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Jüdische Presse · 1923-12-14 · 50 (14.12.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
50 (14.12.1923)
Date
1923-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50 JÜDISCäB PRESSE Seite 303 Pelzbaas Armer & Omer Wien, II., Lassing-Leithnerplatz 3 (Taborstr. 17 b) Grösste Auswahl in Mäntel», Jacken und Füchsen. Fassonierungen nach neuesten Modellen in eigener Werkstätte. $ Reichhaltiges Lager in allen Arten Verbrämungsfellen. # Billige Preise, da kleine Begie. _Geschlossen שבת_ was Böses und Unangenehmes passierte und der letzte Umstand erfüllt einen mit Genugtuung. Apres nous le deluge — mag es in der Welt stürmen und brausen, wir erfahren es nicht, wenigstens nicht sofort und aufgewärmte Katastrophen sind nicht so schwer zu ertragen. Dann ist die. Möglichkeit zur Kombination mehr denn je vorhanden. In der Abgeschiedenheit, fern vom Getöse der Alltagsereignisse träumt es sich gut. Aus den letzten Nachrichten, die vor dem Streik Wien erreichten, lassen sich Kombinationen bilden, die durch den Mangel jedweder Korrektur durch die Wirklichkeit sehr schön sein können. So z. B. der Ausfall der englischen Wahlen. Die Phantasie des Zeitungslesers entwirft gleich auf dieses Ereignis hin schöne Traumbilder und glänzende Möglichkeiten. Da wird Baldwin demissionieren müssen, ein liberales Ministerium wird gebildet werden, das doch bestimmt (so die Phantasie des Zeitungslesers) von Frankreich gänzlich abrücken wird. Frankreich wird isoliert werden, in ihrer Verlassenheit werden die Politiker dieses Landes einsehen müssen, dass es auf dem bisherigen Weg nicht weiter geht, sie werden einlenken — Deutschland will sich au seinem Verfall erheben — die deutsche Valuta wird steigen — schon sieht sich der glückliche Besitzer von einigen hundert Billionen deutscher Mark als wirklichen Billionär, eitel Freude und Glück herrscht. Es kommen selige Zeiten. Es zahlt sich wahrlich aus, einige Tage keine neuen Drohreden Poincares lesen zu können, um aus der Unwissenheit heraus, so schöne Phantasien zu hegen. Doch alles wird ein Ende nehmen. So auch der Streik und enttäuscht wird man konstatieren können: es hat sich während dieser Tage wahrlich nichts geändert. Oder vielleicht gar feststellen, dass es schlechter geworden ist in der schönen Welt. Aber der Traum von der schönen Welt wurde geträumt und dies ist ein Gewinn. Doch den Ulk beiseite lassend, lässt sich eine solche Abgeschiedenheit loben. Bei uns Juden, deren Kräfte seit Jahrhunderten dezentralisiert, zersplittert, vergeudet und verschleudert wurden, wäre ein Zu rück ziehen der Gesamtheit auf eine zentrale jüdische Idee besonders wertvoll. Die klaffende Zerrissenheit des modernen jüdischen Individuums würde verschwinden. Es würde im wahren Sinne des Wortes ein Individuum, ein Unteilbares werden. Was diese Reserve und Begrenztheit schaffen kann, sehen wir, wenn wir die Berichte über die Tätigkeit des ״Jüdischen Hilfswerks“ der Agudas Jisroel zugunsten der Deutschlandhilfe lesen. Ein kleiner Ruck genügte, um auf diesem Gebiete grosse Erfolge zu erreichen. Binnen einigen Wochen wurde eine halbe