bewusst Ist Diese Jugend Ist!ehrlich und begeisterungsfähig, sie kennt!noch!nicht die Schliche ׳der Diplomatliie und ׳Abgründe der Politik. Sie 1empfi'ndet daher doppelt!die Peitschenhiebe, mit ׳dienen ׳Ihr Ideal, das religiöse Judentum, ׳van den ׳anderen behandelt wird. Es!ist in ׳den jüngsten Jahrzehnten fast ׳Regel geworden, dass selbst am!der ׳Spitze von Gemeinden, deren überwiegende Majoritat streng relig.ios Ist, Männer stehen, die zum überlieferten Judenbum ׳gar keine Beziehungen haben oder!ihm ׳sogar feindlich ©egenübersitidhen. Und weil sie schon infolge dieses Umstandes anne'hmen durften!, dass die grosse Masse der ■Thorabreuen kein Empfinden für die!ihnen zugefügten Kränkungen hat, glaubten sie sich alles erlauben m ׳dürfen׳. Glücklicherweise hat sltah!diese ׳thoratreue JudenhCit aus Ihrem Schlafe erw׳eok׳en lassen. Sie hat eine Jugend, die ׳im ehrlichen Ringen für die!׳deale ׳der Alte» ׳einbritt und an 1j׳ede Handlung!gegen׳ ׳das jüdische Gesetz und' gegen ׳die geheiligte Tradition ,als!einen Peitschenhieb empffimdetl, dler falls ׳er von!jüdischer Seite (kommt, doppelt schmerzt, ln Warschau saheiiint Aelmltahes vorgefalllen z!u sein iiimid wenn!auch die Ausschreitung!der .Jugend: nicht als Cime Kulturtat bezeichnet wrden kann, so ׳wollen!war l׳n dieser, wienn a׳u׳dh e׳twa׳s ׳derben Demonstration eü« kulturhistorisches ׳Zeichen ׳des Erwachens der;thorabreuen Jugend erblicken. Diese ׳bhorateue Jugend! arbeitet und 1lernt, sie!erblickt!dlie geistige Helmstätbe!des ׳jüdischen Volkes!im Bebh Hamidirasdh. (M'erkt sie, ׳dass ׳die auf Irr- 1wege ׳gratenen Gemeind/egewailtigen, statt dieses Belli Haanidrasch ein Stu׳dentenh׳e1im, ln dem!das System der Kocduaation bis ■zum Exzesse getrieben!werden soll,!m den Höfen!der!Synagogen!errichten wotflet^, s!0 führt sie den schlagenden Beweis,!dass ׳sie irtiaht gewillt ׳ist, so offenkundige Kränkungen des ithoraifcreuen Judentums uogerächt gesch׳öhen zu lassen. Sie Woche. London. Wie der Sekretär des Italieniischen Hospitals ln London ׳Dr. Ugo Antona- Traversi ׳der Presse bekannt gibt,!hat der •in Rom!ansässige junge jüdische Bakteriologe Dr. Leandro Tomarkin eiin Heilmittel gegen Lungenentzündung erfunden. Dr. Autona׳-׳T׳r!aversi erzählt: Als Papst Benedikt XV. jmi Sterben lag,!meldete sich eia junger Wissenschaftler aus der Schweiz!im Vatikan und wünschte die ׳den Papst׳ behandelnden Aerzte zu sprechen. Er sagte, er ׳besitze •ein Heilmittel gegen die Lungenenbzüudüng und hoffe, den Papst heilen zu können. Es war Dieses Jahr ist ein S c h m i 11 o j a h r! In Erez Isroel herrscht Wohnungsnot! All dies wird behoben, wenn Ihr für die Häuserbauanleihe der Gartenstadt 99 Neweh Isroel cs zeichnet! ZEICHNUNGEN NEHMEN ALLE ORTS- UND JUGENDGRUPPEN DER AGUDAS ISROEL ENTGEGEN!

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