Milliarde erreicht. Die Summe ist gross, wenn auch nicht gross genug, um die Not gänzlich zu beheben. Doch in der Tatsache, dass auf den Aufruf des ״Jüdischen Hilfswerks“ der Agudas mm₪m^m₪ama^₪ammmamma₪1mm₪mgmmamKmmmmm₪mamammammaaBmBaj1mw₪saam gehen׳ ׳konnte, ist klar. Goethe!hat wie ׳eine Zeile igeschrieben, die nicht iimreriliicbste.s Lehen 1gestalbe!t ihäbt'e, und er selbst hat es!ausgesprochen׳, dass seino Schöpfungen׳!nur ,,!Bruchsbücke ,einer (grossen!Konfession“ seiten. So!musste er!auch td'as ׳biöf9He Erlebnis, das ■für ׳ihn ■die Bibel beden bete, irgendwie dichterisch verarbeiten. Es ist bekannt, dass der *׳Prolog im!Himmel“ nichts anderes ,ist, als ׳eine didhterdisahe!Bearbeitung der Binganszewe׳!des Buches Hiob,!und daiss ׳Faust selber, der ewiig Suchende, ewig Friedlose;, deutlich Züge des Kobele-th trägt. Weniger ,be- Joarrmt aber und erst von!DeutschländeT lins rechte Licht ■gerückt, ׳ist die Tatsache, dass es ׳überhaupt kaum eine ^grössere!Dichtung Go׳eth!es ׳gibt, ln d!er nicht biblische Motive deutlich amkliimgen, ■ja!, dass manche schwierige Steile, die den Goebhiephilologeni schon!arges Kopfzerbrechen ׳verursacht hall, erst durch den Vergleich mit ■der biblischen ׳Paraletle richtig verstanden1 ׳wird. Besonders Interessant iist hierbei, dass Goethe sich ־zuweil!nicht an den!elrcfaiahen Wortsinn!der heiligen Sahriffit hält, sondern imberwiussä in!dichterischer Intuition!auch Gedanken׳ des Talmud und ׳Midrasch aus spricht. Die letzten Abschnitte von OeutscMändiers Buch beschaf'Ügen ׳sich mit Goethes Weltanschauung. Auch hier ׳ist der Einfluss der (Bibel!unverkennbar. Der Verfasser des vorliegenden׳!Buches we׳iss!überzeugend darzusstellenv iwiie Goethes Stellungnahme!zu ethischen und religio!nspfoilo sophisdie ni Problemen!häufig!aÜSüdfilscbes Gedankengut izugrunde liegt, so dass!man es wohl begreifen kamn, wenn siah Goethe 1einmal äusserte ״er verdanke seine ׳ganze sittliche Bildung der Bibel“ . . . Deutsöbiänders gedankentiefes und formvollendetes Buch wind sicherlich eiinen ,weiten Lesekreis finden. S.־r. GALERIE ZKOX/BIEIISr Inh.: LEOP. KOHN und FRITZ LUNZER I. Bes., Franz Josofs-Kai Nr. 41 / Telephon 65069 Ausstellung EDMUND PICK-M0R1N0 sowie Grosse Verkanfsausstellang alter und moderner Meister Geöffnet täglich (auch Sonntag) von 9 bis 6 Uhr. Samstag geschlossen. Kundmachung Beehre mich den p. t. Gästen bekanntzugeben, dass ich ab heute in meiner Restauration nebst vorzüglicher Küche auch erstklassige Selch■ uTW urstwaren aus der bestrenommierten Fabrik EISEN & HÖNIGSBER zu den kulantesten Preisen führe. Um zahlreichen Zuspruch bittet S. 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Schnäpse in allen besseren Feinkosthandlungen. 791 Engros: Wien, IX., Porzeilang. 64, Tel. 62-4-85. ^*a————יrnmm ■! •a apwa———a—■s Jisroel hin, von den höchsten Spitzen der jüdischen Orthodoxie angefangen, von den Grossrabbinern von Czortkow, Husiatyn, Kopyczynce, die emsig für die Aktion arbeiteten und selbst namhafte Beträge gespendet haben — bis zum kleinsten Mann, der auch ein Scherflein beitrug, auch ein deutsches Kind zu Gast haben will — liegt ein Beweis des Vorhandenseins einer gewaltigen moralischen und materiellen Kraft, die erzeugt werden kann, wenn die Potenzen der jüdischen Volksmasse auf die richtigen Bahnen und in die richtigen Grenzen gelenkt werden. Mag man wohl Amerikas Zurückziehung von den Interessen Europas im Interesse des Letzteren beklagen, Amerika gewinnt dadurch an Kraft, an innerer Stärke, die im entscheidenden Augenblicke auch nach aussen hin getragen werden kann. So wurde in unserer Zeit die Monroe-Doktrin, deren hundertjähriges Jubiläum eben jetzt in Amerika gefeiert wird, umgewendet. Nicht nur Amerika den Amerikanern, sondern auch nur amerikanische Interessen für amerikanische Menschen. Aehnliches wäre dem jüdischen Volke glühend zu wünschen. Wir brauchen Sammlung, innere und äussere, Zentralisation 11m eine grosse volkssammelnde Idee, damit wir in den Jahren, die kommen und die schwere Anforderungen an das jüdische Volk stellen werden ,in der Lage sind, denselben in vollstem Masse gerecht werden zu können. Sammlung, muss die Parole sein. Die Fahne, um die wir uns scharen sollen, harret und flattert, wie Jahrtausende schon, gegen unseren Himmel. Die zentrale Idee, um die wir uns in diesen Tagen sammeln müssen, ist die Idee, die am Sinai geschaffen wurde. —z. Vom Keren Hatauroh. Die Keren Hatauroh-Aktion in Wien. Wien. Der Aufruf der Zentrall׳eit׳un!g dies׳ Keren HalaurOih!hat i.n!Wien, wie ׳nicht anders zu erwarten ■war, starken Widerhall gefunden. Naahdiem Sr. Ehrw. Herr ׳Pherrabbiiniör ■Fürst i.n seiner Dferasdha in ■der ׳Schön-!!aiternschiul zur aifnilgen Mäturlbert aim Keren!!Hatauroh• aufgefordert hafte■, hat Sr. Eihrtw. auch in der Schabbos Chanuka ׳ln der Sohiffschul gehaltienen iDerascha des Keren liataoroh in ,eindringlichen Worten gedacht. ׳Auch!aus dien Bezirken! kommen! gleich erfreuliche ,Niacihrtohten1. Im 9. Bezirk hat Sr. Eh!r!w. Herr Rabbiner ,F Leise hm an n in Schabbos Chanu!k׳a-1Deras׳eha!zur!Mitarbeit!ermahnt. Unter dem Eindrücke dieser Rede hat sich ein Keren׳ Hatauroh-Komiitee für den 9. Bezirk gebildet, von dem bedeutende Erfolge z-u erwarten! sind. Zusammenschluss aller Jeschiwos in Litauen. Kowno. (,A. J.P.ß.) Die katastrophale La׳ge aller Thora- Lehrkräfte in Litauen: hat die Leiter derselben gezwungen, sämtliche Anstalten einem gemeinsamen Komitee zu unterwerfen, d!as die Beschaffung der Mittel, die den Fort- (bestand der Schulen sich zum!Ziele gesetzt hat. I!n einem gemeinsamen Aufrufe, der׳ ׳von sämtlichen Autoritäten dies litaulsclien Judentums unterfertigt ist, wendet sich dieses Komitee an das jüdische Volk ln der׳ ■ganzen Welt, ,den Keren (Hatauroh ■mit allen Kräften zu!unterstütizerf״ da ־im Florieren dieser׳ Institution ׳die Gdwähr liegt, dass!die grosse Katastrophe, ■die ׳in der Schliessung der Schallen liegt, abgetwendet ,werden kann. Die Aktion des Keren Hatauroh. Wien. (A. J. P. B.) Im Verlaufe der Chanukaaktion des Keren Hatauroh haben die Mitglieder der Adas Jisroel (Schiiffschul) 2 Millionen Kronen für Keren Hatauroh gespendet. MÖBEL - SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE״ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. 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